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On the road again......, 24. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Straßen der Erinnerung: Reisen durch das vergessene Amerika (Taschenbuch)
Die hinter sich gelassenen Landschaften der Kindheit und Jugend sucht man am besten nur in der Phantasie auf, weil diese die Realität eines seit langem erwachsenen Menschen mit seinem Rattenschwanz an Erfahrungen und Erlebnissen oft nicht vertragen. Für Augen, die jahrelang Londoner Großstadtleben gesehen haben, sind Staaten wie z. B. Iowa oder Idaho zwangsläufig sehr gewöhnungsbedürftig. Diese Erfahrung musste auch Bill Bryson auf seinen 14.000 Meilen langen Trips im alten Familien-Chevrolet quer durch die Vereinigten Staaten machen. Bryson, ein witziger und schlagfertiger (Reise)schriftsteller, hat Amerika mit Mitte zwanzig verlassen und lange Zeit in Europa gelebt. Das hat zwangsläufig seinen Blick auf amerikanische Befindlichkeiten und Besonderheiten verändert. Brysons Reiseberichte sind immer amüsant zu lesen. Auch dieses Buch ist für Nordamerika-Fans ein kurzweiliges Lesevergnügen und als solches uneingeschränkt zu empfehlen. Allerdings ist der Zynismus des Autors, der gerne Schläge unter die Gürtellinie verteilt, nicht jedermanns Sache. Wenn bei kurzen Stippvisiten ganze Bundesstaaten in Bausch und Bogen verdammt werden, ist das schon bedenklich oberflächlich. Wenn man nur eine Nacht in einem schäbigen Motelzimmer mit Junkfood und TV verbringt, lernt man den Ort und seine Menschen eben nicht kennen. Natürlich gibt es die ewig gleichen Fastfoodketten-Restaurants und andere traurige Einrichtungen entlang der Ein- und Ausfallstraßen amerikanischer Orte, die allen den Anschein des öden Gleichseins geben. Aber Menschen und Landstriche, besonders wenn sie auf den ersten Blick nicht spektakulär erscheinen, brauchen Zeit, viel mehr Zeit, als Bryson bei dieser meilenfressenden Reise aufbringen wollte, um erkannt und gewürdigt zu werden. Wer sich einmal visuell mit nordamerikanischen Menschen und Restaurants fernab des Mainstreams beschäftigten möchte, der sollte sich den außergewöhnlichen Bildband "Cuties and Calories" des Deutsch-Schweizers Stephan Schacher zu Gemüte führen. Dieser Fotograf hat ebenfalls eine Reise kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gemacht und ganz andere Eindrücke festgehalten. Auch er hat sich nirgends lange aufgehalten, aber trotzdem ein ganz anderes Werk geschaffen. Es ist eben immer die Frage, was man sehen und erzählen möchte. Wer die Visitor-Center der amerikanischen Nationalparks nur zum Pinkeln aufsucht oder um einen Schluck Wasser zu trinken, wie Bryson das empfiehlt, versäumt übrigens eine Menge. Das Informationsmaterial ist meist gut, oft kostenlos (Karten!) und die Leute, die dort arbeiten, sind sehr nett und wirklich hilfsbereit. Außerdem gibt es nur da die tollen Stempel des jeweiligen Parks inklusive Datum, mit denen man seine Neid erzeugende Grüße an die Daheimgebliebenen und das Reisetagebuch schmücken kann. Letzteres kann besonders dann hilfreich sein, wenn man Jahre später einem total in der Zeit sich irrenden ehemaligen Mitreisenden beweisen möchte, dass man eben genau am 28. Mai 19.. am Grand Canyon war und nicht irgendwann davor oder danach. (Beliebt macht man sich mit dieser Besserwisserei allerdings nicht.) Fazit: Lesen und schmunzeln, aber nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Helga Kurz
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Straßen der Erinnerung: Reisen durch das vergessene Amerika 3442463807
Bill Bryson
Goldmann Verlag
Straßen der Erinnerung: Reisen durch das vergessene Amerika
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On the road again......
Die hinter sich gelassenen Landschaften der Kindheit und Jugend sucht man am besten nur in der Phantasie auf, weil diese die Realität eines seit langem erwachsenen Menschen mit seinem Rattenschwanz an Erfahrungen und Erlebnissen oft nicht vertragen. Für Augen, die jahrelang Londoner Großstadtleben gesehen haben, sind Staaten wie z. B. Iowa oder Idaho zwangsläufig sehr gewöhnungsbedürftig. Diese Erfahrung musste auch Bill Bryson auf seinen 14.000 Meilen langen Trips im alten Familien-Chevrolet quer durch die Vereinigten Staaten machen. Bryson, ein witziger und schlagfertiger (Reise)schriftsteller, hat Amerika mit Mitte zwanzig verlassen und lange Zeit in Europa gelebt. Das hat zwangsläufig seinen Blick auf amerikanische Befindlichkeiten und Besonderheiten verändert.
Brysons Reiseberichte sind immer amüsant zu lesen. Auch dieses Buch ist für Nordamerika-Fans ein kurzweiliges Lesevergnügen und als solches uneingeschränkt zu empfehlen. Allerdings ist der Zynismus des Autors, der gerne Schläge unter die Gürtellinie verteilt, nicht jedermanns Sache. Wenn bei kurzen Stippvisiten ganze Bundesstaaten in Bausch und Bogen verdammt werden, ist das schon bedenklich oberflächlich. Wenn man nur eine Nacht in einem schäbigen Motelzimmer mit Junkfood und TV verbringt, lernt man den Ort und seine Menschen eben nicht kennen. Natürlich gibt es die ewig gleichen Fastfoodketten-Restaurants und andere traurige Einrichtungen entlang der Ein- und Ausfallstraßen amerikanischer Orte, die allen den Anschein des öden Gleichseins geben. Aber Menschen und Landstriche, besonders wenn sie auf den ersten Blick nicht spektakulär erscheinen, brauchen Zeit, viel mehr Zeit, als Bryson bei dieser meilenfressenden Reise aufbringen wollte, um erkannt und gewürdigt zu werden. Wer sich einmal visuell mit nordamerikanischen Menschen und Restaurants fernab des Mainstreams beschäftigten möchte, der sollte sich den außergewöhnlichen Bildband "Cuties and Calories" des Deutsch-Schweizers Stephan Schacher zu Gemüte führen. Dieser Fotograf hat ebenfalls eine Reise kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gemacht und ganz andere Eindrücke festgehalten. Auch er hat sich nirgends lange aufgehalten, aber trotzdem ein ganz anderes Werk geschaffen. Es ist eben immer die Frage, was man sehen und erzählen möchte.
Wer die Visitor-Center der amerikanischen Nationalparks nur zum Pinkeln aufsucht oder um einen Schluck Wasser zu trinken, wie Bryson das empfiehlt, versäumt übrigens eine Menge. Das Informationsmaterial ist meist gut, oft kostenlos (Karten!) und die Leute, die dort arbeiten, sind sehr nett und wirklich hilfsbereit. Außerdem gibt es nur da die tollen Stempel des jeweiligen Parks inklusive Datum, mit denen man seine Neid erzeugende Grüße an die Daheimgebliebenen und das Reisetagebuch schmücken kann. Letzteres kann besonders dann hilfreich sein, wenn man Jahre später einem total in der Zeit sich irrenden ehemaligen Mitreisenden beweisen möchte, dass man eben genau am 28. Mai 19.. am Grand Canyon war und nicht irgendwann davor oder danach. (Beliebt macht man sich mit dieser Besserwisserei allerdings nicht.)
Fazit: Lesen und schmunzeln, aber nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.
Helga Kurz
Helga Kurz "Helga Kurz"
24. Februar 2007
- Insgesamt:
5

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Ort: Stuttgart
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