Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen komen ist uns eine liehtiu ougenweide, 13. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Ougenweide/All die Weil Ich Mag (Audio CD)
Endlich!

Soweit die Kurzfassung.

Nun aber doch noch etwas ausführlicher:

Es ist fast schon ein kleines Wunder, das Bear Family Records da wahr gemacht hat. Die ersten Ougenweide-Alben auf CD - eine Aufgabe, die Polydor resp. Universal nie auf die Reihe gekriegt hat, die nun aber von dem kleinen Label auf geradezu vorbildliche Weise gelöst wurde. Doch mehr dazu später. Erstmal ein paar Worte zur Musik.

Das erste Album "Ougenweide" erschien 1973. Der Ougenweide-Sound befand sich hier noch so ziemlich in seinem Embryonalstadium, und wahrscheinlich wusste die Band zu dieser Zeit selbst noch nicht so ganz genau, wo es für sie in Zukunft hingehen sollte. Neben diesem nicht unüblichen Erstes-Album-Phänomen sind es auch die Frauenstimmen, die zu dem im Vergleich zu späteren Alben noch etwas "anderen" Sound beitrugen: Brigitte Blunck und Renee Kollmorgen (die eine eine halbwegs, die andere eine nicht wirklich begnadete Sängerin) schieden nach dem Debüt aus der Band aus. Die Songauswahl ist nicht immer ganz glücklich zu nennen. Während das „Statement zur Lage der gantzen Musica“ (übrigens eine Passage aus Sebastian Virdungs „Musica getutscht“ von 1511) noch einen gewissen schrulligen Charme verbreitet, riecht z.B. "Sarod" doch arg nach Räucherstäbchen; dasselbe gilt für den Instrumentalteil von "Es stuont ein frouwe alleine". Ein peinlicher Tiefpunkt ist das möglicherweise als Liedermacher-Parodie gedachte, letztlich aber doch irgendwie missratene "Der Sohn der Näherin" – naja, die Melodie ist ja ganz nett... Das Debütalbum enthält allerdings auch einige Momente, die ahnen lassen, wohin die Reise für Ougenweide gehen sollte. "Ouwe", "Nieman kan mit Gerten" und auch der Titelsong stehen den späteren Klassikern in nichts nach. Nicht unerwähnt bleiben darf auch "Der Fuchs", textlich wie musikalisch nicht unbedingt einer der inspiriertesten Momente der Band, aber dennoch ein (wenn nicht DER) Ougenweide-Klassiker.

Bereits ein Jahr nach dem ersten Album folgte "All die weil ich mag", und in diesem Jahr hatte die Band soundmäßig einen ganz gewaltigen Sprung gemacht. Die neue Sängerin Minne Graw, die die Stimme von Ougenweide werden sollte, hatte daran sicher keinen geringen Anteil. Aber auch was die Arrangements angeht wirkt die LP wesentlich selbstsicherer und homogener als der Erstling. Vom Opener „Der Fuchs und der Rabe“ bis zum finalen Vogelgezwitscher von „Einen gekrönten reien“ dominieren die leisen akustischen Töne. Mit diesen beiden Stücken, aber auch mit den "Merseburger Zaubersprüchen" und dem "Palästina-Lied" enthält "All die weil ich mag" einige der größten Momente der Band. Gleichzeitig demonstrieren Ougenweide mit ihrer zweiten LP auch die Absicht, sich nicht aufs Mittelalter festlegen zu wollen: neben der Goethe-Vertonung „Der Rattenfänger“ finden sich mit „Der Rivale“ und „Der Blinde und der Lahme“ noch zwei Texte aus dem 17. bzw. 18. Jahrhundert. „All die weil ich mag“ ist wohl eines der geschlossensten, ausgewogensten Alben von Ougenweide.

Zu den Reissues: nun, allein die Tatsache, dass die Original-Alben nun auf CD zu haben sind, ist ein Fest wert. Und man hat sich ganz offensichtlich große Mühe dabei gegeben. Der Sound ist glasklar – aus den alten Bändern wurde offenbar das Bestmögliche rausgeholt –, das Booklet ist aufwändig gestaltet und enthält unbekannte Bandfotos und die originalen LP-Covers, und auch das Artwork ist, wenn auch etwas beliebig auf „irgendwie mittelalterlich“ getrimmt, hübsch anzuschauen. Was will man mehr?

Nun, ein paar kleinere Mankos gibt es. Sehr schade und fast schon unverzeihlich ist, dass in den Booklets die Übersetzungen fehlen, wie überhaupt den originalen Hüllen-/Beilagentexten keine Beachtung geschenkt wurde. Die Songtexte sind teilweise ungenau wiedergegeben, und es fehlen die üblichen Angaben über Produktion, Studios, Gastmusiker etc. Warum hat man hier nicht einfach sämtliche Texte 1:1 von den LPs übernommen? Klar, der Abdruck der Original-Cover (und im Fall von „All die weil ich mag“ des Original-Textblattes) entschädigt dafür ein wenig; trotzdem wäre es schön gewesen, das Ganze nochmal eigens im Booklet stehen zu haben. Auch fehlen Angaben über die Neuveröffentlichung: wurden die Aufnahmen digital remastert, wenn ja von wem? usw.

Die Linernotes von Ken Hunt werten die CD natürlich schon allein wegen ihrer Ausführlichkeit auf, enthalten für meinen Geschmack allerdings zuviel irrelevantes Gewäsch und kommen nicht auf den Punkt. Hier wäre ein bisschen weniger zur Schau gestelltes Hinter-Hintergrundwissen und dafür mehr Information zur Bandgeschichte schön gewesen. Aber das ist wohl Geschmackssache.

Die großartige Musik überstrahlt jedoch auch diese kleinen Unzulänglichkeiten, und so sind und bleiben diese CD-Ausgaben der ersten Ougenweide-Alben Anlass zu Wonne und Glückseligkeit :-) Freuen wir uns dran und hoffen, dass über kurz oder lang auch die restlichen LPs den Weg auf CD finden werden.
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