Kundenrezension

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Diese CD hat zwei Seiten..., 27. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Celebration (Collector's Edition) (Audio CD)
Das Album hinterlässt auf dem ersten Blick zunächst zwiespältige Gefühle.
Mir ging es daher so, wie vielen anderen auch. So hätte ich mir zum 40jährigen Jubiläum gerne neue Songs gewünscht. Das Überraschungsalbum "Wake The Sleeper" strotzte im letzten Jahr nur so vor Kraft und Vitalität, dass das Pulver von Mick und Co. doch noch nicht verschossen sein dürfte.
Oder ? Denn leider ist dies genau der Gedanke der aufkommt, wenn man damit konfrontiert wird, dass bis auf zwei nagelneue Songs der Rest auf "Celebration" altbekanntes Material in neuem Gewande ist. Why ??? Fragt sich der verzweifelte Fan...
Wohlgemerkt auf den ersten Blick.

Auf dem zweiten Blick kommen dann aber weitere überdenkenswerte Erkenntnisse. Der Beweggrund der Band zum Beispiel...
Genau ! Das 40jährige Jubiläum ! Es gibt sicher genügend plausible Gründe, warum die Band Uriah Heep viele der bekanntesten Songs, überwiegend aus der glorreichen Ära zwischen 1970 und 1973, neu aufnimmt. Und wenn es auch nur der ist, dass Bernie Shaw jetzt bei Studioauftritten im TV endlich nicht mehr "Playback" zu der Stimme von John Lawton oder David Byron singen muss.

Also muss man diese Veröffentlichung von zwei Seiten sehen. Nötig war es sicher nicht, die alten Klassiker neu einzuspielen. Dafür hätte man sie eigentlich nicht unbedingt mehr "anfassen" müssen.

Andererseits hat die Band Uriah Heep in der seit gut 23 Jahren bestehenden aktuellen und bekannten Besetzung das Recht (Mick Box als maßgeblicher Mitbegründer sowieso...), die eigene Bandgeschichte aufzubereiten. Sie dürfen das... Fraglos.
Für ein 40jähriges Jubiläum also absolut standesgemäß. Andere Stars nehmen ihre alten Songs auch neu auf. Und die Fans, die diese Interpretationen mögen, die es schon seit Jahrzehnten
"Live" von Bernie gesungen in verschiedensten Varianten zu hören gab, dürfen das auch. Punkt und Schluss.
Und zwei neue Songs sind ja auch dabei. Ein komplett neues Album nur ein Jahr nach Wake the Sleeper wäre vielleicht doch etwas zu viel verlangt von den alten Herren.

Wie bewertet man so ein Album ? Gar nicht ? Ist es das Recht der "Älteren" (hier die Band...), wertungsfrei tun zu können, was sie wollen ? Hier hilft also nur hören... Nicht vorher schon meckern.
Oldie-Band hin oder her. Uriah Heep sind gestandene und sehr gute Musiker. Das hat die aktuelle Besetzung in zwei Jahrzehnten unmissverständlich bewiesen. Daher ist auch dieser Output ernst zu nehmen. Und der ist nicht schlecht ! Viel besser als ich dachte...

Vorweg: Die beiden neuen Songs "Only Human" und "Corridors Of Madness" sind gut. Letzterer sogar verdammt gut ! Keine progressive "Hymne" im klassischen Sinn, sondern vom Aufbau, von der Melodiefolge und von der fülligen Instrumentierung her gesehen ein typischer Heep-Song.
Erinnert vielleicht tendenziell an eine Art Mischung aus "Rainbow Demon" und "A Year Or A Day"... Etwas langsamer, getragener, moderner. Sehr schön.

Der Song erinnert irgendwie an die David-Byron-Zeit; könnte auch von Ken Hensley stammen, das Werk. Mir gefällt "Corridors Of Madness" jedenfalls klasse, weil so typisch habe ich Heep lange nicht gehört. Auf WTS wäre der Song sicher das "i-Tüpfelchen" gewesen, dass viele 2008 vermisst haben.

"Only Human" ist nicht ganz so prägnant. Klingt ein bisschen nach dem Sound von Sea Of Light aus den 90ern. Ein schöner rockiger Opener.

Bei den neu aufgenommen Songs stelle ich fest, dass sie allesamt professionell interpretiert und produziert sind. Bernie singt sich sehr kraftvoll und mehr als gut durch alle Songs und Russel Gilbrook treibt mit seinem Schlagzeug heftig an.

Daher vorweg vielleicht die gröbsten negativen Auffälligkeiten: "Sunrise" hat von Bernie Shaw leider eine falsche Textzeile verpasst bekommen (statt im Original "...swords will be my pen" singt er "....will be my friend"). Oder verhör' ich mich da etwa ??? ;-)
"Bird Of Prey" weist interpretatorische Schwächen bei der Umsetzung auf. Schade, denn ausgerechnet dieser Song ist einer der besten von Uriah Heep und stammt zudem nicht von Ken Hensley, sondern aus der Feder von Mick Box (und Byron...) himself. Der hätte damit seinen Status deutlich verbessern können, dass gute Songs von Heep auch ohne das Songwriting eines Ken Hensley möglich sind. Wohlgemerkt nichts gegen Hensley (ich schätze ihn sehr !), aber Uriah Heep sehe ich als Band an und nicht als Produkt eines Einzelnen.
So... Mehr zu kritisieren habe ich nicht.

Die anderen Songs wie "Gypsy", "Look At Yourself" oder Easy Livin' (beispielhaft für fast alle anderen...) sind grundsolides Handwerk. Vor allem, wie schon auf WTS, dominiert erfreulicherweise die gute alte Hammondorgel. Phil Lanzon scheint sich nun voll dazu bekannt zu haben und lässt Synthesizer - Programm - Spielereien gänzlich weg. Außerdem überzeugen bei fast allen Songs die sehr gut umgesetzten glockenklaren und melodiösen Chorpassagen. Immer da wo's passt und teilweise klingen sie verdammt nah am Original ! Wie auch immer das eingespielt wurde.
Macht richtig Spaß...
Erfreulich, dass auch "Between Two Worlds" von Sonic Origami dabei ist. Kein alter Klassiker, aber für mich einer der besten Heep-Songs überhaupt. Free n' Easy überzeugt ebenfalls auf der ganzen Linie als schneller straighter Rocker mit schönem Gitarren- und Hammondeinsatz.

"Free Me" hätte man sich als Neuauflage vielleicht sparen können. "Circus" wäre zum Beispiel die viel bessere Wahl gewesen, weil die Band mit diesem Klasse-Song von 1973, abermals aus der Feder von Mick Box, Lee Kerslake und Gary Thain (also wieder ohne Hensley), einen Beitrag zur Verbesserung des Stellenwertes der aktuellen Besetzung geleistet hätte.
So werden viele wieder meckern: Alles nur geklaut...
(natürlich von Hensley...).
Sei's drum. Auch "Free Me" unterscheidet sich vom Original durch deutlich wahrnehmbarere sehr gute ausgefuchste Hammondorgelbegleitung, die dazu beiträgt, dass der Song gleich viel
"heeptypischer" und nicht ganz so schlagermäßig wie anno 1977 klingt. Geht doch !

Die Überraschung (die eigentlich keine ist...) stellt "Lady In Black" dar. Diesen Song hätte man am besten gar nicht mit drauf gepackt. Dachte ich... Da hatte ich die allergrößten Zweifel. An diesem Song kann man sich eigentlich nicht vergreifen, ohne was falsch zumachen. Denn dieser ist seit jeher so derart einfach gestrickt (zwei Akkorde !!) und im Original dennoch so unschlagbar gut, dass es fast schon wieder eine Kunst ist, ihn originalgetreu umzusetzen und nicht schlechter als das Original klingen zu lassen. Der Song lebt nämlich im Original von der Anschlagtechnik der Akustikgitarre und der Rhythmussektion (Bass und Schlagzeug).
Das haben Uriah Heep 2009, finde ich, spitze hingekriegt.

Für Fans und Sammler ist "Celebration" ein "Muss", als Uriah - Heep - Neueinsteiger kommt man vielleicht besser mit den ersten Alben (Return To Fantasy nicht vergessen...) sowie Sea Of Light, Sonic Origami und Wake The Sleeper klar. Trotzdem: Celebration klingt handwerklich sehr gut sowie durchaus zeitgemäß und rundet zudem durch die beiden tollen neuen Songs das bisher vorhandene gesamte Uriah-Heep-Repertoire komplett ab.

Und noch was liebe Leute,
wir reden hier von einer klassischen 5-köpfigen Rockband-Besetzung. Also Gitarre, Bass, Drums, Orgel und Gesang...Uriah Heep kitzeln mit dieser Standardinstrumentierung hier alles heraus, was guten Heep-Sound ausmacht und was die Fans eigentlich lieben müssten. Darum sind die Songs auch im Studio so eingespielt, dass es wie "Live" rüberkommt und die Songs so auch auf der Bühne ohne größere Abstriche zum Besten gegeben werden können. Auch WTS klingt auf gewisse Weise wie Live eingespielt und somit dokumentieren beide Alben eindrucksvoll, was heute anno 2009 mit Heep-Sound gemeint ist. Ich weiß nicht, was hier die Fans erwarten, weil in vielen vorab veröffentlichten Rezensionen gerne wieder mal gemeckert wird.
Für mich ohne Grund !
Daher von mir 5 Sterne dafür. Trotz leichtem "Schwächeln" bei der Umsetzung von "Bird Of Prey".
Bleiben immer noch 13 sehr gute Songs.

Nachteil der "Collectors Edition": Die Hülle passt in kein normales CD-Regal und es fehlt ein Booklet ! Da sind die anderen
CD-Versionen oder selbst die Normal-Ausführung wohl der bessere Kauf.

Vielleicht kommt ja doch noch bald der definitive "WTS-Nachfolger" !
Kommt in die Hufe, Jungs !!! Die Fans warten...

Nun wünsche ich der Band viele neue Fans und begeisterte Alt-Fans...
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