Kundenrezension

53 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Titel passt nicht recht zum Inhalt des Buches, 7. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Ich habe selten ein Buch gelesen, wo der Buchtitel so wenig zum Inhalt gepasst hat wie bei diesem. Ich gebe zu, dass mich der Titel angelockt hat: "Bibelfälscher" klingt schon ziemlich spektakulär. So dass man sich erstmal fragt, ob die Lektüre wirklich seriös ist und Tiefgang hat. Und dann stellt man fest, dass eher das andere Extrem zutrifft. Dass es also wissenschaftliche Fachliteratur ist, für den interessierten Laien nur bedingt geeignet.

Natürlich werden viele interessante Thesen im Buch aufgeworfen: etwa ob Maria wirklich Jungfrau war, Betlehem der Geburtsort Jesu oder ob Paulus Frauenfeind war. Alles Fragen, die so spektakulär klingen wie der Buchtitel selbst. Aber wer sich hier spannende neue Erkenntnisse erhofft hat, wird wohl eher etwas ernüchtert. Denn natürlich kann auch der Autor keine Sensationen bieten, die bisher noch niemand entdeckte. Stattdessen wird zu einem Thema jedes Wort aus der Bibel dreimal hin- und hergedreht, werden theologische Fachaufsätze der letzten Jahrzehnte diesbezüglich zitiert - die Sache ist also recht mühsam, ein rascher Erkenntnisgewinn stellt sich eher nicht ein. Fast fühlt man sich manchmal wie in einem Priesterseminar. Davon zeugen auch solche Überschriften im Buch wie: "Irritationen durch jüdische und pagene Parallelen" oder "Von der beständigen Vertiefung des Ostergrabens".

Es ist aber auch nicht so, dass ich gar nichts aus dem Buch mitnehmen konnte. Stellenweise schreibt der Autor durchaus interessant und auch allgemeinverständlich. Hier nur ein Beispiel: Die letzten Worte Jesus am Kreuz. Erst durch das Buch ist mir bewusst geworden, wie sehr die Evangelien hier voneinander abweichen:

Matthäus : "Mein Gott, warum hast du mich verlassen"
Lukas: "Vater in deine Hände lege ich meinen Geist"
Johannes: "Es ist vollendet"

Diese Versionen sind so verschieden, dass eigentlich nur eine stimmen kann - oder gar keine. Der Autor selbst meint dazu, dass die verschiedenen Versionen vor allem zeigen, dass für die jeweiligen Evangelisten unterschiedliche Dinge wichtig waren. Eine sehr interessante Frage jedenfalls.

Fazit: Es fällt mir sehr schwer, dieses Buch objektiv zu beurteilen. Dafür bin ich zu sehr theologischer Laie. Und für solche ist das Buch wohl eher nicht geschrieben worden, sondern mehr für Wissenschaftler. Dass "unbedarftere" Leser wie mich angelockt wurden, hat der Autor oder sein Verlag aber durch den Buchtitel auch selbst ein wenig provoziert. Ich fand die Lektüre jedenfalls etwas ermüdend. Gleichwohl möchte ich nicht ausschließen, dass das Buch für Theologen eine Fundgrube, ja gar eine Schatztruhe ist.
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Von 3 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.05.2013 09:53:26 GMT+02:00
Montfort meint:
Sie haben offenbar eine Art "Verschwörungsgeschichte" erwartet - genau davor aber graut ja dem Autor.
Dass Verlag und Autor mit dem "reißerischen" Titel Aufmerksamkeit für ihre Sache erregen wollen, finde ich okay, denn wie sollte man das in der heutigen Zeit sonst bewerkstelligen? Herr Müller, Sie haben recht, die Lektüre ist nicht immer einfach. Aber Fragen des Glaubens können nicht in Dan-Brown-Manier abgehandelt werden. Ich finde es gut, dass Sie das Buch trotz des "Missverständnisses" nicht verrissen haben.

Veröffentlicht am 07.05.2013 21:02:46 GMT+02:00
Falk Müller meint:
Sehr geehrter Montfort,

vielen Dank für den interessanten Kommentar. Eine "Verschwörungsgeschichte" hatte ich eigentlich nicht erwartet. Sondern ein Sachbuch, dass man auch ohne größere theologische Vorbildung verstehen kann. So in der Art, wie sie der ehemalige Papst Benedikt geschrieben hat.

Und was den "reißerischen" Titel angeht: Ich glaube nicht, dass sich Autor und Verlag damit einen großen Gefallen getan haben. Weil sie wahrscheinlich erst mal die Menschen abschrecken, die den wissenschaftlichen Wert hätten schätzen können. Oder würden Sie als promovierter Theologe zu so einem Titel greifen, wenn Sie nicht wüssten, dass der Autor ein anerkannter Wissenschaftler ist? Hier wäre vielleicht ein seriöserer Titel die bessere Option gewesen, selbst wenn es das Buch dadurch nicht in die Bestsellerlisten geschafft hätte. Aber ich wünsche dem Buch gleichwohl, dass es seinen Weg findet zu denen, die den wissenschaftlichen Wert zu würdigen wissen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2013 09:40:07 GMT+02:00
Montfort meint:
Nun, ein promovierter Theologe und jeder, der sich mit Exegese beschäftigt, weiß genau, wer Klaus Berger ist! Insofern dürfte es für diesen Leserkreis keine (bösen) Überraschungen geben.
Aber es bleibt eine interessante Streitfrage, ob der Titel nicht zu reißerisch ist. Ich könnte mir vorstellen, dass sich hier der Verlag durchgesetzt hat, frei nach dem Motto: Lasst uns mit den gleichen Waffen kämpfen wie die Verschwörungstheoretiker & Co. Die Botschaft des Buches kommt somit sozusagen als Trojaner rüber ;-)

Veröffentlicht am 10.05.2013 09:06:55 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.05.2013 09:07:43 GMT+02:00
der reißerische und fundamentalismusverdächtige Titel ist wohl angelehnt an den Bestseller von Manfred Lütz, Bluff! Die Fälschung der Welt

Veröffentlicht am 18.05.2013 14:55:19 GMT+02:00
David Keller meint:
Liebe Diskutanten,
der große Verdienst von Klaus Berger ist es, dass er sich traut solche reißerischen Titel über seine Bücher zu setzen und trotzdem sich bemüht für den interessierten und gebildeten Nichththeologen verständlich zu schreiben. Mit ihrer sehr fairen Rezension, Herr Müller, haben sie ja gezeigt, dass es Klaus Berger gelungen ist, die schwierige Materie einem breiteren Publikum zu vermitteln.
Übrigens haben Bergers Bücher eine riesigen Absatz für theologische Bücher. Das ist wohl auch ein Grund, warum er in seiner Zunft so unbeliebt ist.
David Keller.

Veröffentlicht am 20.06.2013 17:29:30 GMT+02:00
Das Buch ist für theologisch vorgebildete Laien oder solche, welche Theologie studieren wollen. Ein "Urlaubsbuch" ist es freilich nicht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.06.2013 14:24:24 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.04.2014 15:55:26 GMT+02:00
Sehr geehrter David Keller, Dieter Bohlens Bücher haben auch einen "riesigen Absatz" - das ist aber keinesfalls per se ein "gutes" Zeichen; hoher Absatz = Qualität? - Und im übrigen hat eine sachliche Auseinandersetzung, zu der Berger kaum noch in der Lage ist (siehe meine Kritik), nichts mit beliebt oder unbeliebt zu tun.
Die Massenproduktion von Titeln (aus den verschiedensten Gebieten der Theologie), und zwar innerhalb kurzer Zeitabstände, läßt bei diesem Autor allerdings handwerkliche Sauberkeit vermissen; B. wehrt sich zwar gegen den (vermeintlichen) Vorwurf des Fundamentalismus, aber die Häufigkeit seiner Abwehrreaktion dagegen und das Verhalten seiner ihm hörigen "Fan-Gemeinde" bei der Bewertung und Beurteilung seiner Elaborate (Bestbewertungen schon VOR der eigenen Lektüre) lassen doch ein wenig hellhörig/ mißtrauisch werden. -
Da sind mir doch die Veröffentlichungen der vielen unbekannteren und im Anspruch auf Anerkenntnis bescheidener auftretenden TheologInnen lieber und wervoller; sie erarbeiten in oft mühsamen Prozessen, daß die biblischen Zeugnisse nicht vom Himmel gefallen sind, sondern zu bestimmter Zeit und an bestimmtem Ort mit konkreten Zielen abgegeben wurden, und werden so, genau so, ihrem Auftrag zu echter Zeitgenossenschaft in Kirche und Gesellschaft gerecht.
PS: Übrigens ist "der" Verdienst = Gewinn, Einkommen, Gehalt! - Dagegen "das" Verdienst = verdienstliche Tat, Tat zum Wohle anderer! - Sie meinten wohl letzteres, haben aber unbewußt den Knackpunkt getroffen, wenn Sie "d e r große Verdienst von Klaus Berger" schreiben!

Veröffentlicht am 19.10.2013 18:46:11 GMT+02:00
J. Hofmann meint:
Wo ist Ihr Problem mit:
Matthäus : "Mein Gott, warum hast du mich verlassen"
Lukas: "Vater in deine Hände lege ich meinen Geist"
Johannes: "Es ist vollendet"
Jesus war ein frommer Jude, der in allen Lebenslagen gebetet hat und zwar die Psalmen.
Jeder der zitierten Evangelisten überliefert einen Teil seines Betens:
Lukas Psalm 31,6, Johannes und Matthäus den Psalm 22. Bemerkenswerterweise zitiert Matthäus sogar das hebräische (eigentlich aramäische Original).
Psalm 22 endet mit den Worten "Ki asah", was soviel heißt wie "er hat es getan" oder "es ist getan" (oder mit unseren pathetischen Worten "Es ist vollbracht") und dieses Ende des Gebets zitiert Johannes. Es ist also alles ein einheitliches Ganzes, das Jesu unbedingtes Vertrauen in seinen Vater ausdrückt.
Sie sagen: "Diese Versionen sind so verschieden, dass eigentlich nur eine stimmen kann - oder gar keine." Eben das ist eine der vielen Legenden moderner Exegeten, gegen die Klaus Berger angeht. Und das mit Recht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.01.2014 00:41:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.01.2014 03:02:33 GMT+01:00
GJWD meint:
@ Hofmann
Ich bin sicher, dass man diese Stellen so auslegen kann, wie Sie es tun; in Glaubensdingen lässt sich unglaublich viel bewerkstelligen. Wir theologischen Laien können da nur noch staunen.
Tatsache ist jedoch, dass gemäß Markus 15, 33 und Matthäus 27, 45 Jesus in den letzten Sekunden vor seinem qualvollen Tod in seiner Sprache das geschrieen hat, was traditionellerweise durch den deutschen Satz "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" ausgedrückt wird. Richtig ist, dass es sich hierbei um ein Zitat aus dem Psalm 22 Davids handelt, und zwar um den Anfangssatz dieses immerhin 32 Verse umfassenden Psalms. Unterstellen Sie im Ernst, dass Jesus in den letzten 10 bis 20 Sekunden seines Sterbens auch noch die restlichen 31 Verse Davids deklamiert hat, um in seiner Sprache mit dem angeblich versöhnlichen 32. Vers zu enden, der übrigens in deutscher Übersetzung NICHT lautet "Es ist vollbracht", sondern "Sie werden verkünden seine Gerechtigkeit einem Volk, das noch geboren wird, denn er hat es getan"? Darf der lehrgemäß ganz Mensch seiende Jesus nicht so viel (tragischer und realer) Mensch sein, dass er wenige Sekunden vor seinem Tod begreift, dass kein Gott sich um ihn kümmert?
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