Kundenrezension

33 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flotter Brahms - sehr empfehlenswert!, 17. August 2010
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Rezension bezieht sich auf: Brahms: Sinfonien 1-4 (Karajan Sinfonien-Edition) (Audio CD)
Johannes Brahms tat sich mit der großen Form der Sinfonie recht schwer, denn, so Brahms, sei es "seit Haydn" kein Zuckerschlecken mehr, eine Sinfonie zu schreiben. Besonders zu ringen hatte er mit seiner Ersten in c moll op. 68, auch wenn es das Ergebnis nicht vermuten lassen würde. Das 45minütige Werk eröffnet düster und gemessen mit Unheil verkündenden Paukenschlägen. Auch das folgende Allegro erweist sich alles andere als freundlich, ist herb und unerbittlich.
Der langsame Satz ist von typisch brahmsscher Schlichtheit und beeindruckt gerade darin. Auf ein Scherzo verzichtet der Komponist, setzt stattdessen auf ein tiefsinniges und beeindruckendes Allegretto.
Im unbarmherzigen Finale zögert Brahms das Highlight lange hinaus. Zurecht, denn das berauscht sogleich, ist erhebend und zählt zu seinen berühmtesten Melodien.

In D Dur steht die zweite Sinfonie op. 73. Sie eröffnet mit einem gemächlichen Kopfsatz. Diesmal ist der langsame Satz wesentlich umfangreicher als in der vorigen Sinfonie und vor allem ausdrucksintensiver.
Das Scherzo baut Brahms unkonventionell auf, denn der Hauptteil ist ein pittoreskes Allegretto, das von einem wilden, furiosen Trio unterbrochen wird. Im einfallsreichen Finale spinnt der Komponist die Fäden weiter, verwebt alles zu einem bombastischen Ausklang.

Die in meinen Augen beste Sinfonie des großen Hamburgers ist seine dritte in F Dur op. 90. Auch wenn der Kopfsatz mit Allegro con brio" betitelt ist, so wirkt er doch seltsam gehemmt, in seiner Anlage beinahe statisch, passiv, verharrt in seiner tiefen Leidenschaft. Wieder ist der langsame von erstaunlicher Schlichtheit.
Im dritten Satz führt Brahms das, was er in der ersten Sinfonie angedeutet hat, zu Ende, zelebriert in düsteren, berückenden Klangbildern geradezu etwas Okkultes - mit strahlendem, pathetischem Ende. Das feurige Finale strotzt vor Kraft. Dennoch wirkt es düster, mysteriös. Es obliegt dem Hörer, zu urteilen, ob dieser Kehraus nun freudig oder bizarr traurig ist.

Von seiner letzten Sinfonie in e moll op. 98 soll Johannes Brahms gewusst haben, dass es seine letzte sein würde. Eine Ahnung davon könnte man im leidenschaftlichen, traurigen Kopfsatz finden, der nur selten von versöhnlicheren Episoden abgelöst wird.
Der langsame Satz ist ausgezeichnet und übertrifft in seiner Ausdrucksvielfalt alle vorigen langsamen Sätze. Auch setzt der deutsche Tonsetzer erstmals auf ein wirkliches Scherzo, in dem er sich von einer beinahe ungewohnten Seite zeigt; ein erstes und letztes Mal nämlich weicht er von der von Beethoven etablierten Form des Orchesters ab und setzt hier eine Triangel ein.
Dennoch kennt nach diesem Freudenfest das Finale kein Erbarmen. Hoffnungslos bricht es herein, offenbart sich beizeiten als ungeheurer Variationssatz, dessen Finale auch den letzten Hoffnungsschimmer zerschmettert.

Der Variationszyklus über den Chorale St. Antoni von Joseph Haydn op. 56a, die sogenannten "Haydn Variationen", beweist Brahms' Fähigkeit, umfassendes thematisches Material immer wieder umzuformen, ohne dass ihm dabei die Luft, der Tonus abginge. Das strahlende Finale berauscht immer wieder.

Zwei Ouvertüren komponierte Johannes Brahms, von denen die "Tragische Ouvertüre" op. 81 die bessere von beiden ist. Das Stück ist leidenschaftlich, dabei aber nicht zu kräftig und schnell. Immer wieder offenbaren sich aber auch freundlichere Passagen.

Zeitlebens galt Herbert von Karajan als Brahms Exeget, auch wenn er einige Werke gar nicht einspielte - wie beispielsweise die "Akademische Festouvertüre". Der vorliegende Zyklus entstand Ende der 70er Jahre - wofür die Tonqualität sehr gut ist. Im Gegensatz zum später eingespielten Zyklus, der glatt wirkt, lässt sich Karajan hier noch auf die partielle Schroffheit der brahmsschen Sinfonien ein. Für die erste Sinfonie hatte er von jeher ein Faible. Mit seinen brillant spielenden Berliner Philharmonikern zaubert er hier die absolute Referenz dieser viel gespielten Sinfonie. Auch die zweite und die vierte Sinfonie standen häufiger auf dem Plan des Stardirigenten. Er lässt sie gehend und detailgenau spielen. Die bombastischste Einspielung ist allerdings die der Dritten, die Karajan weniger häufiger einspielte. Auch die beiden Zugaben bietet er leidenschaftlich, fließend, farbig nuanciert und scharf akzentuiert dar.

Fazit: Preiswert aber hochkarätig! Auch wenn das Booklet nicht gerade umwerfend ist, überzeugt der Inhalt der drei CDs voll und ganz - und trotz des Schnäppchenpreises sind die CDs in Papphüllen und nicht, was ja eine neue Unsitte ist, in billigen Papierumschlägen verpackt.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.01.2013 17:57:18 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 17.01.2013 21:53:15 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2013 21:22:01 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.01.2013 21:22:34 GMT+01:00
Andre Arnold meint:
Sie sollten sich schämen, mit Ihrer offensichtlichen Intelligenz einen Menschen, den Sie nicht kennen, derart zu kompromittieren, wie Sie es hier beispielhaft vorführen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.01.2013 10:56:06 GMT+01:00
Diese Bemerkung entbehrt durchaus nicht einer gewissen Komik, da Sie sich ja schon selbst mustergültig kompromittieren durch Ihre sprachlich-stilistische und v.a. musikwissenschaftliche Inkompetenz, die Sie hier beständig ganz naiv vorführen - ein klassischer Fall von "Des Kaisers neue Kleider"...
Von persönlichen Beleidigungen ist aber in einer Diskussion in jedem Fall Abstand zu nehmen, da stimme ich Ihnen zu.
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