Kundenrezension

34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gehirn hochfahren und in den SF-Himmel aufsteigen, 12. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Hyperion-Gesänge - Zwei Romane in einem Band: Hyperion / Der Sturz von Hyperion (Taschenbuch)
Kennen Sie die Canterbury Tales?

Nachdem Sie Hyperion gelesen haben, ja. Denn dieses Glanzstück von Dan Simmons ist stark an diese mittelalterliche Kurzgeschichtensammlung angelehnt und zeugt so vom erzählerischen Genie des Autors und von seiner Vielseitigkeit. Dennoch hat der Leser keinen ermüdenden Ausflug in die verquaste Poesie vergangener Jahrhunderte vor sich, sondern das genialste, einfallsreichste, launigste und komplexeste Sciencefiction Meisterwerk der Gegenwart.

Inhalt Hyperion (ungespoilert):

Wie bei Geoffrey Chaucers Canterbury Tales ist eine Gruppe von Pilgern unterwegs, natürlich nicht im Mittelalter sondern in einer fernen Zukunft. Ihr Ziel ist der Planet Hyperion wo das mysteriöse Wesen Shrike lebt und wie ein Gott verehrt wird. Die Pilger vertreiben sich die Zeit der Reise damit, sich gegenseitig ihre Geschichten zu erzählen, und während nun einer nach dem anderen seine Lebensbeichte ablegt und damit den unfassbaren Grund für seine Pilgerreise offenbart, erfährt der Leser mehr über die von Simmons erdachte Zukunft.

Die Alte Erde gibt es nicht mehr. Die Menschen sind auf viele Planeten verstreut aber als so genannte Hegemonie bilden sie die dominierende Rasse des bekannten Universums. Die Technik der Hegemonie, die Datensphäre und die Reiseportale (Farcaster) zu den vielen Welten werden vom Techno Core betreut. Das ist die virtuelle Welt der künstlichen Intelligenzen, die sich von den Menschen zwar unabhängig gemacht haben und ihre eigenen undurchsichtigen Wege gehen, aber der Menschheit immer noch beratend zur Seite stehen.

Welche wichtige Rolle der mysteriöse Planet Hyperion in dieser Welt spielt oder woher jene Abscheulichkeiten wie das Shrike und die Kruziformen kommen, das bleibt das spannende Geheimnis, welchem Leser und Pilger gleichermaßen nachspüren. Ganz allmählich gewinnt man aber eine düstere Ahnung davon, wie hoffnungslos die Zukunft der Menschheit aussieht, wie kompliziert und gleichzeitig haarsträubend die Geschichte um Hyperion in Wahrheit ist.

Inhalt Der Sturz von Hyperion (auch nicht gespoilert):

John Keats, ein englischer Dichter des 19. Jahrhunderts, spukt in diesem 2. Teil der Hyperion Gesänge durch die ferne Zukunft. Keine Bange, obwohl man einige Gedichte von Keats zu lesen bekommt, die passender nicht platziert sein könnten, muss man sich dennoch nicht mit abgehobener Lyrik herum quälen, denn dieser John Keats steckt voller Mysterien. Eigentlich ist er ein Cybrid, eine künstliche Intelligenz, die vom Techno Core erschaffen wurde und in den rekonstruierten menschlichen Körper des wirklichen Dichters gesteckt wurde. Warum der Core ihn schuf, das weiß Keats selbst nicht. Was ihn antreibt und welche Rolle ihm zugedacht wurde, das ist letztlich das große Rätsel, dem der Leser mit Gänsehaut und angehaltenem Atem auf die Spur kommt.

Natürlich gibt es auch noch die Pilger auf Hyperion, hilflose Schachfiguren in einem höheren Plan. Die sind nun bei den Zeitgräbern angekommen und den Unberechenbarkeiten des Shrike unterworfen. Ihre einzige Verbindung zum Netz ist ausgerechnet John Keats und der scheint ihnen keine Hilfe zu sein. Denn als die Zeitgräber sich öffnen, erfüllt sich das Schicksal der Menschheit und auch das von John Keats, ganz wie geplant, jedoch völlig anders als erwartet, denn da gibt es ja immer noch Hyperion.

Bewertung: 10 Sterne oder den Literaturnobelpreis im Jahre 2800 ;-)

Mit diesem Opus hat Dan Simmons ein faszinierendes und komplexes Zukunftsgemälde komponiert und es brillant in Worte gefasst. Dass Simmons (be)schreiben kann wie ein Gott, ist längst kein Geheimnis mehr. Er beherrscht die Höhen und Tiefen der Sprache wie ein Virtuose, ja selbst das Telefonbuch von Kastrop-Rauxel wäre, wenn von Simmons geschrieben, noch eine sprachliche Orgie und damit lesenswert.

Seinen Pilger, die von ungleichen Schichten und Planeten stammen und von den seltsamsten Motiven getrieben sind, verpasst er Denkmodelle, Biografien und natürlich auch Ausdrucksweisen, die so atemberaubend wie geistreich sind. Dabei hängen deren einzelne Geschichten nicht im luftleeren Raum sondern sind dicht mit dem spannenden Handlungsbogen und dem Geheimnis um Hyperion verwoben.

Im zweiten Teil werden mehrere Handlungsstränge aus der Perspektive von Keats erzählt, der bildet sozusagen den originellen (nahezu göttlichen) Rahmen für den weiteren Gang der Geschichte. Bis zum verblüffenden Ende und der Auflösung der meisten Geheimnisse müssen die Leser aber noch viel mit den Helden mitbangen und gewissermaßen von einer Überraschung zur nächsten springen (oder casten, wie die Leute aus der Netzwelt sagen).

Man kann die Hyperion Gesänge natürlich als Space Opera ansehen und ohne größere Anstrengung lesen, dann kommt man dennoch in den vollen Genuss von Nervenkitzel, Einfallsreichtum und Unterhaltung. Wer aber vor dem Lesen dieses Buches sein Gehirn hochfährt und sich die Mühe macht, die Gedanken des Autors zur Religion, der von ihm entworfenen Zukunft oder gar zu Gott nachzuvollziehen, der wird feststellen, dass Hyperion deutlich mehr als eine SF-Opera ist und der wird 1400 Seiten lang im SF-Himmel schwelgen.

Viel Spaß da oben!
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.12.2008 17:46:19 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.12.2008 18:01:12 GMT+01:00
Chilischote meint:
Eine Superrezension und ganz große Klasse, wie Du aus diesem hyperkomplexen Opus ein fast schon plastisches Bild dieses um-und-umgekehrten Universums erschaffst. Kein Wort zuviel, kein Wort zuwenig. Falls Simmons bei der Neuauflage des Telefonbuchs von Kastrop-Rauxel verhindert wäre, kannst Du das ja übernehmen. ;)))

Den nicht vorhandenen Hut ziehend
C.S.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.12.2008 08:06:03 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.12.2008 08:06:45 GMT+01:00
Woodstock meint:
"Kein Wort zuviel,..."
Lieber C.S. DAS ist ja wirklich ein Kompliment. Danke! Ich habe gerade auf deinem Profil gesehen, dass Du nun auch den Fall von Hyperion erlebt hast.
Wenn Du nun noch nicht genug hast und wissen möchtest, WER das Shrike in Wahrheit ist und wie es mit dem alten Schnoddermax Martin Silenus weitergeht, dann ist es höchtes Zeit für Endymion! "Pforten der Zeit" und "Auferstehung". Ein echter Trip.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.12.2008 23:57:41 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.12.2008 23:58:09 GMT+01:00
Chilischote meint:
Au Backe, ganz spontan kam mir in den Sinn, dass Du von "Wer das Shrike ist" gesprochen hast und nicht von "Was das Shrike ist". Da wird doch nicht letzten Endes noch eine bekannte Person aus Hyperion I u II dahinterstecken?! Verflixt und zugenäht, jetzt werde ich es doch noch lesen müssen. ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.01.2009 11:12:34 GMT+01:00
Woodstock meint:
Es ist auf jeden Fall kein Fehler auch den Endymion-Doppelwopper zu lesen ;-), da nämlich lösen sich ALLE noch offenen Fragen aus Hyperion auf.
Allerdings fand ich den zweiten Teil "Die Auferstehung" streckenweise sehr langatmig. Habe ich glaube ich in meiner Rezension auch geschrieben, aber für einen Vollblut-Simmons-Jünger ist das natürlich kein Hindernis ;-).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.01.2009 13:22:06 GMT+01:00
Chilischote meint:
Wunderbar, das nenne ich eine hilfreiche Antwort. In dem Falle kann ich mir als halbblütiger Simmonser mit Endymion noch viel Zeit lassen. Danke. ;)
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