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Kundenrezension

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für mich nur ein Beinahe-Klassiker, 26. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Imagine (Audio CD)
John Lennon hat "Imagine" in Interviews als "Working Class Hero mit Zuckerguss" bezeichnet, und vielleicht ist die sehr gefällige Produktion auch als Antwort auf das kommerziell eher schwache Abschneiden ihres Vorgängers "John Lennon/Plastic Ono Band" zu verstehen. Diese Platte wird immer als John Lennons Klassiker gehandelt, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, denn bei kritischer Betrachtung hat sie doch einige gravierende Mängel.

John Lennon hat vom "Weißen Album" der Beatles an gerne betont, er kehre jetzt textlich und musikalisch zur "Vereinfachung" zurück. Das ist ein schöneres Wort für "Einfallslosigkeit". Besonders im Falle von It's so hard, I don't wanna be a Soldier und Oh Yoko! singt Lennon erschreckend banale Texte (oft ändert er pro Strophe nur ein Wort) für einen Mann, der Paul McCartney öffentlich am heftigsten (und zu recht) für seine oftmals seichten Pop-Songs angegriffen hat. I don't wanna be a Soldier ist einfach nur... lang, und viel passiert nicht. How? finde ich als Nabelschau abstoßend weinerlich und selbstmitleidig, und Oh Yoko! ist ein weiteres seiner vielen "Ich-kann-ohne-dich-nicht-leben-Yoko"-Stücken zu einer Kinderlied-Melodie, ein recht belangloser Ausklang der Platte.

Dabei zeigt Lennon doch im scharfen Wortwitz von Give me some Truth und in seinem ätzenden Seitenhieb auf Paul McCartney in How do you sleep?, dass er es besser kann. (Seine Spitze "jump when your mama tell anything" gegen Paul ist allerdings einfach lächerlich für einen Mann, der seine eigene Ehefrau "Mother" nannte und unbedarft und unreflektiert seine psychische Abhängigkeit von ihr in etlichen "Liebesliedern" verharmloste.)

Ich stehe wohl mit meiner Meinung ziemlich alleine auf weiter Flur, dass der Titelsong selbst mit seinem unerträglich kindlich-naiv-weltfremden Text einer der schrecklichsten Lala-Popsongs aller Zeiten ist, so wie Blowing in the Wind von Bob Dylan oder Ob-la-di, ob-la-da von den Beatles... ich schalte zwar das Radio nicht gerade ab, wenn sie kommen, steuere sie aber auch nie gezielt in meiner Plattensammlung an. Ich kann es einfach nicht ertragen, wenn ein unterbeschäftigter Multimillionär in einer Sinnkrise mich fragt "Imagine no possessions, I wonder if YOU can..." Joan Baez und Neil Young haben es wenigstens in "I" abgeändert, und John selbst hat auf "Live in New York City" (ein Jahr später) immerhin "we" gesungen. Die sehr gute Melodie übertüncht hier geradezu den schwachen Text.

Crippled inside macht einfach Spaß, weil es mit so guter Laune gespielt ist, dass es den etwas düsteren Text auf angenehme Weise ausbalanciert. Oh my Love ist für mich in seiner ergreifenden Schlichtheit und mit seiner wunderschönen Melodie (und einem Fingerpicking, das an Julia ('68) und Look at me ('70) erinnert) der stille Höhepunkt der Platte.

Die Produktion ist über weite Strecken, bedingt durch den Streichereinsatz, etwas süßlich geraten (Imagine, Jealous Guy, How?), aber wohl das Element, mit dem die Platte wirklich verkauft wird; dafür wurde Lennons Stimme (eine der stärksten in der gesamten Rockmusik) hier auf eigenen Wunsch hin fast durchgehend total abgedämpft produziert, so als ob er in eine Wolldecke reinsingen würde (bloß keinen Hall!). Und It's so hard klingt so, als sei es gleich ganz in der Badewanne (und zwar unter Wasser) aufgenommen. How do you sleep? z.B. klingt erschreckend dumpf, was auch durchs Überspielen auf die erste CD ('87) nicht besser wurde. Ist das Intro (eine Anspielung auf die ersten Sekunden von Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band) in Stereo, so wechselt das Lied selbst in einen reinen Mono-Mix über, wie um Lennons Protest gegen diese (von ihm später heftig kritisierte) "überproduzierte" Platte noch zu unterstreichen.

Dass John Lennon mir die Platte doch verkaufen kann, liegt daran, dass sie irgendwie Beatles "atmet", was nicht zuletzt daran liegt, dass George Harrison eine tolle Slidegitarre auf mehreren Titeln spielt, und dass einige Stücke ihren Ursprung noch in Beatles-Zeiten haben, z.B. Give me some Truth und Jealous Guy (das ich lieber in seiner Beatles-Demo-Version als Child of Nature höre).

Ich kann das Album ab und zu gut hören, wenn ich einfach etwas Beatles-Verwandtes hören will; richtig ernst nehmen kann ich die Platte nicht.

P.S. Der 1999er Remix hat der Platte hörbar gut getan, sie klingt deutlich klarer und transparenter. Nur in wenigen Fällen wurde behutsam nachgebessert; so wurden z.B. bei Imagine die Streicher und bei Oh Yoko! die beiden Gesangspuren dezent über den Stereokanal verteilt. Dafür wurde von How do you sleep? ein richtiger Stereo-Mix angefertigt - und das ist eine willkommene Neuerung!
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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.02.2008 16:23:25 GMT+01:00
Hallo! Ich finde deine Kritik zu "Imagine" echt gelungen, ich finde es wichtig, auch mit Legenden wie John kritisch umzugehen, und in diesem Fall ist das auch absolut treffend. Besonders gefällt mir der barsche Umgang mit "Imagine", ein Lied, das als so uantastbar gilt, obwohl es eigentlich nur weltfremdes kommunistisches Gedankengut verbreitet und so elendig ausgelutscht wirkt, dass man es nicht mehr hören kann. Danke dafür, auch für die Erwähnung von "Blowin' in the wind" in diesem Kontext.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.02.2008 22:37:08 GMT+01:00
Hallo Michael, danke, freut mich, dass ich mit meiner Einschätzung offenbar doch nicht so ganz allein auf weiter Flur stehe!

Veröffentlicht am 04.03.2008 14:15:00 GMT+01:00
AMM meint:
Einspruch: Mag ja sein, dass "Imagine" kindlich-naiv ist, das sind neben "Blowing In The Wind" aber z.B. auch Songs wie "We Shall Overcome", "Where Have All The Flowers Gone" oder "Turn Turn Turn". Von einer Sinnkrise kann bei John Lennon in diesem Zusammenhang doch wirklich keine Rede sein, ich fand es schon immer beeindruckend, welche Aussagekraft gerade solch meinetwegen "naive" Songs haben, von denen ich noch eine ganze Reihe aufzählen könnte! Aber "Ob-la-di, ob-la-da" gehört natürlich NICHT dazu!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.03.2008 19:08:12 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.03.2008 00:18:33 GMT+01:00
ACETY meint:
Eine platte und durchsichtige Kritik, diesen Song als "weltfremdes kommunistisches Gedankengut" abzutun. Das ist unsinnig! Und Kommunist war er schon gleich gar nicht. Aber da der Kommentar von Michael Schäfer natürlich nicht so sehr in die Breite oder in die Tiefe gehen kann, muß eine solche Kritik oberflächlich bleiben. Es ließe sich gewiß trefflich darüber streiten, aber hier ist nicht der Ort für so etwas.
Mag sein, daß es mit meinem Kommentar jemandem auch so geht, aber einem solchen Kommentar muß man schon etwas entgegensetzen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.03.2008 00:53:10 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.07.2009 01:58:09 GMT+02:00
Hallo Sixties Forever, die anderen von Dir genannten Lieder wecken aber ähnlich ablehnende Gefühle in mir wie Imagine. We shall overcome beispielsweise war sicher sehr ergreifend, wenn es von Sklaven auf einer Baumwollplantage gesungen wurde in der Hoffnung auf Erlösung von ihrem Leid; ich fand es aber immer unerträglich, wenn z. B. Joan Baez das Lied einfach nachsang, weil es "so schööööön...!" ist. Lieder wie diese verlieren in den falschen Händen ihre ursprüngliche Aussagekraft und Glaubwürdigkeit. Und es ist unglaubwürdig, wenn John Lennon als Millionär andere fragt, ob SIE sich ein Leben ohne Besitztümer vorstellen können, und das schlägt auf das ganze Lied zurück, dabei bleibe ich.- Mit Sinnkrise meine ich, dass John Lennon auf die Trennung der Beatles mit einer Orientierungslosigkeit reagierte, aus der heraus er dann etliche Lieder schrieb, die eng um seinen eigenen Nabel kreisten ("Plastic Ono Band"), oder die Welt mit politischen Slogans beglückte, die einfach von denjenigen, die - anders als John Lennon - selber von der jeweiligen Politik betroffen waren, einfach nur als weltfremd und lachhaft bis ärgerlich empfunden werden mußten, und diese Entwicklung setzte ca. mit Revolution ein und fand in der "Some Time in New York City" ihren Höhepunkt. Lennons Lieder bei den Beatles waren auch oft persönlich, dabei aber auf angenehme Weise universeller, und deshalb finde ich sie nach wie vor besser. Erst die "Walls and Bridges" hat mich dann wieder überzeugt. In meinen Rezensionen zu den jeweiligen Platten gehe ich darauf noch genauer ein.

Veröffentlicht am 24.12.2008 21:03:00 GMT+01:00
phoenix567 meint:
Na ja.... Die Länge, die Diskussion und die Polemik dieser Rezension zeigen geradezu, wie "schlecht" und "langweilig" und "danebengeraten" dieses Album und die Musik von John Lennon insgesamt sind..... ähemm, hüstel... Wieso widmet der Rezensent einem solchen Versager und Muttersöhnchen wie John Lennon so viel Zeit und Mühe... ähemm... verstehe ich nicht *g*
Der minderwertige menschliche Geist muss immer alles kritisieren und alles entwerten, auch Dinge die gut sind, wie in diesem Fall John Lennon und seine Musik.
Traurig sowas.
Genau gegen diese scheinheilige kaputte Geisteshaltung hat John mit seinem Leben und seiner Musik protestieren wollen.
Viele haben ihn verstanden.
Andere viele müssen ihn kritisieren und entwerten.
Der Rezensent hat mit Sicherheit schon viel bessere Musik komponiert als John Lennon. Das ist doch klar *g*

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.12.2008 00:48:26 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.12.2008 02:42:13 GMT+01:00
"...der minderwertige menschliche Geist...", "...scheinheilige kaputte Geisteshaltung..." DAS ist Polemik, lieber Phoenix567! (Habe ich da vielleicht eine heilige Kuh von der Straße geschubst...?)

Ich möchte trotzdem hier nur klarstellen: die Länge meiner Rezension hat mit meiner Leidenschaft für alles Beatles-Relevante zu tun. Ich verdamme oder entwerte im übrigen weder dieses Album (3 Sterne immerhin - und selbst hier hebe ich doch einige Songs positiv hervor) und schon gar nicht John Lennon und seine Musik insgesamt (wie Dir ein Blick auf weitere Rezensionen zeigt); manche Platten gefallen mir eben besser, diese hier aus genannten Gründen nicht so. Ich finde nur dieses Album - und John Lennons Solowerke im Vergleich mit seinen Beatles-Arbeiten - überbewertet und begründe das ausführlich. Man nennt das "differenziert".

Ich finde auch nicht, dass John Lennons hier vertretene Botschaften sonderlich schwer zu verstehen sind; sie überzeugen mich halt nicht. Kann ja sein, dass Dir die Platte besser gefällt als mir - aber warum mußt Du Deinerseits deswegen den Rezensenten so entwerten? Wir haben halt nicht denselben Geschmack.

Übrigens: selbst wenn ich noch nie eigene Musik komponiert hätte - Dein Umkehrschluß müßte dann ja zur Folge haben, dass ich alle Alben ausschließlich geil zu finden und zu bewerten habe, bis ich selber bessere produziert habe! Ich behalte mir vor, einen Kinofilm blöd zu finden, auch wenn ich selbst noch keinen gedreht habe - so wie jeder andere auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.12.2008 09:47:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 31.12.2008 13:27:12 GMT+01:00
AMM meint:
Wie kommst Du nur darauf, dass John Lennon bei "Imagine" sich selbst ausgeschlossen hat bzw. nur andere anspricht, obwohl er doch z.B. im Refrain singt: "you may say I`m a dreamer, but I`m not the only one, I hope some day you`ll join us, and the world will be as one"? Ich finde den Text genauso naiv wie genial. Im Übrigen wurden Folksongs früher immer durch Singen bzw. Vorsingen übertragen, auch Lieder wie z.B. "We Shall Overcome". Ich kenne zwar Joan Baez nicht persönlich, finde aber, dass sie nie zu den Sängerinnen gehört hat oder gehört, die Lieder nur oder auch deswegen singen, weil sie "so schööööön" sind! Stattdessen gehört auch sie für mich zu den Sängerinnen, die die alte Tradition der Überlieferung von "Volksliedern" weiterleben.

In einem stimme ich Dir jedoch zu: John Lennons Songs auf "Some Time In New York City" finde ich in textlicher Hinsicht genauso wenig gelungen und glaubhaft wie Du! SF

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.12.2008 14:59:30 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 31.12.2008 15:11:41 GMT+01:00
Ich habe diese Textzeile immer wörtlich genommen: "Stellt euch vor, keine Besitztümer - ich frage mich, ob ihr das schafft". Nun ist ja das Leben ohne Besitztümer - mit all seinen Lasten, die diese auch mit sich bringen - eine spannende Frage, ob aus kommunistischer, spiritueller oder religiöser Sichtweise (vielleicht stieß Lennon durch den Maharishi angeregt darauf). Nur gehörte Lennon - im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Zuhörer, die sicher alle mal mit Geldsorgen zu tun haben - eben zu den wenigen Auserwählten, die mehr Geld hatten, als sie ausgeben konnten (es sei ihm von Herzen gegönnt!). Und wenn mich jemand fragt: "Na, ob du das wohl schaffen würdest?", dann ist es glaubwürdiger, wenn mich das ein Zenmeister, ein Mönch oder ein Asket fragt, bei dem ich mir was abgucken kann: Wie macht der das bloß? und wär das was für mich? - aber kein Multimillionär, der bei anderen davon träumt. (Deswegen fand ich es gelungener, dass er live "I wonder if WE can" sang, da bezog er sich endlich mit ein.)

Stimmt, im Refrain bezieht er sich und den Hörer mit ein: Ich bin nicht der einzige Träumer, hoffentlich schließt ihr euch uns eines Tages an, und die Welt wird eins sein. Ich hab's nicht mehr so mit Utopien und Träumen, es entsprach wohl dem damaligen Zeitgeist, davon eine Weltverbesserung zu erhoffen. Ich persönlich halte es mehr mit den realistischen Veränderungen im Kleinen (die große Veränderungen einleiten können oder auch nicht), diese Weltverbesserungsutopien sprechen mich einfach nicht mehr an.

Ich empfinde Lennons Glaubwürdigkeit oft als problematisch. Kennst Du Cynthia Lennons neues Buch? Ich fand so beeindruckend, wie sie beschreibt, wie irritiert der 5jährige Julian war, seinen Vater beim Bed-In im Fernsehen für den Weltfrieden werben zu sehen - der aber gleichzeitig mit dem Unterhalt für seine Frau und seinen Sohn geizte und sich überhaupt nicht um Kontakt zu seinem Sohn bemühte, den dieser dringend gebraucht hätte. Und gerade John hätte das aus eigener Erfahrung wissen können - mit dem Unterschied, dass sein Vater in seiner Kindheit weit weg war, John selber aber ganz in der Nähe lebte. Ob der Weltfrieden von Lennons Bed-Ins wirklich profitiert hat, bezweifle ich stark; Julian hätte aber mit Sicherheit davon profitiert, wenn sein Vater seine Energien stattdessen in diese Vater-Sohn-Beziehung investiert hätte (womit er wohl erst Jahre später begann; erst bei Sean hat er es dann voll - und bewundernswert - umgesetzt). Julian hat mal in einem Interview gesagt, wie sehr es ihn irritierte, wie viele Leute zu ihm kommen und sagen: Die Songs deines Vaters haben mir immer so viel bedeutet!, und er da steht und denkt: das ist ja schön, aber für mich als seinen Sohn war er so gut wie nie da; und es ist auch nicht toll, in der Presse zu lesen, dass man "das Ergebnis einer Flasche Whiskey nach einer Samstag Nacht" (O-Ton Lennon) war. (So viel zum Träumen im Großen und den Veränderungen im Kleinen aus meiner Sicht. In Cynthias Buch kommt das sehr deutlich rüber.) John Lennon war einfach eine höchst widersprüchliche Person. Das ist Bob Dylan auch, und es mag gut sein, das gerade solche Menschen sehr interessante Lieder schreiben; aber trotzdem stößt mir halt oft die Diskrepanz zwischen Botschaft und gelebter Realität auf, und gerade Lennon bekam bei seinen Liedern gerade seit Ende der Beatles zuweilen etwas zu Predigerhaftes.

Ich mag Joan Baez auch, mit Abstrichen. Ich kenne sie natürlich auch nicht (hab sie zweimal live gesehen); aber bei mir kommt von ihr oft eine blauäugige "Un-Distanziertheit" rüber, wenn sie Let it be, Yesterday, Blowing in the Wind etc. pp. mit einer Inbrunst singt, die mich manchmal ein wenig gesunden Abstand zum Werk vermissen läßt, oder wenn sie aus der sperrigen The Band-Version von The Night they drove old Dixie down eine glatte Schlagerversion macht (nicht umsonst von Juliane Werding zu "Am Tag als Conny Kramer starb" verkitscht) und dabei als Frau in der ersten Person einen Song aus Männersicht wiedergibt... Sie ist mir dabei oft zu glatt. Wobei ich ihr andererseits natürlich genau diese gelebte Glaubwürdigkeit attestieren muß, die mir bei Lennon oft fehlt: die Gründung ihres Instituts zur Gewaltlosigkeit z.B., oder dass sie sich über viele Jahre weigerte, Steuern zu bezahlen, da sie den Vietnamkrieg nicht unterstützen wollte. Zwar wurden ihr die Steuerbeträge natürlich regelmäßig direkt nach den Konzerten gepfändet; aber das hatte für mich einen sehr hohen Vorbildcharakter, das war zwar im Endeffekt auch "zwecklos" (weil das Geld ja doch weg war) - aber das empfand ich als beeindruckende Handlung.

Veröffentlicht am 30.09.2009 13:23:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.09.2009 13:40:05 GMT+02:00
Ascola meint:
"Imagine" ist sein kommerziell mit Abstand erfolgreichstes Album zu Lebzeiten, und da hier meiner Meinung nach Qualität mit Erfolg ebenso zusammen fällt wie bei den Beatles-Alben, ist die Bezeichnung 'Klassiker' für mich nachvollziehbar. Die Rechnung, Phil Spector für den Zuckerguss zu engagieren, ist somit aufgegangen, ohne dass das Album dadurch extrem gelitten hätte. Es ist so eine ähnliche Geschichte wie bei dem ebenfalls von Spector zwei Jahre zuvor produzierten "Let It Be-Stereo Remaster". Dabei ist auch ein großartiges Album heraus gekommen, aber man freut sich doch sehr, dass es inzwischen eine "Let It Be...Naked"-Version davon gibt, die den Spectorschen Schmelz wieder weg nimmt. Vielleicht passiert das auch noch mal mit "Imagine", was sicherlich zu interessanten und stellenweise hörenswerteren Ergebnissen führen würde als sie jetzt vorliegen (vor allem "Jealous Guy", "How"), und vielleicht kann man auch noch die Stimme irgendwann mehr raus holen, was natürlich ein Gewinn wäre.

Man kann aber meiner Ansicht nach nicht in der gleichen Rezension "Einfachheit" mit "Einfallslosigkeit" assoziieren, was sowieso, entschuldigung, sachlich Unsinn ist, und die schmelzige Produktion von Spector, die alles, aber nicht einfach ist, kritisieren. Mit "Einfachheit" meint Lennon die Produktionsform, nicht seine Songs, und auf dem Vorgängeralbum "Lennon,John & Plastic Ono Band" traf das ja auch in hohem Maß zu. Die Kritik an den Texten kann ich auch nicht teilen. Es ist nicht einfallslos, teilweise nur ein, zwei tragende Zeilen zu haben, und darin immer nur ein Wort auszutauschen o. ä., sondern ein künstlerisches Moment, um die Botschaft zu verstärken und nicht durch zu viel Variation zu verflachen. Das mag bei großen Themen wie Krieg, Liebe, Sinn des Lebens, um die es hier geht, durchaus mal ein Stilmittel sein. Auch die Kritik an "Imagine" teile ich nicht. Vielleicht kann man sich da heute, bald 40 Jahre später, nur noch schlecht rein versetzen, aber diese Lieder wurden unter den Bedingungen des Vietnam-Kriegs geschrieben, und so waren es keine Kinderliedchen, wenn diese Songs einfache Friedens-Botschaften waren. Wären übrigens alle Songs voll mit kritischen, komplizierten Texten, nicht nur die Hälfte, wäre das Album künstlerisch weit weniger ausgewogen als es ist. Ich lese in Ihren weiteren Kommentaren, dass Sie Lennon z. B. seinen Friedens-Aktivismus nicht abnahmen, weil er sich nicht vernünftig um seinen ersten Sohn kümmerte usw.. Dazu vielleicht der Hinweis, dass Julian Lennon auf Urlaub in Tittenhurst war während der "Imagine"-Sessions und John hier etwas nachzuholen begann, vielleicht auch unter dem Einfluss Yokos, die ja auch eine Tochter aus erster Ehe hatte. Abgesehen davon, wenn man überall die moralische Perfektionsmesslatte anlegt, könnte wohl nur sehr wenig bestehen bleiben.

Die Spitze in Bezug auf seine Einstellung zu Yoko vs. seiner Kritik an der Beziehung McCartneys trifft allerdings meiner Ansicht nach zu und vielleicht sogar ins Schwarze. Ohnehin hat das großartige "How do you sleep", das Sie auch loben, zwei Seiten: denn was McCartney bis dato solo veröffentlicht hatte, gehört eher zum besseren seines Katalogs - die wirklich schlechten Sachen kamen später - umgekehrt bekam Lennon auf seinen weiteren Platten auch teils ziemliche Qualitäts-Probleme. Insgesamt ist ihm der Umzug in die USA künstlerisch nicht wirklich bekommen, wozu Yoko Ono ihren Teil beitrug, so dass seine Kritik an Pauls "muzak" rückblickend doch etwas schal wirkt. Allerdings, wie gesagt, ein großartiger Song, auch musikalisch, den man nicht missen möchte.
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Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent

Toby Tambourine
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   

Ort: Gießen

Top-Rezensenten Rang: 715