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61 von 85 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ungenutzte Potenziale, 8. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Für Einen Tag (Fan Edition) (Audio CD)
Helene Fischer? Für mich bis vor Kurzem eine jener Tralala-Sängerinnen vom Zuschnitt einer Andrea Berg - unerklärlich erfolgreich, von einem für mich nicht nachvollziehbaren Zeitgeist nach oben gespült, talentfrei, glatt, gefällig, austauschbar, massenkompatibel, doch: Substanzlos.
Wie falsch ich mit diesem Vorurteil lag, bewies zu meiner großen Überraschung ein Live-Mitschnitt im TV, in den ich durch Zufall hineingeriet. Ich sah eine junge Frau voller Esprit und Ausstrahlung, mit einer voluminösen Stimme, die auch diffizile Gesangsparts mit Bravour meistert und dies alles auch noch gepaart mit großem Showtalent, das auch internationale Vergleiche nicht scheuen müsste; ganz einfach eine Frau, die die gesamte aktuelle Konkurrenz (insbesondere jene einer "abenteuerlich-schwerelosen" Dame, die sich stets äußerst knapp geschürzt zu dünnem Stimmchen zu präsentieren pflegt), um Längen hinter sich zu lassen versteht.

Begeistert von ihren internationalen Songs, bei denen sich magere, substanzlose Stimmchen ohne jedes Timbre peinlich schnell als solche entlarven und die Frau Fischer grandios interpretierte, legte ich mir dieses Doppelalbum zu. Eines vorweg: Die vokalen Qualitäten liegen auch hier auf oberstem Level und könnten sich mühelos mit den meisten Kolleginnen englischsprachiger Zunge messen. Wäre da nicht ein alles entscheidender Widerhaken: Das Liedgut. Eingängig und über weite Strecken im stets gleichen "Bum-bum"-Marschrhythmus geschustert mag es mitklatschwütige Hörer in höchstes Entzücken versetzen, bleibt aber inklusive der häufig trivialen Texte platt, anspruchslos und ohne Nachhall, sobald das austauschbare Liedchen verklungen ist, um Langeweile Platz zu machen. Man hört erst wieder hin und ist fasziniert, wenn schwierig zu intonierende internationale Klassiker wie "Memory", "Big spender" oder Sondheims "Send in the clowns" erklingen, wähnt sich angesichts der Kunst dieser Frau in einer amerikanischen Music-Hall besten Zuschnitts - um dann ganz schnell wieder durch das gefällige, vom Publikum bejohlte "Bum-bum-bum", bei dem die Brillanz dieser Stimme keinerlei Chance zur Entfaltung hat, in die Realität zurückzufallen. Und das ist - mehr als traurig.

Ein Talentbündel wie Helene Fischer sollte künftig auf ihre Kompetenzen und nicht auf belanglose Mitklatschliedchen des immer gleichen Zuschnitts setzen, auch wenn sie dabei durchaus Gefahr läuft, einen Teil ihrer Fans zu verprellen (die im Übrigen schnell eine neue Heimat für ihre Bedürfnisse bei den Andrea Bergs dieser Republik fänden). Eine Stimme wie die ihre ist für ein derart seichtes Terrain zu schade und die Villen "in der Schlossallee" überdies keineswegs dazu angetan, im schnelllebigen Musikbusiness das Fundament für eine langjährige, Modeströmungen trotzen könnende Karriere zu legen, für die Frau Fischer nun wirklich alles Erforderliche mitbringt - nur eben nicht das ihrer Stimme angemessene Repertoire, das diese ungenutzten Potenziale zum Erblühen bringen könnte.

Zu wünschen wäre es ihr allemal!
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1-10 von 12 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.11.2011 14:33:28 GMT+01:00
FIGARO meint:
Ich kann meinen Kommentar kurz halten: Besser als in dieser Rezension kann man das Thema vom Verhältnis von Klasse, Masse, Trivialität, künstlerischem Anspruch, kluger Nutzung eines vorhandenen Potentials und nachhaltiger Karriere eine begnadeten Künstlerin nicht abhandeln. Hoffentlich sieht das Helene Fischer auch so. Ob ihr da ein Herr Silbereisen wirklich helfen kann ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.11.2011 18:41:40 GMT+01:00
Ulrich Groh meint:
Vielen Dank.

Veröffentlicht am 09.11.2011 21:22:29 GMT+01:00
Andy M meint:
Gratulation zu dieser Rezension, Herr Groh. Es ist schön zu sehen, daß es noch Leute gibt, die so geschliffen und treffend formulieren können. Auch wenn man ehrlicherweise zugestehen muß, daß das aktuelle Album auch abseits der internationalen Songs einige Titel bietet, die erfreulich vom "Bum-Bum"-Marschrhythmus abweichen, zum Beispiel die Ballade "Sehnsucht". Es ist also durchaus Besserung zu erkennen.

Mein Tipp: Schicken Sie diesen Text doch einfach an das Management von Frau Fischer. Dort wird er vielleicht mehr Widerhall finden als hier. Ich bin mir nicht sicher, ob Management und Plattenfirma den wahren Wert dieser Künstlerin überhaupt erkannt haben.

Veröffentlicht am 10.11.2011 01:46:58 GMT+01:00
T. meint:
Tolle Rezension - eine Wohltat, so etwas hier zu lesen! Auch ich halte Helene Fischer für ein großes Talent, das man zu internationalem Format aufbauen könnte. Ihre Live-Interpretationen von "All By Myself" oder "You Raise Me Up" beweisen das mehr eindrucksvoll. Die Duette mit Michael Bolton und auch ihre englischen Aufnahmen als Bonus-CD der "Best Of" zeigen ja, das man beim Management oder bei der Plattenfirma vielleicht schon mit dem Gedanken spielt, auch wenn die Adaption der "English Ones" nur bedingt funktioniert hat, wie ich finde. Trotzdem ist internationaler Pop aus Deutschland ja immer so eine Sache, die nur in wenigen Fällen von wirklichem Erfolg gekrönt war. So wäre es fast schon wieder schade, wenn Helene Fischer dann nur ein weiterer Act werden würde, der es international "versucht" hat. Da sie aber längst dem Bum-Bum-Discofox-Schlager entwachsen ist, ist es wünschenswert, wenn ihre nächsten Alben tatsächlich anspruchsvoller und internationaler klingen würden. Das Zeug dazu hat sie.

Auf der anderen Seite tut dem deutschen Schlager vielleicht eine wie Frau Fischer gerade gut. Da tummeln sich zu 99% unglaubwürdige Gestalten, die entweder seit 30 Jahren (und mit ebenso altem Haarteil) ihren einzigen Hit wieder und wieder zu Besten geben, oder mit Abschieds- und Wiederauferstehungs-Tourneen und -Alben (siehe Carpendale, Michelle etc.) ihre treudoofen Fans verwirren, und ihnen gleichzeitig das Geld aus der Tasche ziehen.

Doch dann kommt da eine Helene Fischer, authentisch, talentiert, wunderschön, und singt strahlend "Und morgen früh küss' ich Dich wach" in die Kamera - und man nimmt es ihr ab. Man mag sie. Man ertappt sich dabei, deutschen Schlager zu hören. Sie steckt die frustrierte verstaubte Konkurrenz in die Tasche und muss sich chartmäßig nur mit Frau Berg ein Kopf an Kopf-Rennen liefern, und das bei so hohen Verkaufszahlen, von denen manch international Star nur träumen kann. Man wünscht dieser Frau, dass die ganze Welt sie hören kann, aber freut sich ebenso sehr über ihren Erfolg hierzulande.

Bei mir steht sie jedenfalls im Regal neben Celine Dion und Faith Hill. Auch die kommenden Helene Fischer-CDs werden dort ihren Platz finden. Ich hoffe aber, dass man sich beim Management und dem Plattenlabel über das Potential, die Persönlichkeit und das große Talent dieser Frau bewusst ist, die weit mehr kann, als Jahr für Jahr nur die Schlagerkasse zum Klingeln zu bringen.

Veröffentlicht am 10.11.2011 10:00:18 GMT+01:00
Feuerstein meint:
Ganz meine Meinung - eine großartige Sängerin mit Persönlichkeit und Ausstrahlung, aber meistens den völlig falschen Songs! Also Mut haben, neues Team suchen, und vielleicht sogar auch parallel in Englisch weiter machen!

Veröffentlicht am 10.11.2011 13:15:06 GMT+01:00
flyer meint:
Sehr , sehr guter Kommentar und wahr, wahr, wahr!!!!!
Übrigens wurde auf der seite "smago.de" auf diesen Kommentar hingwiesen, mit gutem Recht!!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.11.2011 16:32:31 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.11.2011 21:36:13 GMT+01:00
Ulrich Groh meint:
Ich denke, Frau Fischer wäre gut beraten, wenn sie es ihrer großen Kollegin Mireille Mathieu nachempfände, die neben ihren deutschen Schlagern (die im Gegensatz zu jenen Helenes rhythmisch sehr abwechslungsreich arrangiert wurden) stets anspruchsvolle, Stimme und Hirn fordernde Longplayer in frz. u. englischer Sprache weltweit - natürlich auch hierzulande - veröffentlichte, so dass beide "Lager" je nach Gout bedient wurden und noch immer werden. Deren einzige Probleme bei dieser Verfahrensweise kämen dann allerdings ebenfalls auf sie zu: Chansons oder Morricone-Interpretationen in Live-Konzerten irritieren seit 45 Jahren das schlagerliebende Publikum ebenso wie die Schlager jenes, das Anspruch fordert.
Allerdings fehlen Frau Fischer dazu bisher die Märkte wie auch ein genialer Impresario wie Johnny Stark, der der Mathieu (und natürlich auch sich selbst) dies durch seine einzigartigen weltweiten Kontakte erst ermöglichen konnte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.11.2011 16:52:05 GMT+01:00
T. meint:
Wo genau denn bei smago.de?

Veröffentlicht am 05.12.2011 16:19:20 GMT+01:00
L.Trenker meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.12.2011 13:19:34 GMT+01:00
Deckard meint:
"15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich"
Ihre Textvorlieben sind offenbar genau so einfach gestrickt wir ihr Können im Umgang mit Zahlen.
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Rezensentin / Rezensent

Ulrich Groh
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Ort: Mittelhessen

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