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Kundenrezension

23 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schuster, bleib bei deinen Leisten!, 7. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Taschenbuch)
Der Schwung von popularwissenschaftlichen Büchern ist ja im Moment in vollem Gange. Umso interessanter, dass dieses Mal ein Buch erscheint, was tatsächlich von einem renommierten Wissenschaftler kommt. Genügend Schund ist ja bereits auf dem Markt. Nun ist dieses Buch seit einigen Monaten schon in den Bestsellerlisten. Grund genug für mich, endlich mal reinzuschauen.
Ich habe beim ersten Aufschlagen vor einiger Zeit schonmal verwundert die Augen über sein Anfangsstatement "Die Philosophie ist tot" gerieben. Aha, einer der nicht lange um den heißen Brei redet und zur Sache kommt - sage ich, wenn ich es gut mit ihm meine. Ich habe jetzt die ersten drei Kapitel gelesen und schmunzle ein wenig: Was er betreibt ist selbst reinste Trivialphilosophie im Gebiet der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie (nicht weit von dem Entfernt, womit sich die Transzendentalphilosophie beschäftigt). Seine These, es bräuchte einen neuen Entwurf nach der Methode des "modellabhängigen Realismus" (S.44) scheint ja ziemlich innovativ zu sein: Ihm gelingt es zumindest für Unwissende als der intelligente Retter aus der misslichen Lage zwischen naiven Realisten und negierenden Antirealisten aufzutreten. Was er dabei nicht erwähnt: Eine solche situations- und motivbezogene Poly-Methodik arbeitete schon vor fast 200 Jahren... Hegel(!) aus. wer? oh, ja richtig: ein Philosoph des 19. Jahrhunderts. Ganze zwei Jahrhunderte bevor er (Hawking) als Lichtbringer des großen neuen Entwurfes auf die Bildfläche der Bestseller auftritt. Das ist kein Einzelfall in seiner Darstellung: Schon auf Seite 12, wo er die Krise der empirischen Urteilskraft aufstellt, nennt er die Zeitenwende "den Anbruch der modernen Physik". Tatsächlich war es Ende des 18. Jahrhunderts in dem durch Kant(!) die s.g. Kleist-Krise ausbrach: Sie behandelt das Problem des Subjektivismus - grob: wie wird aus einer subjektiven Aussage ein Urteil über eine Sache oder eine Beobachtung.

Was mir in den drei Kapitel entgegenkommt ist nicht einer der größten Köpfe des 20. und 21. Jahrhundert (welcher er wohl unbestritten ist; ich kann da nur seinem Ruf vertrauen, da ich selbst keine Ahnung von Physik habe). In diesen 50 Seiten kommt mir ein Autor entgegen, welcher entweder von den wichtigsten Philosophen der Neuzeit nicht die leiseste Ahnung hat (was mich sehr erschüttern würde), oder einer, der bewusst eine solche Antinomie von Physik und Philosophie aufstellen will, welche nicht der Wahrheit als solcher dienlich sein kann, sondern nur der Profilierung auf polemischer Ebene. Alles in allem strotzen diese ersten Seiten von einer Arroganz, wie man sie sonst vielleicht von authoritärsten Instanzen aus Rom kennt, welche von ihm selbst mehr als einmal diesen Vorwurf zu hören bekommen. Die wenigsten wirklich intelligenten Autoren haben mit lautem Getöse für Aufsehen gesorgt, sondern durch inhaltliche Präzision und scharfsinnige wie auch genaue Beobachtung gepunktet.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.05.2012 16:05:33 GMT+02:00
E. B. meint:
Absolut!! Kann ich nur zustimmen. Auch mir ist der Satz "Die Philosophie ist tot" SOFORT ins Auge gerutscht - insbesondere weil die Autoren des Buchs gewissermaßen selber philosophieren !?!

Veröffentlicht am 17.02.2014 00:50:43 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.02.2014 00:52:23 GMT+01:00
K.H. meint:
Hallo malaek, halten Sie sich lieber an das, was Ihnen beim Lesen des Buches aufgefallen ist, statt in das Horn derjenigen Laien zu blasen, dass Hawking zu den "größten Köpfen des 20. und 21. Jahrhunderts" gehört. Sie verwechseln hier den Bekanntheitsgrad, den Hawking in der Allgemeinheit erzielte (gerade auch wegen seiner enormen Behinderung) mit seiner tatsächlichen geistigen Leistungsfähigkeit bzw. seinem Nutzen für die Physik (worauf ich hier allerdings nicht näher eingehe).

Dass Sie Hawking durch die Kant'sche Brille sehen und verurteilen, konnte ich Ihnen eher nachsehen als die unter Laien nicht auszuräumende Behauptung, dass Hawking ein Genie sei. Versuchen sie also, Hawking näherungsweise realistischer zu sehen. Möglicherweise gelingt Ihnen dies irgendwann einmal auch bei Kant. Trotz Ihrer kant-gläubigen Argumentation habe ich Ihre Rezension als "hilfreich" eingestuft, denn der Überhang der positiv ausgefallenen Rezensionen (durch Leute, die nun überhaupt nichts mitkriegen sondern sich nur am "nicht tot zu kriegenden" Image von Hawking als Fan hochzuziehen versuchen), perpetuiert diese Hawking-Gläubigkeit der Öffentlichkeit. Und zwar bei recht vielen genau nach dem Muster, wie sich auch Fußball-Fanclubs verhalten. Sie halten zu Ihrem Verein und wollen ihn siegen sehen. Aber Hawking hat innerhalb der Sackgasse der derzeitigen Entwicklung der Physik nur noch einmal seine eigene Sackgasse eingerichtet. Zutreffender gesagt, versucht er aus abgedroschenen Argumenten ein neues Gesöff zu brauen, an dem er sich berauscht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.05.2014 17:31:49 GMT+02:00
Lieber K. Heidrich,
schön beobachtet! Kant ist für mich auf vielen Wegen der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie prägend und wichtigster Bezug. Ich bin ein bisschen vorsichtiger, was die Beurteilung der Bedeutung Hawking's für die gegenwärtige Physik angeht - so sehr mich dieses Fach interessiert, so wenig ist es meines.
Seine vielfachen (Quanten-)Sprünge (Entschuldigung dafür ;-) in die Metaphysik dagegen halte ich (schon) von Kant her gesehen für illegitim, anmaßend und reduktionistisch. Auch aus poststrukturalistischen Perspektiven würde sich das ein oder andere anführen lassen - aber das soll eine Rezension bleiben und keine Fachdiskussion werden...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.05.2014 00:07:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.05.2014 00:12:52 GMT+02:00
K.H. meint:
Lieber (Herr/Frau) malaeK,
nein, eine Fachdiskussion wäre nicht sinnvoll. Dass Hawking vermutlich kein sonderliches Interesse für Philosophie aufbringt, würde ich ihm allerdings nicht vorwerfen wollen. Umgekehrt verhält es sich ähnlich. In der Raumfrage gab es allerdings vor dreihundert Jahren eine Grundsatzdiskussion, die Leibniz (allerdings indirekt) mit Newton führte, und zwar hinsichtlich der Raumauffassung. Dies war ein echter Berührungspunkt zwischen Philosophie und Physik. Kant fiel später dann Leibniz sozusagen "in den Rücken", vertrat dabei explizit gegen Leibniz (mit vielen entbehrlichen Worten) die Newtonsche Raumauffassung, die sozusagen die "natürwüchsige" Raumauffassung darstellt. Der weitere Verlauf wäre auch noch interessant. Ich belasse es hier bei dem Hinweis, dass es sich bei der Raumproblematik um etwas sehr Wesentliches handelt.

Dass dem ja mehr als nur erwähnenswerten Physiker Newton die "Einwände" von Leibniz (der Begriff "echte Belehrungen" wäre zutreffender) nicht einleuchten wollten, verwunderte mich bereits. Dass jedoch selbst Kant die sogar sehr präzisen Hinweise von Leibniz nicht begriff und darüber hinaus das Denken von Leibniz in diesem Punkt als "vorworren" bezeichnete, amüsierte mich.

Die Trennlinie verläuft nicht entscheidend zwischen Physik und Philosophie. Es sei denn, man meint einerseits diejenigen, die lediglich "Physik betreiben" und anderseits jene, die lediglich "Philosophie betreiben". Diesbezügliches ist schon jahrhundertelang auseinandergedriftet und bietet seine jeweiligen Betriebsbllndheiten feil. Allerdings hinsichtlich der Raumproblematik gab es ja sogar geradezu eine Verbrüderung von Kant mit Newton. Es gibt eben auch "unheilige Allianzen" über Fachbereiche hinweg. Sozusagen Verbrüderungen auf dem Gebiet der Erkenntnislosigkeit. Hawking "betreibt Physik". Seine Erkenntnislöcher stopft er mit neuzeitlichen Mythen und Spekulationen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.05.2014 12:26:18 GMT+02:00
Lieber K. Heidrich,
die Geschichte zwischen Leibniz und Newton klingt interessant. Es wundert mich kaum, dass Kant als Idealist Stellung bezieht. Eine kurze Klarstellung: Kants System ist für mich ein Bezugssystem - nicht die Quelle aller Erkenntnis! Ich habe ihn in meiner Rezension erwähnt, um das scheinbar "neue Problem" der Physik zu relativieren.

Das Thema Raum ist ja seit dem "spatial turn", dem Aufkommen der Phänomenologie und (endlich!) seit dem Infragestellen cartesianischer Raumvorstellungen gar nicht mehr wegzudenken. Es ist unglaublich spannend, was uns da noch bevorsteht. Ich erlebe gerade in diesem Bereich den interdisziplinären Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften an meiner Universität extrem fruchtbar (zu dem sich leider nur wenige begeistern lassen). Und dort findet das Dialog-Prinzip in ganzer Breite Anwendung. Die Aufnahme holistischer und komplexer Wirklichkeitsauffassungen finde ich spannend und dabei ist natürlich in mir ein gewisses Unbehagen gegen idealistische und naturalistische Monismen. Und das nur nebenbei: Auch ein gewisser Königsberger Gelehrter bleibt da sicher nicht unangetastet ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.05.2014 03:47:29 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.05.2014 04:03:32 GMT+02:00
K.H. meint:
Hallo Herr Malaek,
Sie werden mir immer noch weitergehend sympathisch. Jetzt geht es zwar nicht mehr um Hawking, aber ich nehme es sehr gern in Kauf, diesen Kommentar vermutlich nur für Sie allein zu schreiben. Ja, die Raumfrage ist der zweitwichtigste Punkt zum Verständnis der Konstruktion der Welt. Sogar untrennbar verbunden mit der Problematik des "Nichts", an die sich aus wenigstens zwei Gründen fast niemand wirklich herantraut, obwohl die damit verbundene "Voraussetzungslosigkeit" des Denkens ja niemals zu Nachfrage verleiten könnte, warum es denn das Nichts gäbe oder gar, was denn vor dem Nichts gewesen sei. Viel mehr als diese äußerst magere Andeutung zur Thematik "Raumproblematik und Nichts" werden Sie von mir derzeitig allerdings nicht zu hören bekommen, zumindest nicht in einem öffentlich einsehbaren Kommentar (in wenigen Jahren werden Sie allerdings sehr wahrscheinlich weitergehend informiert werden als Sie es sich derzeitig überhaupt erträumen könnten).

Es freut mich allerdings wirklich sehr, von Ihnen zu hören, dass die Raumproblematik auch aktuell universitär Thema ist und Sie dies ganz offensichtlich zu schätzen wissen. Während ich Ihnen zum Thema des "Nichts" derzeitig keinerlei Literaturhinweise anbieten kann, in denen diese Problematik auch nur ansatzweise hilfreich angegangen wird, steht es um die Bearbeitung der Raumproblematik (dank Leibniz - soweit er mit aller Konsequenz begriffen wird) geringfügig besser. Dazu möchte ich Sie auf zwei Bücher aufmerksam machen. Beide Bücher nähern sich zwar der Problemlösung kaum, sind dessen ungeachtet aber hoch interessant. Jedenfalls "mit meinen Augen" gelesen. Und zumindest interessant genug, mit "Ihren Augen" gelesen.

Den Suhrkamp-Band "Raumtheorie" kennen Sie womöglich bereits. Vor allem auf den ersten hundert Seiten mit Texten von Descartes über Leibniz und Kant bis hin zu Einstein und mit überleitenden Kommentaren versehen wird für ca. 25 Euro wirklich viel geboten. Vom zweiten Werk "Bernhard Riemann: Über die Hypothesen , welche der Geometrie zugrunde liegen" sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Der Mathematiker Bernhard Riemann, an dem sich Einstein sehr stark orientierte, erlangte als wegen des hier abgedruckten nur 16seitigen Textes Weltrum, obwohl dieses Werk eher untypisch war für einen Mathematiker, denn es lag im Grenzbereich von Mathematik, Physik und Philosophie. Wertvoller für Sie ist allerdings sicherlich das vom Herausgeber JÜRGEN JOST (!) bereitgestellte Material auf mehr als hundert Seiten inklusive eigenen Zusatzinformationen und Kommentaren. Da geht es beispielsweise auch auf wenigen, jedoch gehaltvollen Seiten um die Raumauffassung von Aristoteles bis Newton sowie um eine interessante Kommentierung zu Kants Philosophie des Raumes, die von Gauss angegriffen wurde (sogar in den zwei Punkten, wo ich Kant vor Gauss sehr nachdrücklich Schutz nehmen würde). Selbst, wenn Sie nur dreißig Seiten in diesem Buch interessieren sollten, so wären Sie für die 20 Euro, die dieses Buch kostet, gut bedient. Ich habe bislang auch gerade erst in diesem Buch "herumgestöbert". Beide hier angesprochenen Bücher ergänzen sich aus meiner Sicht recht gut (und wäre mir der Suhrkamp-Band nicht erst vor zehn Tage in die Hand gekommen, dann hätte ich mir nicht wenig Sucherei ersparen können). Ich wüsste nicht, was ich Ihnen statt dessen empfehlen sollte (für die Zwischenzeit bis zu dem Tag, ab dem man sich dann die Physik und die Konstruktion der Welt sozusagen "von unten her" anschauen kann, nämlich vom "Nichts" her (so blöd dies derzeitig auch anmuten mag).

Schade, dass es nur so wenige gibt, die aus "Ihrem Holz" geschnitzt sind. Aber die anderen sind ja deshalb noch nicht "verloren". Die müssen eben erst noch eine angemessene "Kost" vorgesetzt bekommen, "um auf den Geschmack" zu kommen". Natürlich nicht Hawking & Co. Überhaupt keinen der vielen Physiker, die zwar hoffen, Welt begreifen zu können, andererseits resigniert haben, Quantenphysik jemals begreifen zu können. Quantenphysik kann man allerdings auch nur begreifen, wenn man sie sozusagen von unten her (na, Sie wissen ja schon, was ich damit sagen will) betrachtet. Dummerweise gibt es bezüglich des Nichts allerdings nichts zu messen. Sogar mit dieser oder jener Mogelei der Physiker funktioniert dies nicht. Dies schließt allerdings nicht aus, dass man dennoch mit mathematischen Kalkülen an die Sache herangehen kann. Nicht nach Riemannscher Art, die allerdings praktisch umgesetzt nützlich war, Physik betreiben zu können. Ich mache allerdings einen Unterschied zwischen "Physik betreiben" und "Welt begreifen".

Egal, ob Sie noch Student sind oder dem Lehrkörper angehören: es hat mich jedenfalls gefreut, mit ihnen in Kontakt gekommen zu sein und dabei sogar etwas vom derzeitigen universitären Geschehen zur Raumproblematik gehört zu haben. Beim Lesen von Leibniz drücke ich Ihnen beide Daumen. Dass Raum nur ein "Gedankending" ist, meint er völlig ernst und gibt dazu sogar zutreffende, jedoch noch keineswegs erschöpfende Erklärungen ab. Die ganze Angelegenheit hatte er nicht ausgearbeitet, wäre allerdings dabei auch steckengeblieben, da der Gottesbegriff für ihn Thema war und selbst ein philosophischer Gottesbegriff letztlich hinderlich sein muss. Zwischen Leibniz und Kant müssen sich dann allerdings komische Gestalten sich zu Wort gemeldet haben, die die REIN topologische Auffassung von Leibniz mit der Newtonschen Raumauffassung vermengten. Dies fällt natürlich nicht so leicht auf, da die Newtonsche Raumauffassung eher nur eine Formulierung der üblichen neuzeitlichen Raumauffassung war, die seit etwa Newton dann eben nur noch deutlicher hervortrat. Kant hatte durchaus zutreffend erkannt, dass wir uns von unserer RaumVORSTELLUNG unmöglich lossagen können. Aber diese Vorstellung ist logisch überwindbar. Ich habe allerdings lediglich Leibniz ausfindig machen können auf der Suche nach jemandem, dem dies auch gelungen ist (abgesehen von echten Mystikern, aber das sind zumeist nur "Empiristen anderer Art" und nicht selten süchtig danach, ihre Erfahrungen anderer Art zu genießen und ihre Erfahrung bereits als Erkenntnis anzusehen, statt `mal richtig nachzudenken).

Veröffentlicht am 26.05.2014 15:11:28 GMT+02:00
K.H. meint:
Hallo Herr Malaek,
ich bemerke erst jetzt (nachdem ich dem Begriff des "spatial turn" nachgegangen bin), dass wir gründlich an einander vorbei geredet haben. Während die bislang ausstehende Lösung der Raumproblematik unverzichtbar ist für weiterführende Erkenntnisse zur Existenz der Welt (wovon einer wie Hawking nur träumen kann), ist der "spatial turn" nichts anderes als eine jener neumodischen Begriffseinführungen, auf die Trittbrettfahrer geradezu warten. Dass auch seriöser mit diesem Konzept umgegangen werden kann, will ich mit meinen Äußerungen "neumodisch" und "Trittbrettfahrer" nicht bestreiten, da selbst leichte Blickwendungen konstruktiv sein können. Aber für derartige Begriffsverwendungen und Begriffszerfransungen zum Oberbegriff "Raum" bin ich dennoch nicht zu haben, weil ich mir der Bedeutsamkeit des Begriffs "Raum" für unser Weltbild in höchstem Maße bewusst bin. Insofern ist für mich beim Tanz um den Begriff des "spatial turn" auch kein nennenswerter Fortschritt erwartbar sondern vorrangig Verwässerung des Wesentlichen und Ablenkung vom Wesentlichen. Denn wie gesagt, die Klärung der Raumfrage ist von höchster Bedeutung für unser Weltbild.
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