Kundenrezension

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen What's the point?, 7. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Minor Misdemeanors (MP3-Download)
Wenn man als Metal-Fan eine CD kritisiert, auf der Metal-Songs in ein anderes Soundgewand überführt werden, kritisiert, gar niedermacht, so wie das gleich hier passierend wird, ist man sozusagen mit Ansage dem Vorwurf ausgesetzt, Konservativ zu sein, Scheuklappen zu tragen oder - mein Fave - der Sache intellektuell nicht gewachsen zu sein.

Metal mal anders - das ist ja im Grunde nichts neues. Schauen wir uns mal die Konkurrenz an: Mambo Kurt. Der Alleinunterhalter spielt Metal Songs auf einer Heimorgel (mit Rhythmusmaschine) nach und singt dazu. Dabei werden die Songs in ein orgel-kompatibles Arrangement überführt und teilweise "verswingt" und "angejazzt" - aber das natürlich nur auf Tanztee im Altersheim-Niveau. Insgesamt eine charmante Idee und gute Leistung als Entertainer und Arrangeur.

Apocalyptica haben "als Gag" auf ihrem ersten Album Metallica Songs auf vier Celli gespielt. Der Rest ist Geschichte. Die Band hat sich bereits auf Album Nummer zwei aus der puren Metallica-Cover Nummer verabschiedet und u.a. Pantera und Faith No More gecovert und sogar ein paar Eigenkompositionen eingestreut. Ab dem dritten Album Cult sind (sehr starke) Eigenkompositionen die Regel, Cover nur noch Bonustracks, wenngleich diese weiterhin stark sind.

Van Canto (ich würde es vorziehen, eine Dose Sürströmming zu essen, als eine CD durchzuhören) übertragen immerhin die Musik in Gesangsarrangements und reproduzieren so mehr oder weniger die Originale ausschließlich mit Stimmen. Soweit so Respekt. Auch wenn es wirklich unerträglich ist.

Tori Amos hat auf Strange Little Girls zwar (auch) Slayer's Raining Blood gecovert - der Ansatz des Albums war es jedoch Songs zu covern, die ursprünglich von Männern performt wurden (u.a. Eminem, Depeche Mode, Neil Young) und diese aus der Perspektive von fiktiven Frauenpersönlichkeiten zu performen. Zusammen mit dem Booklet (Liner Notes von Neil Gaiman) ein Gesamtkunstwerk. Dabei hat sie sich bei der Interpretation mehr oder weniger an die musikalische Vorlage gehalten (etwa I Dont Like Mondays) oder eben gar nicht (Raining Blood). Insoweit gilt dieses Album m.E. nicht als Metal-Cover Album, sondern spielt in einer eigenen Liga.

Kommen wir zu Hellsongs. Wie auf dem Debut, findet auch auf diesem Album keine Auseinandersetzung mit der Musik statt. Sie wird schlichtweg über den Haufen geworfen, nicht arrangiert, umgearbeitet (meine Güte, wenn ich an die vier Finnen im Kleinwagen denke, die Bohemian Rhapsody performen) - gar nichts. Stattdessen werden die Lyrics weiterhin mit seicher Folk- / Akustikinstrumentierung unterlegt und in einschläfernder, nicht relaxter Weise performt. Dagegen ist Lina Persson von den Cardigans ein tollwütiges Wildschwein auf Steroiden.

Mag das alles beim ersten Mal noch halbwegs charmant gewesen sein, so ist hier keine Weiterentwicklung zu sehen. Nichts. Würden sich Hellsongs nicht krampfhaft und schamlos im Metalsektor bedienen und anbiedern - die Musik würde wirklich niemanden auch nur aufhorchen lassen. Insoweit nervt es mich schon, dass die Metal-Szene, die wirklich jahrelang verachtet, ausgelacht, für Dumm und Gewalttätig erklärt worden ist, als letzte Bastion der Tonträgerkäufer und Konzertgeher von allen Seiten angezapft und ausgemolken wird. Aber auch wir, auch die "Heavy-User" (Pun intended!), die wir montatlich für 100e Euros unsere Szene unterstüzten, CDs kaufen, Shirts kaufen, zu Konzerten gehen, Magazine lesen, können und wollen nicht jeden Käse unterstützen. Deswegen die klare Bitte: spielt eure kleine harmlose Folk-Brühe doch gerne in selbstverwalteten Cafes, Kleinkunstbühnen oder auf der Toilette. Nur Federn im Poppes machen noch lange kein Huhn.

Ach ja, neben o.g. Klischees gilt der Metaller ja natürlich als intolerant. Ich würde aber sagen, dass wir aufgrund unseres speziellen Geschmacks, den wir nicht immer und überall ausleben dürfen, ganz besonders tolerant sind, v.a. was das Anhören und Ertragen von nicht-metallischer Musik ist. Daher ist es besonders befremdlich, wenn in den positiven Rezis vornehmlich Nicht-Rocker davon schwadronieren, dass endlich Guns n Roses in dieser Form für sie hörbar wird oder dass die einzigen guten Songs von Metallica The Unforgiven und Nothing Else Matters sind. Wir wollen Euch hier nicht!
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.06.2014 13:33:49 GMT+02:00
Sowas von signed, besonders die letzten Absätze. Frei nach dem Motto "mit denen kann mans ja machen". Sowas finden die angepassten Spießer ganz toll, damit die sich auch mal voll rebellisch und alles fühlen können.
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