Kundenrezension

9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gutes Thema, revisionistische Aufbereitung. Schade., 12. Dezember 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über Galgen wächst kein Gras (DVD)
Vorweg sei gesagt, daß diese DVD nur am Rande auf Vietnam und den US-Folterskandal im irakischen Gefängniskomplex von Abu Ghraib eingeht. Über 90% des Films dreht sich um das sogenannte "Malmédy-Massaker" an der Straßenkreuzung von Baugnez (Belgien), das der SS-Kampfgruppe Peiper zur Last gelegt wurde. Die im Film auftretenden ehemaligen SS-Angeklagten üben starke Kritik an der Verhörpraxis im US-Untersuchungsgefängnis Schwäbisch Hall; mittels massiver Folterungen und äusserst fragwürdiger Druckmittel (u.a. Scheinhinrichtungen, falsche Priester, die zur Abnahme der "Beichte" bei ihnen auftauchten, etc.) seien ihnen unwahre Geständnisse entrissen worden.

Auszugsweise werden auch Originalaufnahmen aus dem Dachauer Gerichtssaal gezeigt, u.a. die Befragung Peipers bezüglich der Erschießung belgischer Zivilisten, gegen die er sich mit der Behauptung wehrt, es habe sich um Partisanen gehandelt, die auf ihn und seine SS-Truppe geschossen hätten.

Das "Malmédy-Massaker" wird in diesem Film als KriegsHANDLUNG dargestellt, nicht als KriegsVERBRECHEN. Dazu sei folgendes gesagt:

1.
Ein zweifelsfreier Nachweis, daß Joachim Peiper das Massaker angeordnet hatte, konnte tatsächlich nie geführt werden. Da gebe ich den Machern der DVD recht.

2.
Was konkret das Massaker auslöste, darüber gibt es unterschiedliche Versionen; zweifelsfrei bewiesen ist bis heute keine.

Hier, auf dieser DVD, stellt Prof. Franz W. Seidler es so dar, daß die Amerikaner gefangengenommen, zurückgeschickt und auf der Wiese gesammelt wurden. Da die SS-Panzer weiterfuhren, blieben sie relativ unbeaufsichtigt und angeblich hätten einige Amerikaner diese Gelegenheit genutzt, ihre Waffen wiederaufzunehmen und / oder zu fliehen. Nachfolgende SS-Einheiten seien über die Gefangennahme nicht informiert gewesen und hätten die US-Soldaten angesichts deren Wiederbewaffnung / Flucht erschossen, im Glauben, es handele sich um kämpfende Truppen.

3.
Die DVD unterschlägt Zeugenaussagen, denen zufolge SS-Bewacher über die Wiese gingen und die niedergeschossenen Verwundeten gezielt ermordeten. Über die Tatsache, daß 41 der 71 tot geborgenen Körper Kopfschüsse aufwiesen, die aus nächster Nähe abgegeben worden waren, geht Herr Prof. Seidler ganz fix hinweg! Was ist denn mit folgenden Quellen: John M. Bauserman, "Malmedy Massacre" (das Buch enthält u.a. Auszüge aus den US-Autopsieberichten und eindeutige Fotoaufnahmen) bzw. James Weingartner "Crossroads of Death: The Story of the Malmedy Massacre and Trial"?

4.
Was die Vorwürfe bezüglich Folterverhören in Schwäbisch Hall, menschenunwürdige Rahmenbedingungen der Gefangenschaft, etc. betrifft, so wurden diese im sogenannten "Baldwin-Report" nachhaltig bestritten. Er ist im Web ergooglebar. Der Fairness halber verweise ich in diesem Zusammenhang auf das Buch "Um Recht und Wahrheit im Malmedy-Fall". Autor Dr. Rudolf Aschenauer war einer der deutschen Rechtsanwälte beim Dachauer Prozess und kritisiert darin wiederum die Ergebnisse des Baldwin-Reports.

Fazit: Völlig von der Hand weisen möchte ich die auf der DVD "Über Galgen wächst kein Gras" gemachten Foltervorwürfe nicht, aber sie sind mit Vorsicht zu genießen.

Gesamturteil: 2 Punkte - Warum?

Einen Punkt vergebe ich für die Themenwahl, einen weiteren für die Leistung, ehemalige SS-Angeklagte für die Interviews gewonnen zu haben. Auch den Interviewten selbst gebührt Respekt für ihre Bereitschaft, vor der Kamera auszusagen.

Mehr Punkte gibt es nicht, weil:

Ein KriegsVERBRECHEN mal eben so als tragische KriegsHANDLUNG umzudeuten, geht entschieden zu weit!

Enttäuschend auch, daß der Film nicht näher auf SS-Verbrechen an weiteren Kriegsgefangenen und belgischen Zivilisten in den umliegenden Dörfern eingeht, die der Kampfgruppe Peiper in Dachau ebenfalls zur Last gelegt wurden und somit das hohe Strafmaß mitbeeinflusst haben dürften.

Ich kann diese DVD aufgrund ihrer Einseitigkeit nicht zum Kauf empfehlen. Wer sich über alliierte Kriegsverbrechen informieren will, sollte lieber zur DVD "Alliierte Kriegsverbrechen - Vergessene Kriegsgräuel im Zweiten Weltkrieg" greifen. Schade, daß es nicht noch mehr Alternativen dazu gibt, das Thema hätte es verdient.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.12.2009 01:02:21 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.12.2009 22:56:19 GMT+01:00
J.R. Ewing meint:
Ein gutes Buch zum Thema ist auch vom Belgier "Gerd J.Gust Cuppens: Was wirklich geschah.Malmedy 17.Dezember 1944." vom Grenz-Echo-Verlag.ISBN 3-923099-62-2.Der Autor hatte über 10 Jahre recherchiert! Hier wird auch auf die offizielle Zahl der 71 genannten toten GI's eingegangen! Übrigens stehen ja am Mahnmal in Baugnez ermordete US-Soldaten, die heute noch leben!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.08.2012 15:49:04 GMT+02:00
Vielen Dank für diese meiner Meinung nach sehr objektive Rezension.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.09.2012 00:49:23 GMT+02:00
Banshee meint:
Zu der eigentlich relativ objektiven Rezension und auch trotz seines enormen Umfangs und Quellenangaben (mein Respekt!), fehlen mMn dennoch einige nicht unwichtige Informationen. Deshalb von mir hier noch einige Ergänzungen.

Zu Punkt 1.
Es ist weder bewiesen, dass Peiper einen (mündlichen und schon gar keinen schriftlichen) Befehl zur Erschießung von Gefangenen / auch deren Duldung zulies, sondern es ist auch nachweißlich unwahr, dass P. zum Zeitpunkt der Erschießungen und oder auch eines möglichen dem vorangegangenen Feuergefechts überhaupt in der Nähe des Geschehens war, sondern bereits einige Zeit zuvor mit dem größten Teil seiner Truppe (unter Zurücklassung einiger wenigen Soldaten / Fahrzeugen zur Gefangenenbewachung) weiter gefahren ist. Dieser Punkt wird auch auf der DVD angesprochen - wenn auch nur beiläufig - und entging dem Autor der Rezension offenbar.
US-Oberstleutnant Hal B. McCown, der mit seiner Einheit im späteren Verlauf der Ardennenoffensive in P`s Gefangenschaft geriet - und extra nach Dachau zur Verhandlung auf eigene Kosten aus Amerika angereist war - sagte per Eidesstatt vor Gericht aus, er und die übrigen Gefangenen seien von den Deutschen STETS "korrekt und anständig“ behandelt worden ... und er sich mit Peiper sogar die ganze Nacht hindurch unterhalten habe! (genützt hat seine Aussage Peiper bzw. seiner Truppe freilich wenig bis nichts. McCown selbst wurde von der Anklagebehörde deshalb sogar der "Zusammenarbeit mit dem Feind“ verdächtigt!). Allerdings ist einzig die - immerhin gezeigte - eigentlich entlastende Aussage, aber leider nicht die Folge daraus, auch auf der DVD zu finden ... und wurde vom Autor der Rezension offensichtlich ebenfalls übersehen.

-

zu 2. "Was konkret das Massaker auslöste, darüber gibt es unterschiedliche Versionen; zweifelsfrei bewiesen ist bis heute keine." Diesem Argument kann ich - so weit - nur zustimmen. Mit der kleinen aber feinen Einschränkung: aus der jeweiligen Sichtweise von allen daran DIREKT Beteiligten.
Ergänzend sollten man hierbei wohl noch erwähnen, dass VOR der Gefangennahme der Amerikaner ein (relativ) kurzes Feuergefecht mit der deutschen Vorhut der Peiper-Einheit stattfand, bei dem es wohl bereits den einen oder anderen Verwundeten oder gar toten Amerikaner gegeben haben mag. Da es sich bei Letzteren um eine etwa 200 Mann starke - von Malmedy auf die Straßenkreuzung zukommend - Artillerie-Beobachtungstruppe auf LKWs bzw. Jeeps handelte, waren diese zumiest auch nur mit Handfeuerwaffen ausgerüstet und konnten sich gegen Panzer oder schwere MGs natürlich nicht lange zu Wehr setzen. Eine - möglicherweise - Wiederbewaffnung / auch Fluchtversuche der Gefangenen mag u.a. auch deshalb tatsächlich vorgekommen sein, da man den meisten US-Soldaten im Vorfeld (via Gräuelpropaganda vom "Chef" der engl. Propaganda: Sefton Delmer) regelrecht "eingetrichtert" hat, dass die (Waffen-)SS keine Gefangenen machen würden (tatsächlich war eher das genaue Gegenteil der Fall, nämlich dass US-Truppen UND v.a. Kanadier (Vorgeschichte dazu: der in einem Fiasko geendete Anlandungsversuch bei DIEPPE im August 1942) bereits kurz nach der Landung in der Normandie so gut wie keine (Waffen-)SS-Soldaten gefangen genommen, sondern diese i.d.R. entweder selbst füssiliert, oder auch der sog. "Resitance" übergeben haben - was deren Tod sicher nicht leichter oder schneller herbeiführte. (Quellen über diese 3 Tätergruppen liegen mir in mehreren Fällen vor - v.a. von Letzteren).

-

zu 3. "Die DVD unterschlägt Zeugenaussagen, denen zufolge SS-Bewacher über die Wiese gingen und die niedergeschossenen Verwundeten gezielt ermordeten." Den Wahrheitsgehalt der gezielten (Nah-!)Kopfschüsse vorausgesetzt, setzt dies dem Verbrechen, unbewaffnete / verwundete Gefangene zu erschießen, zweifellos die Krone auf. Jedoch sollte mMn zuerst vollständig auf-geklärt werden, was dem ganzen Verbrechen genau vorausgegangen ist. Womit wir eigentlich wieder beim Eingangssatz von Punkt 2 angelangt wären, mit Zitat: "Was konkret das Massaker auslöste, darüber gibt es unterschiedliche Versionen; zweifelsfrei bewiesen ist bis heute keine."
Ebenfalls nicht unwichtig zu erwähnen ist mMn, dass schließlich die eindeutige Mehrzahl der etwa 200 Amerikaner komplett und unversehrt in Gefangenschaft ging und das Ende des Krieges gefahrlos überlebte - mit Ausnahme von etwa einem halben bis Dutzend vom Tatort geflüchteten, die sich - lt. deren eigenen Angaben - zu den eigenen Truppen durchschlagen konnten, natürlich)

Aufgefunden wurden die Toten übrigens erst knapp einem Monat (= etwa Mitte Januar) nach den Ereignissen, als die Ardennenoffensive komplett fehlgeschlagen war und die Deutschen sich auf dem Rückzug befanden. Dieser Punkt wirft für mich allerdings einige Fragen auf, ob man z.B. den "Flüchtigen" das Massaker nicht (komplett) geglaubt hat, oder auch absichtlich gewartet hat, bis der Schnee die Leichen teilweise bedeckt und jene hart wie Bretter gefroren waren um damit einen "gewissen Effekt" in den veröffentlichen Bildern zu erzielen. Eine genaue Spurensuche nach Patronenhülsen - der eigenen und auch der deutschen Seite - um den genauen Ablauf auch nur grob rekonstruieren zu können, halte ich bei einer von Schnee komplett bedeckten Umgebung und durchgefrorenem Boden sogar für völlig unmöglich. Dies wäre allerdings die Pflicht der ermittelnden US-Behörden gewesen, dies zumindest nach dem ersten Tauwetter - z.B. mit Metallsuchgeräten zur Minenaufspürung - nachzuholen, was meines Wissens aber bis heute nicht geschehen ist.

...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.09.2012 00:49:55 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.09.2012 17:38:11 GMT+02:00
Banshee meint:
...

zu 4. "Was die Vorwürfe bezüglich Folterverhören in Schwäbisch Hall, menschenunwürdige Rahmenbedingungen der Gefangenschaft, etc. betrifft, so wurden diese im sogenannten "Baldwin-Report" nachhaltig bestritten."
Was die Folterungen betrifft, so wurden deren Folgen von mehreren Ärzten nachgewiesen UND auch dokumentiert. ( s. u.a. hinter diesem Link: "Der Malmedy Prozess" http://web.archive.org/web/20071212020357/http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=6365&threadid=294049 ).
Hinter dem Link wird u.a. auch der sog. "Baldwin-Ausschuss" thematisiert, welcher einzig die Aufgabe hatte, die Anklagebehörde von den Folter-Vorwürden reinzuwaschen. (welche übrigens die selben Folterer, oder offiziell die "Vernehmer" in Personalunion waren. Dies waren bzw. sind eigentlich alle namentlich bekannt: Lt. Col. Ellis, Capt. Shoemaker (= ex Schuhmacher), 1st Lt. Perl, Mr. Kerschbaum (= ex Kirschbaum), Mr. Ellowitz, Mr. Thon - bis hierhin waren dies fast ausschließlich Personen, von denen keine länger als 5 Jahre US-Bürger, sondern zuvor Reichsdeutsche waren (bei manch schlechten englischen Aussprache auf der DVD eigentlich auch fast nicht zu überhören) - [Quelle hierzu: " [RA] Dr. Aschenauer, Rudolf - Zur Frage einer Revision der Kriegsverbrecherprozesse"] ... und Serg. King. Letzterer hat mehrfach den Internierten gegenüber erklärt, dass er 'diese Schweinereien' weder physisch noch psychisch durchhalten könne, und er wolle raschest nach den USA zurück.) .

Interessant sind mMn - auch auf der DVD zu sehen - v.a. die gegenseitigen Befragungen (= Reinwaschungen!) bereits vor Gericht der oben genannten Personen - nach den von der Verteidigung angeführten Foltervorwürfen - ob jene "Vernehmer" Gefangene selbst misshandelten, dies beobachtet, oder auch nur geduldet hätten, was einer davon - mit jeweils einem, nicht gänzlich zu unterdrückendem Grinsen im Gesicht - mit einem schlichten "NO" bzw. "I never touched him" beantwortet hat ... vom Vorsitzende, Generalmajor Dalbeye und dem einzigen (!) juristischen Beisitzer, Oberst Rosenfeld, wurden diese Aussagen selbstverständlich vollumfänglich geglaubt und die Foltervorwürfe als bösartige Unterstellungen aus dem Protokoll gestrichen. Ein anderer Anklagevertreter (Fanton?!), der bis dahin immerhin 10 Eheproblemfälle in den USA verhandelt hatte, dürfte wohl fast schon als "überqualifiziert" für einen Militärgerichtsprozess einzustufen sein. usw. u.s.v.
Es ist wohl eher überflüssig zu erwähnen, dass auch die "Herren Vernehmer" bzw. "Staatsanwälte" über keine entsprechende juristische Ausbildung verfügt haben. Vielleicht genügte jenen hierbei ja schon ihre "Erfahrungen" im Umgang mit anderen wehrlosen Gefangenen, bei welchen sich v.a. "die Herren": Guth und Kirschbaum ausserhalb des Malmedy-Prozesses bereits mehrfach in Sachen "Wahrheitsfindung" bestens bewährt hatten. [RA] Dr. Aschenauer hat in seinen Veröffentlichungen (u.a. in "Macht gegen Recht") nicht nur einen dieser "Herren" in mehreren Fällen erwähnt.

Abschließend noch ein etwas längerer Auszug zur sog. Baldwin-Kommission bzw. deren -Report:
Zitat:
"Der Senatsausschuß hatte jedoch lediglich die Vorwürfe gegen die Untersuchungsbeamten von Schwäbisch Hall: Major Fanton, Lt. Col. Ellis und deren Mitarbeiter Shumacker, Byrne, Perl, Thon, Ellowitz und Kirschbaum zu prüfen, und nicht [!] über die Todesurteile zu befinden.

Nach Debatten über die Zuständigkeit wurde Senator Baldwin mit der Führung des Ausschusses beauftragt. Senator McCarthy erklärte am 20. Mai [1949] seinen Austritt aus dem Ausschuß und erklärte, dieser Ausschuß ziele nur darauf ab, die in die Malmedy-Affäre verwickelten Offiziere und Beamten reinzuwaschen. Am 26. Juli stellte McCarthy in einer weiteren Rede vor dem Senat fest, Senator Baldwin sei befangen, da der Urheber der Schwäbisch Haller Methoden, Fanton, Anwaltspartner von Baldwin sei. Auch der schwer belastete Shumacker sei mit einem Mitglied der Kommission, dem Senator Kefauver, assoziiert. Trotz ihrer Befangenheit habe die Kommission es abgelehnt, zurückzutreten.

Mehrere Monate lang hat die Baldwin-Kommission in den USA und in Deutschland Vernehmungen über die Vorgänge in Schwäbisch Hall durchgeführt. Das Protokoll umfaßt 1600 Druckseiten; es hinterläßt keinen [!] Zweifel mehr an der Berechtigung der Vorwürfe gegen die Prozeßführung: die von Dr. Leer vorgelegten eidesstattlichen Erklärungen über Schwäbisch Hall werden hier inhaltlich bestätigt, wenn auch die beschuldigten Beamten ihre Praktiken zu bagatellisieren versuchten.

Am 14. Oktober 1949 wurde der vom Protokoll unabhängige summarische Schlußbericht der Baldwin-Kommission vor dem US-Senat verlesen. Er fälscht das Bild durch Wortklaubereien und sprachliche Finten und vermeidet klare Antworten auf die der Kommission gestellten Fragen.

Hier einige Sätze aus dem Bericht:
"Dr. E. Knorr, ein privater Zahnarzt, hatte in einer eidesstattlichen Erklärung bekundet, daß er 15—20 Malmedy-Gefangene wegen Mundverletzungen behandelt habe, bei denen es sich um ausgeschlagene Zähne und um einen Unterkieferbruch handelte. Seine Assistentin bemühte sich, die eidesstattliche Erklärung Dr. Knorr's zu bestätigen. Aber die speziellen ärztlichen Berichte seien einige Jahre nach der Behandlung vernichtet worden."

"Der Unterausschuß ist der Meinung, daß es wenige oder gar keine Beweise gibt, die den Schluß nahe legen, daß körperliche Mißhandlungen vorgekommen sind."

"Wenn die Erklärungen von Dietrich Schnell der Wahrheit entsprechen, dürften sie die Vermutung sehr nahe legen, daß alle in den verschiedenen Beschwerden aufgestellten Beschuldigungen zutreffen." "Der Unterausschuß ist überzeugt, daß Schnell wegen seiner Nazi-Bindungen ein äußerst befangener Zeuge war."

"Die amerikanischen Beamten Bailey, Tiel und Sloane wiesen in ihren Zeugenaussagen darauf hin, daß sie Vorkommnisse beobachtet haben, die offenbar die Behauptungen der verurteilten Angeklagten bestätigten. Auf der anderen Seite aber sagten Lt. Col. E. J. Carpenter und sein Dolmetscher Paul G. Guth als Zeugen aus : das Ergebnis ihrer Voruntersuchung (1946) bezüglich der dem Hauptverfahren vorausgegangenen körperlichen Mißhandlungen unterstützt in keiner Weise jene Behauptungen." "Der Unterausschuß gibt zu, daß es in vereinzelten Ausnahmefällen Gelegenheiten gegeben haben mag, bei denen einzelne Personen geohrfeigt, herumgestoßen oder möglicherweise auch geschlagen wurden. Der Unterausschuß ist überzeugt, daß — wo dies der Fall war — es die unverantwortliche Handlung einer Einzelperson war."

"Es ist kein ausreichender Beweis dafür vorhanden, daß körperliche Mißhandlungen der angegebenen Art irgendwelche Personen so beeindruckt hätten, daß dies den Ausgang der Untersuchung beeinflußt haben könnte."

"Vor dem Senatsausschuß sagten auch Angehörige des Untersuchungsstabes für Kriegsverbrechen als Zeugen aus, die zwar zugestandenermaßen unmittelbar interessierte Zeugen sind, deren Aussagen aber eindringlich und überzeugend abgefaßt waren."

=> "Einer der Punkte, über den der Senatsausschuß überaus bestürzt war, ist die Zusammensetzung des Personals, das sowohl in der Voruntersuchung als auch bei der Rechtsprechung Verwendung fand." <=

Über die Verdrehung der eigenen protokollierten Feststellungen hinaus erneuert der Bericht die allenfalls noch 1946 begreifliche Hetze gegen die Verurteilten, erneuert die Anklagebehauptungen in einem von der amerikanischen Review-Behörde längst als unwahr erkannten Umfange, umgeht eine präzise Erfüllung des Auftrages der Kommission und bemüht sich, all die Personen schlecht zu machen, die gegen das Unrecht von Schwäbisch Hall aufgetreten sind. Diesen Personen, Deutschen und Amerikanern, wird vorgeworfen, mit den Sowjets zu sympathisieren und die Sache des Friedens sowie die Interessen der USA zu schädigen.

Damit glaubte die Baldwin-Kommission die Herren Fanton, Ellis, Perl usw. am sichersten vor weiteren Belästigungen zu schützen. Die Debatte über Verfahrensfehler im Malmedy-Prozeß war amtlicherseits abgeschlossen."
Zitat Ende.

Quelle (und weitere Informationen) in: "Dietrich Ziemssen - Der Malmedy-Prozess, ein Bericht auf Grund dokumentarischer Unterlagen und eigenen Erlebens" http://www.vho.org/dl/DEU/dmp.pdf

Veröffentlicht am 17.09.2012 09:45:00 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.09.2012 09:53:35 GMT+02:00
LD meint:
Die in meiner Rezension angegebene Quelle "Um Recht und Wahrheit im Malmedy-Fall" steht derzeit als PDF-Datei kostenlos zum Herunterladen unter folgendem Link zur Verfügung: http://ia700302.us.archive.org/34/items/UmRechtUndWahrheitImMalmedy-fall195035S..pdf/AschenauerRudolf-UmRechtUndWahrheitImMalmedy-fall195035S..pdf

Es gibt inzwischen auch ein Werk von Danny Parker, das sich mit der Aufarbeitung des Malmédy-Falles beschäftigt:
Fatal Crossroads: The Untold Story of the Malmedy Massacre at the Battle of the Bulge: SS Colonel Joachim Piper and the Ghosts of Malmedy

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.09.2012 00:38:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.09.2012 18:01:40 GMT+02:00
Banshee meint:
Friedrich Oscar - Über Galgen wächst kein Gras - Die fragwürdige Kulisse der Kriegsverbrecherprozesse im Spiegel unbekannter Dokumente (1950 - u.a. mit den "Herren" Fanton (= Chef-"Verhörer"), Perl u.a.) http://www.vho.org/dl/DEU/ugwkg.pdf
MMn sehr interessant, weil in dieser Publikation - ab S.41. - Hintergrundinformationen zum Malmedy-Fall dokumentiert wurden, was sich genau (v.a.) vor und während der Gerichtsfarce in Dachau ereignet hat, was von den Vorwürfen der Erschießung-en von hunderten von belgischen Zivilisten und von anderen (= ausserhalb der Kreuzung bei Baugnez - Nähe Malmedy) US-Kriegsgefangen tatsächlich "bewiesen" wurde ... und in den USA (z.T. bis ins kleinste Detail) dem Untersuchungsauschuss UND auch dem Senat vorgetragen wurden.

-

Vorab.
1. Dr. Rudolf Aschenauer befasste sich erst ab 1949 mit dem Malmedy-Fall. Er war damit NIE ein Teil der Verteidigung im Malmedy-Prozess. Er selbst konnte deshalb auch an keinem Verhandlungstag anwesend gewesen sein und musste daher sämtliche Hintergrundinformationen zu diesem Fall zuerst sammeln, zeitlich ordnen und v.a. rechtlich ein-stufen, um diese dann in Buchform zu veröffentlichen. (wegen des 1949 noch nicht abgeschlossene Verfahrens - dies galt "natürlich" nur für die Verteidigung - gibt es auch mehrere Veröffentlichungen u.a. von ihm zum Malmedy-Fall).
2. Da keine Revision (= Überprüfung! von "revisio" = prüfende Wiederdurchsicht, siehe hier: http://www.duden.de/rechtschreibung/Revision - was an einer "revisionistische Aufbereitung" genau "Schade" sein soll, möge wohl nicht nur mir der Autor LD bei Gelegenheit evtl. bitte noch erklären?) - bei KEINEM EINZIGEN der alliierten Nachkriegsurteile möglich war - (dieser u.a. Artikel aus den Besatzungsstatuten mussten (!) von der BRD-Regierung mit den 2+4 Verträgen 1990 sogar noch einmal ausdrücklich bestätigt werden, weshalb diese BIS HEUTE in Kraft sind) - konnte keiner der damaligen Verteidiger - und natürlich auch Dr. Rudolf Aschenauer nicht - eine Revision der Urteile wegen Nichtzuständigkeit des Gerichts, erpresste Geständnisse in Verbindung mit Folter, Verfahrensfehler o.ä. Dinge ein-fordern.
So viel zu Rechtsanwalt Dr. Rudolf Aschenauer.

(vom Rezensionist LD bereits als Buch-Quelle in Punkt 4. angesprochen: "Dr. Rudolf Aschenauer - "Um Recht und Wahrheit im Malmedy-Fall" (2/1950), wurde von Ihm in seinem letzten Kommentar (17.09.2012 09:53Uhr) bereits zum herunter laden angeboten. Deshalb brauche ich dies hier auch nicht mehr zu tun. Danke dafür.

(Rechtsanwalt) Dr. Rudolf Aschenauer: "MACHT GEGEN RECHT - Unbekanntes Material aus der amerikanischen und britischen Kriegsverbrecher-Praxis" (1952 - u.a. auch kurz zum Malmedy-Fall) http://vho.org/dl/DEU/mgr.pdf

(Rechtsanwalt) Dr. Rudolf Aschenauer: "DER MALMEDY-FALL - 7 Jahre nach dem Urteil" (4/1953) http://vho.org/dl/DEU/dmfsjndu.pdf

-

Ich denke, mit all diesen Informationen (= für manch eine-n vielleicht sogar mehr als nur Lesestoff?) sollte man über ausreichend Kenntnisse (v.a.) zum Malmedy-, aber auch zu anderen Nachkriegsprozessen, verfügen, um sich mit diesem Thema - rein fachlich und sachlich natürlich, und einzig der Wahrheit dienend - auseinander setzen können.

In diesem Sinne, hoffe ich hierbei einen nützlichen Beitrag dazu geleistet zu haben ;)

Veröffentlicht am 07.05.2013 16:04:20 GMT+02:00
M. Cada meint:
Danke für die aufwendige Rezension. Mir kam die Doku die ganze Zeit sehr seltsam und einseitig vor.
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