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5.0 von 5 Sternen Jansons Geburtstagsgeschenk - ein klangmächtiger und -sinnlicher Beethoven, 26. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Beethoven: Die Symphonien / Reflections (Audio CD)
Mariss Jansons hat sich in den letzten Jahren ganz nach oben in die Publikums- und Kritikergunst dirigiert. Klangsinnlich, melodisch, nie auftrumpfend oder übertreibend, gemischt oft mit einem Schuß leiser Melancholie, das gefällt dem doch grundsätzlich konservativ, wertbeständigen Klassikfreund. Dazu die sympathische Ausstrahlung, integer, ohne Allüren ganz dem Werk dienend, die vollen Haare im Laufe jedes Abends durchgeschwitzt, das Idealbild des großen Dirigenten.
Dass er bei Beethoven auch nicht mehr zum Bilderstürmer wird, war ja zu erwarten. Dass ihm aber eine so großartige, in allen Symphonien überzeugende Lesart gelingt, die sich auch noch von der übergroßen Konkurrenz abheben kann, hatte ich nicht unbedingt erwartet. Nach mehrfachem Hören und vergleichenden Hören kann ich nur eine unbedingte Kaufempfehlung für die schmale, elegante Box aussprechen. Das könnte wirklich eine Referenzeinspielung der Beethoven-Symphonien auf dem weitem Feld der großen philharmonischen Tradition werden. Natürlich sind weder an dem phantastisch spielenden Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks noch an Mariss Jansons die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis spurlos vorüber gegangen. Aber das gilt ja selbst für Thielemann und die Wiener Philharmoniker. Die beiden Aufnahmen sind sich insoweit vom Ansatz ähnlich, dass sie dem Klang bei Beethoven Augenmerk widmen, wo doch die meisten mit purem Tempo, Drive und einem gewissen Haudraufundschluss Beethoven oft spektakulär, aber auch einseitig absolvieren. Thielemann gestaltet die Symphonien mit der Lust des begnadeten Operndirigenten, mit einem Zug zum Großen ohne sich ins Detail zu verlieren.
Jansons bleibt strenger, meidet Temposchwankungen und arbeitet unwahrscheinlich viele klangliche Details heraus, gerade in den Holzbläsern, das Blech und die Pauke immer differenziert. Die Tempi dazu orientiert an den Metronomen in den schnellen Sätzen, aber nicht sklavisch. Das Atmen der Musik gerade in den ruhigen Sätzen, aber z.B. auch im 1.Satz der 7., in dem Flöte und Hörner das Hauptthema weit ausschwingen lassen, ist Jansons da wichtiger. Dazu ein mal samtweicher romantischer, dann wieder energisch zupackender Streicherklang - da frage ich mich derzeit schon, warum mir das vibratolose Spiel der Originalklangensembles solange so gut gefallen hat. Wandel und Wechsel liebt halt, wer lebt. Rund, dunkel und oft mächtiger als bei Thielemann klingt das oft, der deutsche Klang? Besonderes Lob an die Hörner: Was für ein Hornklang in der Eroica und der Siebten!
Die Tontechnik ist dann auch noch ein entscheidendes Plus der Aufnahme, etwa im Vergleich zu Thielemann oder Chailly. Den BR-Technikern ist ein regelrecht körperlich aus den Stereo-Boxen quellender Klang gelungen, detail- und konturscharf bis hin zu den Kontrabässen.
Jede Symphonie bekommt ihre eigene klangliche Gestalt, nicht gegen den Strich gebürstet, sondern analog der klassischen Rezeption: Eine wirklich mal wieder heldische Eroica mit einem donnernden Schlachtfeld in der Durchführung, einem stolz geschwelten Helden zum Beginn der Reprise und einem Niederstürzen in der Coda. Auch die Fünfte groß und mächtig, mit herausstechenden Trompeten hier, imposant türmt er auch die Siebte auf bis zum ersten fff der Musikgeschichte. Ich möchte mich da nicht in Details verlieren, für mich bietet Jansons für alle Symphonien eine passende Interpretation.
Die Neunte wird dann auch nicht zum Silvesterkracher, bleibt für meine Ohren ein wenig verschattet, zurückhaltend, im Chorsatz fast streng, ohne totalem Freudenbombast. Grandios der BR-Chor, die Solisten auch ohne Fehl und Tadel in den undankbaren Partien. Um Mariss Jansons Beethovenbild abzurunden, rate ich jedem, die vor ein paar Jahren im Vatikan entstandene Aufnahme noch dazu zu nehmen: Eine eigenwillig spröde, aber berührende Variante, siehe auch die dortigen Kritiken Ludwig Van Beethoven: Sinfonie 9
Die Reflektionen verschiedener Komponisten zu Beethoven tun allesamt nicht weh, sind im Konzert auch effektvoll, bleiben dann nach mehrfachem Hören in der schon fast zur Normalität gewordenen Beliebigkeit moderner Orchesterkompositionen. Ausgenommen vielleicht das Chorwerk Dixit von Giya Kancheli, das wie eine Mixtur von Orff, Poulenc und Schostakowitsch klingt und jeden Gruselfilm untermalen könnte. Politisch unkorrekt gesagt wären mir ein paar Beethoven-Ouvertüren auf dem Niveau der Symphonien lieber gewesen. So bleibt noch die "Vor-Taste", was natürlich nichts am Wert dieser Einspielung ändert. Mariss Jansons hat damit sich und vor allem dem Publikum ein schönes Geschenk zu seinem 70. Geburtstag gemacht.
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Rezensentin / Rezensent

Thomas Barisch
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   

Ort: Euerbach, Bayern

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