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5.0 von 5 Sternen Eine immer noch ergreifende Platte gesät von Klassikern, 6. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Dont't Break the Oath (Audio CD)
Zu den schillernsten Persönlichen der Hartwurst History gehört unbestritten der Däne Kim Bendix Petersen alias King Diamond. Bevor der klein wüchsige Kettenraucher (in "guten" Zeiten bis zu 80 Prince Denmark tgl.!) mit Mercyful Fate zur Heavy Metal Kultfigur avanciert, verdient er seine bescheidenen Brötchen bei Black Rose, die noch sehr vom Hammondorgel geschwängerten Siebziger Rock geprägt sind. Zugunsten der Gründung Mercyful Fate's wird allerdings noch eine andere Kopenhagener Band, nämlich die Punk Formation The Brats, "geopfert". Der Grund: Die Company CBS verlangt für das zweite Album eine dänisch eingesungene Platte, was bei den Betroffenen nicht gerade Gegenliebe auslöst. Das "barmherzige Schicksal" sollte es tatsächlich gut meinen - die scheidenden Axemen Hank Sherman & Michael Denner und Basser Tim Hansen gründen 1981 mit King Diamond bzw. Kim Ruzz hinter den Kesseln die Mark I Besetzung von Mercyful Fate.

Die essentiellen Charakteristika manifestieren sich in King's mal grollendem, mal kreischendem und seinem berüchtigten falsettartigen Gesang, dem Image als - gutgesinnten - Satanisten (Majestät ist Ehrenmitglied in der von Anton LaVey aufgebauten Church Of Satan), den Lyrics wo gerne - wie könnte es anders sein - über Themen wie schwarze Magie und Satanismus berichtet wird, dem für Konzerte und Presse aufgetragenen "Grusel" Make-Up und selbstverständlich die Musik selbst! Die wurde in jener Epoche vom kompositorischen Standpunkt, da zuhauf verschachtelte Arrangements bzw. häufig eingepflanzte Twinruten der Herrschaften Sherman/Denner mit dem britischen NWoBHM Flaggschiff Iron Maiden verglichen. Mit der vom holländischen Rave On Label veröffentlichten, schlicht selbst betitelten, inzwischen rar gewordenen EP (die zum Scheiterhafen verurteilte Hexe als Verpackungsdesign sollte der erste von vielen nachfolgenden Dornen im Auge lokaler christlicher Fraktionen sein) und einigen phänomenalen Festivalauftritten in der Hinterhand erhält das Quintett binnen kürzester Zeit ein Angebot von Roadrunner Records für fünf LPs. Unter dem Banner Mercyful Fate werden allerdings nur zwei das Licht der Welt erblicken: Die tierisch geile "Melissa" Scheibe aus dem Jahre 1983 und eines der einflussreichsten HM Alben späterer Generationen: "Don't Break The Oath".

Was aber schwebt hinter all den "greifbaren", ob beschriebenen optisch - akustischen Stimulanzien? Magie pur! Anders lässt sich diese Symbiose hervorgehend aus King Diamond's okkulten Lyrics, seinem höchst eigenwilligen Vokals und den dämonisch stimmungsvollen Meisterkompositionen wohl kaum erklären. "Don't Break The Oath" beinhaltet nebst dem klassischen Heavy Metal Riff deftige Tempowechsel, dutzende, sechssaitige Zweisamkeiten, donnernde Bassläufe und einen soliden Schlagwerkteppich auch eine souveräne Produktion, die sich angesichts der damaligen "Konkurrenz" um Welten abzuheben wusste und für mich zu den bedeutendsten Metal Referenzalben, also zumindest im Windschatten von "The Number Of The Beast" oder "Ride The Lightning" zu stellen ist.

Die musikalischen Höhepunkte gipfeln sich im Pförtner "A Dangerous Meeting" (urprünglich: "Death Kiss"), der von kauzigen Riffs regelrecht übersät ist, dem aberbösen "Desecration Of Souls" (zu Demozeiten: "On A Night Of Full Moon"), dessen abartige Anziehungskraft man - ohne wenn und aber - erlebt haben sollte (!), dem zunehmend rasanter und beklemmender werdenden "Night Of The Unborn", weiters dem siebenminütigen, alles um sich verdunkelnden Fluch "The Oath" und zu guter letzt der Mercyful Fate Klassiker schlechthin: "Come To The Sabbath", ein - gelinde gesagt - unumgängliches "Evangelium" des Heavy Metals, welch selbst in den Folgejahren der King Diamond Hauptband ihren Stammplatz in der Live Setlist gepflegt und gehegt wurde. Die restlichen Stücke wie der Doppelbasspflüger "Nightmare", das rockige "Gypsy", "Welcome Princess Of Hell" und das Akustik Intermezzo "To One Far Away" seien hier der Vollständigkeit halber erwähnt.

Ein kurzer Anreißer zu den Textinhalten, auf die Herr Petersen seit jeher großen Wert legt: "A Dangerous Meeting" hat eine klare Message, die besagt: 'lasst die Finger von okkulten Spielen", was die Kirche - logisch - komplett fehl interpretiert(e). "Night Of The Unborn" beschreibt die Wiedergeburt King Diamond's, dessen Glaubensbekenntnis im Titelstück (und wieder ein Fresschen für 'anders denkende Institutionen') eindeutiger nicht sein könnte und "Come To The Sabbath" selbstredend, "Gesandte" wie Hexen, Dämonen und weiß der Deibel was zum feierlichen Zeremoniell einher beruft.

Mercyful Fate lösten sich nach unüberbrückbaren Differenzen im April 1985 auf, und es sollte sieben Jahre dauern, bis sie sich - fast - in Original Besetzung (Drummer Ruzz war nicht mehr auffindbar) für die schwer herbei ersehnte Reunion einigten. "In The Shadows" (1993), "The Bellwitch" (E.P.), "Time" (beide 1994), "Into The Unknown" (1996), "Dead Again" (1998) und "9" (1999), nennt sich der weitere, durchaus herzeigbare Backkatalog einer der einflußreichsten Kapellen Skandinaviens, deren Kultstatus - bis heute - präsent, das Kapitel "durchschlagender Erfolg" jenem aber - wie so häufig - weit hinter her hinkt.
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