Kundenrezension

28 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Klein "Schindlers Liste" ohne Heldendenkmal, 27. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Habermann [Blu-ray] (Blu-ray)
Die Inszenierung des 73-jährigen tschechischen Regisseurs Juraj Herz von 2009/10 basiert auf dem Roman von Josef Urban und war mit einem Budget von 3,6 Millionen Euro relativ preiswert. Das Drama soll auf auf einem wahren Fall beruhen und das bringt zwangsläufig mit sich, dass man die Handlung nicht beliebig verbiegen kann. (Aber es gibt immer Spielräume) Ich selbst konnte nirgends Hintergrund-Informationen dazu finden und ich wünsche mir, endlich einmal eine DVD in die Hände zu bekommen, wo diese, die wichtigste aller Informationen unter den Extras auftaucht! Blabla gibt es ja immer zur Genüge.

Die Bewertung im Internet außerhalb von Amazon liegt zwischen 50% (Profis) und 70% (Publikum).
Schade, dass deutsche Filme so häufig am eigenen Anspruch scheitern. (meist mit Problemen überladen und moralinsauer) Laute Hollywoodspektakel dagegen haben ihr Publikum fast sicher. Das liegt nicht nur am Riesenbudget und an der marktschreierischen Werbung. Es liegt auch an der Perfektion des vor Testpublikum abgestimmten Gesamtwerkes, verbunden mit der inneren Befriedigung jedes einzelnen Zuschauers.

Und daran krankt auch dieser Film wieder, selbst wenn er - dies für die Haarspalter - keine rein deutsche, sondern eine Koproduktion ist.
Oh ja, er geht unter die Haut, beeindruckt auf seine spezielle Weise. Sehr sogar. Ben Becker ist für seine Gänsehaut erzeugende Darstellung zu Recht über den grünen Klee gelobt worden und selbst W.G. Ochsenkneckt macht seine Sache in meinen Augen nicht so schlecht, wie auf manchem Filmportal behauptet wird.
Wenn man den Film sich eben erst angesehen hat und noch unter Schock steht - jeder, der Gefühle hat, wird Beklemmung verspüren - möchte man spontan ***** 5 Sterne verteilen.
Der Film hat jedoch in meinen Augen drei große Mängel:

[1] Der erste ist, dass der Schock oder die Beklemmung in keiner Weise gelöst werden. Drama oder nicht: Es fehlt die literarische Gerechtigkeit (und die steht nicht im Widerspruch zur historischen oder politischen Korrektheit, die trotz gewagter Ausnahmen gehabt schablonenhaft daherkommt). Der - äh - Held bekommt jedenfalls NICHT seinen Lohn, nicht einmal Mitgefühl und die Bösen kriegen nicht die Art von Strafe, die man sehen möchte. (In seiner Gefühlswelt ist man als Film-Manipulierter auch nur ein gequältes Tier und die aufgestaute Spannung schreit nach Rache - Vernunft hin oder her.) Selbst wenn man als Produzent nah an der Buchvorlage oder dem historischen Original bleiben will, so bleiben genug Lösungs-Varianten übrig. Nur als Beispiel: Die Unmenschlichkeit wird Einem jeden Moment dermaßen nahe gebracht - ein anonymer Feuerball am Horizont ist keine angemessene Antwort darauf und auch keine entspannende Lösung. - [Es fällt mir schwer, konkret zu kritisieren und dabei nicht zu viel von der Handlung zu verraten.]

[2] Zum zweiten werden so viele Chancen vertan. Da wird ein Spannungspotential aufgebaut zwischen verblendetem, jungem Kriegsfreiwilligen und SS-Befehlshaber/-Deserteur ... und als sie endlich und schließlich aufeinander prallen und jeder erwartet, sie würden sich gegenseitig an die Gurgel gehen - da kommt es nicht zum Knall, nicht mal zu einem Aufstoßen! Hat der Verwundete dem mit Leben Spielenden nichts zu sagen? Kann nicht er zur literarischen Gerechtigkeit beitragen und so zeigen, dass ihm ein Licht aufgegangen ist?

[3] Drittens geht es im Detail unlogisch zu. Das ist insbesondere deshalb schade, weil das Große Ganze stimmt. Überladen wie der Film ist, erfährt man ohnehin zu wenig über die Umstände und die Leute, um sich gut orientieren zu können.
- Doch auch so bleibt die Frage, wieso der drangsalierte, reichste Fabrikant des Ortes es mind. 2 Jahre lang nicht angeht, seine Frau in Sicherheit zu bringen.
- Ebenso wie man sich fragt, wieso sie nach dem Juden-Abtransport wieder unverletzt im Ort auftaucht.
- Da ruft jemand die Partisanen per Telefon an, um sie über den Fluchtweg eines Nazis zu informieren, während der noch nicht einmal um die Ecke gebogen ist und aufmerksam werden könnte! Wie leichtsinnig und unrealistisch ist das denn?
- Da bringt man 10 Tschechen zur Erschießung und stellt erst nach Schuss No. 9 fest, dass noch einer fehlt? Wieso?
Und so weiter...

Alle Rezensenten schreiben hier, es gehe darum, dass Gut und Böse keiner Nation angehören. Richtig; mir aber etwas zu einfach. Da es für all die Widerlichkeiten Schuldige geben muss, teilen wir halt die Schuld auf und nehmen uns wie gehabt selbst etwas mehr davon. Wenn man Beispiele aus jener schrecklichen Zeit wählt, dann aber doch des Persönlichen wegen!
Im Speziellen geht es nämlich nicht nur um Schuld/Mitschuld/Unschuld, sondern auch um ein Psychoduell zwischen Sadist und Pazifist und um die Frage, was denn NOCH alles geschehen muss, bevor jemand seinen "Anstand" und das Abwarten aufgibt und Farbe bekennt und (im Bewusstsein einer möglicherweise ruinierten eignen Zukunft) handelt.
Die Schraube wird stetig angezogen. Sturmbannführer Koslowski - zweifellos ein Arier - will immer mehr, er will August Habermann aus der Reserve locken, seinen passiven Widerstand brechen. Sein Anliegen ist inzwischen persönlich. Der "auf dem Kieker" hat mehr als einmal die Chance, den Bösen in seiner Stube eigenhändig einen Kopf abzuschlagen. Doch er hält nur die andere Wange hin, während sein Buchhalter hinter seinem Rücken mit Flugblättchen aktiv wird. Da steht eine große theologische Frage im Raum - und wird ignoriert.

Nach dem unbefriedigenden Ende des Film haben bei uns alle erst einmal geschluckt. Dann stand der älteste, mein Schwiegervater, auf und sagte: "Da sieht mans mal wieder: Alle Menschen sind Schweine und Undank ist der Welt Lohn." Deshalb verkriecht er sich seit Jahren in seinem Schneckenhaus und ist für niemanden da.
DAS ist die tatsächliche Wirkung des Filmes (jedenfalls EINE davon). Ganz anders als bei "Schindlers Liste (2 DVDs)".
Und ich denke: Das war nicht die Absicht.

PS: Das erste "nicht hilfreich" stammt von einem Troll, der mehrere meiner Rezensionen in Folge nach unten getrampelt hat, wahrscheinlich ohne sie zu lesen. Das hat also nichts zu sagen und deutet nur auf krankhaften Ehrgeiz hin.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.07.2011 19:47:21 GMT+02:00
Als Nachtrag möchte ich hier noch ein Zitat von MovieMaze.de anführen, das mir aus dem Herzen spricht:

"Habermann schwächelt vor allem in der ersten Hälfte des Films, denn anfänglich scheinen die Szenen aneinandergefügt, ohne dass sich jemand ernsthaft Gedanken um die Wirkung dessen gemacht zu haben scheint. Charaktere werden dem Zuschauer lieblos vorgeworfen und es fällt enorm schwer, sich ernsthaft mit dem Film und Thema auseinanderzusetzen. Erst in der Mitte des Filmes wird klar, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird und was die eigentlichen Kernthemen sein sollen. Hier wäre etwas weniger drum herum am Anfang sehr hilfreich gewesen und hätte den Zuschauer deutlich früher gefesselt.
...
Insgesamt hinterlässt Habermann einen faden Beigeschmack. Während die letzte halbe Stunde durchaus sehenswert ist und für viel Diskussionsstoff sorgt, ist der gesamte Aufbau der Geschichte komplett misslungen. Die Dialoge sind flach und Charaktere werden äußerst mangelhaft eingeführt und dem Zuschauer nahegebracht. Erst wenn eigentlich schon alles vorbei ist, versteht der Zuschauer was vor sich geht und wie Zusammenhänge zu bewerten sind. Es scheint, als hätte der Drehbuchautor sich zur sehr im zu Grunde liegenden Roman "Habermanns Mühle" verfangen und damit den Blick für das Wesentliche leider verloren.

So bleibt ein durchschnittliches Drama, welches eine eigentlich interessante und spannende Geschichte schlecht erzählt und erst am Ende wirklich überzeugen kann. Schade, dass dieses Thema damit verheizt wurde."

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.07.2011 00:06:45 GMT+02:00
Fox meint:
Hallo Herr Wundfinger!

Ich finde ich Ihre Bewertung zum Film sehr interessant, auch wenn ich eine völlig andere Sicht dazu habe. Ich habe sehr vieles genau völlig gegensätzlich als Sie wahrgenommen und werde es auch begründen. Ich werde dazu auf die wichtigsten Aussagen von Ihnen eingehen:

[1] Unter Punkt 1 schreiben Sie, dass der Schock bzw. die Beklemmung nicht aufgelöst wird und die "literarische Gerechtigkeit" fehle. Nun, das mag sein, aber gerade das zeichnet ein Drama doch aus! Meiner Meinung nach wurde es somit also genau richtig gemacht. Bei diesem Thema gab/gibt es auch in der Realität keine Gerechtigkeit. Wieso sollte der Film diese denn vortäuschen?

[2] Unter Punkt 2 kritisieren Sie die Begegnung zwischen dem jungen Kriegsfreiwilligen welcher verblendet wurde und dem SS-Sturmbannführer Koslowski insofern, als dass es dort nicht zu einer Auseinandersetzung kam. Ich persönlich nahm daran keinen Anstoss, da es für mich völlig schlüssig war: Sturmbannführer Koslowski war zu diesem Zeitpunkt selbst ein Deserteur, er legte seine Uniform ab und hatte nur noch Interesse daran, seine Haut zu retten und zu verschwinden - er glaubte selbst nicht mehr an einen "Endsieg" und er sah seine Mission als erfüllt bzw. gescheitert an. Und der junge Kriegsfreiwillige war bis zuletzt seine Linie treu geblieben, er hatte ein schlechtes Gewissen, dass er nicht mehr weiterkämpfen konnte. Natürlich war er streng genommen auch ein Deserteur, aber dies wurde er nicht ganz freiwliig, schliesslich sorgte Habermanns Frau dafür, dass er zu einem Deserteur wurde! So gesehen bestehen zwischen diesen beiden Persönlichkeiten -nämlich dem jungen Kriegsfreiwilligen und Sturmbannführer Koslowski- auch keine Gründe, sich gegenseitig anzugreifen. Beide sind auf ihre Weise gescheitert und standen sich auch nicht im Wege! Es wäre nur allzu kitschig und klischeehaft, wenn hier gezeigt worden wäre, dass der SS-Offizier den "jungen Deserteur" noch hinrichten wollte. Das wäre dann Hollywood oder ein schlechter B-Movie!

[3] Unter Punkt 3 kritisieren Sie die Logik-Löcher im Detail:
- Sie kritisieren, dass der Fabrikant Habermann es nicht angeht, seine jüdische Frau in Sicherheit zu bringen. Nun, das tat er auf seine Weise. Ihm war zwar bekannt, dass seine Frau Jüdin ist, ihm war aber auch bekannt, dass seine Frau dies selbst nicht wußte. Und er ging davon aus, dass es auch die SS nicht wusste. Was hätte er also anderes tun sollen, als zu hoffen, dass dieses "Geheimnis" bis zum Kriegsende verborgen bleibt und somit seine Frau am Leben bleibt? Letztendlich versuchte Habermann auch trotz seiner Antipathien Koslowski gegenüber, mit ihm immer eine Feindschaft zu vermeiden und dass eben ein gewisser Ausgleich zwischen ihnen herrscht. Er versuchte, jedes Spannungsverhältnis zu vermeiden bzw. zu entkräften. Das war Habermanns Engagement, seiner Frau zu helfen. Alles andere wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen.

- Sie fragen sich, wie es kam, dass Habermann Frau nach dem jüdischen Abtransport wieder unverletzt mit dem Kind im Ort erscheint. Ja, in der Tat wunderte es mich auch, wenn auch nur kurz. Denn dem Handlungsstrang war zu entnehmen, dass dieser jüdische Abtransport von der russischen Armee aufgehalten wurde, schliesslich zeigte ihr ein russischer Soldat den Weg am Waldesrand. Dies setzt voraus, dass die Russen im Vormarsch waren und die Juden wohl befreiten. Also, so habe ich das zumindest verstanden.

- Sie kritisieren die Leichsinnigkeit Koslowskis insofern, als dass er in die Falle ging und scheinbar naiv dem Vorschlag folgte einen bestimmten Fluchtweg zu ergreifen, was sich letztendlich für ihn als Fehler erwies. Nun: was hatte er denn für Möglichkeiten? Der Hinweis, den er bekam, dass die Russen oder Partisanen (das war nicht ganz eindeutig bzw. klar) im Vormarsch sind, entsprach nunmal offenkundig den Tatsachen. Nur wurde er eben direkt in eine Falle geführt damit. Er hatte eine Chance von 50% ob dies nun gelogen war oder der Wahrheit entsprach. Letztendlich konnte Koslowski auch nicht einschätzen, wie die Tschechen auf die Rote Armee reagierten, Koslowski konnte nicht davon ausgehen, dass man die Rote Armee als "Befreier" ansieht. Demnach handelte er auch nicht fahrlässig oder dumm, er traf lediglich die falsche Entscheidung. Und gerade auch das ist bezeichnend für den Film: niemand konnte noch dem anderen Vertrauen! Ehemalige "Freunde" wurden zu Feinden - und man war niemals Freund gewesen lautet die Botschaft hierbei!

- Sie kritisieren, dass man bei der Erschiessung der 10 Tschechen erst am Ende feststellt, dass es ja nur 9 sind. Nun, das war kein Logik-Fehler: Sturmbannführer Koslowski hat dies bewusst so gemacht, schließlich wollte er nicht ohne Grund, dass die Eheleute Habermann der Erschiessung beiwohnen! Es waren bewusst nur 9 - und als dann 1 fehlte, ging Koslowski hin und nahm für den fehlenden 10. Tschechen Habermanns Frau. Grund: Koslowski hatte herausbekommen, dass Habermanns Frau Jüdin ist. Somit kein Logik-Fehler, sondern "nur" eine besondere Form gezeigter Grausamkeit.

Also, so habe ich dies alles zumindest empfunden, ich weiß natürlich nicht ob ich mit allem richtig liege - aber es ist mir beim lesen Ihres Beitrages einfach nur besonders stark aufgefallen, weil ich es eben völligst anders empfunden habe als Sie. Was Sie größtenteils eben als Logik-Fehler oder Qualitäts-Mangel betrachten, habe ich genau anders herum wahrgenommen bzw. interpretiert.

Mich würde Ihre Meinung interessieren, ob Sie meine Aussagen nachvollziehen können. Vielleicht sehen Sie den Film dann ja -zumindest in Teilen- dann aus einer anderen Sicht heraus. Oder vielleicht ist es ja auch so, dass Sie sich gänzlich meinem Verständnis gar nicht anschliessen können.

Wie auch immer! Hat Spaß gemacht Ihre Meinung zu lesen bzw. sich dergestalt darüber zu unterhalten! :-)

Beste Grüsse
Duster

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.07.2011 10:19:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.07.2011 20:09:48 GMT+02:00
Hallo,
Danke für den umfangreichen Beitrag.
Im Grunde aber widersprechen wir uns gar nicht so sehr. Sie erklären sich fehlende Szenen einfach selbst. Ich kritisiere ihr Fehlen. Vielleicht wurden sie ja sogar gedreht und dann rausgeschnitten? Es ist nach meinem Verständnis nicht die Aufgabe des Zuschauers, Sinn in das Ganze zu bringen.
Zum Thema Drama: Jein. Ich sprach von "literarischer" Gerechtigkeit. Vielleicht können Sie mit dem Begriff nichts anfangen. Dazu muss man keine Fakten verdrehen. Das Kinopublikum hat heutzutage bestimmte Sehgewohnheiten und Ansprüche. Es geht um ein befriedigendes Erlebnis und das kann man auch auf Nebensträngen oder in der Ausführung bestimmter Details erreichen. Der katholische Fluchthelfer hätte z.B. eine Strafe bekommen können, auch wenn sie in der Realität meist ungeschoren davon gekommen sind.

Bsp.: -- Achtung Spoiler! --
Koslowski muss sterben - obwohl ich bezweifle, dass dies eine historische Person ist (er wird ja über Jahre nicht aus dem unwichtigen Dorf abgezogen!) - allein weil es die Literaturvorlage verlangt. Es steht aber in keinem Dramenlehrbuch, dass es dabei keine Zuschauer geben darf und ob sie applaudieren dürfen oder nicht. - Das Schicksal der Nebenfiguren darf man noch viel freier gestalten, damit die Waage der Emotionen wenigstens ETWAS ausgependelt wird.

Zu Punkt 2: Da verstehen Sie mich genau verkehrt herum! Ich denke, der Kriegsverwundete hätte mit demjenigen, dem er hurrapatriotisch nachgelaufen ist, noch ein ziemliches Hühnchen zu rupfen! Und der frischgebackene Zivilist Koslowski, ein bissiger Hund, hätte es nie bei einem friedlichen 0:0 mit Schultertätscheln belassen. Er hätte für sich eine geheime Mission erfunden (nur knapp an der Wahrheit vorbei) und den Wehrmachtsdrückeberger zur Schnecke gemacht. Vorwärtsverteidigung sozusagen.

"Was hätte Habermann also anderes tun sollen, als zu hoffen, ..." HANDELN! Darum dreht sich ja der ganze Film. Habermann hofft - mit dem Kopf im Sand. Und nicht nur die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich jedenfalls würde meine Frau allein deshalb in Sicherheit bringen, weil sie in Gefahr ist. Was ist das denn für eine Niete von Ehemann! Erst recht, wenn ein SS-Mann meine jüdische Frau umkreist und anbaggert! (Und wie glaubwürdig ist denn DAS?)

"... Leichsinnigkeit Koslowskis" - i woher denn? Die Leichtsinnigkeit des Hotelmanagers (oder was der auch darstellen mag) ist gemeint und die lachhafte Idee, ein Telefon könne in den Wald führen. (beim Netz-Ausbaustand böhmisches Walddorf 1945 - aber das könnte man sich noch irgendwie erklären)

Und die 9-von-10-Sache: Das habe ich schon kapiert. Aber auch unglaubwürdig. Wenn vor mir die Verurteilten auftauchen, Leute aus meinem Dorf, dann sehe ich mir die Auswahl genau an und merke sofort, dass die Zahl nicht stimmt! Besonders, wenn ich schmerzlich gelernt habe, jeden Schritt des pokernden SS-Mannes zu beachten und zu hinterfragen. Aber womöglich haben Sie recht: Habermann lernt nichts. Er lässt sich herumschubsen. Er denkt sich ja auch nicht, dass das Abschießen von Deutschen Konsequenzen haben könnte. An dieser Stelle wird der dramatische Antiheld gänzlich zum Trottel. Zu viel ist zu viel.

Der Judentransport - Wie viele nach all den Jahren immer noch übrig waren! Und hatte man angesichts des Vorrückens der Roten Armee keine anderen Sorgen? - der Transport jedenfalls erfolgte als Habermann noch lebte. Und wo taucht die Ehefrau wieder auf, viel später? Grad mal einen Waldweg entfernt. Und wenn Russen einen deutschen Militär-LKW aufhalten, dann dürfte es nicht ohne Verletzte und Tote abgegangen sein. Die Szene mit dem (zu diesem Datum wiederum unwahrscheinlichen) Luftangriff zeigt es ja in aller Deutlichkeit.

Die Schauspieler müssen glaubhaft reagieren. Dazu muss man nicht das ganze Drehbuch umschreiben. Feintuning kann aus dem Stegreif erfolgen und schon passt alles zusammen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.07.2011 01:17:45 GMT+02:00
Fox meint:
Danke schön für Ihre schnelle Stellungnahme und Sie haben Recht, im Grunde liegt zwischen Ihren Eindrücken und meinen auch nicht nicht wirklich ein Widerspruch vor, so wie sie es nun näher ausführen.

Interessant ist auch eine Ihrer nun erwähnten Kern-Aussagen, dass Habermann hätte nicht HOFFEN sondern HANDELN müssen bezüglich der Gefahrenabwendung und Rettung seiner Frau. Dazu will ich jedoch auch noch ein paar Gedanken anreichern:

1. Habermann hat nicht wissen können, dass die Juden systematisch getötet werden, es war lediglich bekannt, dass Deportationen stattfanden. Es wäre also Spekulation und eine nicht enden wollende Diskussion, wer hat in diesem Ort -seien es nun die Deutschen oder Tschechen- von den Judenmorden tatsächlich etwas gewusst. Somit kann man Habermann auch keinen Vorwurf daraus machen, dass er "nur" hoffte und nicht wirklich handelte.

2. Zentral geht es auch nicht um das Thema Holocaust bzw. Judenvernichtung, sondern um die Konflikte ALLER Menschen dort, also nicht nur die Juden, sondern auch Deutsche und Tschechen. So gesehen kann oder braucht man nicht nur die Frage zu stellen, wie Habermann seine jüdische Frau hätte retten können, sondern es betrifft ansich jeden Charakter, der im Krieg sein eigenes Schicksal hatte und jeder Mensch hat Anspruch auf Rettung. Und auf die Frage nach einer möglichen Lösung muß wohl leider unbeantwortet bleiben. Klar, Habermann hätte -rein theoretisch- ahnen können dass seine Frau möglicherweise sterben wird und er hätte z.B. mit ihr in die neutrale Schweiz fliehen können - Geld hatten sie ja genug. Nur: dies trifft doch leider auf die anderen Menschen auch zu, nicht nur Habermanns Frau schwebte in Lebensgefahr, sondern eben alle! Und das ist ja der springende Punkt. Jedes Schicksal ist individuell und ein jedes Schicksal ist gleichberechtigt.

3. Auch Habermann blieb sich seiner Linie treu: nach Vertreibung der Deutschen im Sudetengebiet/Tschechien lehnte er den Vorschlag seines Freundes ab, dass Habermann eben fliehen sollte. Er wollte nicht fliehen, er wollte dort bleiben, was seine Heimat war. Die Konsequenzen dafür musste er tragen und das Ende kennen wir. Nun, was ich sagen will: Flucht ist nicht immer eine Lösung! Wieso sollte man sich -von wem auch immer- vertreiben lassen? Man kann im Nachhinein immer sagen, man hätte dies oder das tun sollen usw. - als Außenstehender neigt man gerne dazu. Die Wahrnehmung als tatsächlicher Betroffener spricht jedoch oft eine ganz andere Sprache.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.07.2011 14:00:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.07.2011 14:08:52 GMT+02:00
Ich versuche es kurz zu machen: Zustimmung.

Ich kann natürlich nicht verlangen, dass Habermann so gehandelt hätte wie ich. Dann wäre es ein anderes Drama geworden. Im Grunde zeichnet sich das kommende Rumgeeiere schon am Anfang ab, als Habermann im Wald das Lager entdeckt - gebaut aus SEINEN Brettern! Hier hätte er sich schon entscheiden müssen. Ich hätte wahrscheinlich den Bau von Bunkern und Unterständen vorangetrieben, unter dem Vorwand des Zivilschutzes. Und den Hof hätte ich befestigt und mit einem Frühwarnsystem ausgestattet. Nicht um zu kämpfen, sondern um nicht dumm da zu stehen, wenn sich die Situation verschärft. Und wie die Leute im Dorf zu ihm stehen, dürfte auch ihm nicht verborgen geblieben sein. Übrigens wundert mich, dass so viele kräftige Kerle nicht zum Kriegsdienst eingezogen worden sind. Eine Begründung mit kriegswichtiger Produktion hätte auch dieses Logikproblem entschärft.

Ja, es geht um die verschiedenen Menschentypen im Dorf, ihren Erbkrieg, ihren Neid, ihre Gerüchteküche, das ganze Kleinklein ... aber dazu sind die Charaktere zu wenig ausgearbeitet. Es geht um alles ein bisschen und nichts so richtig. Deshalb habe ich auch die Rezension aus dem Internet als Kommentar 1 einkopiert.

"Wieso sollte man sich -von wem auch immer- vertreiben lassen?"
Um zu überleben und zurückzukommen. Oder auch nicht, wenn man vom Verhalten seiner "Freunde" nur noch angeekelt ist.
Warum lässt man sich vertreiben? Weil die anderen stärker sind. Da hat man nur 3 Optionen: Gehen, kämpfen oder sich mit den Mächtigen arrangieren. Habermann tut nichts davon. Und deshalb bleibt ihm nur Option 4: Sterben.
Es geht nicht indem man den Kopf in den Sand steckt (könnte sein, man kann sich nie wieder in die Augen sehen) und es geht nicht indem man den Kopf aus dem Loch steckt, wenn die Fetzen fliegen.

Auf jeden Fall ist das ein schönes Stück Geschichtsaufarbeitung und ein kleines Mahnmal gegen Mob und Wendehälse. Aber ist es auch ein Denkmal? FÜR etwas? Höchstens für August Habermann, eine vergessene Episode in der Geschichte. Ziemlich deprimierend, dieses Drama.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2011 17:01:09 GMT+02:00
Juraj Herz meint:
Duster, danke für dass Gerangel mit Willi Wundfinger. Meiner Meinung, haben SIE Recht, aber ich binn ja nur der Regiseur dess Filmes. Juraj (Georg) Herz
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