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5 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genese und Kontext einer philosophischen Summe, 3. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Minima Moralia (Gebundene Ausgabe)
"Wahr sind nur die Gedanken, die sich selber nicht verstehen." (Theodor W. Adorno: Minima Moralia, # 122, S. 254)

Schweigen bleibet stumm davor, dass vor über einem Jahrhundert der erlösende Meisterdenker uns geboren ward, gewiss der Erste und ebenso gewiss der Letzte, der das Identische und das Nichtidentische zugleich in einem Denken einander zu versöhnen noch vermochte.

Im Anfang war ein Wort, und es war sein Wort, und wir sahen, dass es gut war.

Kraft verlieh es uns, sein mit leichter Zunge hingehauchtes und hingeworf'nes Wort aus einem freien Vortrag in einem Hinterhof der Bockenheimer Landstraße:

"Intransigentem Denken ist die Hoffnung auf Erlösung mimetisch beigesellt, weil der Widerstand der frühbürgerlichen Rancune gegen das abstrakt Seiende, dialektisch, bündig und triftig entfaltet und gewendet, die gebieterische Freiheit des spätbürgerlichen Subjekts, auch das am schlechten Schein des Äquivalententausches intendiert, was erst durch dessen Zurüstung zum Objekte diesem verloren ging, ohne dass der Bann der Barbarei zu lösen sich vermöchte."

Zärtlich verschwebende Netze waren's, aus zerbrechlichster Intersubjektivität gewoben, Netze, deren untergründ'ge Kraft, geheimnisvoll genug, alle Schrauben in uns'ren Köpfen mit linker Hand lockern zu vermochten.

Mit einem Wort, mit diesem Wort, waren die Existentialontologie Heideggers (vgl. Sein und Zeit), die philosophisch sich dünkende Anthropologie von Scheler, Plessner und Gehlen, die Früh- und Spät-'Philosophie' Wittgensteins, der US-amerikanische Pragmatismus, der Positivismus des Wiener Kreises, besonders aber dessen wichtigtuerisch 'Kritischer Rationalismus' (vgl. Traktat über kritische Vernunft) äffisch sich heißender Abklatsch, widerlegt, zerstört, vernichtet, ein für allemal.

Und uns're Eltern, uns're Lehrer gar? Sie sträubten, widersetzten sich - gefangen, verfangen und befangen im Alles durchdringenden Verblendungszusammenhang der Adenauer-Erhard-Restauration. Wir aber erkannten in Adorno, dem siebten Kinde einfacher Hauswartsleute, den Erlöser, den von der List der vernünft'gen Geschichte uns Gesandten, den Pfad zum Heile uns zu weisen.

Während die hämmernden Räder der Kultur- und Bewusstseinsindustrie von den Schlicks, den Carnaps, den Poppers (vgl. Logik der Forschung), den Reichenbachs, den Nagels (vgl. Structure of Science) und Hempels (vgl. Philosophy of Natural Science) zynisch neue Ölung stets erfuhren, sah Adorno gleichsam zum Trappismus sich genötigt: Den gleißnerischen Medien war er anathema, den verstaubten Universitäten persona non grata, der verhockten Schulphilosophie blieben seine großen und kleinen Summen terrae incognitae, falbe Flecken des gesellschaftstheoretischen und epistemologischen Kannitverstans auf den ohnehin schon verwelkenden Landkarten alteuropäischen Geistes.

Wie Spinoza einst in Amsterdam, so hauste er, vergesellschaftet seinen beiden Rottweilern bloß, "Minima" und "Moralia" zärtlich von ihm geheißen, im feuchten Kellerloche eines längst verlass'nen Frankfurter Brauereigebäudes, an den zarten Händen klob'ge Fäustlinge, um gegen die Kälte der antagonistischen Gesellschaft, die ihn ausgespieen hatte, hilflos, trotzig wie ein Kind mit großen Augen, anzuschreiben. Und hier entstanden sie, die Bruchlinien einer dialektischen Theorie der gesellschaftlichen Totalität, die das Mörderische allen Preisgegebenseins ans schlecht Konkrete durch die Eiswüsten der Abstraktion hindurch zu deklinieren wussten. Gewiss, zum hilflosen Troste in den Verliesen der falschen Welt ließen Arnold Hau, Clemens Blaubrot und Ernst August Dölle, die alten Kameraden aus bess'ren Amorbacher Kindergartentagen, bei ihm sich blicken, um Reste von Dippehas und Grie Soß, bisweilen auch einen Bembel dünnen Weines, ihm mitzubringen. Doch gezeichnet waren auch sie schwer vom beschädigten Leben. Während Hau zeitlebens nach dem Menschen frug (vgl. Die Wahrheit über Arnold Hau), aber erdulden musste, dass der so befragte Mensch zurückzufragen stets sich sträubte, und Blaubrot, der namhafteste Naturlyriker der Kaiserzeit, angesichts der heraufdämmernden ökologischen Katastrophe zu verstummen genötigt sich sah, vermochte Dölle (vgl. Dichotomie und Duplizität), der an Hegels Dialektik von Herr und Knecht methodisch streng geschulte Psychologe, mit seiner lebend'gen, der noumenalen Welt abgelauschten Unversöhntheit von Dichotomie und Duplizität gegen das Unheil Skinner'scher Abrichtungskäfige und Lewin'scher Felder nicht sich zu behaupten. Marginalisiert, vertrieben, verfolgt, so kauerten die Freunde beieinander, die Schaftstiefel der Geheimpolizei im Nacken stetig spürend.

Adornos verzweifelter Versuch, im Jahre 1934 noch die Herrschaft des Faschismus von innen dialektisch aufzusprengen, sollte fehlschlagen. Zwar war ihm es gelungen, seine Rezension von Herbert Müntzels Singstück "Die Fahne der Verfolgten. Ein Zyklus für Männerchor nach dem gleichnamigen Gedichtband von Baldur von Schirach" in die Zeitschrift "Die Musik" als Konterbande tollkühn-listig einzuschmuggeln, doch dem Spreng-Satze - "es wird dem Bild einer neuen Romantik nachgefragt; vielleicht von der Art, die Goebbels als 'romantischen Realismus' bestimmt hat" - blieb die Verwirklichung des Telos gleichwohl versagt. Die "obersten Führungssysteme" (Arnold Gehlen) des NS-Staates erwiesen, aufklärungsresistent genug, immun sich gegen die aufklärende Kraft des ridikülisierenden Argumentes.

So ward ihm schlüssig offenbar, dass ein Ausweg nur ihm blieb: der Weg in die dem Denken feindselig abholde Welt der "Händler", als die Sombart (vgl. Händler und Helden) hellsichtig schon zwanzig Jahre zuvor das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika enthüllt uns hatte.

Im "Princeton Radio Research Project" des positivistischen Prozentrechners Paul F. Lazarsfeld vermochte er als Pförtner, Kopist und Bürobote eine ärmliche Nische sich zu richten, die Subsistenz zu gewähren im Stande ihm war. Und dort ward er, der Meisterschüler Alban Bergs, auch mit dem Jazz, der zeitlosen Kindermode der Kulturindustrie, konfrontiert.

Nach einem Besuch der Carnegie Hall, in welcher die damaligen 'Stars' dieser als revolutionär hinausgeplärrten Musizierform, der Fagottist und Schalmeienspieler Schnuggy Wortz ('the swingin' booman') und der Bandenführer Jack 'Hounddog' Henkelman, aufzutreten angeschickt sich hatten, notierte er in einem flüchtig skizzierten Memorandum an seinen Freund Max 'Reggie' Horkheimer, der, ebenfalls Emigrant, als Dockarbeiter verdingt sich hatte:

"Hegels noch hartnäckige Mühe, der Dialektik Residuen bürgerlicher Freiheit trotzig abzuschnöden, gerinnt unter den Falschmünzerhänden der Musik(ont)ologen zur fadenscheinigen Ansprache an die Hirten und Hüter des Seins, verkennend, dass die Antagonismen der Warenwelt die odysseische Archaik, aus deren Topoi sie untergründig, heimlich noch sich speist, längst schon zum schlechten Schein des Konkreten regredieren ließ. Ewig pupsen und sabbern die gleichen Babies und Barbies aus den immergleichen Magazinen, ewig stampft die Jazzmaschine. Pleistozänische Affekte heften an eine modernistisch sich gerierende Technik sich, feindlich allem Sinn. Das Alles durchdringende Profitinteresse der kapitalistischen Produktion frisst wie ein insatiabler Bandwurm in die Herzen der Dinge sich und löscht von dort her sie aus. Dass im Jazz unverdorb'ne Frische, unverstellte Authentizität zur Geltung sich brächten - dies gehört in's Ressort der kitsch'gen Negersklavenfabel der Harriett Beecher Stowe. Hinter den Rücken all der regressiv sich aufspielenden Jackies und Schnuggies und wie alle sie von einer den falschen Schein perpetuierenden Musikindustrie geheißen sein mögen, marschieren doch bloß die grölenden Sturmabteilungen und Saalschutzstaffeln des faschistisch-positivistischen Unheils. Selbst die harmonischen Rückungen, die fragmentierten Ostinati und irregulären Undezimparallelen, die motivlosen Wechsel von binärer und ternärer Metrik, sowie die enharmonisch erweiterten Akkordcluster über den Orgelpunkten Gis und Des, mühsam genug abgelauscht den Abspaltungen, Verdichtungen und Verkettungen in Pannacottas 'Krischan-Tetralogie' und Rebroffs mittleren Kindertotenliedern, und unbeholfen, stolpernd und eunuchenhaft quiekend, plärrend und blökend genug intoniert, vermögen an diesem Verdikt kein Jota noch zu ändern. Jazz ist, auf die bündigste Formel wohl gebracht, unsublimierte, repressiv aufgestachelte, ewige Vorlust, der keine Erfüllung zärtlich sich versöhnt."

Der Jazz konnte nach diesem, auf Partiturstudien und stundenlanger Hörforschung methodisch abgesichert sich stützenden Urteile nur noch als dumpfe Penumbra seiner selbst dahinkümmern, als quietschende Parodie auf eine nachgeahmte Substanzialität. Selbst Musikanten der Jahrtausendwende, welche die internationalen 'charts' dominieren, wie Joe 'Holy' Bedforleger, Big 'Butch' Krugel, Percival A. 'Stump' Evans, Salena 'Oink' Jones und Chester 'Hot Harp' Reardon vermögen dies Urteil nicht zu dementieren.

In den Fünfziger Jahren zurückgekehrt ins Alte Europa, nähert Adorno in einem letzten gewaltigen Aufbäumen "häretischen Überlieferungen des europäischen Untergrundes" (Gerd-Klaus Kaltenbrunner) sich: Negative Dialektik, seine fällige Abrechnung mit dem latenten Totalitarismus der Warentauschgesellschaft, die als liberal gründlich sich missversteht. "Negative Dialektik" - flüssig kalligraphiert auf unbedruckten Zeitungsrändern, die wir, die Freunde, Schüler und Gefährten der letzten Jahre, für ihn zu sammeln und ihm nächtens heimlich zuzustecken uns erlaubt hatten.

Wie stets ist der Hauptgang des Argumentes, geschult und entwickelt an den Kristall-Linien der diskursiven Logik Hegels, und hier synoptisch rekonstruiert, durchsichtig Jeder, die verständig zu lesen noch vermag:

Ohne Anamnesis an die noch verwilderte Selbstbehauptung des Subjekts, das später in die Sphäre heteronomer Naturhörigkeit verbannt sich findet, wäre die Idee der Freiheit nicht zu schöpfen. Im Schwesterbegriff der Freiheit, ohne die der der Freiheit schwerlich zu begreifen ist, der Spontaneität, die am höchsten das bloß Empirische zu transzendieren vermöchte, hallt noch das verschwieg'ne Echo dessen wider, was bis hin zur Vernichtung zu kontrollieren das unterdrückte Ich der verblendeten Philosophie des 'Marktes' für die Approbation seiner Freiheit hält.

Unredlichen Positivisten, den gedungenen Claqueuren des falschen Tausches, mögen solche Perspektiven das Lachen gewiss verschlagen. Und doch ist ihrem Falschwort zum Trotze an der perennierenden Wahrheit festzuhalten, dass, anders, gleichwohl identisch-nichtidentisch gewendet, Freiheit allein als polemisches Gegenbild zum Verdorren und Verdürsten unterm gesellschaftlichen Zwang und zugleich Unfreiheit als dessen Ebenbild konzipieren sich zu lassen vermögen.

Adornos unwiderrufliches Dahinscheiden im Sommer 1969 ließ nackt und ungeschützt uns zurück, als verscholl'ne Wesen wieder, als Mühselige, Beladene, Erniedrigte und Beleidigte wie je, deren schwärende Blößen lindernd zu bedecken auch das "Schweißtuch der Theorie" (Hans Magnus Enzensberger) nicht würde hinreichen können. Für Teddies schirmende Hände, in deren heilendem Schatten zu versammeln uns vergönnt war, ist kein Substitut in Sicht, kein noch so schmächtiges.

Literatur (Auswahl):

Theodor W. Adorno: Eingriffe, Impromptus, Modelle, Prismen, Stichworte und Summen - Reflexionen, Tagebücher und Briefe eines Verfemten. 66 Bände. Amorbach 1969 (Selbstverlag)

F. W. Bernstein: Reimweh - Gedichte und Prosa. Stuttgart 1994

Horst Wolfgang Boger: Glimpf und Getüm - Bausteine und Entgrenzungsflächen kategorialer politischer Ideengeschichte (in Arbeit)

Hans Magnus Enzensberger: Gedichte 1955-1970. Frankfurt am Main 1971

Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und Friedrich Karl Waechter (Hrsg.): Die Wahrheit über Arnold Hau. Frankfurt 1966

Jochen Habergeiß: Emanzipation des Menschengeschlechtes qua Resurrektion der Natur. In: Versöhnen statt Spalten - Monatsschrift für Schamkultur, 5, 1967

Ders.: Odyssee der Dialektik durch die Untiefen der Vernunftkritik. In: Starnberger Volksfreund / Anzeigenblatt für den Arbeiterturnverein, 7. August 1969

Ders.: Die Einbeziehung des Ichs - Über jüngste Versuchungen der politischen Theorie. Hinterzarten 1996

Eckhard Henscheid: Wie Max Horkheimer einmal sogar Adorno hereinlegte - Anekdoten über Fußball, Kritische Theorie, Hegel und Schach. Zürich 1983

Theo Herrmann (Hrsg.): Dichotomie und Duplizität - Grundfragen psychologischer Erkenntnis. Ernst August Dölle zum Gedächtnis. Bern 1974

Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Adornos "Negative Dialektik". Manuskript, gesendet im Juni 1969, Radio Autonomer Funk (RAF)

M. Rainer Lepsius: Dichotomie und Duplizität. In: Zeitschrift für Sozialpsychologie, 6, 1975

Susanne Nötties: Das versengende Feuer der dialektischen Logik - Häresie und Subversion im Werke Theodor W. Adornos. Göttingen 1996

Peter Rühmkorf: Kunststücke - Fünfzig Gedichte nebst einer Anleitung zum Widerspruch. Reinbek 1962

Franz-Josef Saftkühler: Materialistischer Überbau und idealistische Basis. Verlag Hegel-Studien. Frankfurt 1970

Harald Schmidt: Warum? Neueste Notizen aus dem beschädigten Leben. Köln 1997
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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.12.2009 18:31:28 GMT+01:00
stanislawgrof meint:
Na, was für ein freches Späßchen bringt uns der Nikolaus denn da?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.12.2009 20:37:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.12.2009 03:00:43 GMT+01:00
Offenbar haben Sie sofort erkannt, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Persiflage (oder um eine Parodie) handelt. Adornos z. T. nur noch lächerliche Manierismen und Verstiegenheiten verdienen m. E. keine andere Art der 'Rezension'.

"Wahr sind nur die Gedanken, die sich selber nicht verstehen", so schrieb Adorno (Minima Moralia, # 122, S. 254). Dieser enigmatische Satz war offensichtlich auch so gedacht, dass wahr nur die Gedanken sind, die niemand versteht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2009 18:07:37 GMT+01:00
stanislawgrof meint:
Das Oeuvre Adornos ist unbestreitbar von Snobismus geprägt – in Sachen Jazz treibt ihn seine Borniertheit in die bloße Ignoranz - dennoch sollte man ihn nicht darauf reduzieren. Zumal auch weniger Kryptisches von ihm überliefert ist: "Fun ist ein Stahlbad" passt heute allerorten. Apropos, Ihre Persiflage fand ich sehr amüsant, sie kommt aber nicht ganz an meinen Favoriten, Ihren Beitrag Peter Sloterdijks "Sphären", heran.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2009 18:44:14 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.12.2009 12:21:07 GMT+01:00
"[V]on Snobismus geprägt" ist sehr freundlich formuliert. Ich ziehe die Formulierung "durch und durch elitär, prätentiös und arrogant" vor.

Ihr Urteil über Adornos Borniertheit in Sachen Jazz verdient spontane Zustimmung. Ich reduziere, wie ich finde, Adornos umfangreiches Oeuvre aber keineswegs auf seine Anti-Jazz-Schriften.

Ganz sicherlich finden sich bei ihm auch Sätze, die auch Normalmenschen mit etwas Verstand verstehen können, z. B. "Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden" und "Fremdwörter sind die Juden der Sprache". (Minima Moralia, # 72) Beide Sätze finde ich sogar richtig.

Über den Satz "Fun ist ein Stahlbad" ließe sich anregend diskutieren.

Ich war übrigens - wie so viele meines Jahrgangs - für einige Jahre ein glühender Verehrer Adornos. Als ich dann das Alter von 22 oder 23 überschritten hatte, hat der Empiriker, der ich heute noch bin, den Sieg davongetragen.

Veröffentlicht am 22.01.2010 08:34:12 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.01.2010 08:52:19 GMT+01:00
OK, Adorno hatte einen eigenwilligen Stil, der zur Parodie einlädt. Als störend empfinde ich aber zum einen den Angriff ad hominem, also die Entwertung der Argumentation durch Hinweise auf Unheldenhaftes in der Biographie, und zum anderen den weitgehenden Verzicht auf eine Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Aussagen.

Mit dem Gestus des sich über-Adorno-lustig-machens trifft sich die Rezension mit einer Publikation der Marxistischen Gruppe, die anlässlich eines Adorno-Seminars an der Universität Hamburg 1989 die Runde machte. Da wurden dann noch die Kommentare über "Prostituierte in angesächsischen Ländern" aufgegriffen, die auch für Adorno Freunde wohl eher Fragen aufwerfen als Antworten vermitteln. Ich denke, dass ist nicht die Front, in die Sie sich mit Ihrer Polemik einreihen wollten.

Es bleibt festzuhalten: Adorno ist leichter auswendig zu lernen als zu verstehen und sicherlich leichter zu parodieren als zu begreifen. Ich meine aber immer noch, dass sich die Mühe lohnt. U. a. auch, weil Adornos Grundeinspruch gegen die bloße Empirie (u.a. im letzten Essay der "Minima Moralia" zum mindest im Großen und Ganzen weiterhin Gültigkeit besitzt. Empirie ist nötig, um Perspektiven in der Welt Gewicht zu verleihen. Die Entwicklung von normativer Perspektiven zur Orientierung gewinnt man aber nicht durch den Hinweis auf Empirisches, auf das, was ist. Da sind sich die Ethikexperkten von Rechts bis Links seit Hume (!) ziemlich einig. Wer es dennoch tut, wird berechtigterweise mit dem Vorwurf des "Naturalistischen Fehlschlusses" belegt. Um es mit Heinz von Foerster zu sagen: "Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden" (KybernEthik, S. 73). Die Frage, ob eine Frau schwanger ist, kann ein Gynokologe durch ein empirische Untersuchung am weiblichen Körper relativ zweifelsfrei entscheiden. Die Frage, ob sie das Kind austragen soll, auch, wenn es ihr gerade nicht ins Lebenskonzept passt, ist empirisch nicht zu entscheiden, sondern hier muss eine ethisch begründete Entscheidung im engeren Sinne her.

Lange Rede - kurzer Sinn: Wenn ich Ihre Rez. von Adornos Büchern lese, dann habe ich den Eindruck, als gehe Ihnen nicht nur der Sinn für Adornos Fragen im Besonderen, sondern für die ganze Dimension der ethischen Fragen, die hier angesprochen wird, ab. Das ist mir dann aber für eine kritische Würdigung eines Buches etwas wenig. Bei allem Spaß am Spiel mit der Sprache, der Ihnen zugestanden sei.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2010 13:54:27 GMT+01:00
Auch hier gilt: Vor allem die prätentiöse, elitäre und arrogante Imponier- und Einschüchterungsprosa Adornos ist der Gegenstand meiner Parodie.

Sie monieren "den Angriff ad hominem, also die Entwertung der Argumentation durch Hinweise auf Unheldenhaftes in der Biographie".

Dazu ist wohl zu sagen, dass ich - erstens - bei Adorno gar keine Argumentation (im Sinne der Logik) erkennen kann, und dass - zweitens - sich Adorno schon vorhalten lassen muss, dass er im Jahre 1934 sich den NS-Machthabern anzubiedern versucht hat.

Die von ihm attackierten 'Positivisten' wie Carnap und Hempel, die er und Horkheimer gerne als untergründige Kombattanten des faschistischen Unheils betrachtet haben, haben solche Versuche nicht einmal ansatzweise unternommen.

Was die Sache mit dem "Naturalistischen Fehlschlusses" betrifft: Ich sehe nicht, wo ich ihn begangen haben sollte.

Schließlich zum Stichwort "Normativismus": Niemand, außer einem allwissenden Gott, ist in der Lage, Normen im Sinne von kategorischen Imperativen glaubwürdig und überzeugend aufzustellen. Warum sollte ich mich also von normativen Thesen Adornos beeindrucken lassen?

Hans Kelsen hat einmal - sinngemäß - gesagt: "Hinter jedem Sollen steckt ein Wollen". Das ist der klügste Satz, der jemals über Normativismus gesprochen worden ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2010 08:04:26 GMT+01:00
Herr Boger,

wenn in der Ethik von Normen geredet wird, geht es nicht immer - in der Moderne überhaupt nur eher selten - um absolute Normen.

Einen naturalistischen Fehlschluss implizieren Sie relativ zwingend dadurch, dass Sie suggerieren, dass man auf normative Positionen verzichten kann, wenn man ethisch argumentieren will.

Das mit dem Sollen und Wollen ist für diese Frage relativ wurscht: auch ein Wollen bedeutet eine normative Position. Nicht immer eine, von der sich andere überzeugen lassen. Aber das ist an dieser Stelle ja nicht relevant.

Mir geht es auch nicht um einen "Normativismus". Mir geht es lediglich darum, dass klar ist, worüber man streitet, wenn man sich streitet. Das sind nicht immer nur Fakten, sondern - siehe dazu meinen Hinweis auf von Foerster - auch wertende Urteile.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.12.2012 21:12:40 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.12.2012 21:15:23 GMT+01:00
B. Hebecker meint:
@ H W Bogner

Der Empiriker hat es fortgetragen, also einen Rest an verknöchert, herrschaftlich endlich ausgewachsner, pseudo erwachsene Haltung, der den Früchten des Geistes abhold sich zum immer deutschen Gewalt und Herrschaftsmenschen aufgeschwungen und bekannt haben muss. Um ebenso verbiestert wie andere Deutsche vor ihm, als Mitläufer und Mittäter an fleißiger Überproduktion etc. weltweiter Wiederbewaffnung und irrtümlich dadurch erhoffter Befriedung zu basteln, ...
Empiriker und Rationalist der er meint zu sein, ja lachaft ihre Attitüden,.. und Virilismen,
weniger von solchen wie Ihnen und der Weltfriede, statt dem verbissenen, andauernde Konkurrenzkrampf würde ernsthaft in erreichbare Nähe rücken, zudem.

Wie sagte Adorno:
„Und wie wäre in seiner bündigen Negation, der Abschaffung der Monade durch Solidarität, zugleich die Rettung des Einzelwesens angelegt, das gerade in seiner Beziehung auf das Allgemeine erst ein Besonderes würde, .“
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