Kundenrezension

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im vierten Anlauf habe ich es geschafft: ein etwas dröges aber ungemein lehrreiches Buch, 26. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Heimatmuseum: Roman (Taschenbuch)
In der Persönlichkeitspsychologie unterscheidet man Strebungen "das sollte ich tun" von Strebungen "das möchte ich tun". Mit den Büchern verhält es sich ebenso - bei manchen hat man das Gefühl, man sollte sie endlich lesen, hat aber partout keinen Bock dazu, andere ergreift man mit Lust und liest sie durch in einem Rutsch. Auch auf die Gefahr hin, die große Siegfried Lenz Gemeinde zu vergrätzen, das Buch "Heimatmuseum" gehört ganz sicher nicht in die zweite Kategorie. Dabei zählt es zu den bekanntesten Werken der deutschen Nachkriegsliteratur, es gilt als ein Buch, das man als Mensch auf der Höhe der Diskussion gelesen und verstanden haben sollte. Nur -das ist leichter gesagt als getan. Dreimal habe ich es schon versucht, und jedes Mal sind mir dabei die Füße eingeschlafen, was sicher nur an mir und nicht an Siegfried Lenz lag.
Bei dem nun vollzogenen und auch beendeten vierten Anlauf habe ich die Zähne zusammengebissen und das Buch bis zum Ende gelesen. Nach den ersten siebzig Seiten, wenn man sich erst an die literarische Fiktion der Krankenbetterzählung und den suadahaften Stil gewöhnt hat, zieht einen die Geschichte aber dann tatsächlich mehr und mehr in ihren Bann. Es ist die Geschichte Masurens, der verlorenen Heimat, die hier in ihrer kulturellen und ethnischen Vielfältigkeit in Gestalt einer verschlungenen Familiensaga ausgebreitet wird. Der Roman beginnt damit, dass der gebürtige Masure Zygmunt Rogalla sein geliebtes Heimatmuseum in Schleswig-Holstein niederbrennt und diese zunächst unfassbare Tat einem fiktiven Zuhörer am Krankenbett erklärt. Schnell wächst sich diese Erzählung zu einer Geschichte Masurens aus, zur Schilderung der Rogallaschen Kindheit in der Nähe der ostpreußisch-maurischen Stadt Lucknow, zur Darstellung seiner Familie, seiner Freunde und Liebschaften, zur Schilderung von Dönekens, Ehrenhändel und Schmuggelaffären in der hintersten Ecke Deutschlands. Bis eines Tages der Lehrer seinen verdutzten Schülern mitteilt "Wir haben Krieg" sich eine Pfeife anzündet und seine Schäfchen nachhause schickt.
Damit beginnt die moderne Geschichte Masurens, die über den ersten Weltkrieg, die Volksabstimmung des Jahres 1920, den Siegeslauf der Nazis in den Dreißiger Jahren und schließlich den Untergang Masurens unter dem Terror der Roten Armee ihr Ende findet. Rogalla flieht nach Schleswig Holstein, wo er in seinem Heimatmuseum Utensilien Masurens liebevoll sammelt und pflegt - bis er eines Tages sein Museum selbst niederbrennt. Warum er das macht, ist gleichsam der Dreh und Angelpunkt dieses großen Romans und soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden
Ich kann nur empfehlen, bei der Lektüre des Buches nicht schlappzumachen. Es stimmt: karg wie der Boden Masurens ist die literarische Atmosphäre, dann aber gewinnt der Roman, wie die Abenddämmerung an einem der großen Masurischen Seen, in der einen oder anderen Partie eine irisierende Transparenz. Eine durch und durch lehrreiche Geschichte, zu der ich Andreas Kossuts großes Buch über "Masuren. Ostpreußens vergessener Süden" als Parallellektüre empfehle.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.08.2008 18:23:23 GMT+02:00
E. Fischer meint:
hat mich angespornt, dieser kommentar : bin seit wochen am 'heimatmuseum' lesen. mit pausen, in denen ich mich mit agatha christie entspanne. wenn mans aber 50 seiten hintereinander schafft, ist's weniger langweilig. doch doch, ich liebe siegfried lenz.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.05.2014 13:03:42 GMT+02:00
jurifi meint:
mir ging es so mit DEUTSCHSTUNDE. Das Buch bekam ich geschenkt, als ich 12 war. Mit 42 habe ich es dann gelesen. Es hat alle Umzüge und Stürme meines Lebens überlebt und gehört heute zu meinen Lieblingsbüchern. In Heimatmuseum habe ich bis jetzt nur reingeschnuppert. Es gehört zu den "sollte man mal lesen" Büchern.
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