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60 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension bezieht sich auf: Das Buch des Wandels: Wie Menschen Zukunft gestalten (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch als wissenschaftlich zu bezeichnen, ist nur auf den ersten Blick haltbar. Statt dessen liefert Matthias Horx hier nicht mehr als eine muntere Plauderei über wissenschaftliche Themen, die aber ohne jede Tiefe und fast ohne brauchbare Belege auskommt. Das wäre möglicherweise nicht so ärgerlich, wenn diese Abhandlung nicht mit einer unglaublichen Penetranz den Anschein von Wissenschaftlichkeit erwecken wollen würde.Im folgenden möchte ich kurz darlegen, warum mich dieses Buch von Seite zu Seite mehr enttäuschte. Denn es fing eigentlich ganz witzig und interessant an... Zu Beginn liefert Matthias Horx eine interessante historische Darstellung des gesellschaftlichen Wandels angefangen mit den früheren Jäger- und Sammler-Kulturen. Doch es dauerte nicht lange, dass ich zum ersten Mal angesichts der Ausführung schlucken musste. Denn da kommt Horx erstmals auf seine Theorie der Meme zu sprechen, ohne diese höchst umstrittene soziobiologische Annahme auch nur im geringsten zu hinterfragen (oder auch nur zu erklären). Gut, da ich durchaus Sympathien für diese Theorie habe, hat mich das nur im Hinblick auf die Redlichkeit der Argumentation gestört. Aber immer stärker sah ich mich mit wirklich störenden Aspekten dieser Abhandlung konfrontiert. Denn es wird tatsächlich nichts wirklich gut und schlüssig erklärt, sondern nur behauptet. Als "Beleg" werden dann oft ungeeignete Graphiken und kontroverse Theorien angeführt (s. die Memtheorie). Zudem führt Horx andauernd die Namen und Zitate großer Philosophen, Psychologen und Naturwissenschaftler im Mund, ohne diesen Beiträgen auch nur entfernt gerecht zu werden. Besonders geärgert hat mich die völlig oberflächliche und falsche Darstellung von John RawlsŽ Gerechtigkeitstheorie, die vom Autor nur zum Anlass für banales BlaBla verschandelt wird. Einen Höhepunkt der Unwissenheit zeigt sich übrigens anhand der Auslassungen zur Spieltheorie. Das Gefangendilemma wurde vom Autor leider nicht verstanden oder bewusst verkürzt und falsch dargestellt (Dass es Unterschiede zwischen der Rationalität im Hinblick auf einfache und wiederholte Spiele gibt, ist bei Horx nicht wirklich angekommen.). Hinzu kommen hilflos scheinende Anmerkungen über die Liebe (Hier sei Horx die Lektüre von Erich Fromm empfohlen.) und zahlreiche andere Themen. Dass ich mit der Argumentation nicht wirklich zufrieden bin, dürfte nun hinlänglich deutlich geworden sein, doch wie sieht es mit den Schlussfolgerungen aus? Die bleiben äußert dürftig und mit sehr wackligen Hinweisen auf Dänemark, die USA oder Island gestützt. So entwirft - wenn man das so nennen darf - Horx das KREATIVE MANIFEST, das sprachlich bewusst in die Nähe von Karl Marx - einen Jugendheld von Horx - gerückt wird. Kreativität heißt also die Zauberformel für alle gesellschaftlichen Probleme. Dass ein grundlegendes Umdenken oder eine ethische Neubestimmung dringend geboten sein könnte, ist für diesen Autor bestenfalls Gewäsch. Und ich wäre seiner Wortwahl gemäß ohnehin nur ein "Alarmist" mit einer angsterfüllten und pessimistischen Weltsicht. Doch lieber das, als der Herr der einfachen Antworten auf komplexe Probleme und der monokausalen Scheinerklärung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
22.05.2010 12:12:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.05.2010 12:19:03 GMT+02:00
Hubertus Fremerey meint:
Sie schreiben "Dass ein grundlegendes Umdenken oder eine ethische Neubestimmung dringend geboten sein könnte, ist für diesen Autor bestenfalls Gewäsch. Und ich wäre seiner Wortwahl gemäß ohnehin nur ein "Alarmist" mit einer angsterfüllten und pessimistischen Weltsicht." Richtig ! Zweifellos ist vieles, was heute geschieht, nicht befriedigend - von den Kriegen in Irak und Afghanistan ueber die Atomplaene in Iran bis zum "Rettungspaket" fuer die PIIGS und die Banken usw.. Nur : Fuer Jammern und Haenderingen bekommt man keinen Orden, den bekommt man fuer die realen Veraenderungen. Was getan werden muesste weiss man meistens, aber man tut es nicht, falls man nicht gezwungen wird. Kein Abgeordneter der USA haette es bis vor kurzem politisch ueberlebt, fuer hoehere Spritpreise einzutreten. Denn die Waehler wollten ihr Geld fuer anderes als fuer Sprit ausgeben. Das war aus der Sicht der Waehler naheliegender als fuer eine bessere Umwelt auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten. Denn hoehere Spritpreise sind praktisch eine erzwungene Umweltabgabe. Erst als die Spritpreise weltweit in die Hoehe gingen, begann das Umdenken "zaehneknirschend". Selbst jetzt ist der BP-Unfall mit der Bohrinsel in der Karibik eine Folge des Hungers der USA nach billigem Sprit. Es ist doch nich die Schuld von Horx, dass die Menschen sich so verhalten, wie sie es tun. Der Fehler von Kritikern wie Ihnen - und den vielen zustimmenden Lesern Ihrer Kritik - ist doch, dass man zu viel predigt und moralisiert, statt sich auf das Verhalten der Menschen einzulassen. Statt Verkehrsschilder mit Geschwindigkeitsbeschraenkungen aufzustellen, die niemand beachtet, baut man endlich seit langem Verkehrshindernisse in die Strahssen, so dass die Autofahrer gezwungen sind, so langsam zu fahren, wie sie es freiwillig nicht taeten. Das Prinzip gilt auf allen Gebieten : Statt zu predigen muss man bestimmte falsche Verhaltens- und Denkweisen unattraktiv machen oder bestrafen. Alles andere ist leeres Moralisieren und "Alarmismus" : Man bewegt nichts, man erreicht nichts, aber man gibt sich selbst das Gefuehl, ein besserer Mensch und "fuer das Gute und Vernuenftige" zu sein. Horx hat schon Recht.
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