Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Der Anfang einer berühmten Männer-Freundschaft, 27. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Winnetou: Band 1 (Kindle Edition)
Ich bin mir sicher, dass ich alle Filme um den Häuptling der Apachen mehrfach gesehen habe. Trotzdem hat es sich für mich nie ergeben, auch die Bücher zu lesen - und es wäre wohl auch nicht mehr passiert, wenn es nicht alle Karl May-Ausgaben mittlerweile gratis als eBook geben würde. Und so kommt es, dass ich einige der wohl wichtigsten deutschsprachigen Jugendromane erst jetzt - als Erwachsener - lese.

Die Geschichte um Winnetou, den "Häuptling aller Apachen" und seinen deutschen Blutsbruder "Old Shatterhand", der ohne Probleme als idealisiertes Wunschbild von Karl May selbst identifiziert werden kann, hat bereits Millionen Menschen in ihren Bann gezogen - und so ist es auch mir ergangen. "Winnetou I" ist vor allem eines: ein sehr schnell und flüssig zu lesendes, ausgesprochen spannendes Stück Trivialliteratur. Karl May schüttelt sich hier eine der berühmtesten Geschichten über Freundschaft und den Kampf von Gut gegen Böse allem Anschein nach locker aus dem Ärmel. Die Handlung ist durchgehend spannend - erwähnt werden muss aber auch, dass einige Ortsbeschreibungen verwirrend und einigermaßen langatmig sind. Dieser kleine Schönheitsfehler kann meines Erachtens jedoch vernachlässigt werden. Was natürlich auch kaum überlesen werden kann: Karl May ist eindeutig ein Kind seiner Zeit und bleibt als solches nicht frei von Werturteilen, die man aus heutiger Sicht durchaus als "rassistisch" bezeichnen kann. Für mein Gefühl versucht der Autor aber dennoch, solche Ressentiments abzubauen, indem er seine Helden mehrfach die Gleichheit aller Menschen betonen lässt und sich sehr stark gegen das sich abzeichnende und teilweise bereits vollzogene Unrecht an den amerikanischen Ureinwohnern stellt. Einzig seinen Hang, das Christentum haushoch über alle anderen Religionen zu stellen, empfinde ich wirklich als störend. Dass die Gebräuche und Sitten, die May in diesem Werk beschreibt, teilweise weit von der damaligen Wirklichkeit entfernt sind, ist ebenfalls kein Geheimnis. Wer historische Genauigkeit erwartet, sollte um Karl May jedenfalls einen großen Bogen machen.

Was die Charaktere betrifft, unterscheiden sich Klassiker wie "Winnetou I" grundlegend von neuerer Literatur. Ein Held wie Old Shatterhand hätte in kaum einem modernen Roman Platz - er weist keinerlei Schwächen auf, weder physisch noch psychisch. Er ist damit jedem anderen Charakter, sogar dem Häuptling der Apachen, der ebenfalls so gut wie keine Schwächen kennt, überlegen. Noch naiver wirkt die Darstellung, wenn man sie mit den Nebenfiguren vergleicht. Old Shatterhand ist zwar ein "Greenhorn", meistert aber alle Herausforderungen besser, als jeder erfahrene Westmann. Damit muss man als moderner Leser erst einmal klarkommen... Generell ist in diesem Werk eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse gegeben - die "guten" Figuren sind, wenn man von den kleinen Schrullen eines Sam Hawkens absieht, vollkommen makellos. Ihre Gegner sind hingegen kaum charakterisiert, außer ihrer Boshaftigkeit kann man eigentlich keine näheren Beschreibungen erkennen. Damit kann eine Identifikation durch den Leser nur mit den Helden gelingen. Das alles sollte jedenfalls beachtet werden, wenn man zum ersten Mal "Winnetou", aber auch andere Werke von Karl May liest. Ich persönlich fand diese Kategorisierung der Personen nicht als störend - im Gegenteil, eine solche Beschreibung kann sogar als wohltuende Abwechslung zu den heutigen Anti-Helden gesehen werden.

Abschließend noch ein Wort zum Stil: Die eBook-Version wirkt auf mich in Bezug auf die Sprache sehr authentisch. Offenbar handelt es sich dabei nicht um eine modernisierte Fassung. Das ist vermutlich nicht jedermanns Sache, ich persönlich lese diese leicht altertümlich wirkenden Phrasen ausgesprochen gerne. Einen so schönen Stil liest man heute eher selten, wenn ich mich nicht irre.

Fazit: "Winnetou I" ist ein großartiges Buch. Ein "Pageturner" im wahrsten Sinne des Wortes - und das rund 100 Jahre, bevor dieser Begriff überhaupt geprägt wurde. Wenn man über die wenigen Längen in den Ortsbeschreibungen und die zweifellos vorhandenen Ungenauigkeiten in der Schilderung der Indianer-Kultur hinwegsehen kann, bleibt nur die Höchstwertung. Bereut oder gar als Zeitverschwendung angesehen habe ich die Lektüre zu keiner Sekunde.
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Stefan T.
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