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Kundenrezension

31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefgründig wie nie zuvor - Gary ist ganz oben angekommen!, 21. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Since I Saw You Last (Limited Deluxe Edition) (Audio CD)
Dieses in England bereits mit Doppelplatin ausgezeichnete Album, besitze ich seit November letzten Jahres, bestellt aus UK, da Universal ja nicht in der Lage war, einen solchen Knaller zeitgleich in Deutschland zu veröffentlichen. (Immer noch Kopfschütteln über so eine Strategie)
Inzwischen kenne ich das Album in und auswendig und auch nach vielfachem Hören ist es das mit Abstand beste/persönlichste Album von Gary Barlow geworden.

Der Mann hatte seine Höhe- aber auch viele Tiefpunkte im Leben, wurde von seinem Label, nachdem RWs "Angels" herauskam, fallen gelassen und konnte, obwohl vorher so begehrt, seine Freunde plötzlich an einer Hand abzählen. Dann folgte 2006, fast 10 Jahre später mit Take That 4 das größte Comeback der Musikgeschichte. In 2007 und 2008 brachten sie die – für mich - beiden besten Take That Alben „Beautiful World und „The Circus“ heraus. Nach der Progress Tour (incl. Rob) war Gary viel solo unterwegs, machte zwei Tourneen alleine, viele Charityveranstaltungen, wurde für 3 Jahre X-Factor UK Juror und organisierte schließlich das Konzert zum Diamond Jubelee von Queen Elisabeth II, wozu er den Nr.1 Hit "Sing" beisteuerte. Von der Queen mit dem OBE geadelt, stieg Gary in UK endgültig zum Superstar auf. Dann aber starb im August 2012 kurz nach der Geburt seine Tochter Poppy. Viele haben vermutlich den tapferen Abschlussauftritt bei den Olympischen Spielen 2012 gesehen, als er mit schmerzverzerrtem Gesicht nur wenige Tage nach Poppys Tod "Rule the world" sang.

Nach der großen Resonanz, die seine letzte Tour Anfang 2013 erhielt, entschied er sich zu dem, was er einst geschworen hatte, nie wieder zu tun: nach 14 Jahren ein Solo CD aufzunehmen. In dieser CD verarbeitet er nun alle persönlichen Erfahrungen. Das alles im zeitlosen, für mich aber doch teils überraschenden Sound. Die erste Erleichterung stellt sich dennoch schnell ein – die furchtbare Zeit der Elektropop Klänge von „Progress“ ist vorbei. Hallelujah! Gary ist nicht nur einer der genialsten Musiker unserer Zeit, er hat auch eine tolle Stimme! Viel zu schade, diese hinter Elektroklängen zu verstecken.

Das Thema "Streit mit Robbie Williams/Robbie ist sowieso viel besser" ist ebenfalls durch, auch wenn’s die Presse in Deutschland noch immer nicht begriffen hat. Die beiden sind seit 2008 – nach so vielen Jahren des Hasses und gegenseitigen Verletzens - wieder enge Freunde. Sie haben - wie sie selber sagen - eine Art Liebesbeziehung und scheinen seit Jahren nicht mehr wirklich ohne den anderen zu können. So steuert jeder auf dem Soloalbum des anderen seine Songs bei. RW hat auf Garys Album an dem Opener "Requiem" mitgeschrieben. Der Song ist Garys 2009 verstorbenem Vater gewidmet und beweist neben dem Beatles Sound schon eine gehörige Portion Humor, denn er ist aus der Sicht des Toten geschrieben : "Why bring me flowers, when you know that I can’t smell a thing?" Sehr guter Beginn.

Es lohnt sich wie bei den meisten Künstlern, gerade aber bei diesem Album auf die tiefgründigen Texte zu achten. Gary selbst sagt, dass alle Texte autobiographisch sind, bis auf "Jump". In diesem Song, der für jeden von uns gelten könnte, geht es darum, wie man wieder aufsteht, ins Leben zurück "springt", nachdem man gefallen ist. Wer die Akkustikversion dieses Songs bei BBC Radio 2 gesehen hat (gibt’s auf YT), muss unweigerlich Gänsehaut bekommen. Ganz großes Kino und eins seiner besten Stücke!

Beeindruckend finde ich, dass er seine Texte, die manchmal schon traurig sind, dennoch in überraschend fröhliche Musik verpackt. Das bereits bekannte "Let me go" ist ein Song über das Ende einer Beziehung, kommt aber mit flottem und lebensbejahendem Sound im Folk-Stil von Mumford and Sons daher (tatsächlich wurde er hier von Johnny Cash inspiriert). Ein weiterer Ohrwurm ist das Duett mit Elton John "Face to Face". Oft scheinen Musik und Texte gar nicht zusammen zu passen, verarbeitet Gary Gegensätze, die letztlich doch wieder stimmig werden.

Hervorzuheben ist sicherlich auch der Titelsong "Since I Saw You Last" über die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, nachdem sein Label in damals fallen ließ. In dem Song steckt viel Energie, als er singt: "To those who stood and watched, go f..k yourself"! Es ist ihm nicht mehr wichtig, jedem zu gefallen: "I accepted, that I won't be in fashion". Thank "God".

Der Song "God": hier wird es unerwartet spirituell. In einer Zeit, in der Religion eher unmodern geworden ist, stellt er sich meditative Fragen, verpackt in wunderschönen Sound.
Gary hat sich bei vielen Songs die Seele aus dem Leib geschrieben. Am allermeisten aber wohl bei dem kaum zu ertragenden "Dying Inside" über die Totgeburt von Poppy. Hier geht seine Stimme ins Falsett, man kann den Schmerz in jedem Ton hören, begleitet im Hintergrund von einem Cello.

Einige Songs scheinen auch seiner Beziehung zu Rob gewidmet. "Mr. Everything" (hier gibts einen Satz, bei dem ich wirklich fünf mal hinhören musste, um zu glauben, dass er die Worte wirklich singt :)), dann "6th Avenue" über seine Reisen ins nicht ganz zufällig 6000 Meilen entfernte L.A. und der letzte Song auf dem Deluxe Album "The Song I’ll never write" sagen in diesem Zusammenhang mehr als tausend Worte.

Genau das finde ich so überraschend an dem Album. Gary hat stets gesagt, dass er gute Popsongs schreiben wolle, war aber eher introvertiert und hat seine Gefühle nur selten gezeigt. Bei diesem Album gibt er alles von sich, nicht nur das Titelcover lässt große Nähe zu, man erkennt jede Falte und Sommersprosse. In den Texten verrät er sein gesamtes Seelenleben. Das mag heute bei Künstlern nichts besonderes mehr sein, RW hat das noch nie anders gemacht, aber für Gary Barlow war das sicher ein Riesenschritt. Und dann mal gleich voll auf die Zwölf! Aufbruch und Neubeginn...

Insgesamt ein intensives Album, das musikalisch auf höchstem Niveau ist, es gibt Überraschendes in den Klängen und Texten, manchmal geht er zu den einfachen Klängen zurück. Immer aber steht seine fantastische Stimme im Vordergrund.
Einzige Ausnahme, was das musikalische und textliche Niveau angeht, ist "Small Town Girls". Das ist Billigpop, den Song hätte er sich sparen können. Ein einzelner Song rechtfertigt bei so einem Gesamtmeisterwerk aber keinen Stern Abzug.
Gary hat als einer der besten Songwriter Europas einen Volltreffer gelandet und darf stolz auf dieses Album sein. Der Mann ist ganz oben angekommen und hat es verdient!

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.02.2014 11:58:06 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.02.2014 12:12:56 GMT+01:00
xyz meint:
Wenn ich das Album nicht schon hätte, würde ich es glatt nach der Rezension kaufen!! DANKE!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.02.2014 12:03:58 GMT+01:00
oh, danke schön! :)
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