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Kundenrezension

19 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schuster, bleib bei deinen Leisten!, 7. März 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Taschenbuch)
Der Schwung von popularwissenschaftlichen Büchern ist ja im Moment in vollem Gange. Umso interessanter, dass dieses Mal ein Buch erscheint, was tatsächlich von einem renommierten Wissenschaftler kommt. Genügend Schund ist ja bereits auf dem Markt. Nun ist dieses Buch seit einigen Monaten schon in den Bestsellerlisten. Grund genug für mich, endlich mal reinzuschauen.
Ich habe beim ersten Aufschlagen vor einiger Zeit schonmal verwundert die Augen über sein Anfangsstatement "Die Philosophie ist tot" gerieben. Aha, einer der nicht lange um den heißen Brei redet und zur Sache kommt - sage ich, wenn ich es gut mit ihm meine. Ich habe jetzt die ersten drei Kapitel gelesen und schmunzle ein wenig: Was er betreibt ist selbst reinste Trivialphilosophie im Gebiet der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie (nicht weit von dem Entfernt, womit sich die Transzendentalphilosophie beschäftigt). Seine These, es bräuchte einen neuen Entwurf nach der Methode des "modellabhängigen Realismus" (S.44) scheint ja ziemlich innovativ zu sein: Ihm gelingt es zumindest für Unwissende als der intelligente Retter aus der misslichen Lage zwischen naiven Realisten und negierenden Antirealisten aufzutreten. Was er dabei nicht erwähnt: Eine solche situations- und motivbezogene Poly-Methodik arbeitete schon vor fast 200 Jahren... Hegel(!) aus. wer? oh, ja richtig: ein Philosoph des 19. Jahrhunderts. Ganze zwei Jahrhunderte bevor er (Hawking) als Lichtbringer des großen neuen Entwurfes auf die Bildfläche der Bestseller auftritt. Das ist kein Einzelfall in seiner Darstellung: Schon auf Seite 12, wo er die Krise der empirischen Urteilskraft aufstellt, nennt er die Zeitenwende "den Anbruch der modernen Physik". Tatsächlich war es Ende des 18. Jahrhunderts in dem durch Kant(!) die s.g. Kleist-Krise ausbrach: Sie behandelt das Problem des Subjektivismus - grob: wie wird aus einer subjektiven Aussage ein Urteil über eine Sache oder eine Beobachtung.

Was mir in den drei Kapitel entgegenkommt ist nicht einer der größten Köpfe des 20. und 21. Jahrhundert (welcher er wohl unbestritten ist; ich kann da nur seinem Ruf vertrauen, da ich selbst keine Ahnung von Physik habe). In diesen 50 Seiten kommt mir ein Autor entgegen, welcher entweder von den wichtigsten Philosophen der Neuzeit nicht die leiseste Ahnung hat (was mich sehr erschüttern würde), oder einer, der bewusst eine solche Antinomie von Physik und Philosophie aufstellen will, welche nicht der Wahrheit als solcher dienlich sein kann, sondern nur der Profilierung auf polemischer Ebene. Alles in allem strotzen diese ersten Seiten von einer Arroganz, wie man sie sonst vielleicht von authoritärsten Instanzen aus Rom kennt, welche von ihm selbst mehr als einmal diesen Vorwurf zu hören bekommen. Die wenigsten wirklich intelligenten Autoren haben mit lautem Getöse für Aufsehen gesorgt, sondern durch inhaltliche Präzision und scharfsinnige wie auch genaue Beobachtung gepunktet.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.05.2012 16:05:33 GMT+02:00
E. B. meint:
Absolut!! Kann ich nur zustimmen. Auch mir ist der Satz "Die Philosophie ist tot" SOFORT ins Auge gerutscht - insbesondere weil die Autoren des Buchs gewissermaßen selber philosophieren !?!

Veröffentlicht am 17.02.2014 00:50:43 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.02.2014 00:52:23 GMT+01:00
K. Heidrich meint:
Hallo malaek, halten Sie sich lieber an das, was Ihnen beim Lesen des Buches aufgefallen ist, statt in das Horn derjenigen Laien zu blasen, dass Hawking zu den "größten Köpfen des 20. und 21. Jahrhunderts" gehört. Sie verwechseln hier den Bekanntheitsgrad, den Hawking in der Allgemeinheit erzielte (gerade auch wegen seiner enormen Behinderung) mit seiner tatsächlichen geistigen Leistungsfähigkeit bzw. seinem Nutzen für die Physik (worauf ich hier allerdings nicht näher eingehe).

Dass Sie Hawking durch die Kant'sche Brille sehen und verurteilen, konnte ich Ihnen eher nachsehen als die unter Laien nicht auszuräumende Behauptung, dass Hawking ein Genie sei. Versuchen sie also, Hawking näherungsweise realistischer zu sehen. Möglicherweise gelingt Ihnen dies irgendwann einmal auch bei Kant. Trotz Ihrer kant-gläubigen Argumentation habe ich Ihre Rezension als "hilfreich" eingestuft, denn der Überhang der positiv ausgefallenen Rezensionen (durch Leute, die nun überhaupt nichts mitkriegen sondern sich nur am "nicht tot zu kriegenden" Image von Hawking als Fan hochzuziehen versuchen), perpetuiert diese Hawking-Gläubigkeit der Öffentlichkeit. Und zwar bei recht vielen genau nach dem Muster, wie sich auch Fußball-Fanclubs verhalten. Sie halten zu Ihrem Verein und wollen ihn siegen sehen. Aber Hawking hat innerhalb der Sackgasse der derzeitigen Entwicklung der Physik nur noch einmal seine eigene Sackgasse eingerichtet. Zutreffender gesagt, versucht er aus abgedroschenen Argumenten ein neues Gesöff zu brauen, an dem er sich berauscht.
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