Kundenrezension

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prosaische Poesie zum 100. Geburtstag, 3. November 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Hochzeit des Lichts Neu (Gebundene Ausgabe)
"Mein Herz und mein Gefühl haben diese
Bücher geschrieben, nicht mein Verstand."
(Albert Camus)

Albert Camus (07.11.1913 - 04.01.1960) ist ein Zeitgenosse unserer Träume. Zumindest in diesen frühen Essays brilliert er in einer Sprache und einem Blick für die Natur, das Licht, das Meer und die Menschen. Es sind sehr persönliche Schriften neben dem wunderbaren posthum veröffentlichen Werk "Der erste Mensch" oder in der Rohfassung noch "Adam" genannt.

Die Hochzeit kann eine wirklich Hoch-Zeit des Empfindens sein oder eben der Zusammenschluss von Zweien. Geht man von letzterem aus, versteht man Camus ganz deutlich, denn die mittelmeerische Sonne in seiner Heimat verbürgt eine malerische Verbindung mit dem Meer, mit den Straßen, mit den Menschen in den Orten, den Städten, in der Wüste. Alles erscheint in einem zugewiesenen Licht, je nach Tageszeit von orange-farbiger leichter Erhellung, über die Zeit der kurzen Schatten bis hin zum blutroten abendlichen Meer oder den blutrot gefärbten noch flimmernden Straßen. Steine werden im Licht zu Diamanten. Und in diesem Blick erscheint es für Camus klar: "Im Frühling wohnen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und [...]"; mit diesem Gefühl wird Heimat erneut wahr, werden die Ruinen aus der Vergangenheit freigegeben in die "ewige Kraft, die sie, wie alle fallenden Dinge, in sich zurücknimmt". Wie er die Wüste sieht! Als ein Gleichnis und sichtbare Lehre, dass überall nur Geduld und Liebe uns bis ans klopfende Herz der Welt heran lässt. Dass nur die Natur in ihrer untrügerischen Art sich gegen "billige Bewunderung, malerisches Missverstehen und törichte Träume" verteidigt. Ein Verweigern ohne Verzicht. "Alles hier läßt mich gelten, wie ich bin; ich gebe nichts auf und brauche keine Maske."

Und doch sind seine Essays auch von philosophischer Tiefe. Es geht nicht um das Einzigartige im Denken und doch erscheint die Leichtigkeit Camus einzigartig, wie er mit den Gedanken spielt, sich dem Menschen zuwendet in der Vorstellung eines Prometheus und im Aischylos'schem Gewand spürt, wie tief des Menschen Wünsche sein können, wenn er aus eigener Kraft, aus sich selbst neu wird. Wenn Jugend sich mit verschwenderischen Leichtsinn ins Leben stürzt. Wenn Jungsein zu bedeuten scheint, sich berufen zu fühlen, mühelos und strahlend glücklich zu sein. Wenn die Liebe zum Leben der eigentlichen Liebe entweicht. Wenn das Leben des Menschen ohne Beistand des Geistes sich zu vollziehen hat, nämlich für den Alltag zu sorgen, für Frauen und Kinder. Wenn der Körper nichts von Hoffnung weiß und nur auf den Pulsschlag seines Blutes hört.

Seine Beschreibung der Heimat und sein Denken verkünden ein Evangelium aus Stein, Himmel und Meer. Hier gibt es kein Auferstehen, hier gibt es das Wissen, dass Größe und Güte sich im adeligsten Schauspiel der Natur verbinden, dass solch eine Landschaft die Seele ausdorrt, weil sie die Schönheit nicht erträgt. Und gerade seine beredten Rundgänge durch Florenz bezeugen erneut, welch grandioser Beobachter und virtuoser Schreiber dieser Albert Camus ist, mit welcher Bildkraft er den Leser überzeugt.

Der dem zweiten Teil vorangestellte Hölderlin Vers: "Doch du, du bist zum klaren Tag geboren '" kann wirklich selbstbezüglich betrachtet werden. Camus ist zum klaren Tag geboren, er ist bereit, sich von allem abzuwenden, um es in seiner Schönheit neu zu entdecken; er ist bereit, sich vom Menschen zurückzuziehen, um ihm besser dienen zu können. Er sucht seine Einsamkeit als Notwendigkeit für mehr Kraft, für tiefen Atem, für gesammelten Geist, für angemessen Mut.

Wenn es stimmt, dass etwas dem Göttlichen ermangele, solange man ihm nichts entgegenstellt, wie Lukian im Prometheus schrieb, dann weiß man auch mit dieser Schrift, dass es Menschen klaren Blickes gibt, die das Wesen und die Schönheit und damit die Wahrheit entdecken und davon in bester Poesie berichten und damit das Göttliche in ein reines Licht stellen. Camus ist so ein Mensch, er spricht mit jener Charakterstärke, die fern den Wahltribünen allen Meereswinden trotzt durch die Kraft der Reinheit und ihrer Lebenssäfte, eine Kraft, die der winterlichen Welt eine neue Frucht bereiten wird.

"Ich habe nie vermocht, auf das Licht zu verzichten, das Glück des Seins, das freie Leben, in dem ich aufgewachsen bin", sagt Camus in der Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises am 10. Dez. 1957. Er sagt auch, dass seine Kunst Mittel ist, "die größtmögliche Zahl von Menschen anzurühren", ihnen Lebensnahrung zu geben, sei Aufgabe des Künstlers, in dem er seine Ähnlichkeit bekenne. Und in den letzten Tagebüchern von 1959 bekennt er: " [...] ich war fähig, [...] getreulich das Beste meiner selbst zu bewahren."

Nichts anderes - und sehr lesenswert - erfahren Sie hier.
~~
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.11.2013 23:05:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.11.2013 23:21:06 GMT+01:00
cl.borries meint:
Lieber kpoac,
was für eine wunderschöne Besprechung!

Ich habe sehr lange weder hier noch sonst wo hereingeschaut. So vieles hat mir das Schreiben und Lesen hier verleidet. Doch jetzt werde ich wohl rückfällig werden. Zumal meine eigene Leseflaute mangels mich wirklich interessierender Lektüre in einen Zustand der Betrübnis versetzt hat. Zuletzt waren es vorwiegend die großen amerikanischen Erzähler, die mich beglückt haben. Aber ein Kommentar zu Salter auf meiner Seite zeugt von einer solchen Ignoranz und Borniertheit, dass einem jede Freude am literarischen Exkurs vergehen kann.
Beste Grüße

C.Borries

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2013 17:47:56 GMT+01:00
Polystyrol meint:
Orientieren Sie sich bei Ihrer Lektüre an diesem schrecklich prätentiösen Literaturblog von Lothar Struck, dem Handke-Speichellecker? Begleitschreiben? Die Literaturauswahl entspricht nämlich genau oder zumindest ungefähr seiner Besprechungsabfolge...

Veröffentlicht am 09.12.2013 16:20:53 GMT+01:00
Lieber kpoac. auch sie haben "mit Herz und Gefühl" diese Rezension geschrieben - und Herz und Gefühl der Leser erreicht. Wunderbar und leider etwas verspätet herzlichen Dank dafür.
Zur Bemerkung von Polastyrol kein Kommentar.
Ach ja - "!Im Frühling wohnen in Zipasa die Götter" - dieses kleine Büchlein des großen Camus gehört zum Schönsten, was Literatur zu bieten hat. Sie haben es einmal mehr deutlich gemacht.
Beste Grüße aus Köln
Ihr H.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

5.0 von 5 Sternen (2 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (2)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
EUR 18,00
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent

kpoac
(TOP 1000 REZENSENT)   

Top-Rezensenten Rang: 647