Kundenrezension

46 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen UNFASSLICH DIESER GIBSON - gäbe es nur 10 Sterne, 5. Oktober 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Apocalypto (Blu-ray) (2007) (Blu-ray)
Manches Mal erinnert mich dieser Mensch Mel Gibson an Klaus Kinski in seinen wildesten Tagen.
Exzessive Auftritte, verbunden mit irrwitzigen verbalen Entgleisungen, dazu Suff-Therapie, Auftritte vor Gericht und vieles andere dieses unnötigen Zeugs mehr.
Und dann bringt er 2006 wieder einen solchen Film, der einem schlichtweg aus den Schuhen haut. Gibson produzierte ihn nicht nur maßgeblich mit, sondern er war auch am Drehbuch beteiligt und führte genial Regie. Das Ergebnis ist ein Film über einen Maya-Krieger, der den Untergang seines Stammes und den Beginn der Ausrottung seiner Zivilisation miterlebt.
Das sind rund 130 Minuten, in denen jeder Zuschauer gefesselt dasitzt und mit Herzklopfen das Geschehen verfolgt.
Der Film hat KEINE Jugendfreigabe - und das ist gut so. Wenngleich, die stattfindende Gewalt ergibt sich zwangsweise aus dem Geschehen, der Zeit, dem Umfeld und den Zwängen - genau so wie es in soliden, aufklärenden, geschichtlich genauen Büchern über diese Zeit umschreibend angedeutet wird. Ich behaupte, dass übliche Horrorstreifen wesentlich gefährdender sind, weil dort das Geschehen nur um der Bestialitätwillen gezeigt wird und solche Plots eigentlich totaler Blödsinn sind.

Dass dieser Film nur zweieinhalb Jahre vom Drehbuchbeginn zum fertigen Produkt benötigte, erklärt sich beim Ansehen des Bonusmaterials - denn dort wuselt dieser Wahnsinns-Gibson wie ein Irrwisch durch die Kulissen und treibt die Leute zu außergewöhnlicher Leistung an. In jeder Maske, bei jedem Kostüm - wohlunterscheidend vom einfachen Menschen aus dem Busch, über den Vertreter des Mittelstands bis hin zu den Repräsentanten der herrschenden Großkaste - erkennt man den sachkundigen, fachlichen Rat des renommierten Archäologen Dr. Richard Hanson, dessen bevorzugtes Interesse dem Volk der Mayas seit jeher gegolten hat. Allerdings verzichtet Gibson zugunsten der Erzählung dieses packenden Lebensabschnittes des Kriegers namens PRANKE DES JAGUARS auf historisch-faktische Ansprüche.
Der Dreh reduziert sich auf das Erleben dieses Kriegers in Person des kraftvoll aufspielenden Rudy Youngblood (stark, überzeugend, beeindruckend der Cherokee-Nachfahre in dieser Idealrolle für ihn), der wie die anderen überlebenden Bewohner seines Dorfes verschleppt und versklavt wurde, nachdem er gerade noch seine hochschwangere Frau und den gemeinsamen Sohn in einem tiefen Erdloch verstecken konnte. Daraus können sie sich von alleine jedoch nicht befreien. Dies weiß er genau und genau das fördert seinen nie erlöschenden Willen, bei erstbester Gelegenheit zu fliehen und schnellstmöglich seine Familie aus dieser schier ausweglosen Situation zu retten.
Ein fast unmögliches Unterfangen, denn die kriegerischen Holcane, unter Führung ihres gewaltorientierten Klanführeres (unheimlich Rodolfo Palacios) verstehen ihr Handwerk. Ein Naturereignis rettet Pranke-des-Jaguars aus auswegloser, grausam blutiger, religiös bedingter Situation.
Ein brutal-realer, die Verfolger dezimierender, Wettlauf beginnt, wobei sich der Protagonist der Tatsache erinnert, dass das der Wald seiner Väter war, sein Wald ist und dies der Wald seiner Kinder bleiben soll. Währenddessen wird die Zeit für die Frau und das gerade geborene zweite Kind knapp.
Schließlich kommt es zu einem grandiosen Finale mit letztlich überraschendem Ausgang, der den Helden nötigt, sich weiter in die Tiefe der Wälder zurückzuziehen, einer ungewissen Zukunft entgegen.

Mel Gibson ist und bleibt Fachmann für skandalverdächtige, kompromisslos, aneckende Filme. Auch hier fließt hektoliterweise Blut, die Kamera ist hautnah dran, doch letztendlich wird sich kein erwachsener Zuschauer daran stören, sondern sich nur über die Scheußlichkeit der Situation in die der Held gerät ereifern. Und jeder Statist muss jederzeit gewärtig sein, in Großaufnahme ins Bild zu kommen. Das merkt man den Akteuren an. Jede Hintergrundszene sitzt, als wäre sie Teil des Haupt-Handlungsstrangs, und die 700 Statisten, spielen sich die Seele aus dem Leib. Allesamt Laiendarsteller, die schauspielerisches Können durch intensive körperliche Präsenz ersetzten.

Natürlich wird es die üblichen Bedenkenträger geben, welche die knapp fünfminütige, detailliert gezeigte Massenenthauptungsszene als überflüssig ansehen. Aber warum sollte Gibson darauf verzichten. Das geschah zu dieser Zeit und es war kein Akt der Brutalität, sondern eine vermeintliche Notwendigkeit, die sich religiös begründete. Und warum soll nicht endlich einmal auch gezeigt werden, was hinter dem verniedlichenden Wort MENSCHENOPFER steckt und wie dumm ein solches ist, gerade wenn es eine Religion fordert. Auch christliche Hexenverbrennungen waren schließlich MENSCHENOPFER, und würde sich ein Regisseur endlich einmal in christlichen Landen daran wagen, das im Bild realitätsgetreu zu zeigen, würden manche Menschen diese vorgeblich ach so humane Religion mitsamt den Taten ihrer Vertreter möglicherweise unverbrämter sehen können.

Das Drehbuch baut sich aus dem Erleben des jungen Mayakriegers auf und das Geschehen wächst damit. Gibson konnte, gerade weil er diesen Film möglichst realitätsnah gestaltete, auf große digitale Effekte verzichten, was man wohltuend erkennt und das diesem Werk keinesfalls schadet oder es in seiner Wirkung mindert. MEISTERHAFT, nur so kann ich die handwerkliche Umsetzung des Stoffs apostrophieren, und man merkt, dass Gibson von Kamera, Schnitt, Musik bis hin zum Fachmann für altertümliche Waffen nur die Besten ihres Fachs engagierte.

Streiten darf man sicherlich darüber, ob der durchgehend in einem Maya-Dialekt gedrehte Film nicht doch besser hätte synchronisiert werden sollen. Zugegeben, man muss immer wieder die Augen auf die Schrifteinblendungen wenden. Doch diese Original-Laute vermitteln eine ungeheuerliche Authentizität. Ich gewöhnte mich schnell daran und empfand es bald nicht mehr als Mangel.
Warum dieser Film (zumindest zum Zeitpunkt dieser Rezension) nicht von AMAZON sondern nur von sonstigen Mitbewerbern angeboten wird, ist für mich total unverständlich.
Fazit: EIN FILMKUNSTWERK, DAS VIELLEICHT NUR MEL GIBSON AUF DIE LEINWAND BRINGEN KONNTE! ABSOLUT EMPFEHLENSWERT!!! HMcM
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.12.2007 22:08:02 GMT+01:00
flaurenz meint:
Interessant Ihr Vergleich zu Menschenopfer begangen von christlichen Organisationen über Jahrhunderte hinweg. Interessant auch dass es meistens doch die Dokumentarfilmanhänger sind die solche Greueltaten filmisch gesehen verwerflich finden. Welche Dokus schaut ihr eigentlich?? Das in diesem Film gebotene und weit aus mehr scheussliche Mutilierungen finden tagtäglich weltweit statt. Dieser Film ist für mich ein Paradebeispiel gegen Gewalt. Alle anderen haben "Apocalypto" nicht verstanden!

Veröffentlicht am 21.12.2007 21:38:19 GMT+01:00
JST meint:
Auch im DVD Bereich ist über den Inhalt viel zuviel geredet worden sei es positiv wie auch negativ

aber ich weiss bis dato immer noch nichts über die Qualität der Blue Ray

Veröffentlicht am 08.05.2008 19:29:10 GMT+02:00
Apocalyptiker meint:
Wäre schön mal etwas über die Bildqualität der Blu-Ray zu erfahren, ansonsten toller Beitrag.
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