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2.0 von 5 Sternen Zerrbild der Wirklichkeit, 16. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Franziskus - Zeichen der Hoffnung: Vom Erbe Benedikts XVI. zur Revolution im Vatikan (Gebundene Ausgabe)
Zerrbild der Wirklichkeit

Andreas Englisch gilt als Vatikanexperte, ein Ruf, den er ständig dadurch untermauert, dass er immer wieder seine enge Beziehung zu Kardinälen und Bischöfen betont, von seinen Gesprächen mit ihnen berichtet. Selbst päpstliche Räume sind ihm so vertraut, als ginge er da ein und aus. Stutzig wird der Leser allerdings bei den Aussagens um das Konklave herum, über die Überlegungen der Kardinäle vor dem Konklave und schließlich ihr Verhalten im Konklave selbst. Man weiß doch, dass die Teilnehmer zum Schweigen verpflichtet sind. Durchaus möglich, dass sich Kardinäle, von geschickten Journalisten befragt, ein wenig verplaudern. Und offenbar verarbeitet Englisch diese winzigen Informationssplitter und die vielen Ondits dann in seinem Buch und verkauft sie als präzise Information.
Interessant ist schon, was er über die Kirche und deren Vertreter in Afrika, Südamerika, ach, weltweit zu berichten weiß. Dabei entsteht allerdings vermutlich ein die Wirklichkeit verzeichnendes Bild, denn bei allem Gerede unter vorgehaltener Hand geht es in der Regel um Negativa.
Papst Johann Paul II war gewiss eine überragende, charismatische Gestalt. Ihn verehrte Englisch sehr, sprach ihn eigentlich schon vor dessen Heiligsprechung heilig, wenn man Englischs Buch über den ‚Wunderpapst‘ liest. Äußerst ärgerlich aber wird Englischs Buch, wenn man dann liest, wie er über Benedikt XVI schreibt, den er als Unglück für die Kirche ansieht, selbst die Mehrheit der Menschen hätten ihn abgelehnt. Für Englisch war Benedikt ein Versager.
Zweifellos war es überraschend, dass Ratzinger als Nachfolger Wojtyla gewählt wurde. Denn Ratzinger war vorher Leiter der Glaubenskongreation gewesen. Damit war er der Mann, der am häufigsten und stärksten Bischöfen und Kardinälen Ärger bereiten konnte und sicherlich auch oft bereitet hat. Dass er dann so rasch und offenbar mit großer Mehrheit gewählt wurde, beweist, dass die Kardinäle in diesen Zeiten, in denen vielfach der Glaube infrage gestellt wird, in der es immer wieder Streit um elementare Glaubensfragen geht, einen hervorragenden Theologen an die Spitze der Kirche wählten.Sie dachten nicht an vergangenen Ärger, sondern nur an das Wohl der Kirche. Dieses Amt erfordert Fähigkeiten', die kaum in einer Person vereint anzutreffen sind. Der charismatische Johann Paul II bedurfte als Ergänzung des großen Theologen.
Wider Erwarten kam Ratzinger nach seiner Wahl auch bei der breiten Bevölkerung und selbst bei der Jugend an.Eine kämpferische Person war er nicht, Verwaltung war wohl nicht seine Stärke, Intrigen war er kaum gewachsen. Er war so wissenschaftlich geprägt, dass er sich der politischen Dimension seiner Reden offenbar gar nicht bewusst war. Er wirkte durch sein Wort, durch Enzykliken, Bücher und Reden. Es sei nur an die wunderbare Rede im Bundestag erinnert. Aber er war so wissenschaftlich geprägt, dass er sich der politischen Dimension seiner Reden offenbar gar nicht bewusst war. Man denke nur an einige Sätze seiner Regensburger Rede.
Sein Bemühen um die Ökumene war groß, er suchte und fand Kontakt zum Judentum, zum Islam und erzielte auch hier von allen Seiten Anerkennung. Natürlich gab es zuweilen auch Irritationen. Er besuchte als erster Papst Auschwitz, betete in Moscheen und Synagogen. All diese Verdienste dieses großen Papstes herabzuwürdigen, schädigt den Ruf Englischs als seriöser Journalist erheblich.
Papst Benedikts Rücktritt war von Englisch lange vorhergesagt worden. Aber sehr viele Menschen waren von Anfang an überzeugt, Benedikt würde zurücktreten, wenn es altersbedingt notwendig wäre. Eine Wiederholung dessen, was Joh.Paul II vorgelebt hatte, wäre nicht gut. Auch Päpste werden älter, und die Gefahr, geistige Kräfte zu verlieren, steigt natürlich. So gesehen war es notwendig, mit dem Rücktritt eine Weichenstellung für die Zukunft vorzunehmen.
Man sollte Englischs Buch, wenn man es schon liest, mit großer Skepsis lesen, viele Aussagen kann man zwar für möglich halten,. Aber ob alles wirklich so war, wie Englisch es beschreibt, ist sehr fraglich. Ausgesprochen töricht ist das, was er über priesterliche Karrieren auf S. 248 schreibt. Kaum anzunehmen, dass es Theologiestudenten gibt, die das Studium aufnehmen, um Bischof, Kardinal oder sogar Papst zu werden. Und ganz schlimm sind letztlich seine Aussagen über das Verhalten der Katholiken in der NS-Zeit. Da atmet Englisch den von Unkenntnis und Vorurteilen geprägten Ungeist der 68er. Selbst Churchill und Stalin differenzierten zwischen Nazis und dem Deutschem Volk.
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