Kundenrezension

65 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Logik light, 8. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen (Gebundene Ausgabe)
Rolf Dobelli ist ein erfolgreicher Schriftsteller. - Dieser Satz exemplifiziert den "fundamentalen Attributionsfehler". Der Erfolg des Buches "Die Kunst des klaren Denkens" muß nämlich keineswegs dem Autor zuzuschreiben sein. Möglich ist, daß das Thema derzeit Konjunktur hat, daß angesichts zunehmend unklarer werdender Verhältnisse das Trainieren klaren Denkens opportun scheint, daß das Marketing gut war, daß das Buch gerade die richtige Größe, Aufmachung und den richtigen Preis hat, um als Geschenk mitgenommen zu werden, und so fort.
Worauf der Erfolg des Buches tatsächlich beruht, weiß ich nicht. Am Autor allein kann er meines Erachtens jedoch nicht liegen. Dobellis Ausführungen haben nämlich einige auffällige Mängel.
Daß er denjenigen, die mit der Thematik vertraut sind, kaum Neues bietet, muß man ihm nicht ankreiden. Vorwerfen muß man ihm jedoch, daß er unklar und inkonsequent vorgeht. Unklar oder zumindest ungenau sind häufig die Bezeichnungen der aus logischen oder psychologischen Gründen ungültigen Schlüsse, die Dobelli beschreibt. Was er "Fehler" nennt, sind oft nur Einseitigkeiten oder Überakzentuierungen. Viele der als "falsch" oder "illusorisch" bezeichneten Folgerungen können unter entsprechenden Prämissen durchaus zutreffen - ihre Problematik besteht lediglich darin, daß es keine sicheren Folgerungen sind.
Neben der Unklarheit mancher Ausführungen hat mich das nahezu völlige Fehlen von Selbstkritik gestört. Die Fehler machen die anderen, Dobelli entlarvt. Dabei scheint der Versuch, Fehlschlüsse aufzudecken, a priori doch ebenso fehleranfällig zu sein wie das Schließen selbst. Zudem räumt Dobelli in manchen Fällen ein, die Suggestivkraft des betreffenden psychologischen Mechanismus sei so groß, daß man ihr gar nicht entrinnen könne. Diese Feststellung sollte einen Autor doch bezüglich seines eigenen Standpunkts ins Grübeln bringen. Dobelli nicht; er besetzt die Position des feuilletonistischen Aufklärers, unangefochten und von Zweifeln unangekränkelt. So darf denn ein Kapitel, das die "Prognoseillusion" zu entlarven vorgibt, auch Prognosen enthalten.
Zu empfehlen ist dieses Buch nur denjenigen, die einen ersten Einblick in die Vielfalt gedanklicher Irrwege suchen. Alle anderen werden dieselbe Enttäuschung erleben wie jemand, der sich auf ein Pils freut und dann alkoholfreies Bier vorgesetzt bekommt.
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Von 2 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.06.2012 13:02:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.06.2012 13:10:35 GMT+02:00
Transwarp meint:
Ich sehe keine groben Schnitzer in diesem Buch, es zeigt nämlich die tagtäglichen hirnrissigen Denkfehler oder Irrwege vieler Menschen und die man auch oftmals selbst begeht, wenn man selbstreflektiert über bestimmte Situationen (nach)denkt. Vielleicht ist es für einen richtigen Philosophen nicht evident genug, aber das Buch ist nun mal keine wissenschaftliche Abhandlung.

Veröffentlicht am 09.09.2012 16:42:13 GMT+02:00
hamburg-ost meint:
Pilsener Brauart bedingt Alkoholhaltigkeit?!
Genial! - Selbst in einer für Normalbegabte so schwer zu verdauenden Rezension wieder was gelernt!

Veröffentlicht am 19.12.2012 10:34:08 GMT+01:00
Birdonawire meint:
Verstehe ich nicht. Was wäre denn dann der Alkohol ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.01.2013 01:54:22 GMT+01:00
BST meint:
Seite 19, der Autor konstruiert einen Denkfehler, indem er eine ganz bestimmte Denkweise als gegeben behauptet:

"Seien Sie skeptisch, wann immer eine Firma behauptet, ihr Produkt sei das 'meistverkaufte'. Ein absurdes Argument, denn warum sollte das Produkt besser sein, nur weil es das 'meistverkaufte' ist."

1.) Unklar ist schon einmal, warum das Wort meistverkaufte bei der zweiten Benutzung in Anführungsstrichen steht. Dafür gibt es eigentlich nur einen Grund, weil ein Autor nicht meint, was er schreibt, sich also nicht klar auszudrücken versteht. In diesem konkreten Fall aber sind die Anführungszeichen einfach nur total deplaziert.

2.) Als Betriebswirt sollte der Autor eigentlich wissen, dass große Firmen nicht einfach mal behaupten, ein Produkt sei das meistverkaufte, weil dies nämlich umgehend zu Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs führen würde.

3.) Der Autor legt nahe, dass Konsumenten der Argumentation folgen, weil sie glauben, dass das meistverkaufte ein besseres Produkt sein müsse. Dies ist eine willkürliche Unterstellung des Autors. Läßt man diese mutwillige Unterstellung weg, so läßt sich der Kauf eines meistverkauften Produktes in vielen Fällen als eine rationale und völlig vernünftige Entscheidung begründen, die keinerlei Denkfehler enthält.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.01.2014 19:53:19 GMT+01:00
Roy Bean meint:
Sie fahren Golf?
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