Kundenrezension

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Thomas Hampson ist Scarpia, 10. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Puccini, Giacomo - Tosca (DVD)
Der Einzige, der mich in dieser nicht immer schlüssigen Inszenierung des Theaters im Theater von Anfang an restlos überzeugt, ist Thomas Hampson als hervorragend singender und darstellerisch faszinierender Scarpia: Ein attraktiver, eleganter Machtmensch, der alle Facetten seiner Rolle von zynischer Freude bis zu hochfahrender Brutalität zeigt - er erinnert mich hier an Raimondi, bei dem sich damals auch Scharen von Frauen gefragt haben, warum sich Tosca bei diesem hinreißenden Mannsbild so anstellt ;-)
Der 2. Akt erfährt vor allem in der unglaublich packenden Schluss-Szene seine Dynamik vorwiegend durch Hampsons großartige Interpretation.
Jonas Kaufmann mag ich sehr ( sein Don José ist unübertroffen, sein Werther wunderbar und sein Münchner Cavaradossi 2010 hat mir besser gefallen als dieser ), aber er übertreibt m. E. besonders im 1. Akt den Einsatz seiner gehauchten "pianissimi", statt mit mehr der Situation und dem Operntext angepasster Leidenschaft zu singen und spielt einen ziemlich oberflächlichen Lover, dessen hektische, flüchtige Zärtlichkeiten nicht etwa die Liebe zu Tosca demonstrieren, sondern eher einen unverbindlichen Flirt mit dieser ach so lästigen Diva. Schon der räumliche Abstand zwischen den beiden, während sie die liebevollsten Worte singen, wirkt befremdlich ( Regie ?! ). Erst im 2. und 3. Akt berührt Kaufmann wirklich.
Emily Magee singt sehr gut ( die Rolle liegt ihrer Stimme viel besser als Wagners Elsa und Eva ) und spielt eine temperamentvolle Tosca von der koketten, zickigen, gefeierten Künstlerin bis zur hochdramatischen Leidenden.
Zu Bühnenbild und Regie möchte ich sagen, dass mir die selten gelingende "Modernisierung" gerade von Werken des Verismo nicht einleuchtet. Die Oper Tosca spielt am 14. Juni 1800 ( Schlacht von Marengo ) in Rom und bekommt politisch und gesellschaftlich ihren Hintergrund durch Napoleon. Auch die Schauplätze sind vorgegeben: Es macht einfach keinen Sinn, wenn Cavaradossi die ( heilige ! ) Maddalena an eine leere Theaterwand malt, Scarpia das "aqua benedetta" für Tosca mangels Weihwasserkessel aus dem Handschuh zaubert und Tosca in den Orchestergraben in den Tod springt. Aber auch mit Kirchen und Palazzi haben wir heutzutage kein Glück: Man sehe sich nur das extrem hässliche, für Italien vollkommen untypische Backstein-Gebäude und die Scheußlichkeit von Scarpias Bahnhofshalle hier in München an - "mitteleuropäisches Regietheater" gilt inzwischen als Schimpfwort !
Gegen diesen Frust empfehle ich die DVD von der Met 1985 ( das schönste mir bekannte Tosca-Bühnenbild und eine bis in die kleinste Handbewegung ausgefeilte Regie von Zeffirelli mit Behrens, Domingo, MacNeil und Sinopoli )... aber die haben Sie sicher schon längst !
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.04.2011 17:20:55 GMT+02:00
Ariadne Simon meint:
Liebe Frau Eva-Maria, ich teile zwar Ihre Meinung hinsichtlich verfälschter Inszenierungen, aber es wäre doch sehr schade,wenn man dann provokativ auf alte Aufnahmen zurückgeift. Damit würde man die Darsteller bestrafen. Ich würde es bedauern, wenn die Leistung Thomas Hampson und Emily Magee darunter leiden müsste. Ich habe die Tosca schon unzählige Male gesehen - sie ist eine meiner Lieblingsopern -, aber noch nie sah ich einen so überzeugenden Scarpia, wie ihn Thomas Hampson auf die Bühne stellt. Er schlägt mich so in den Bann, dass mir erst am Ende der Oper wieder bewusst wird (wenn Tosca von der Rampe springt), dass hier Ort und Zeit verfälscht wurden. Aber trotzdem, musikalisch ist die Aufführung toll und damit wird die DVD sehens- und empfehlenswert.
Liebe Grüße!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2011 00:53:36 GMT+02:00
Eva Maria 67 meint:
Liebe Ariadne, mit Thomas Hampsons Scarpia sind wir absolut einer Meinung - er ist faszinierend! Bitte verzeihen Sie mir, dass mein Münchner Regie/Bühnenbild-Frust mit mir durchgegangen ist ... nix für ungut!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.04.2011 12:59:58 GMT+02:00
T. Sahlmen meint:
Liebe Eva-Maria,

das sehe ich ein wenig anders.
Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie entsprechend auf die Inszenierung eingehen, denn ich kaufe ja keine CD sondern eine DVD. Und wenn die Sänger noch so fantastisch sind, ich habe keine Lust, mich zwei Stunden zu ärgern. Ich greife auf meine "alten" Toscas weiter zurück.
Für Regie-Kasperle-Theater ist mir meine Zeit zu schade.

Viele Grüße
Thomas

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2011 00:02:41 GMT+02:00
Eva Maria 67 meint:
Lieber Thomas,
danke für die moralische Unterstützung! Ich fürchte immer, ich bin hoffnungslos altmodisch - aber ich bin wohl nicht allein damit. Bestes Beispiel ist die heute auf arte gesendete "Adriana Lecouvreur" - eine wunderbar "altmodische" Inszenierung mit hervorragenden Sängern, die sich als DVD bestimmt besser verkaufen lässt als unser grusliges Münchner Regie-Theater - die Renner unter den DVDs kommen nämlich nicht aus Mitteleuropa, sondern von ROH und MET, weil man da noch so "schön altmodisch" ist - ob das auch unsere Intendanten mal kapieren werden?
Viele Grüße,
Eva-Maria

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.05.2011 21:11:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.05.2011 21:14:52 GMT+02:00
Lieb Frau Eva-Maria! Danke für die Beschreibung des Bühnenbilds, da kann mich kein Sänger vom Hocker reißen, wenn ich eine verfälschte Inszenierung sehe, da habe ich genug andere Tosca Aufnahmen, ab Franco Corelli bis Ruggero Raimondi daheim und muss mir keinen "modernen Schund" ansehen. Richtig Tosca handelt 1800 und nicht im Münchner Hauptbahnhof, in Wien gibt es zur Zeit keinen, alle in Neubau, aber Schreckensinszenierungen haben wir auch immer wieder, die alte gute Wallmann Inszenierung [und die vorherige] in der ich selbst an die 80- 90 Mal den Hirten sang ist für mich immer richtig, nur haben wir nicht einmal drei Sänger bei der Hand, wenn es um eine gute Tosca Aufführung geht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.05.2011 16:39:47 GMT+02:00
Ariadne Simon meint:
Lieber Wiener Opernfreund, ich will nur darauf hinweisen, dass sich Frau Eva Maria mit ihrem Hinweis auf den Münchner Hauptbahnhof auf eine Inszenierung in München bezog. Die Inszenierung von Zürich ist nicht so schlimm. Hier wurde mit einem richtigen Bühnenbild statt der Kirche Sanct Andrea della Valle ein Theater dargestellt. Auch die Räume Scarpias sind kein Hauptbahnhof. Ich will damit nicht die Inszenierung von Herrn Carsten verteidigen, sondern nur eine Fehlinterpretation richtig stellen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.05.2011 11:54:27 GMT+02:00
Liebe Frau Ariadne Simon! Ich denke nur, dass, manchmal, die Tosca in einem unmöglichen Bühnenbild spielt, wei an der Volksoper Wien. Die Handlung ist zur Zeit Napoeons angesiedelt und nicht im 20. Jahrhundert, sonst wäre das "Vittoria" Cavardossi unangebracht, ich bin, leider, ein Staubi, und kann mich in solche Inszenierungen nicht reinfinden.
Liebe Grüße sendet Ihnen der Wiener Opernfreund Peter.
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