Kundenrezension

33 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Männer 3, Frauen 0, 27. März 2003
Rezension bezieht sich auf: The Originals - Mozart: Die Zauberflöte (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Ich kenne nur wenige Aufnahmen der Zauberflöte, denen man ihr Alter so sehr anhört wie dieser. Das liegt nicht an der Aufnahmetechnik, die ist für die 60er sogar ganz ausgezeichnet.

Schuld ist die Interpretation, in erster Linie der Dirigent: Karl Böhm läßt seinen Mozart sehr präzise und auch recht transparent spielen, aber auch extrem eckig und statisch: Nach diesem Dirigenten könnte man ein Metronom stellen. Die Tempi sind zudem sehr langsam gewählt, was zwar auf der einen Seite den feierlichen Momenten nicht schadet, den lebendigen aber jeden Charme raubt - selten klangen die drei Damen in ihrem wunderbaren Terzett zu Beginn der Oper so alt und unkomisch.

Dem versuchen die Sänger mit unterschiedlichem Erfolg entgegenzuwirken: Am besten gelingt dies ausgerechnet Dietrich Fischer-Dieskau, der einen überraschend lebendigen und humorvollen Papageno singt, sogar mit etwas wienerischem Akzent. Allerdings hat er mit seiner hellen Bariton-Stimme von vornherein ein kleines Handicap, da sind Bässe wie Walter Berry von Natur aus im Vorteil.

Fritz Wunderlich hat die schönste Stimme aller Taminos auf Platte. Er wäre auch der unangefochten beste Darsteller dieser Rolle, wenn er nicht vom Dirigenten ausgebremst würde: Dessen langsame Tempi machen es Wunderlich fast unmöglich, eine vernünftige Linie zu singen, insbesondere in der Arie "Wie stark ist nicht Dein Zauberton". Dass es trotzdem eine große, eine unvergessliche Einspielung ist, zeigt, was für ein wunderbarer Sänger Wunderlich war: Sein Tamino glüht vor Leidenschaft.

Franz Crass' Sarastro ist ebenfalls großartig: Mit wunderbar sonorem Timbre, selbstverständlicher Phrasierung und glänzender Tiefe und Höhe singt er einen sehr würdevollen und doch menschlichen Priesterkönig.

Eindrucksvoll, wenn auch stimmlich nicht mehr unanfechtbar der Sprecher von Hans Hotter, der seine große Erfahrung als Wotan hier gut brauchen kann.

Sehr beeindruckend auch die beiden Geharnischten James King und Martti Talvela, wenn mir deren sehr romantische, breite Stimmführung auch für Mozart zu dick erscheint.

Dieser an Wagner orientierte Klang - dafür stehen eben auch Hotter, King und Talvela - setzt sich leider bei der Pamina fort: Evelyn Lear singt technisch ordentlich, klingt aber mehr nach Senta oder Elsa als nach Pamina: Etwas zu dick im Klang, etwas statisch in der Artikulation.

Völlig unbefriedigend schließlich die Königin der Nacht von Roberta Peters: Der Klang kann eigentlich nur als "zickig" und schrill bezeichnet werden. Dazu singt sie in den Koloraturen teilweise sogar unsauber. Eine unerfreuliche Leistung.

Schwach sind auch die drei Damen: Schrill, platt und uncharmant - kein Vergleich etwa mit Schwarzkopf, Ludwig, Höffgen bei Klemperer, Jurinac bei Karajan oder Ziesak, Vermilion bei Östman.

Insgesamt also eine uneinheitliche Aufnahme mit großartigen Einzelleistungen, die man deswegen als Zweiteinspielung durchaus genießen kann.

Als einzige Zauberflöte aber sollte man lieber zu der alten (!) Karajan-Aufnahme, Klemperer, Solti oder Östman, eventuell auch Marriner greifen.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.07.2013 19:11:07 GMT+02:00
Brodzki meint:
Das stimmt!
Danke!
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