Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Nachdenklich, berührt, begeistert!!, 8. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Spiegelriss (Gebundene Ausgabe)
KLAPPENTEXT:
Sie nennen sich das Rudel und keiner traut dem anderen. Doch Juli ist froh, dass die abgerissenen Gestalten, die am Rand der Normalität leben, sie überhaupt aufgenommen haben. Nachdem ihr der Zugang zur Welt der Pheen verwehrt wird, hat sie keine Heimat mehr. Schlimmer noch, innerhalb der Normalität wird sie als letzte lebende Phee und gefährliche Mörderin gejagt. Verzweifelt versucht Juli, die Brücken zu ihrem früheren Leben wiederherzustellen. Doch bald muss sie erkennen, dass die Freunde von einst zu Feinden geworden sind und Verrat in der neuen Welt an der Tagesordnung ist.

AUTORIN:
(Quelle: Arena)
Alina Bronsky, Jahrgang 1978, war Medizinstudentin, Werbetexterin und Redakteurin bei einer Tageszeitung, bis sie eines Tages ein Manuskript an drei Verlage schickte und auf Anhieb die Zusage bekam. Ihr Debüt »Scherbenpark« gehörte zu den meist beachteten Debüts des Jahres 2008 und wurde für diverse Preise nominiert, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ihr zweiter Roman »Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche« stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Die Rechte an Bronskys Romanen wurden in über zehn Länder verkauft, sie erscheinen unter anderem in den USA und Italien.

EIGENE MEINUNG:
Whow … ich habe „Spiegelriss“ gerade beendet und bin sprachlos und irgendwie platt. Bronskys Romane schlagen immer mit solch einer Macht auf mich nieder, dass ich hinterher förmlich k.o. bin. Zum einen ist es die drückende Atmosphäre, zum anderen die Geschichte, die Handlungen, Erlebnisse und Emotionen, die so sehr zum nach- und mitdenken anhalten. Es ist eine kleine Herausforderung an den Leser, aber es ist genau der Punkt, der mich immer wieder zu Alina Bronskys Romanen greifen lässt.

„Mit Kojote unterwegs sein, fühlt sich an, als würde man mit einem Igel kuscheln.“

Schon nach den ersten Seiten war ich ziemlich baff. Ein divergentes Setting, eine völlig andere Atmosphäre als noch in „Spiegelkind“ haben genau das erfüllt, was ich in der Rezi zum ersten Teil der Trilogie geschrieben habe: Man weiß nicht was einen erwartet. Es ist überhaupt nicht einzuschätzen, was auf uns zu kommt, was in der Autorin vorgeht, wie sie ihre Protagonistin Juliane Rettemi nach dem Tod ihres Vaters, der nicht ihr leiblicher Vater ist, weiter leben und handeln lässt. Für mich stand die Frage nach der Suche des richtigen Vaters zunächst im Vordergrund. Sie wurde jedoch nicht direkt beantwortet, doch im Nachhinein weiß ich, dass – wie so oft im Leben – der Weg das Ziel ist.

„Ich frage mich, ob ein Küken Schmerzen empfindet, wenn es aus dem Ei schlüpft. Einmal hatte ich schon eine Blase durchbrochen, die mich beschützt hat, und es war schmerzhaft gewesen.“

Eigentlich gehen wir immer noch der Frage auf den Grund: wer oder was sind Pheen wirklich? Ist Juli eine Phee? Was machen Pheen? Sind sie gefährlich für die Gesellschaft oder sind sie nur „eine Erfindung des kollektiven Unbewussten“, damit es ein Feindbild gibt, dem alles Schlechte zugeschoben werden kann und gegen das gekämpft werden darf? Die Kluft zwischen Normalen, Pheen und Freaks wird dadurch immer größer. Ein Verständnis, ein Verstehen wollen, ist nicht in Sicht. Ängste steigen ins Unermessliche, eine Krisensituation untermauert von Vorurteilen und Gewalt ist kaum abzuwenden. Und es bleibt weiterhin die Frage: Wer ist denn nun gut und wer böse? Wem kann Juli vertrauen? Kann sie sich selbst überhaupt noch trauen?

„War ich besonders dumm, besonders blind, dass ich keine Ahnung hatte, in welcher Welt ich lebe.“

Ich frage mich immer wie der „Spiegel“ in den Titel passt. Zum einen ist die Welt, die Gesellschaft, in der Juli lebt sicher ein Spiegel unserer eigenen, zum anderen ist es manchmal ganz gut einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, um auf den Boden der Tatsachen zurück kehren zu können. Doch ist es nicht oft auch so, dass man im Spiegel auch gerne mal das sieht, was man sehen möchte?

FAZIT:
„Spiegelriss“ ist kein typischer zweiter Teil, in dem erklärt und beschrieben wird, Geheimnisse aufgedeckt, aber auch neue ausgegraben werden. „Spiegelriss“ ist spannungsgeladen, schnell, bedrückend, schockierend und stellenweise brutal. Je mehr der Leser mitdenkt, umso mehr gelingt es ihm in Julis Welt einzutauchen. Ein flaches weg lesen des Romans ist nicht möglich und ich habe auch hier das Gefühl, dass ich das Buch beim zweiten Mal lesen / hören noch besser verstehen kann, als beim ersten Mal. Auch wenn sich viele Gedanken in den Vordergrund drängen bleibt es nicht aus große Emotionen zu fühlen. Emotionen, die mir tief unter die Haut gingen und dort die Härchen aufstellten aufgrund erschütternder Ereignisse und Geheimnisse. Alina Bronsky konnte mich wieder einmal mit ihrer literarischen Qualität begeistern, berühren und in ihren Bann ziehen. Tief bewegt und bedrückt bleibe ich zurück und wünsche mir nichts so sehr, wie den dritten Band in Händen halten zu können, von dem ich auch wieder behaupten kann: ich habe Null Ahnung, was darin wohl passieren wird ...
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