Kundenrezension

403 von 441 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weg mit der Darmscham! Her mit den Bauchgefühlen!, 4. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ (Broschiert)
"Liebe Leser, es wird Zeit, dass wir uns mit dem Eingemachten beschäftigen. Schnallen Sie Ihre Hosenträger enger, geben Sie der Brille den letzten Stups hoch auf die Nase, und trinken Sie einen gewagten Schluck Tee! Mit sicherem Abstand nähern wir uns einem mysteriösen Häufchen." So leitet Giulia Enders ein besonders "anrüchiges" Kapitel über das Endprodukt einer der drei Schläuche in unserem Körper ein. Zwei davon (Gehirn und Blutkreislauf) stehen im allseits anerkannten Ruf, "Meisterwerke" zu sein. Nummer 3 dagegen winkt ganz zag- und schamhaft aus dem Inneren. Die nötige Anerkennung wird ihm zumeist verweigert. Denn von diesem "Mann ohne Eigenschaften" glauben die meisten, dass er höchstens mal aufs Klo geht, ansonsten offensichtlich nur "lässig im Bauch rumhängt" und nur ab und an durch eher unsittliche Töne sowie müffelnde Ein-... äh... Auswürfe auf sich aufmerksam macht. Die Rede ist von unserem wohl größtenteils stark unterschätzten Darm.

"Stimmt es, dass wir alle falsch auf dem Klo sitzen? Wie kann man leichter rülpsen? Wieso können wir aus Steak, Apfel oder Bratkartoffeln Energie machen, während ein Auto nur bestimmte Sorten Benzin verträgt? Wozu gibt es den Blinddarm, und warum hat Kot immer die gleiche Farbe?", sind nur einige Fragen, die Giulia Enders mit wahrhaft viel Charme, immer einer Prise Humor, fundiert und höchst anschaulich beantwortet. Die junge Wissenschaftlerin, die ihr erstes Staatsexamen in Medizin bestanden hat und derzeit für ihre Doktorarbeit am Institut für Mikrobiologie in Frankfurt am Main forscht, beginnt ihre Exkursion durch den dunklen Verdauungsschlauch zunächst an seiner Pforte, der Eingangshalle "zu einer Welt, in der Fremdes zu Eigenem wird". Vom Mund aus schlittert sie speichelumhüllt in die Speiseröhre, tastet sich über Magen, den sich "orientierungslos herumschlängelnden Dünnen" und seinem gemütlichen "Kumpel" namens Dickdarm, langsam bis ganz nach unten und flutsch wieder heraus. Zuweilen zoomt sie dabei ganz nah ans mikrobisch-bakterielle Geschehen heran und vermittelt somit eine unglaublich immense Fülle an Hochinteressantem und mitunter schier Erstaunlichem. So begegnen dem Leser diverse Süßigkeitsverstecke, hochgehandelte Lebensversicherungspolicen in Form von Bauchspeck oder ein filigranes Rülps- und Pupsballett. Giulia Enders veranstaltet eine ölige Rutschpartie auf der "glatten Muskulatur", lädt zu einer Tortenverfolgungsjagd ein, setzt sich mit der Entstehung von Allergien, Unverträglichkeiten und Intoleranzen, dem Nutzen oder Schaden von Antibiotika auseinander und erklärt Blutgruppenunverträglichkeit. Zudem räumt die Autorin mit "Angsthygiene" auf und zeigt, dass das menschliche Besiedlungsprogramm der Mikroben auch ganz ohne EU-Fördermittel unkompliziert und erfolgreich einsetzt.

Entstanden ist ein herrlich unkompliziertes und äußerst verständliches Werk, das dem interessierten Leser eine Fülle wissenschaftlicher Erkenntnisse und Hypothesen lebendig darlegt. Giulia Enders gelingt es auf geradezu faszinierend simple Art, hochkomplexe Vorgänge wie die Arbeit der Enzyme sowie viele weitere Thematiken von der Nahrungsaufnahme bis zur Verdauung geradezu spielerisch darzulegen. Eine besondere Aufwertung erfährt der Text obendrein durch die witzigen und außerordentlich aussagekräftigen Illustrationen der Schwester der Autorin. Jill Enders Abbildungen beleben das Buch enorm und ziehen dessen Thematik zusätzlich aus der "Schmuddel-Ecke". Ihre Bakterien fliegen gelegentlich als Batmans durch die Darmflora oder tappern als zottlige Greise durch "das bakterielle Woodstock" unseres Körpers. Die Designstudentin lässt Immunzellen als mittelalterliche Recken gegen fiese Eindringlinge kämpfen, verpflichtet ihre Mikroben flugs zum Tragen von Basecaps oder setzt diverse lustige Gesellen als Türsteher vor unterschiedlichste Öffnungen, damit sie für sichere "Personenkontrollen" sorgen.

Letztendlich schlägt man dieses überaus lesenswerte, charmante und hochinteressante Buch mit einem ganz und gar "umgestülpten" Bauchgefühl sowie einer keineswegs mehr schamhaft belasteten Feststellung zu, dass unserem Darm wohl eine immens wichtige Rolle bei der Gestaltung des persönlichen Wohlbefindens zukommt und deren Bedeutung dem unseres "edlen" Gehirns keineswegs nachsteht. Denn jener "befindet sich mitten im Getümmel. Er kennt alle Moleküle aus unserem letzten Essen, fängt herumschwirrende Hormone neugierig im Blut ab, fragt die Immunzellen nach ihrem Tag oder lauscht andächtig dem Surren der Darmbakterien. Er kann dem Gehirn Dinge über uns erzählen, von denen es sonst niemals eine Ahnung hätte." Unser Darm "ist eine riesige Matrix - er empfindet unser Innenleben und arbeitet im Unterbewusstsein." Vielleicht, so hinterfragt man nicht zu Unrecht, vielleicht liegt unser Ich viel tiefer als wir vermuten.

Fazit: "Wir haben riesige Maschinen gebaut und sind zum Mond geflogen. Wer heute neue Kontinente und Völker entdecken will, muss die kleine Welt erkunden, die sich in uns selbst befindet. Unser Darm ist dabei der faszinierendste Kontinent. Nirgendwo leben so viele Spezies und Familien wie hier.", schreibt die Autorin. Danke Giulia Enders, für diese charmant-erhellende "Darmspiegelung" und die bestätigt gefundene Anschauung, dass der "ruhige Buchleser (...) in Sachen Verdauung erfolgreicher als ein angespannter Topmanager" ist.
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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 31 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.03.2014 09:05:00 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 14.04.2014 12:13:58 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 11.04.2014 10:08:46 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 12.04.2014 02:08:54 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.04.2014 10:53:30 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.04.2014 13:14:51 GMT+02:00
Heike G. meint:
Werte Ideenelfe,

zunächst: Das Buch war bereits eine Woche vor dem hier bei Amazon benannten Erscheinungsdatum im Handel.
Des Weiteren möchte ich nur so viel sagen: Ich bin weder eine Journalistin, noch ist dies eine Auftragsarbeit. Das Rezensieren von Büchern ist mein großes Hobby und eine Leidenschaft, die ich über Jahre weiterentwickelt habe. Ich habe früher für diverse Literaturportale geschrieben und mir einen Stil angeeignet und ihn ständig verbessert, immer in Hinsicht auf die Feuilletons, deren Objektivität Sie bestimmt auch nicht anzweifeln, auch wenn die dortigen Besprechungen größtenteils mit hohen Niveau verfasst sind. Eine lesbare und aussagekräftige Rezension ist einfach mein Anspruch. Was ist daran kritikwürdig? Was muss man daran in Frage stellen?
Schade, dass einem hier bei Amazon mehr und mehr Häme und Schmäh entgegenspringt. So wird mir immer mehr vergällt, populäre Bücher zu lesen. Denn gerade dort sind die Anfeindungen besonders hoch.
Ich stehe dazu: Ja, Sie tun mir damit weh!

Trotzdem einen sonnigen Tag wohin auch immer.

Heike G.

P.S. Das Buch hat mich sehr begeistert und ich las es mit großem Mehrwert. Sicher ist meine Leidenschaft in meine Rezension eingeflossen. Warum wird einem das angekreidet. Deutschland wird immer ärmer mit seiner anwachsenden Neidgesellschaft....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.04.2014 11:24:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.04.2014 06:33:02 GMT+02:00
Heike G. meint:
Vielleicht noch eine Ergänzung:
Wenn Sie sich die Mühe machen, dann finden Sie unter meinen Rezensionen auch sogenannte Verrisse, also Bücher, die mir nicht gefallen haben. Allerdings sind diese sehr viel seltener und das hat auch einen Grund: Ein Buch, durch dessen Seiten ich mich quälen muss, lege ich gern auch einmal weg, ehe ich es ausgelesen habe. Solch ein Buch bespreche ich dann auch nicht. Warum auch? Erstens schreibt sich ein fundierter und begründeter Verriss explizit schwerer als eine begeisterte Rezension. Und zweitens: Warum soll ich mir die Mühe machen? Dafür ist mir meine Zeit zu kostbar. Meine Intension ist diese: Ich möchte hier Empfehlungen geben.

Außerdem bespreche ich generell nur Bücher, die ich komplett!! durchgelesen habe. Meine Rezension wiederum ist dann immer mit einem ziemlich hohem Anspruch an mich selbst verbunden (stilistisch, inhaltlich, sprachlich). Warum? Nennen Sie es eine Marotte. Für mich ist solch eine Rezension, bei der ich viel recherchiere und analysiere, ein nochmaliges Durcharbeiten und Beschäftigen mit dem Gelesenen.
Ich bin literaturvernarrt... so kann man es bezeichnen. Doch dazu stehe ich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.04.2014 16:33:47 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 14.04.2014 12:13:40 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.04.2014 16:35:57 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 14.04.2014 12:13:29 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.04.2014 11:46:57 GMT+02:00
cl.borries meint:
Ach Heike! Warum sich auf dümmliche Kommentare einlassen?
Das kommt ja nun hier schon im Gegensatz zu den Anfängen 2000 und 2001 in die Jahre,--und mir hat's die Lust verschlagen, überhaupt noch Besprechungen für dieses Portal zu schreiben.

Schade um die Feinheiten der Literatur, die hier im allgemeinen Ramsch verloren gehen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.04.2014 12:13:05 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 19.06.2014 20:32:04 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.04.2014 12:34:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.04.2014 12:35:47 GMT+02:00
Heike G. meint:
Liebe CB,

als dümmlich würde ich den Kommentar, der mittlerweile von der Verfasserin gelöscht wurde, nicht bezeichnen. Mir wurden dort Auftragsarbeit und Unglaubwürdigkeit vorgeworfen und gefordert, dass Amazon gegen solche "Scharlatane" wie mich endlich vorgehen sollte. Dies ging meines Erachtens schon ein bisschen sehr weit. Darum lasse ich meine Kommentare auch weiterhin stehen, selbst wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen wirken.

LG
Heike

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.04.2014 12:48:19 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.07.2014 15:32:56 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]
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Heike G.
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   

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