Kundenrezension

73 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realistischer Erfahrungsbericht - mehr aber nicht, 17. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Möllers Buch ist ein flüssig geschriebener Erfahrungsbericht aus dem Innenleben einer typischen deutschen Brennpunktschule. Mit leichtem ironischen Unterton beschreibt er, wie ein behütet aufgewachsener Akademiker auf Unterschichtsschüler (viele davon mit Migrationshintergrund) aus chaotischen, kaputten Verhältnissen trifft. Zwei Welten prallen ungebremst aufeinander. Dabei beschreibt Möller nach meinen eigenen Erfahrungen als Lehrer vollkommen realistisch und sogar differenziert: Auch in einer chaotischen, schwierigen Klasse sitzen ja sehr unterschiedliche Kinder.

Nachdem man ca. 150 Seiten lang den Schilderungen Möllers halb belustigt und halb geschockt gefolgt ist, zeigt das 350 Seiten lang Werk dann doch seine Schwächen: Die persönliche Lebensgeschichte Möllers (Freundin, deren Studienplatzsuche, Geburt eines Kindes) ist inhaltlich banal und ganz uninspiriert geschrieben. Möllers Entwicklung vom hilflosen Anfänger zum erfolgreichen und bei Schülern und Schulleitung beliebten Lehrer, dazu fehlen dem Autor Möller dann doch wesentliche Konzepte und sprachliche Mittel, um dies nachvollziehbar zu beschreiben. Abgesehen davon, dass Selbstbeweihräucherung vom Leser nie so gern gesehen wird...

Möllers große Erleichterung, den Schuldienst nach 2,5 Jahren zu beenden, ist angesichts seiner angagierten Schuljahresvorbereitung nicht nachvollziehbar. Gänzlich unnötig ist das von Möller als "wichtige Zeilen" benannte, fast pubertäre Nachwort, welches oberflächlich und unwissenschaftlich Ergebnisse der Hirnforschung aufzählt (auch wenn es nur ein kleines Detail ist: Das Konzept der sogenannten "Spiegelneuronen" ist wesentlich problematischer, als Möller dies meint).

Unter dem Strich bleibt ein flüssig zu lesener Bericht, in dem sich vermutlich unzählige Lehrer wiederfinden werden. Einzig die häufige Erwähnung des so frühen Feierabends hat mich gewundert. Offenbar hat Möller kaum Unterricht vorbereitet, Arbeiten korrigiert, sich mit Kollegen abgestimmt, den Klassenraum eingerichtet, Hausbesuche durchgeführt und mit sozialen Organisationen Kontakt aufgenommen. Wesentlich bedauerlicher jedoch ist, dass den häufigen nebulösen Vorwürfen politischer und gesellschaftlicher Fehlenwicklungen keine Lösungsansätze folgen. Dass Schule auch in sozialen Brennpunkten (wenigstens teilweise) gelingen kann, für diese Erkenntnis war Möller Erfahrung wohl doch zu kurz und schmal.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.05.2013 20:33:37 GMT+02:00
Buchnarr meint:
"Möllers Entwicklung vom hilflosen Anfänger zum erfolgreichen und bei Schülern und Schulleitung beliebten Lehrer, dazu fehlen dem Autor Möller dann doch wesentliche Konzepte und sprachliche Mittel, um dies nachvollziehbar zu beschreiben. Abgesehen davon, dass Selbstbeweihräucherung vom Leser nie so gern gesehen wird..."... es ist kein Wissenschaftsbuch sondern pure Unterhlatung mit " Augenzwinkern"- mehr nicht und darum gut!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.05.2013 22:20:08 GMT+02:00
Kurt Schnaus meint:
Ich halte das Buch keinesfalls für "pure Unterhaltung", dazu ist das Thema viel zu ernst (und das Nachwort zeigt einen Verfasser, der weit mehr als nur unterhalten will). Davon abgesehen gibt es auch unter den unterhaltsamen Büchern schlechtere und bessere. Und nur die besseren vermögen mich wirklich zu unterhalten!

Veröffentlicht am 17.11.2013 14:52:51 GMT+01:00
Bücherfreund meint:
Guter Kommentar, der mich vom Kauf abhält. Realistische Erfahrungsberichte liefert mir meine Tochter als Grundschullehrerin quasi auf Knopfdruck.
Als Lehrer hätte ich allerdings 2 Flüchtigkeitsfehler (rot?) angestrichen: "angagierten Schuljahresvorbereitung" und "flüssig zu lesener Bericht" geht gar nicht! Jedenfalls nicht, wenn man Oberflächlichkeit und Unwissenschaftlichkeit kritisiert.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.11.2013 16:45:54 GMT+01:00
Buchnarr meint:
Geschenkt!!

Veröffentlicht am 05.01.2014 12:24:07 GMT+01:00
Dominik meint:
Insgesamt stimme ich Ihnen zu: Das Buch ist EIN Erfahrungsbericht. Der Sinn und Zweck eines solchen steht auf einem anderen Blatt. Menschen, die nicht in ihrem Umfeld Lehrer haben, werden viele neue Dinge aus dem Schulalltag erfahren. Ansonsten bleibt meiner Meinung nach Warnruf an alle Bürger, dass die Gesellschaft dabei ist in Barbarei zu verfallen. Sicherlich gab es früher schon Schlägereien und Überfälle. Jedoch handelt es sich hier um eine bekannte, systematisch hervorgerufene Entwicklung von immer mehr gewaltbereitschaft.

Zum Thema Wissenschaftlichkeit: Ich selbst habe in diesem Fach studiert und würde auch diese und jene Theorie nicht einfach so - wie im Buch geschehen - stehen lassen. Dennoch gehört es zur Aufgabe eines Pädagogen (im Unterschied zum Erziehungswissenschaftler) mit Hilfe der erlernten Theorie in der Praxis zu handeln. Deswegen sind Lehrer eigentlich auch an der Universität. Ein Erziehungswissenschaftler wird in der Theorie immer auch einen Gegenentwurf wissen. Das liegt nunmal daran, dass Wissenschaft sich nur der Wahrheit annähern kann. In der Praxis wird dagegen gehandelt. Der Pädagoge kann nicht die Zeit anhalten und dahindenken, sondern muss teilweise blitzschnell reagieren. Dass dabei wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden, kann ich Herrn Möller nur hoch anrechnen. Inwiefern er damit recht hat, wäre zu noch beurteilen. Jedoch ist er zumindest reflektiert und dadurch angreifbar. Er ist gewillt, nicht (immer) aus seinem Bauchgefühl heraus irgendwas zu tun.

Übrigens hat er sogar explizit darauf hingewiesen, dass er keine wissenschaftliche Abhandlung geschrieben hat. Ich finde es gut, dass er preisgibt, welche theoretischen Bezugsquellen er besitzt. So kann man ihn besser verstehen und muss nicht rätselraten, aus welchen Denkschulen er stammt.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent