Kundenrezension

301 von 337 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und noch ne Rezension, 20. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell (Taschenbuch)
Ein schon jetzt sehr interessanter Roman. Deswegen "schon jetzt", weil er ja noch nicht fertig ist. Ähnlich wie bei Harry Potter, nur noch um einiges langsamer, steht die Zahl der Einzelbände schon fest, nur bis sie mal erscheinen, vergehen viele Jahre. Im Moment haben wir 8 davon, und insgesamt 12 sollen es werden. Wobei der hiesige Verlag aus einem englischen Original immer zwei Bücher macht. Damit lässt sich mehr Geld einnehmen, was ich zwar nicht wirklich toll finde, aber ich werde deswegen keinen Stern abziehen, keine Sorge.

Zur Geschichte ist schon so viel gesagt worden, dass ich da nichts Neues beisteuern kann. Aber ich versuche es trotzdem.

Der Winter steht bevor. In dieser Welt dauern Sommer und Winter immer mehrere Jahre, insofern ist es ganz gut, wenn man beginnt, sich ein paar Vorräte anzulegen. Allerdings hat das Land erst mal andere Probleme.

Es beginnt auf einer Lokalfürsten-Burg, wo Eddard Stark an den Königshof berufen wird, um dort wichtige Aufgaben zu übernehmen. Also geht er mit seiner Familie in die Hauptstadt und gerät in eine Intrige, die dem König und noch vielen anderen das Leben kostet. Die Familie Stark wird in alle Winde verstreut, und jedes Mitglied muss sich auf seine eigene Weise durchbeissen.

Es folgt ein erbitterter Krieg, denn viele Leute fühlen sich berufen, die Nachfolge des Königs anzutreten. Imitten dieses Kuddelmuddels wird leider übersehen, dass sich im ewigen Schnee des Nordens eine Armee, bestehend aus blauäugigen Untoten formiert.

Und dann ist da noch die Geschichte von Daenerys, einer Exil-Prinzessin, deren Vater mal der König war, bis er wegen Wahnsinns abgesetzt wurde. Daenerys wird auf einem anderen Kontinent von ihrem Bruder, der ebenso wie Daddy nicht mehr alle Latten im Zaun hat, an einen Dschingis-Khan-Verschnitt (Khal Drogo) verkauft, damit dieser ihm helfen möge, den Thron seines Vaters zurückzuerobern. Als Hochzeitsgeschenk gibt es drei Dracheneier. Doch bis man herausfindet, wie daraus Drachen schlüpfen, muss so einiges passieren.

Fantasy also. Die Handlung geht mit Magie allerdings so extrem sparsam um, dass man bisweilen den Eindruck hat, einen historischen Mittelalter-Roman zu lesen. Aber warum auch nicht? Historische Romane und Fantasy bedienen immerhin sehr ähnliche Leserwünsche.

Und so beginnt die Geschichte nicht mit Orks und Trollen oder irgendwelchen Energiekugelverschiessenden bösen Mächten, sondern mit Intrigen am Königshof, familiären Tragödien und einer sehr detaillierten Beschreibung der Fantasy-Welt, die einen an England im 12. oder 13. Jahrhundert erinnert. G.R.R. Martin hat sich, was Namen, Orte und Konstellationen angeht, sehr eng an die englischen Rosenkriege angelehnt. So dürfte er bei der Familie Stark das Haus York und bei Lannister Lancaster im Kopf gehabt haben. Es gibt übrigens sehr viele Figuren, Namen, Verwandschaftsbeziehungen, was manche Leser überfordern mag. Die Betonung liegt aber auf MANCHE. Ich zum Beispiel bin mit so etwas eigentlich recht schnell überfordert und muss oft zurückblättern, weil ich nicht mehr weiss, wer wer ist - nicht aber in diesen Büchern. Ich habe kein einziges Mal den Überblick verloren.

Was macht die Faszination dieses Werkes aus? Was hebt es aus der Masse der Fantasy-Romane heraus? Man ist versucht, zu sagen, es sei die Brutalität. Es wird gemordet, verstümmelt und vergewaltigt was das Zeug hält. Sind es die unerwarteten Wendungen? Immer, wenn man denkt, es wird gleich dies und jenes passieren, kommt es völlig anders. Meist katastrophal anders.

Nun, ich denke mal, das Besondere an diesem Zyklus sind die detaillierten und sehr realistisch wirkenden Charaktere, von denen jeder seine guten Gründe hat, zu tun, was er tut. Platte Bösewichte, die die Welt beherrschen wollen, sucht man vergeblich - gottseidank - ebenso wie unfehlbare Helden in nie verschmutzenden Rüstungen. Die Menschen sind Menschen. Sie sind verletzlich, haben Gefühle, Charakterstärken und -schwächen, es gibt Humor ... und sie versagen oft im alles entscheidenden Moment. Wie im wirklichen Leben.

Gelegentlich blitzen auch mal Humor und Lebensmut auf, und da hat der Autor mit der Figur des Tyrion eine Glanzleistung hingelegt. Geboren als zwergwüchsiger Quasimodo, trotz seiner herausragenden Intelligenz verachtet vom eigenen Vater und stets im Schatten seines schönen aber sinistren Bruders, ist er dennoch ein lebensbejahender warmherziger Mensch mit Sinn für weltliche Freuden und einem herrlichen Sarkasmus, der ihn einem sofort ans Herz wachsen lässt.

Ebenfalls bemerkenswert ist für mich die Figur der Arya Stark, eines kleinen Mädchens, das in den Wirren des Krieges nach ihren Verwandten sucht und herumgestossen wird, sich aber dennoch in dieser Welt, die so gar nichts für kleine Mädchen ist, behaupten kann und sich zu einem nicht zu unterschätzenden gefährlichen kleinen Ding entwickelt.

Langer Rede kurzer Sinn: Das ist für mich die derzeitige Referenz für Fantasy. Grossartiger geht es kaum noch. Ein Geniestreich.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.03.2010 20:31:05 GMT+01:00
doctorsacred meint:
Abgesehen von dem kleinen Spoiler, dass der König stirbt (passiert ja doch relativ spät im 1. Buch, muss allerdings scheinbar sein, damit man einen Einblick in die größere Geschichte erhalten kann), eine sehr gute Rezension, die gut wiederspiegelt, warum dieser Roman etwas so Besonderes ist. Tyrion ist auch einer meiner Lieblingscharaktere, wenn nicht sogar der erste unter ihnen. Jedenfalls werde ich diese Rezension, genau so wie sie ist, einem Freund zeigen, dem ich diese Reihe ans Herz legen will. Danke!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.07.2011 21:44:33 GMT+02:00
Hey danke für die tolle information :-)

Veröffentlicht am 11.11.2011 00:04:16 GMT+01:00
Tw3ntyThr33 meint:
Eine wirklich schöne Rezension :) Für meinen Geschmack allerdings zu viele Spoiler. Gott sei Dank bin ich bereits beim zweiten Teil, denn in der neuen Auflage stirbt der König erst in selbiger. Wäre vielleicht nicht schlecht, wenn du die Spoiler kennzeichnen würdest, mir würde sowas den Lesespaß gehörig verderben.

Veröffentlicht am 18.12.2012 12:57:58 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.12.2012 13:01:42 GMT+01:00
Mobbo meint:
Leider zu viele Spoiler :( Bin auf Seite 503 im ersten Buch und wusste daher noch nicht dass der König sterben wird. Dies hat mir gerade doch etwas den Lesespaß an diesem hervorragenden Buch genommen :(

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.03.2013 11:08:19 GMT+01:00
Simon God meint:
Leider ist die Rezi an einer Stelle inhaltlich falsch: Es wird im Original 7 Bände geben. Werden in der deutschen Übersetzung wie bisher alle gesplittet reden wir von insgesamt 14 Bänden und nicht 12.

Veröffentlicht am 03.04.2013 08:21:28 GMT+02:00
Thomas LA meint:
Ich finde dies ist auch ein spannender Roman, über das Leben am Anfang des 20. Jh.
vom Vater des Wunschkonzerts, "Heinz Goedecke" von Paul Collmann.

Als eBook Trilogie hier der erste Teil:
Die kleine Hallig: Roman (Heinz Gödecke)

oder die Printausgabe alle drei Bände in einem Buch:
Heinz Gödecke

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.04.2013 18:03:31 GMT+02:00
Macros meint:
Nunja - als Referenz im Fantasy-Genre kann und darf die Reihe nicht bezeichnet werden - dazu ist es eigentlich zu "artfremd". Zweifellos eine gelungene Geschichte, aber weit,weit entfernt vom Status "Referenz". Quer durch alle Bewertungen hier bei Amazon lässt sich dieser Trend festhalten - Das Lied von Eis und Feuer wird als Fantasysaga ausgelegt, und das ist sie nunmal nicht. Sie ist schlicht eine fesselnde Mittelaltersaga (und in diesem Genre definitiv die REFERENZ) in einer detailreich erfundenen Welt mit einer starken Assoziation zur realen Geschichte.

Nichtsdestotrotz eine der wenigen gelungenen Rezensionen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.10.2013 17:35:12 GMT+02:00
ebut meint:
Das kapier ich nu gar nicht. Und damit meine ich nicht den Rsferenz-Status von ASOIAF, sondern das es keine Fantasy sein soll. Erstens, mal den Autor fragen, der hat es als solche geschrieben, zweitens, der Verlag hat es als solche veröffentlicht, drittens, die Leser halten es mit weit überwiegender Mehrheit dafür.

Und außerdem: Fragen sie mal einen Mittelaltersaga-Fan, was er von einer Mittelaltersaga ohne "sein" Mittelalter hält. Da erlaubt sich GRRM doch ein bissi viel dichterische Freiheit mit dem "richtigen" Mittelalter.

Und zuletzt der ultimative Test: Testen sie eine der zahlreichen Personen mit Fantasy-Allergie auf Symptome bei der Lektüre: Die eindeutige Immunreaktion auf den Fantasy-Inhalt (DRACHEN !) sollte Beweis genug sein.

Aber eine nette Einzelmeinung . . .

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.07.2014 10:16:04 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.07.2014 10:18:10 GMT+02:00
christian_l meint:
Es gab im Mittelalter weder Drachen noch Untote, jedenfalls nach heutigem Wissensstand. Sind Sie im Geschichtsunterricht häufiger mal krank gewesen? ;-)
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