Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrlich, ich sage Euch ...:-), 4. Mai 2014
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Rezension bezieht sich auf: Existiert Gott?: Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit (Taschenbuch)
Es ist wohl schon zwei Jahrzehnte her, dass ich dieses Buch gelesen habe, heute bin ich auf die Rezensionen hier gestoßen und war von einigen sehr überrascht: Welche nur mühsam kaschierte Gehässigkeit gegenüber dem Autor (und nicht selten gegenüber "Gott") da durchschlägt!

Meine Erinnerung weist in eine andere Richtung: Ich hätte das Buch am liebsten "am Stück" verschlungen, hätte der Umfang des Werkes dies nicht verunmöglicht. Ich fand und finde es interessant und absolut redlich-bemüht geschrieben. Ich kannte den Autor und dessen Hintergrund zu dieser Zeit noch nicht und fragte mich deshalb bis zum letzten Kapitel: Was meint er nun, existiert Gott oder nicht? (Das Vorwort, in dem angeblich die Antwort schon vorweggenommen ist, scheine ich übersprungen zu haben). Weil Küng eben nicht versucht zu indoktrinieren, sondern die Entwicklung des Gottesbegriffes durch die Zeit und in verschiedenen Kulturen sauber und sachlich darzulegen (dass er dabei die Außerirdischen nicht mit einbezieht, wie doch tatsächlich in einer Rezension heftig kritisiert wird, verzeihe ich ihm durchaus...:-).

Ich würde mir wünschen, allen Glaubensfanatikern wie auch allen Atheisten gelänge es, ihren Standpunkt mit diesem Maß an Sachlichkeit, Neutralität, ja nahezu Objektivität darzulegen, wie Küng dies tut.

Deshalb absolut empfehlenswert für jene, die sich für den Vergleich des Gottesbegriffs in verschiedenen Kulturen und Zeiten auf auch dem theologisch-philosophischen Laien verständlichen Niveau interessieren.

Den Schlussfolgerungen von Küng kann man sich anschließen - oder halt nicht; er versucht an keiner Stelle zu missionieren oder zu indoktrinieren. Somit hat er die Verunglimpfungen seiner Person und seines Werkes, wie sie hier teilweise stattfinden, sicherlich nicht verdient. Diese sind allenfalls Indiz für die (in Glaubensfragen ja leider dauernd anzutreffende) Engstirnigkeit und Intoleranz von Menschen, die ihre Position in der Frage als die allein denkbare, gültige und richtige betrachten, sich damit aber nur selbst und gut erkennbar disqualifizieren; in diesem Wesenszug treffen einander übrigens Religionsfanatiker und strenge Atheisten in trauter Einigkeit ...:-(

Starke Leseempfehlung!
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.05.2014 18:19:21 GMT+02:00
Wir wissen sicher, daß auch die Urapostel Jesus nicht für Gott hielten, daß das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis weder von den Aposteln stammt noch ihre Glaubensüberzeugung wiedergibt, daß es erst im späteren 2. Jahrhundert in Rom entstanden, sein Wortlaut aber noch im 5. Jahrhundert überall in Fluß gewesen und endgültig erst im Mittelalter festgelegt worden ist. Es gibt keine antiken Quellen aus der Zeit Jesu. Es gibt wohl Quellen aus dem 1.Jhr., aber die sind entweder sehr wage oder u.U. nachträglich manipuliert worden

Es ist tragikomisch, genug – gibt es im Christentum absolut nichts, was nur den geringsten Anspruch hätte auf geistiges- oder religionsgeschichtliche Originalität. Denn von seinen zentralsten Gedanken bis zum periphersten Brauch wurde alles von „Heiden“ oder Juden rezipiert: die Predigt vom nahen Reich, die Gotteskindschaft, die Nächsten- und die Feindesliebe, die Messias- und Heilandsidee, die Prophezeiungen des Erlösers, seine Herabkunft, wunderbare Geburt durch eine Jungfrau, Anbetung durch die Hirten, seine Verfolgung schon in der Wiege, sine Versuchung durch Satan, sein Lehren, Leiden, Sterben (auch am Kreuz), sein Wiederaufstehen (auch selbst dieses Schwanken der Evangelien hat seine Ursachen offenbar darin, dass man die Auferstehung des Gottes Osiris am dritten, die des Gottes Attis am vierten Tag nach seinem Tod beging), sein leibhaftiges Erscheinen vor Zeugen, seine Höllen und Himmelfahrt, die Erbsündenlehre, die Prädestinationslehre, Trinität, Taufe, Beichte, Kommonion, die Siebenzahl, der Sakramente, die Zwölfzahl der Apostel das Apostelamt, das Amt des Bischofs, des Priesters, des Diakons, Sukzession, Traditionsketten, Gottesmutter, Madonnenkult Wallfahrtsorte, Votivtafeln, Reliquenverehrung, Weissagung Wunder wie Wandel auf dem Wasser, Sturmbeschwörungen, Speisenvermehrungen, Totenerweckungen – wozu die Aufzählung: nichts ist neu!. Und all dies kehrt im Christentum nicht etwa nur äußerlich wieder, nur als formale Analogie, als bloße Parallelität der Riten, sondern mit denselben Bedeutungsgehalten, es lebt nur unter anderem Namen fort und oft nicht einmal dies.

Der babylonische Gott Bel Marduk wurde als der vom Vater gesandte Erlöser, Erwecker der Toten und guter Hirte gefangen genommen, verhört, zum Tode verurteilt, mit einem Verbrecher hingerichtet, während ein anderer frei kam. Eine Frau wischte das Herzblut ab, das aus seiner Speerwunde quoll. Auch Himmelfahrten waren nicht auf Jesus beschränkt. Vielmehr gab es einen regelrechten Himmelstourismus durch Kybele, Herakles, Mithras, Cäsar, Homer, Henoch, Moses, Elias ... und später auch mit Mohammed der Religionsstifter des Islams.

Schon in uralten Zeiten feierten die „Heiden“ die „Wiedergeburt der Sonne" oder eines Sonnen-Gottes und den Beginn eines neuen Jahres. In einigen Kulturen wurde an der Winter-Sonnenwende auch die Geburt oder Wiedergeburt eines menschlich-göttlichen Erlösers gefeiert. Er galt in der Regel als Abkömmling eines Vater-Gottes und einer Göttin, und meist von einer menschlichen Mutter (meist einer Jungfrau) geboren.
Einige der antiken Menschen-Götter, deren Geburt meist an der Wintersonnenwende gefeiert wurde sind: Tammuz von Babylon; Attis von Phrygien (Kleinasien); Krishna in Indien, Adonis in Syrien, Bacchus bei den Römern, Osiris/Horus bei den Ägyptern, Dionysos bei den Griechen, Perseus und Herakles (als Götter verehrte Heroen bei den Griechen), Mithras in Persien und später im römischen Reich, und als letzter von allen Jesus von Nazareth, genannt Christus.
Tatsächlich begannen die Christen ihren Heiland Jesus als „Licht der Welt“ und die „Sonne der Gerechtigkeit“ zu bezeichnen. Und die Christen verschoben ihren „Sabbat“ vom jüdischen Samstag auf den Sonn-tag.
Parallelen zwischen heidnischen Erlöser-Gott-Menschen und der Jesus-Story sind offenkundig:
Neben der Tatsache, dass der christliche Gott-Mensch Jesus den gleichen Geburtstag teilt an der Winter-Sonnenwende teilt, wie vielen heidnische Götter (tatsächlich sei er im Sommer geboren worden), gibt es viele Übereinstimmungen zwischen Christentum und Heidentum: Im Folgend sind einige Aspekte des Jesus-Mythos aufgezählt, welche schon fiel früher in heidnischen Mythen erschienen (v.a. im ägyptischen Isis-Kult und im Mithras-Kult):
- Der Erlöser ist (als Mensch) fleischgeworden als Sohn (eines) Gottes;
- Sein Vater ist Gott (im Himmel) und seine Mutter ist eine sterbliche Jungfrau;
- Er ist in einer Höhle geboren oder in einem bescheidenen Stall am 25. Dezember in Anwesenheit von drei Hirten oder Weisen;
- Er bietet seinen Anhängern die Gelegenheit, „wieder geboren“ zu werden durch eine rituelle Taufe (Einweihung);
- Er verwandelte auf wundersame Weise Wasser in Wein anlässlich einer Hochzeit;
- Er reitet triumphal auf einem Esel in eine Stadt während das Volk mit Palmblättern winkt, um ihn zu ehren;
- Er stirbt an Ostern (Frühlings-Tagundnachtgleiche) als Opfer für die "Sünden der Welt";
- Nach seinen Tod steigt er hinab in die Hölle (Unterwelt), aufersteht am 3. Tag von den Toten und steigt in den Himmel auf in Glorie;
- Seine Anhänger erwarten das Gericht am jüngsten (letzten) Tag;
- Sein Tod und seine Auferstehung werden gefeiert bei einem rituellen Mahl von Brot und Wein, welche den Leib und das Blut verkörpern (v.a. dies ist vom römischen Mithras-Kult, der eindeutig vorher bestand, übernommen worden).

Tatsächliche waren heidische Sonnengott-Kulte in Zeiten des frühen Christentums zu beliebt und verbreitet, als dass sie hätten überwunden werden können, so dass das Christentum diese Riten und Vorstellungen vereinnahmte (klaute). Deshalb gingen die frühen Christen dazu über, die Story von Jesus noch glorioser auszumalen, wobei die beschriebenen heidnischen Elemente übernommen wurden.

Schon 3000 Jahre vor u/Zeit verehrten die Ägypter den Gott Osiris, welcher mit der Sonne gleichgesetzt wurde. Man stellte ihn sich vor als Dreiheit: als himmlischer Gott, als irdischer Gott; und als Falke. Der Pharao (König) nannte sich Gott auf Erden. Er handelte als Vermittler zwischen der Menschheit und dem himmlischen Gott (wie Jesus). Man glaubte, er (der Pharao) werde nach dem Tod ein himmlische Gott. Eine andere Version des ägyptischen Mythos lautet, dass der himmlische Gott Osiris durch Isis (eine Jungfrau) einen menschenähnlichen Gottes-Sohn zeugte (Horus), welche als Wiedergeburt von Osiris galt. Nach der Legende wurde die Geburt von Horus durch drei weise Männer angekündigt. Seine Geburt wurde in einer Krippe dargestellt, mit Isis quasi als Madonna dabei stehend (es gibt auch Abbildungen der Isis mit dem Kind auf den Knien). Dieser Osiris-Isis-Horus-Glaube verbreitete sich später im römischen Reich, bis dann die Anhänger unter dem erstarkenden Christentum verfolgt wurden.
Fünfhundert Jahre vor der angeblichen Geburt von Jesus reiste der griechische Geschichtsschreiber Herodot nach Ägypten und berichtete von einen riesigen jährlichen Festival, in welchen ein Drama über Tod und Auferstehung von Osiris vor zehntausenden Leuten aufgeführt wurde. Die Story ist auf 4500 jährigen Inschriften verewigt. So weit bekannt, ist Osiris die Original-Geschichte eines sterbenden und wieder auferstehenden Gottes. Die Geschichte (der Mythos) verbreitete sich nach Griechenland als Dionysos-Kult und später nach Rom als Mithras-Kult, oder –religion, die unter den römischen Soldaten und Beamten beliebt war.

Mithras:

Mich hat auch immer fasziniert, wie die führende (!) Religion im römischen Reich innerhalb eines Jahrhunderts völlig vom Christentum vernichtet wurde. Heute weiß niemand mehr etwas in Europa von dem Mithras-Kult. Damals wäre dieser Gedanke so lächerlich gewesen, wie wenn heute einer in Mitteleuropa noch nie etwas vom Christus gehört hat. Die Propaganda und die Tötungsmaschinerie war perfekt. Nicht Gott ist ein eifersüchtiger Gott, sondern das Christentum war unter diesem Aspekt kaum zu überbieten. Die anderen "Kulte" waren alle toleranter. Schade, denn nichts bräuchte das Christentum mehr als einen ehrlichen und einfühlsamen Religionsvergleich.

Die Geschichte der Geburt Jesus weist im übrigen erstaunliche Parallelen zur Geburt Mithras auf. Die Mithras- Religion ist rund 500 Jahre älter als das Christentum. Lange, bevor die Kirche im Jahre 353 den Geburtstag Christi auf den 25. Dezember verlegte, wurde die Geburt Mithras an diesem Tag gefeiert. Die liturgische Formel bei diesem Fest lautete: „ Die Jungfrau hat geboren, zu nimmt das Licht.“ Und „Euch ist heute der Heiland geboren“. Mithras wurde bei seiner Geburt von Hirten angebetet, die ihm die Erstlinge ihrer Herden und Früchte brachten. Wenn wundert es da noch, dass Mithras wie Jesus nach seinem Tode zum Himmel fuhr. Überhaupt findet man angebliche Episoden und Wunder Jesus immer wieder bei anderen Religionen in der Antike. Es waren gängige Klischees. So lagen bei ihrer Geburt in einem heiligen Korb oder in einer Krippe in Windeln gewickelt schon Zeus, Hermes und Diogenes. Das Wunder auf der Hochzeit von Kana, wo Jesus aus Wasser Wein machte, wurde schon von Dionysius vollbracht. Gekreuzigt wurden die Götter Prometheus, Lykurgos, Marsyas sowie Dionysos. Wie beim christlichen Abendmahl wurde auch Dionysos Fleisch gegessen und dessen Blut getrunken.

Teilweise sind die Ähnlichkeiten der Texte "erschreckend" Mit "göttlicher Inspiration" kann ich das nicht erklären, zumahl die "Aussagen" der älteren Mythen oft völlig anders sind, als die der bibl. Texte.

Millionen Gläubige Christen wissen nichts oder zu wenig vom Background der Bibel. So erzogen, nehmen sie sie von Generation zu Generation als das Wort Gottes; sie halten Jesus für einen originären Verkünder seiner Lehren. Dabei hat er vieles von alten Kulturen abgekupfert. Betreffend der Bibel: Alle "Urtexte" die heute vorliegen, sind ausnahmslos Abschriften von Abschriften und dieses vermutlich wiederum Abschriften von Abschriften. Nicht eine einzige Abschrift stimmt mit einer anderen überein. Über 80.000 (!) Abweichungen wurden gezählt. Von Abschrift zu Abschrift wurden die Verse von nachempfindenden Autoren anders gefaßt und nach zeitgemäßig Bedarf umfunktioniert. Daß man bei dieser Masse von Fälschungen und Widersprüchen immer noch von "Gottes Wort" spricht, wenn man die Bibel in die Hand nimmt, grenzt an Schizophrenie. Daß die christlichen Lehren und Gebräuche zum größten teil Entlehnungen aus älteren Religionen sind, weiß eigentlich jeder, außer eben den meisten indoktrinierten Gläubigen - wie es scheint!. Die Bibel z.B. enthält keinen einzigen religiösen oder moralischen Gedanken, der nicht schon in irgendeiner Form in den als patriarchalisch verklärten heiligen Schriften der früheren oder zeitgenössischen Religionen enthalten gewesen wäre. Unmitelbarer Nährboden - um nicht zu sagen: Zeughaus und Arsenal - für das heutige "christliche", das heißt paulinische Glaubens-, Gemeinde- und Kultleben waren ganz besonders die (ihrerseits weitgehend) hellinistischen Mysterienkulte.

Attis-, Dionysos und Isiskult:

Besonders im Attis-, Dionysos-, Mithras- und Isiskult ist praktisch alles zu finden, was das heutige paulinische Christentum ausmacht. Tragende Figur der einzelnen Mysterienkultes war stets eine dem paulinischen Christos entsprechende Heilandsgestalt, ein "Sohn Gottes", der als "der Herr" bezeichnet wurde. Dabei spielte das Leiden und Sterben dieses jeweiligen "Gottessohnes" die entscheidende Rolle, wobei auch von gekreuzigten Göttern die Rede ist. - Die Höllenfahrt eines Gottes ("...abgestiegen zur Hölle...") war eine allgemeine verbreitete Vorstellung, genauso wie die Himmelfahrt in sämtlichen Mysterienkulten zur jeweiligen Heilsgeschichte gehörte. Wie im alten Ägypten war auch bei den Mysterienkulten die Trinität (Dreifaltigkeit, Dreeinigkeit) bekannt. Im Namen von Mithras und Dionysos wurden Kranke geheilt, Tote auferweckt, das Meer beruhigt, Wasser in Wein verwandelt u.s.w. Es gab auch das Osterfest (Auferstehungsfeier), wobei die Auferstehung des betreffenden Gottes gleich wie beim späteren Christentum konzipiert war (Auferstehung am dritten Tag, leeres Grab, weggewälzter Stein). Die Erlösungslehre, welche als Spezifikation der christlichen Religionen gilt, findet man in den Mysterienkulten in allen Details.

Selbst das christliche Grunddogma von der Erbsünde war nichts eigentlich Neues (Mithras). - Bei den hellinistischen Mysterienkulten war die Taufe mit vorherigen Fasten und Bußübungen bekannt. Das heilige Mahl, auch als "Tisch des Herrn", "Mahl der Seligen" oder "Mahl der Heiligen" bezeichnet, hat weitgehende Übereinstimmung mit dem (späteren!) christlichen Abendmahl. Von besonderer Bedeutung ist aber, daß dieses Mahl auch nach den Mysterienreligionen gleichzeitig ein Essen des Leibes und ein Trinken des Blutes ihres Gottes (Kommunion) darstellte. Das Abendmahlsbrot wurde teils ebenfalls in Form von Hostien mit dem Kreuzzeichen verabreicht. Es ist bezeugt, daß auch dieser "Tisch des Herrn" teilweise als Sakramentale unblutige Erneuerung des Gottesopfers aufgefaßt worden ist. Sogar der Wandlungsspruch der heutigen katholischen Messe ist im wesentlichen belegt: "Sag siebenmal: Du bist Wein; nicht bist du Wein sondern das Blut der Athena. Du bist Wein; nicht du bist Wein, sondern das Blut des Osiris, die Eingeweide des Jao".

Mahl der seligen:

Durch dieses "Mahl der Seligen" wurden die Gläubigen "wiedergeboren", und im Gegensatz zur verlorenen Welt, die ein schlimmes Los erwartete, als "Erlöste, Gerettete, Unsterbliche" bezeichnet. - Die Eingeweihten der Mysterienkulte, wurden durch das Mahl "Kinder Gottes." Gott nahm in ihnen Wohnung; sie wurden mit Gott vereinigt. Das Mahl ist auch als Mahlgemeinschaft mit Gott selbst aufgefaßt worden. Das Leben der jeweiligen Söhne Gottes beziehungsweise der Religionsstifter zeugt nicht nur in den Mysterienreligionen, sondern auch in den östlichen und fernöstlichen vorchristlichen Religionen frappante Übereinstimmungen mit dem leben Jesu. Das beginnt bereits mit dem Prophezeiungen als "Erlöser und Retter der Menschheit". Auch den Gläubigen der zarathustrischen Religion wurde z.B. gesagt; "Voll Erwartung ist die Welt auf ihn; er ist der Prophet Mazdas." - Meist wird einer übernatürlichen Zeugung des Rettergottes berichtet, wobei besonders die jungfräuliche Zeugung lange vor Jesus weitherum bekannt war, beispielsweise für Buddha, Horus oder Zarathustra. Bei Buddha soll die Zeugung durch das eindringen eines göttlichen Strahls in den Leib der jungfräulichen Mutter vor sich gegangen sein.

Geburt der Stifter:

Noch auffälliger ist die Konkoranz in den Schilderungen der Geburt des Stifters. - Außer Jesus wurden auch andere Religionsstifter in einem Stall geboren, in eine Krippe gelegt und in Windeln gewickelt; auch in anderen Religionen wurde die Geburtsstätte "von hellem Licht umstrahlt"; auch bei anderen Religionsstiftern erschienen "himmlische Chöre mit wunderbaren Gesang"; selbst die Hirtenanbetung fehlte nicht - Wie bei der Geburt Jesu wird auch bei Krishna (8. irdische Erscheinung Vischnus, einer der Haupterscheinungen des Göttlichen im Hinduismus) die Tötung aller männlichen Neugeburten von einem eifersüchtigen König befohlen. - Die Darstellung des Kindes im Tempel ist ebenfalls bezeugt. Insbesondere wurden sämtliche Religionsstifter, meist in der Einöde - wo sie fasteten -, vom Teufel versucht. Dabei treffen auch hier Details mit der Bibel zusammen, indem der Teufel erst Speise und dann weltliche Herrschaft anbietet, wenn nachgegeben wurde. Als Buddha getauft wird, tritt eine Erschütterung ein, und Gott verkündet: "Die Unsterblichkeit ist gefunden." (bei Jesus:...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2014 18:25:26 GMT+02:00
Sehr gut, doch:

Viele Religionen glauben es gibt ihn, doch die Vorstellung eines gütigen, allmächtigen Gottes beißt sich ein wenig mit der Realität. Schon die Allmacht ist ein Widerspruch in sich selbst. Alt bekanntes Beispiel: Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht heben kann? Ein Paradoxon, an dem sich die Gläubigen bisher erfolglos die Zähne ausbeißen.

Selbst wenn man diesen Widerspruch außer Acht lässt, tauchen weitere Widersprüche auf.

Behauptung: Gott ist allmächtig
Behauptung: Gott ist gütig
Tatsache: Es gibt reichlich Leid auf der Welt

Nun haben wir die Vorstellung eines allmächtigen, gütigen Gottes, der Leid zulässt.
Wäre er allmächtig, könnte er etwas gegen dieses Leid tun. Wäre er gütig, würde er seine Allmacht einsetzen, um etwas gegen das Leid zu tun. Da das Leid nachweisbar existiert, haben wir einen Widerspruch. Diesem Widerspruch kann man auf 3 Arten begegnen

1. Es gibt keinen Gott, also niemanden, der mit seiner Allmacht etwas gegen das leid tun könnte

2. Gott ist gütig, aber nicht allmächtig. Er will etwas gegen das leid tun, kann aber nicht

3. Gott ist ein Arsch. Er ist allmächtig, weis durch seine Allmacht vom leid und könnte etwas dagegen tun, er lässt es aber.

Da nun die Allmacht selbst schon einen Widerspruch darstellt, hat sich die dritte These schon mal erledigt, auch wenn ich sie manchem Gläubigen hin und wieder gerne an den Kopf werfe. Bei diesen 3 Punkten kommt jeder Gläubige ins Straucheln, der von der Existenz eines allmächtigen, gütigen Gottes überzeugt ist. Die Ausflüchte sind in der Regel absurde Behauptungen, die nicht einmal vom Buch der jeweiligen Religion gestützt werden, oder es ergeben sich neue Widersprüche. Für weitere Lösungsansätze, wie dieses Paradoxon aufzulösen ist, bin ich selbstverständlich offen.

Eugen Drewermann sagte: Ein Gott der alles kann und doch nichts tut, verdient, wenn er so viel des Unheils tatenlos mitanschaut, wohl nicht für gütig gehalten zu werden; oder umgekehrt: wäre er gütig, doch könnte selbst er es nicht hindern, so wäre er wohl nicht allmächtig; beide Eigenschaften vereinbaren sich nicht miteinander, solange die Welt so ist, wie sie ist: ein Jammertal. Beide Eigenschaften, die Allmacht ebenso wie die Güte, gehören indessen laut christlicher Theologie unabdingbar dem Göttlichen zu. Als bleibt kein anderer Schluss: es ist die Welt selber, die den christlichen Gott als ihren Schöpfer wiederlegt. Oder anders gesagt: der moralische Aspruch, der sich in der christlichen Idee der Gottheit verkörpert, wird von der Weltwirklichkeit selbst ab absurdum geführt. Hiermit muss man nicht gleicher Meinung sein, und ich möchte auf nicht auf den trostlosen Atheismus verweisen, aber ich denke vielmehr, das, wenn Gott existiert, dieses selber evolviert...Müsste es ihnen nicht besser gehen, wenn es einen allmächtigen und gütigen Gott gibt? Diesen Einwand soll schon der griechische Philosoph Epikur (ca. 341-270 v.u.Z.) mit Überlegungen der folgenden Art untermauert haben: kann Prof-lennoch oder Amazon leser das beantworten?.:

Warum sorgt Gott nicht dafür,
dass es diesen Menschen und Tieren besser geht?
Kann er nicht, oder will er nicht?
Wenn er nicht helfen kann, dann ist er nicht allmächtig.
Wenn er nicht helfen will, dann ist er nicht gütig.
Wenn er helfen kann und will,
warum tut er es dann nicht?
Wenn er es seit jeher kann und will,
warum hat er es nicht längst getan?
Warum hat er es dann überhaupt dazu kommen lassen,
dass es einigen Menschen und Tieren so schlecht geht?

Ein weiteres erschreckendes Beispiel ist das Elend der Prosituierten Frauen, die in Indien, Mumbai sei genannt, unter wiedelichen, und unmenschlichen Bedingungen gezwungen werden anzuschaffen. Lest euch den Stern Report durch, in welchem es vor kurzem ausführtlich geschrieben stand, und erklärt mir sodann, wo bitte der allmächtige Theistische Gott gewesen ist?. Antwort: es gibt IHN sowieso nicht. Wer am Glauben an einen allmächtigen und zugleich gütigen Gott festhalten will, sieht sich durch diese Überlegungen vor ein Problemgestellt. Man nennt es das Theodizee-Problem.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2014 18:33:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.05.2014 18:35:45 GMT+02:00
Ach ja, ganz vergessen:

Darüber vergisst manch ein Christ, ein paar einfache und naheliegende Fragen zu stellen: – War das denn nötig? – War es denn wirklich gerecht? – War es wirklich gütig? – War es wirklich ein Erweis der Liebe? Nötig war es gewiss nicht. Wenn dieser Gott gewollt hätte, dann hätte er den Menschen Versöhnung anbieten und ihnen die ewige Seligkeit schenken können. Was hätte einen allmächtigen Gott daran hindern können, das einfach zu tun? Was hätte ihn zwingen können, zuvor seinen Sohn an Folterknechte und Henker auszuliefern? Gerecht war es auch nicht. Die „Bestrafung“ eines Unschuldigen ist nicht gerecht, sie ist nur neues Unrecht.

Und gütig? Wie könnte ein Gott von unermesslicher Güte sich von seinem Zorn so weit hinreißen lassen, dass Blut fließen muss, um ihn zu versöhnen, und sei es das Blut eines Unschuldigen, ja sei es das Blut des eigenen Sohnes? Einem solchen Gott könnte man nicht nur ein hohes Maß an Grausamkeit und Ungerechtigkeit attestieren, sondern auch einen beklagenswerten Mangel an Selbstbeherrschung.

Ein solcher Gott könnte Furcht einflößend sein, Respekt gebietend wäre er nicht. Er erinnert an einen Vater, der sich über seine jüngeren Kinder geärgert hat und sich erst dann in der Lage sieht, ihnen wieder gut zu sein wenn er zuvor seinen unschuldigen Ältesten verprügelt hat. Eine absurde Vorstellung? Nicht absurder als das, was die Bibel über Gott und seinen Zorn verkündet. Absurd ist auch die Vorstellung, dass ein Gott versöhnt werden könnte dadurch, dass sei eigener Sohn zu Tode gefoltert wird. Verständlich wäre, wenn er darüber erst recht in Zorn geriete. Die Bibel aber lehrt ihr Gott sei nicht nur dadurch versöhnt worden er habe es sogar so gewollt und dafür gesorgt, dass es so geschieht. Kann man glauben, dass ein Gott, der bei Verstand ist, sich so verhalten könnte?

Grausam und lieblos ist ein Gott, der sich so verhält. Grausam und lieblos gegenüber dem eigenen Sohn, aber auch lieblos gegenüber den Menschen, die er angeblich so liebt. Denn einen solchen „Erweis der Liebe Gottes“ hätte kein anständiger Mensch sich gewünscht. Wenn dieser Gott die Menschen wirklich geliebt hätte, dann hätte er ihnen einfach die Hand zur Versöhnung reichen können.

Ohne zuvor seinem Sohn etwas so Grauenvolles anzutun, was jedem anständigen Menschen Kummer bereiten würde und – wenn er sich dafür verantwortlich fühlt – quälende Schuldgefühle. Gerade im zentralen Dogma der Bibel, der Erlösung durch den Kreuzestod Jesu, erweist sich der Gott der Bibel als grausam und ungerecht.

Allmacht Gottes – das „Theodizee-Problem“ „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen ...“, so beginnt das Apostolische Glaubensbekenntnis, eines der ältesten christlichen Glaubensbekenntnisse, das allen christlichen Kirchen gemeinsam ist. Auch in der Bibel findet sich die Lehre von der Allmacht Gottes. Psalm 135, 6: Alles, was dem Herrn gefällt, vollbringt er, im Himmel, auf der Erde, in den Meeren, in allen Tiefen. Aus dem Glauben an einen allmächtigen Gott entsteht für die Gläubigen das „Theodizee-Problem“:

Warum hilft Gott nicht den Leidenden? Ist er nicht gütig? Diese Frage hat viele Christen beschäftigt. Dabei haben viele versucht, die naheliegende Konsequenz zu vermeiden:
nämlich dass an der Vorstellung, es gebe einen allmächtigen und zugleich gütigen Gott,
irgend etwas falsch sein muss. Bei dem Versuch, diese Konsequenz zu vermeiden, sind Christen auf die unterschiedlichsten Ideen verfallen.

Eine davon besteht darin, die vermeintliche Gerechtigkeit Gottes gegen die ihm nachgesagte Güte auszuspielen, also die Leiden der Menschen als „gerechte Strafe“ zu erklären. Eine unhaltbare Erklärung. Menschen, die von Geburt an unter heftigen Schmerzen leiden, haben überhaupt nichts getan, womit sie das verdient haben könnten. Menschen, deren Leidenszeit erst später beginnt, haben vielleicht das eine oder andere getan, was Strafe verdient; aber das unerträgliche Leiden, von dem einige betroffen sind, steht bei den meisten von ihnen in keinem Verhältnis zu ihrer Schuld. Ein Gott, der dennoch unerträgliches Leiden als „Strafe“ verhängt, müsste ebenso ungerecht sein wie grausam.

Vergegenwärtigt man sich das ungeheure Ausmaß an Leiden in der Vergangenheit und Gegenwart - Schmerzzufügung von Seiten anderer Menschen, aufgrund von Krankheiten oder sonstigen, nicht von Menschen hervorgerufenen Ereignissen, psychische Leiden etwa durch körperliche Entstellungen, tiefe Enttäuschungen und Depressionen, Verzweiflung bis zur Selbsttötung, aufgrund nicht erfüllter basaler Lebenserwartungen und Bedürfnisse, millionenfacher Hinschlachtung unschuldiger Menschen, auch von Kindern aller Alterstufen, Trennung von Müttern und ihrer unmündigen Kinder durch Krankheit und Tod, nicht zuletzt auch in der Vergangenheit durch kirchlich gutgeheißene Verfolgung als Hexen, gemeinte Erniedrigungen von Menschen, und die vollständige Brechung ihres Selbstwertgefühls, von den Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten in der nicht menschlichen Natur ganz zu schweigen, usw. usw -, so ist man versucht zu sagen: Die christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften bestehen nur deswegen angesichts all dieser schreienden Widersprüche zur Verkündigung eines gleichzeitig allmächtigen, allwissenden und unendlich liebevollen und gütigen Gottes weiter, weil die Vorstellungskraft der meisten Menschen zu schach oder zu abstrakt verbildet ist, sich das ganze Ausmaß dieser Leiden und Greuel vorzustellen. Überwinde durch die Gewohnheit eingetretene Abstumpfung und Vergegenwärtigt man sich all dies, so fällt es schwer zu verstehen, wie angesichts dieser erdrückenden Tatsachen ein einigermaßen zu rationalem Denken und Wahrnehmung eindeutiger Wiedersprüche fähiger Mensch an einen gleichermaßen allmächtigen wie unendlich gütigen und liebevollen Gott, der darüber hinaus ja die unendliche Liebe selbst sein soll, glauben kann, züge man auch hier wieder nicht die ungeheure Wirkkraft frühkindlicher und kindlicher Suggestion und die Korumpierbarkeit des menschlichen Verstandes durch Wunschdenken in Betracht

Ein sehr bekannter Kirchenkritiker sagte einmal so klug wie er ja ist, dazu. Freilich: Gläubigen geht es fast nie um historische, philosophische, ehtische Probleme, um Wahrheit oder, bescheidener gesagt, Wahrscheinlichkeit, sondern um ihr eigenes Problem. Sie glauben, sie könnten ohne ihren Glaubern nicht leben. Obwohl sie ja, als Inder etwa, wahrscheinlich einen ganz anderen Glauben hätten. Und als Afrikaner wieder einen anderen - ein Aspekt, der jeden Glauben von vornherein relativiert. Aber...was soll`s, denn liebe Gläubigen und an den Autor, der einen patriarchalischen und frauenfeindlich eingestellten Gott angebetet, sollten sich anstatt dieses Buch zu lesen, sich die Anfangssequenz von dem Film - The CONTACT - anschauen, um sich zu vergegenwärtigen, wie unbedeutend und mickrig klein, vergleichbar nicht einmal einem kleinen Bakterium WIR im Gegenüber des weiten Universums sind. Es ist also denkbar, dass uns Lebewesen in unserer eigenen Milchstraße in Technik, Bewusstsein, Philosophie, besonders dann Religionen und anderen Wissensgebieten buchstäblich um Millionen Jahre voraus wären.
Und woher rührt diese unterschwellige Feindseligkeit her, die in Aussagen führender Theisten über den Buddhismus immer wieder zum Vorschein kommt, obwohl diese Leute ansonsten und im allgemeinen die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs heute so betonen? Diese Feindseligkeit kommt wohl im letzten und eigentlichen aus der Angst, dem sich in Frage Gestelltfühlen durch eine Religion, die ohne Gott auskommt, durch eine – so paradox das klingt – atheistische Religiosität. Denn der Buddhismus ist der frühe und große historische, genauer: religionsgeschichtliche Beweis dafür, daß es einen Humanismus und eine autonome Ethik ohne Gott, ohne Berufung auf und Stützung durch ein oberstes gesetzgebendes metaphysisches Prinzip geben kann. Gott und Götter, Geister und Dämonen gehören ja dem ursprünglichen Buddhismus zufolge zur »Maya«, zur Welt des Scheins und der Illusion. Etwa zweieinhalb Jahrtausende vor Ludwig Feuerbach hat so der Buddhismus dessen Illusions- und Projektionstheorie bereits vorweggenommen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2014 18:36:10 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.05.2014 18:36:53 GMT+02:00
Und apropo Religionen:
Welche religiösen Vorstellungen mögen außerirdische Intelligenzen haben – vorausgesetzt, sie haben überhaupt welche? Wie auch immer sie beschaffen sind, sie werden sich in weiten Bereichen, von unseren eigenen unterscheiden. Die ist eine Zwangsläufigkeit, denn unsere Religionen sind historischen Ursprungs, sie haben sich in geschichtlichen Zeiten und unter ganz bestimmten Bedingungen entwickelt: das Judentum aus älteren sumerischen und babylonischen Ideen, das Christentum aus den jüdischen, der Islam aus jüdischen-christlichen und arabischen Vorstellungen. Der Hinduismus auf älteren schamanistischen und brahmanischen Ansschauungen, der Buddhismus ist ohne den Hinduismus nicht denkbar. Hinzu kommt, das die meisten dieser Religionen offensichtlich nichts anderes sind als hochentwickelte Cargo-Kulte, die aus früheren Kontakten mit solchen fremden Intelligenzen entstanden sind. Unsere Religionen entspringen allesamt einem antiken, und, wie wir heute wissen, falschen Weltverständnis. Es sind geo- und historiopolitische Religionen, von denen keine die modernern Erkenntnisse der Naturwissenschaften, insbesondere auf dem Gebiet der Astronomie, Geologie, und Biologie, wirklich verinnerlicht hat. Vielleicht liegt hier die große kulturelle Zeitbombe verborgen, die vorstellbar ist: eine Veränderung unserer Religionen (in welche Richtung auch immer) würde zwangsläufig zu einem Wandel sämtlicher Werte in der menschlichen Gesellschaft führen. Die Frage ist, ob eine hochentwickelte außerirdische Kultur eine derartige Schockwirkung nicht voraussehen würde

Es fällt im Buch mehr als auf, das dieses als solches freilich keineswegs funktionieren kann. Und die meisten Menschen sind irgendwo religiös aufgewachsen, haben einmal die überllemaßen patriarchalische Bibel gelesen (die Küng viel zu milde kritisiert) oder im Judentum die Tora oder den Koran. Und die Vorgeschichte, was wir Altes Testament nennen, ist mehr oder weniger dieselbe. Es geht auch im Koran um Moses oder um Abraham. Zum Beispiel bei Moses: Bevor der patrilokale Gott auf den als heilig verklärten heiligen Berg herunterfährt, befiehlt er Moses, er solle einen Zaun um den Berg herum bauen, damit das Volk nicht hereinbreche, sonst würde das Volk vernichtet. Moses baut diesen Zaun. Dann fährt der Herr herunter mit Rauch, Feuer, Beben und Lärm und der ganze Boden erzittert usw. Jetzt kommen andere daher, greifen diese Geschichten auf, die wir alle schonmal in der Schule gehört haben, und erklären sie modern. Das aber war nicht Moses, das war etwas Anderes und wir haben es missverstanden. Gott braucht kein Fahrzeug, das runterfährt und raucht, stinkt und bebt.

Kurz: Gott braucht keine fliegenden Maschinen oder Fahrzeuge um von punkt A nach B zu kommen. Auch Risi Kritik im Buch gegenüber den Sumerologen ist daneben und unangebracht. Was dem Autor nicht ins Konzept passt, wird ignoriert oder als nicht existent abgetan. Da gibt es in diesem vorliegendem Buch wie auf seiner Homepage, die Abhandlung seinerseits über Ufos in den abendländischen Religionen. Nebenbei kann der Autor es sich nicht verkneifen, wie immer Göttinnen schlecht zu machen (obgleich er dieses einem voreingenommenen patriarchalischen Sumerologen überlässt; siehe seine Aburteilung gegenüber Inanna), nur um mit dem Fazit abzuschließen, das in den Veden ein Gott spricht der natürlich als „ER“ von ihm als solches erkannt wird und der Absolut ist. Mich überzeugen des Autors Gedanken einfach nicht, weil sie unter anderem sehr naiv anmuten.. es nicht, da er schon vorher - im Radikalen Mittelweg - nie von Göttinnen redet, obgleich mich die Thematik nicht interessiert - ob es nun Gott oder Göttin ist -, doch weswegen behandelt er das Thema nicht?...Der Assyriologe Prof. M. A. Powell: "Die Keilschrifttafeln enthalten eine unzählige Anzahl von Informationen über Astronomie, fremde Planetensysteme, Sternenbesucher und Angaben über die Entstehungsgeschichte des Menschen, die unser Weltbild auf den Kopf stellen würden...". Dass man um die Außerirdischen/Götter in der sumerischen Kultur nicht herum kommt, belegt Prof. Kramer eindeutig. Warum akzeptiert der Autor das nicht einfach anstatt defusses niederzuschreiben? Dieses sodann nicht etwa im biblisch-fundamentalistisch-patriarchalischen-kreationistischen Sinn; nein, sondern im vedischen. Und dieses Buch ist ein Manifest davon. Freilich kommen in diesem knapp 390 starken Buch selbstverständlich - die meiner bescheidenen Meinung nach unlogischen und abstrusen Thesen des Theismus -, um bei der Wortwahl des Autors zu verbleiben, auch vor; doch können sie nicht überzeugen.

Gehen wir aber dennoch einmal hypothetisch davon aus, nichtirdische Intelligenzen hätten zu irgendeinem Zeitpunkt unserer Vergangenheit ein genetisches Experiment mit der höchstentwickelsten Lebensform dieses Planeten gewagt. Gehen wir weiter davon aus, die Alien hätten den Evolutionsprozeß damit zwar nicht eingeleitet, aber immerhin in ihrem Sinne beeinflusst. Lassen wir alle nunmehr aufkeimenden emotionalen Gefühlsbewegungen beiseite, kombinieren wir kühn, und spielen die Möglichkeit eines gezielten Eingriffs zum Zweck der Intelligenzsteigerung des Menschengeschlechts auf der Klaviatur erworbener naturwissenschaftlicher Erkenntnisse theoretisch durch. Was könnte damals geschehen sein? Sind derartige Manipulationen überhaupt machbar? Durchaus! Was vor ein paar Jahren noch reine Utopie war, ist heute längst praktischer Alltag in den wissenschaftlichen Labors auf der Erde geworden. Wenn wir somit unsere eigene Entwicklung als Vorbild für die der gesuchten Astronauten Götter heranziehen - was, absolut im Rahmen des legitimen ist -, so erleben wir, daß der Gebrauch der Intelligenz und die physiologische Basis im Gehirn, welche diesen Gebrauch ermöglicht, miteinander in einer Art Rückkoppelung wechselwirken. Damit ist gemeint, daß eine Spezies, deren Übeleben von wachsender Intelligenz abhängig ist, einem Selektionsdruck unterliegt, welcher ein Wachstum DER Gehirnteile begünstigt, die zu einer Steigerung der Denkkapazität beitragen. Wie sich gezeigt hat, scheinen die Strukturen, welche das Gewebe organischen Lebens bilden, gleichzeitig jene der Intelligenz zu sein. Im Verlauf permanenter Evolution zu wachsender Musterkomplexität nimmt eine Gruppe von Zellen als Reaktion auf äußere Einwirkungen die umrissene Form eines Organismus an und schöpft die dadurch vorgegebenen Möglichkeiten aus. Ist dies geschehen, macht die Intelligenz sozusagen einen Schritt zurück zu einer neuen Ausgangsposition, die sie zu erneuten Fortschritt führt. Die Amphibien ließen perfekt ihrer Umwelt angepaßte Lebewesen in den Meeren zurück. Die Umsiedlung auf die Landmassen brachte die Notwendigkeit neuer Anpassung, und damit Weiterentwicklung, mit sich.

Die Menschheit scheint sich durch die unkontrollierte Veränderung der zuerst gezimmerten ökologischen Nische in eine Lage gebracht zu haben, die eine Weiterentwicklung zur Überlebensfrage macht. Es ist vorstellbar, daß viele technologische Zivilisationen vergleichbare Zyklen durchschreiten. Obgleich die Wissenschaft sich über die Natur der Erinnerung nicht einig ist und besonders an ihrer Nicht-Örtlichkeit kaut (die Erinnerung scheint in der Art eines Hologramms über das ganze Gehirn verteilt und bleibt oft in ihrer Gesamtheit erhalten, wenn Gehirnmasse zerstört wird, was gleichfalls ein holographisches Phänomen sein dürfte), hat sich erwiesen, dass Drogen, welche die RNS-Produktion im Köper steigern, auch das Erinnerungsvermögen und die Lernfähigkeit erhöhen. Tatsächlich haben manche Hormone eine steigernde Wirkung auf die Gedächtnisleistung und möglicherweise sogar auf die Intelligenz. Eines aber, da muss ich Hr. Risi recht geben, wäre hierbei Geist und Schöpfung: wäre ein gnadenloser Überlebenskampf der Motor der Evolution, müsten nur aggressive, giftige, gepanzerte Tiere existieren. Der Kampf ums Dasein sei, so Hr. Risi zugespitzt formuliert, ein Märchen, weil Schönheit, Bewusstheit und Lebensfähigkeit das Leben auf der Erde bestimmte. Es sei an der Zeit, den geist wieder in die Wissenschaft einzuführen, und Schöpfung als eine intelligenten Prozess zu begriefen. Wie und wann entstand Leben auf der Erde? Was waren die ersten Bausteine des Lebendigen? Und wie wurde sie in der „Ursuppe“ des Planeten zu belebter Materie? Molekularbiologen haben begonnen, die Chemie der Urzeugung im Labor zu ergründen. Es häufen sich die Erkenntnisse, dass Leben auf der Erde nichts als Ergebnis einer Reihe zufälliger ablaufender chemischer Reaktionern entstanden ist. Bereits der griechische Philosoph Anaxagoras vermutete, dass es im All von Leben nur so wimmelt und die Erde ein idealer Empfänger für organische Substanzen aus dem Kosmos sei.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2014 18:38:34 GMT+02:00
Argus meint:
Liebes Schweinchen:-)

Ich kann und werde natürlich nicht inhaltlich auf Ihren Kommentar eingehen. Dazu ist er mir zu lang und - unter gewissem Aspekt - auch zu unehrlich. Habe ich doch den Eindruck, dass Sie meine Rezension nur als Vehikel benutzen, Ihre Sicht der Dinge darzulegen. In einer offenbar vorgefertigen Form, denn

a) Sie gehen mit keinem Wort auf meine Rezension ein
b) Auch nicht auf das Werk als solches.

Sie missionieren nur, bzw. nutzen halt die Produktbewertung als Sprungbrett für die Darsellung Ihrer Auffassung. Das ist wahrscheinlich in Grenzen legitim, es gibt bei Amazon aber eine wirklich schöne, innovative und angebrachtere Möglichkeit: Veröffentlichen Sie Ihre Gedanken doch als E-Book bei Amazon!

Freundschaft!

Veröffentlicht am 15.06.2014 17:26:58 GMT+02:00
Man lese die Bibel selbst und frage sich, ob es nicht die sie selbst ist, die das religiöse Gefühl verletzt, und weniger derjenige der sie referiert

Wer würde:

Wer würde als Mensch mit einem Minimum an Selbstachtung von einem Menschen oder Gott noch ein Stück Brot nehmen der z.B. Menschen auch Kinder lebenslang grausam entstellt lässt, der millionenfache Quälereien psychischer und physischer Art, auch an Kindern, bevor sie überhaupt sündigen konnten, nicht nur durch andere Menschen, sondern auch durch von Menschen unverschuldete Krankheiten und Mißbildungen hervorgerufen, als Strafen verhängt? Analoges gilt für das ebenso verbreite Argument, diese Leiden gingen auf den Missbrauch des von Gott als hertes gut zugestandenen freien Willen zurück. Dagegen spricht schon die große Zahl der den Menschen ungewollt und ohne ihr eigenes Zutun zugestoßende Leiden. Entsprechendes gilt für die Vertröstung auf später oder im Jenseits folgende Erlösung oder Freude: Die Frage nach der Berechtigung gegenwärtigen Leidens wird dadurch nicht beantwortbar, die Tatsache der von Gott nicht verhinderten millionen Qualen der menschlichen und außermenschlichen Kreatur nicht gerechtfertigt.

Es bleibt aber offensichtlich die Macht (früh) kindlicher Indoktrination und tief verankerten Wunschdenkens den weiteren Denkvollzug: Lennox, vermag offenbar nicht die einzig mögliche, ja zwingende Konsequenz aus den auch von ihm nicht bestrittenen Teilaussagen zu ziehen: Ein Gott, wie ihn das Christentum verkündet, der gleichzeitig allmächtig und unendlich gütig, und liebevoll sein soll, also der christliche patriarchalische homoerotische Gott, kann angesichts des überwältigenden Gegenarguments der historischen und auch biologisch-naturgeschichtlichen Realität nicht existieren.

Zutiefst inhuman:

Schwarzweißwelten gibt es nur in der Sicht verbohrter Fanatiker, nicht aber in der Realität. So enthält auch die Bibel als Projektionsschirm menschlicher Weltbilder, Einstellungen, Gefühle, Leidenschaften usw. keineswegs nur negativ zu bewertende Inhalte. Ein Buch, eine Normenquelle aber, die mit dem Anspruch auftritt, aufgrund göttlicher Inspiration, Leitlinien mit absolutem Geltungsanspruch zu vermitteln, deren Bedeutung als nicht nur und nicht primär darin liegt zu vermitteln, wie die Dinge sind, sondern wie sie sein SOLLEN, darf nicht neben auch positiven Inhalten eine solche Fülle archaischer, zutiefst inhumaner und ethisch höchst verwerflicher Leitbilder als göttlich inspiriert und damit das ihnen entsprechende Verhalten als göttlich legitimiert und von Gott autorisiert vorstellen, explizit oder implizit durch göttliches „Modellverhalten.“
Einen Gott, der Eroberungskriege inklusive der ausdrücklich angeordneten Hinschlachtung von Kindern, Frauen und Greisen befiehlt, der eine inhuman grausame Blutjustiz immer wieder eindringlich fordert und die extrem grausame Hinrichtung seines eigenen Sohnes als Sühneopfer ausdrücklich wünscht, der Minderheitern wie etwa Frauen und Sklaven extrem diskriminiert, der die Ausrottung Andersgläubiger befiehlt, Geisteskrankheit auf Besessenheit zurückführt oder ewige (!) Höllenquellen androht, einen solchen Gott, auch wenn er, extrem widersprüchlich, an anderer Stelle Nächstenliebe, ja sogar Wehrlosigkeit zu propagieren, scheint (mir) schwer zu rechtfertigen: Die Geschichte hat ja gezeigt, wie sehr der Mensch dann auch darin zum Ebenbild Gottes wurde.

Auch schon für die Bibel und nicht erst für das auf ihr aufbauende Christentum lässt sich sagen: Wer sich über die Bibel nicht empört, kennt sie nicht. Oder ist zu feige, oder innerlich zu unfrei, sich zu empören.

Dass die Bibel als Gottes Wort teilweise auch historisch, nicht nur naturwissenschaftlich, die Unwahrheit sagt, z.B. auch in der so beliebten Weihnachtsgeschichte – Erfindung einer Volkszählung als Arrangement, den Geburtsort Jesu nach Bethlehm, von oder Messias kommen solle, zu verlegen – sei nur am Rande vermerkt. Diese sehr harte Aussagen müssen, eben weil sie unserem gegenwärtigen teils nebelhaft-verunklarten, teils dezidierten Klima ungebrochener Bibelverehrung kraß wiedersprechen, ins Gesicht schlagen, im einzelnen belegt werden.

Und wenn man aus Gründen der Stützung und Hebung der (Volks-) Moral (es steckt nicht selten ein gehöriger Anteil an Überheblichkeit und Arroganz in einer solchen Position) einen Gottesglauben als förderlich ansehen würde, so könnte dies durchaus auch ein unzutreffender Gottesglaube sein; nach all dem gräßlichen in der Bibel stehender aber wäre Küng heftig zu widersprechen, wenn er meint: “und ist es nach allem Vorausgegangenen nicht rational verantwortbar, dass ich mir für das praktische Handeln das letztlich Entscheidende vom Gott der Väter vom Gott der Bibel stehen lasse)“ (Küng, 1978b, S. 725)

Im übrigen ist schon die dabei stillschweigend oder explizit gemachte Vorrausetzung, dass eine theistisch begründete Ethik effizienter sei, aufgrund der bislang überschaubaren Geschichte wenig begründet. Die Zahl der Verbrechen und Greuel, die gerade unter der Herrschaft theistischer nicht- theistischer Positionen begangenen keineswegs nach, dürfte sie im Gegenteil eher übertreffen, nicht zuletzt was die Qualität und Intensität der verübten Grausamkeiten angeht (vgl. auch die von Küng angeführte „Chronique scandaleuse“ des Christentums; 1978b, S. 349). Und die für uns heute und unserer allgemein geteilte Ethik basalen Grund- und Menschenrechte, auch dies sollte man entgegen der heute üblichen Verschleierungs- und historischen Verfälschungsversuche nicht vergessen, sind zum weitaus größten Teil gerade GEGEN theistische Positionen erkämpft worden (eine Tatsache, die auch von Küng und vielen anderen Theologen heute nicht bestritten wird).

Zudem lassen sich dem grundsätzlichem Setzungscharakter ethischer Nomen auch positive Seiten abgewinnen: Sie werden durch vereinbar, verlieren ihre heteronome Ridigität aufgrund vermeintlicher göttlicher Setzung und können an neue Situationen angepasst werden, ein heute sehr wichtiger Aspekt, den Nietzsche schon sehr klarsichtig erkannt hat: „Die Sitte repräsentiert die Erfahrung früherer Menschen über das vermeintliche Nützliche und nicht auf jene Erfahrungen als solche, sondern auf das Alter, die Heiligkeit die Indiskutabilität der Sitte. Und damit wirkt dieses Gefühl dem entgegen, dass man neue Erfahrungen macht und die Sitten korrigiert: d.h. die Sittlichkeit wirkt der Entstehung neuer und besserer Sitten entgegen sie verdummt“. (Nietzsche, Morgenröte, Aphorismus 19). Dass die Möglichkeit der Selbstsetzung ethischer Normen, d.h. der Selbstbestimmung, der Würde des Menschen eine ganz neue Qualität geben und ihn eben dadurch über andere Lebewesen herausheben kann, sollte ebenfalls gesehen werden.
Wie problematisch im einzelnen, was Selbstbestimmung und Ausmaße erreichter Humanität und menschlicher Würde angeht, eine theistische Moral in Verbindung mit einem partiell so archaisch-inhumanen Gottesbild wie dem biblisch-christlichen und eine so starke Ausrichtung auf eine im letzte extrem egoistische (vgl. die bei Christen so verbreitete Toleranz gegenüber ewigen Höllenstrafen, soweit sie nur nicht einen selbst sondern anderer treffen) „Lohn“ Erwartung gesehen werden kann, soll jetzt im einzelnen nicht ausgeführt werden, sondern vielmehr nur als Gegenstand eigenen Weiterdenkens empfohlen werden

Erinnern wir uns weiter: was waren solche wesentlichen religiösen und ethischen biblischen Aussagen, also etwa über das wesen und das handeln Gottes gegenüber Menschen und Welt? Man kann ohne weiteres aufzeigen, dass die Bibel war durchaus auch positiv zu beurteilende Aussagen enthält, etwa das Liebesgebot, allerdings mit massiven, häufig extrem sadistisch-grausamen Strafandrohungen und –phantasien, d.h. so gut wie immer verbunden mit einem mehr oder minder sublimen Appell an den jeweiligen Heilsegoismus des Angesprochenen.
Neben diesen insgesamt sehr zurücktretenden, bei großzügiger Sicht noch positiv zu sehenden Aspekten ließen sich eine Fülle extrem inhumaner Züge, und zwar sowohl im Alten wie im Neuen Testament, aufzeigen: Aufforderung Gottes zu mitleidslosen Eroberungs- und Ausrottungskriegen (Genozid), zur Ausrottung und Intoleranz gegen Andersgläubige, zu einem archaisch-grausamen Rechtswesen; die fast durchgängig zu findende Attraktivität von Blut und Blutvergießen, die neutestamentliche Androhung EWIGER körperlicher und psychischer extrem qualvoller Strafen (Hölle), von den Kirchen nie offiziell wiederrufen, sondern bis in die neueste Zeit immer wieder bestätigt, die vom neutestamentlichen Gott ausdrücklich gewollte extrem grausame Hinrichtung eines Menschen, zu dem der selbe Gott in einem Vater-Kind-Verhältnis stand, als Sühneopfer und Vorraussetzung seiner eigenen Versöhnung und unserer Erlösung, d.h. partieller Errettung von eben diesen ewigen Höllenstrafen, wobei dieses Kreuzesopfer als Kerngeschehen der christlichen Religion verkündet wird;
das Ausmalen extremer Strafen und Quälerein an ungläubigen oder nicht nach biblisch-christlichen Nomen lebenden (vgl. hier besonders die geheime Offenbarung des Johannes); die Verkündigung eines kruden Teufels- und Dämonenglaubens und die Rückführung von psychischen und körperlichen Krankheiten auf die Besessenheit durch Teufel und Dämonen, die darauf konsequent aufbauende Aufforderung zur Teufelsaustreibung:

neben der so zumindest implizit geförderten Diskriminierung von Geisteskrankheiten die ausdrückliche Diskriminierung von schwächeren Teilpopulationen und Minderheiten, wie etwa Frauen, Andersgläubigen und insbesondere auch Juden (neutestamentlich); das ausdrückliche Gutheißen der Sklaverei und die Aufforderung an die damaligen Sklaven zur Unterwerfung unter ihr nicht zuletzt gegen fundamentale Menschenrechte und gegen die Menschenwürde verstoßendes Schicksal; die weitgehende negative Zeichnung des Menschen als verderbt, sündig, unfähig zum guten und gerechterweise zur ewigen qualvollen Bestrafung durch Gott bestimmt, die eidem Gott ausdrücklich zugebilligte völlige Willkür und die absolute Rechtlosigkeit des Menschen vor diesem Gott; die Aufforderung zu einer rausgesprochenen Prügelpädagogik usw. usw (vgl. dazu die Bibel selbst): all dis als Quelle und letzte Entscheidungsinstanz aller christlichen Religiösität und Ethik zugemutet.
All dies vor dem Hintergrund einer Kirchengeschichte, nicht nur, aber zu ganz wesentlichen teilen - für jeden, der es nur WILL erkennbar - gekennzeichnet durch ein unsägliches Ausmaß an physischen und psychischen Grausamkeiten, an Folter, Quälerein und Religionskriegen, an geistig-psychischer Unterdrückung und Unfreiheit: zumindest zu einem wesentlichen Teil stimmige Konsequenzen der biblischen Inhalte und der dort als verbindlich vorgestellten Verhaltensmodelle.

All dies vor dem Hintergrund einer weltweit in beiden Buchreligionen, Christentum und Islam, zu registrierenden regressiven Fundamentalismuswelle, die zurück will zu einem wörtlich-verbindlichen Verständnis der jeweiligen heiligen Schriften und daraus konsequent abzuleitenden Verhaltensregeln für das individuelle und öffentliche leben mit der damit implizierten großen Gefahr er gegenseitigen Vernichtung der sich in ideologischen Schwarzweißblöken gegenüberstehenden Menschheitsgruppe, eine Gefahr die zuletzt besonders wieder deutlich wurde in dem starken Einfluß fundamentalistischer amerikanischer Gruppen auf Zeit, und seine Administration, in der verhängnisvollen Legierung aus fundamentalistischer Bibelgläubigkeit und Kreuzzugsmentalität (vgl. z.B. Reagans ursprünglichen Glauben an das bevorstehende biblische Harmageddon als biblischen Endkampf des guten Amerika gegen die Sowjetunion als das „Reich des Bösen“)

All dies und all die genannte intensive öffentliche Förderung angesichts der intellektuellen Zumutung, an einen zugleich allmächtigen, allwissenden und zugleich liebevollen gütigen Gott glauben zu sollen, obgleich es kaum ein Faktum gibt, das besser bestätigt wäre, als daß offensichtlich „denke, fühllose und lieblose Mächte das menschliche Schicksal bestimmen (Sigmund Freud, 1940, S. 180)

Dazu:

Noch einmal: Wer meint, verständlich aufgrund der gängigen religiösen Sozialisation und der auf sie zurückgehenden weitgehenden Desinformation, dies alles sei ein Zerrbild, der „wahren“ biblisch-christlichen Religiosität, der sollte unbefangen die Bibel selbst lesen, und sich um unzensierte, authentische Kenntnisse über die Kirchengeschichte, wie sie wirklich war, bemühen. Man muß ja auch hier verlangen, auf anderen Gebieten ein selbstverständliches Postulat intellektueller Redlichkeit und verantwortlicher Urteilsbildung, dass jemand die unselektierten biblischen Texte und die Fakten der Kirchengeschichte erst einmal zur Kenntnis nimmt, ehe er vorschnell dieses, zugegebenermaßen unvertraut-provokative Bild der Wirklichkeit ablehnt.
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