Kundenrezension

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Referenzalbum der 80iger YES, 3. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Big Generator (Audio CD)
War 90125 noch als unabhängiges Bandprojekt mit dem Namen CINEMA gedacht, wurde mit Jon Andersons Rückkehr plötzlich ein YES-Projekt daraus. Diesmal sah man sich der großen Aufgabe gegenüber tatsächlich ein YES-Album aufnehmen zu müssen und dem Erfolgsdruck nach einem Millionenseller standzuhalten. BIG GENERATOR hat zweieinhalb Jahre verschlungen, die recording credits lesen sich wie ein Reiseführer (ja auch auf den Bahamas hat man aufgenommen und in einem französischen Schloss), und es gab wohl erhebliche Spannungen innerhalb der Band.
Vor allem Anderson konnte wohl seine musikalische Version nicht wirklich durchsetzen, das hört man BIG GENERATOR auch an, aber Andersons Leistungen schmälert dies in keiner Weise. Hauptakteur hier ist sicherlich Trevor Rabin, der auf der Gitarre neue Maßstäbe setzt das zu einer Zeit in der die Gitarre in der Musik immer weiter in den Hintergrund trat.
Insofern könnte man in diesem Album auch einen Exkurs in modernem Gitarrenspiel sehen.

Ich finde BIG GENERATOR weitaus gelungener als 90125, versucht sich die Band doch hier mehr auf die eigene Vergangenheit zu besinnen. So finden sich mit SHOOT HIGH AIM LOW, FINAL EYES und I'M RUNNING kleine Mini-Epen auf BG, die durchaus eine Remiszenz an die Progrock-Wurzeln von YES darstellen. Ansonsten versucht man natürlich dem Erfolgsrezept von 90125 treu zu bleiben. Mit RHYTHM OF LOVE findet sich gleich zu Anfang ein würdiger Nachfolger von Owner of a Lonely Heart wieder.
Guter Dancefloor-Rock mit tollem Gitarrensolo, viele kleine Gimmicks und einem für YES recht ungewöhnlichen Text voller Zweideutigkeiten.
Das kitschige Intro kann in der Hinsicht eigentlich nur ironisch gemeint sein.

Der Titelsong, mehrheitlich gehasst, stellt für mich das erste Highlight des Albums dar.
Eine richtige Pop-oder Rockmusikstruktur lässt sich hier nicht wirklich erkennen. Von der Be-Bopartigen Vokalakrobatik des Intros, bis hin zu den schrägen scatähnlichen Gesangsparts von Anderson und Squire (ein altbewährtes Stilelement von YES) und der vertrackten Rhythmik, werden hier verschiedene Jazzelemente zitiert. Die brachial stotternde Gitarre setzt ungewöhnlich harte Akzente, der emotionslose Refrain und der stampfende Rhythmus verleihen der Musik etwas Maschinenhaftes - sehr experimentell und seiner Zeit weit voraus.

SHOOT HIGH AIM LOW hat dagegen sehr viel Raum, episch und atmosphärisch dicht mit Bombast-Refrain, einem phantastischem Gitarren-Solo und allerlei Schnickschnack den die Studiotechnik damals zu bieten hatte ein Klassiker und dem großen YES-Erbe würdig.
Live noch um Längen besser (auf THE WORD IS LIVE nachzuhören).

Dann folgen zwei reine Pop-Songs. ALMOST LIKE LOVE mit etwas irritierendem Bläsereinsatz. Viel Text in rasender Geschwindigkeit von Anderson vorgetragen, der sich fast zungenbrecherisch verausgabt, unterlegt von einem flotten Takt der wieder mal an den Jazz der 40iger und 50iger Jahre erinnert. Schwindelerregend gespielt und wieder ein klasse Solo von Rabin sonst wäre der Song reine Durchschnittsware.
Gleiches gilt für LOVE WILL FIND A WAY. Der sicherlich schwächste Song auf dem Album war die Single. Toller dreistimmiger Gesang interpretiert den wohl peinlichsten Text der Yes-Geschichte (..I eat at chez-nous..). Dennoch das Streicherintro, das Gitarrenorchester von Rabin,
ein eingängiger Refrain und ein Mundharmonika-Solo helfen diesem Song über die Runden. YES erfinden hier nichts Neues, die für damalige Verhältnisse überragende Produktion des Albums macht hier aber vieles wett.

FINAL EYES lässt selige Erinnerungen an And You And I aufkommen ohne dessen Klasse zu erreichen. Gerade Anderson scheint sich hier wohl zu fühlen und singt wie zu seinen besten Zeiten. Ein toller Song, der vor allem durch den Chorgesang im Breitwandformat für Gänsehaut sorgt.

I'M RUNNING ist für mich persönlich DER Höhepunkt auf BG. Zugleich denke ich, daß dies der anspruchvollste und beste Song der YES-West Ära ist.
YES schafft es hier ein halsbrecherisches Calypsomotiv mit dem mystisch, atmosphärischen Strophen/Refrain Part kongenial zu verbinden. Die Band zeigt sich in bester Spiellaune und führt den Hörer lässig durch dieses vertrackte Beispiel handwerklich perfekter Rockmusik. Das ganze mündet in einem fulminanten Finale aus versetztem Chorgesang und recht harten Gitarrenparts und lässt einen atemlos zurück.

HOLY LAMB rauschte dann auch das erste Mal komplett an mir vorbei.
Der einzige echte Jon Anderson Song auf BG, beschließt das Album ebenso kitschig wie es mit dem Intro von RHYTHM OF LOVE begonnen hat. So kitschig, daß es schon wieder gut ist. Der Song klang für mich immer nach Abschied und ein solcher war es dann für lange Zeit auch.

BIG GENERATOR ist ein tolles YES-Album , der Höhepunkt der YES-West Ära, seiner Zeit weit voraus und zu unrecht verschmäht.
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.05.2011 23:59:08 GMT+02:00
Relayer meint:
Absolut richtig!

Veröffentlicht am 27.07.2011 10:24:24 GMT+02:00
Herb meint:
Wie bitte 1987 war die zeit in der die Gitarre immer mehr zurücktrat. WTF. 1987 bis 1992 war die Zeit der großen Gutitar Heroes...

Veröffentlicht am 29.12.2011 18:54:53 GMT+01:00
Viktor Meier meint:
Habe gerade das Album auf Vinyl aus den 80ern gehört und bin hin und weg. So unverbraucht und voller Ideen habe ich mir Yes in dieser Periode nicht vorgestellt. Kann Ihrer review nur beipflichten. Ist und bleibt ein Rätsel warum das Album bei den Höhern durchfällt

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.01.2013 15:39:15 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.01.2013 15:40:57 GMT+01:00
Hesitator meint:
Und wer soll das in diesem Zeitraum bitte gewesen sein? 1987 beherrschten Depeche Mode, Madonna, Jackson, Tina Turner, Pet Shop Boys, Rick Astley etc. die internationalen Charts und setzten damit einen neuen Standard der kommerziellen Musik mit wenig, wenn nicht sogar gar keiner Gitarre. In den Siebzigern sah das noch ganz anders aus. Da war die Gitarre das Hauptinstrument. Das war die Zeit der Guitar Heroes. Natürlich gab es in den Achtzigern Metall und die erste Welle der britischen Gitarrenbands wie U2, Simple Minds etc., aber mir fällt wirklich kaum ein Album aus dieser Zeit ein, auf dem die Gitarre ein so fulminates Stilmittel darstellt wie Rabins Gitarrenpassagen auf BIG GENERATOR. Da gab es wirklich nur wenige Ausnahmen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.11.2013 10:01:18 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.11.2013 10:01:45 GMT+01:00
in genanntem zeitraum gab es zb whitesnake,van halen,steve vai,joe satriani,europe,robert plant,jimmy page,dreamtheater und auch bei bowie trat die gitarre wieder in den vordergrund
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