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5.0 von 5 Sternen Der Mensch konstruiert seine eigene Wirklichkeit!, 2. Mai 2008
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Rezension bezieht sich auf: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit: Eine Theorie der Wissenssoziologie (Taschenbuch)
Im Mittelpunkt des ganzen Buches steht der doppelte Charakter der Wirklichkeit; Wirklichkeit wird hier begriffen als ein dialektischer Prozess. Einmal wird sie von Menschen, von menschlichem Handeln, menschlicher Sinngebung geformt, auf der anderen Seite wirkt die Wirklichkeit wiederum auf die Menschen zurück und setzt - sehr allgemein ausgedrückt - den Wirklichkeitsrahmen für den Menschen. Diesen Prozess bezeichnen Berger/ Luckmann als Prozess von Externalisierung, Objektivation und Internalisierung. Letztlich ist der Aufbau des Buches auch so konstruiert. Nach einleitenden Überlegungen zur Wissenssoziologie und den Grundlagen des Wissens in der Alltagswelt (wichtig zu beachten ist hier immer, dass es das alltägliche Wissen ist, dass uns die Welt als wirklich erscheinen lässt) beschäftigen sich die Autoren mit der Frage, wie kommt es eigentlich dazu, dass uns Gesellschaft als objektive Wirklichkeit erscheint. Hierfür entscheidend ist der Prozess der Institutionalisierung. Da sich der Mensch "nur" über einen reduzierten Instinktapparat auszeichnet, ist er durch Weltoffenheit charakterisiert. Doch wäre seine Existenz fortwährend gefährdet, würde er sich nicht ständig eine Gesellschaftsordnung schaffen, mittels derer er seinen mangelhaften Instinktapparat kompensieren kann. Die Schaffung einer solchen "Ordnung" nennen Berger/ Luckmann Institutionalsierung. Diese kommt im weitesten Sinne dadurch zustande, dass Menschen dazu neigen, ihr Handeln unter Krafteinsparung zu wiederholen (zu habitualisieren) und sofern es dann von andernen - insb. von andeneren Generationen - reziprok übernommen wird, zu institutionalisieren. Ein ähnlicher Prozess ist auch für die Ablagerung (Sedimentierung) menschlichen Wissens zu konstatieren. Da der Mensch nur bewusst einen Teil seiner Erfahrung behält, kommt es zur Bildung von Sedimenten, Erfahrung wird zur Erinnerung und letztlich zu Wissen. Sprache ist dabei das Fundament und Instrument eines kollektiven Wissensbestandes, durch sie wird die Erfahrung allen (intersubjektiv)zugänglich gemacht. Der Mensch selbst hat Anteil an geschaffenen Institutionen, da jede institutionalen Ordnung in der Typsierung eigener und fremder verrichtungen hat. D.h. indem der Mensch bereits typsierte Handlungen übernimmt, übernimmt er eine Rolle, die dadurch erkannt wird, weil er diese typisierte Handlung übernimmt. Mit seiner Rolle repräsentiert er dann die inst. Ordnung. Im Laufe der Geschichte kann es nun dazu kommen, dass bestehende inst. Ordnungen ihre Relevanz für die Mehrheit der Menschen verlieren. Jetzt tritt das Problem auf, wie die geschaffenen Institutionen in die gesamte Gesellschaft integriert werden können. Daher sieht der Mensch sich gezwungen, integrationsfähige Bedeutungen zu schaffen, die für die gesamte Gesellschaft gelten. Er muss also die Gesellschaftsordnung als Ganzes legitiemeren, was auf unterschiedliche Weise passieren kann. Die umfassendste ist die Schaffung einer symbolischen Sinnwelt, die alle Gesellschafts- und Lebensbereiche umfasst. Auch diese Sinnwelt bedarf - wenn sie in Frage gestellt wird - wiederum einer theoretische Stützkonzeptiion oder einer gesellschaftlichen Organisation als Stütze.
Nach dem Berger/ Luckmann zahlreiche Fassetten der objektiven Wirklichkeit durchgehen, widmen sie sich im zweiten großen Komplex ihres Buches der Frage, wie diese obkjektive Wirklichkeit bei den Einzelnen als subjektive Wirklichkeit internalisiert wird. Grob sind bei dieser Internalisierung zwei Typen der Sozialisation (der Einführung eines Individuums in die Gesellschaft) von entscheidender Wichtigkeit. Einmal die Primärsozialisation, die von signifikanten Anderen vermittelt wird und die sekundäre Sozialisation, die von generalisierten Anderen über den menschen kommt. Dabei können beide Formen der Sozialisation in ein Spannungsverhältns geraten und bereits die durch die Sozialisation internalisierte Wirklichkeit muss immer wieder bewahrt werden. Als erfolgreich sozialisiert gilt der Mensch dann, wenn ein hohes Maß an Symmetrie zwichen subjektiver und objektiver Wirklichkeit herrscht, was allerdings in hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaften mit ihren unzähligen Subsystemen als äußerst schwierig gelten dürfte.
Insgesamt bieten die beiden Autoren hier einmal eine grundlegnde Einführung in soziologisches Denken und zum anderen eine fundamental wichtige Analyse für gesellschaftliche Vorgänge. Es lohnt sich, das Buch eingehend zu studieren, denn man entdeckt immer wieder etwas Neues und gewinnt neue Erkenntnisse. Das Buch ist nicht so abstrakt wie es auf den ersten blick erscheinen mag, alle Einsichten der Autoren werden an Beispielen aus Alltag oder Geschichte erläutert, sodass niemals der Eindruck entsteht, dass es sich bei diesem Werk selbst um eine hochgradig abstrakte geistige Konstruktion handelt; denn genau das wollen die Autoren ja nicht.
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