Kundenrezension

25 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Dorf aus Sprache..., 15. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das prämierte Buch der Leipziger Messe wurde schon im Vorfeld mit einem Preis ausgezeichnet nämlich dem Alfred Döblin Preis. Wer es noch nicht weiss: Der Alfred Döblin Preis verleiht unveröffentlichten Texten oder Auszügen, die Garantie der Fertigstellung / Veröffentlichung. Somit war wohl dieser Preis in Leipziger Kreisen zumindest, ein Preis mit Ankündigung. Stanisic beschreibt in seinem Roman ein fiktives Dorf in der Uckermark, in Ostdeutschland der ehemaligen DDR, namens Fürstenfelde. (Komposition aus: Fürstenwerder/Fürstenwalde/Prenzlau/Kraatz) Er stellt dabei altdeutsche Text die bis in 16. Jhd. zurückreichen heutigen modernen Texten gegenüber, das alleine schon ist gewöhnungsbedürftig und kann sich anfangs der Lektüre als sperrig anlesen, das zumindest ich anfangs nicht immer verständlich fand. Ein poröser und hinderlich geschriebener Text der sowohl im altdeutschen, aber auch im modernen Text der sich ständig von Kapitel zu Kapitel abwechselt. Doch was sich anfangs anstrengend anlässt fällt mit der Zeit in einen fliessenden Text, mit dem man sich immer mehr anfreundet. Texte die wie aus einer Chronik erscheinen, können ihren ganz eigenen Zauber haben, gerade wenn sie schon vielleicht 400 Jahre alt sind! (Texte aus dem 16. bis 19. Jhd.) Manches ist poetisch manchmal lustig verfasst, vieles berichtend, vor allem aber erzählend. So richtig einen Plot kann dieses Buch eigentlich nicht vorweisen, denn es sind die vielen Einzelgeschichten, Mythen, Tragödien die von einer erlebten Heimat erzählen wollen. Vielleicht ein moderner Heimatroman, der von einem Dorf erzählen will, dem das Verschwinden droht - jedoch mit seinen Geschichten dagegen hält?

Es sind Geschichten von Menschen und Tieren, vor allem einer Füchsin (Fähe), der hier eine gewisse Schlüsselrolle zugestanden wird. Durch sie verleiht der Autor der Natur eine Stimme. Es sind Geschichten die für sich stehen und doch miteinander schichtweise kreuz und quer unsichtbar miteinander verbunden sind. Sasa Stanisic hat sicherlich ein mutiges und experimentelles Buch geschrieben, dass ihm - wenn auch gewöhnungsbedürftig - sehr gut gelungen ist. Sein Geschreibe kann beizeiten dann eben doch so manches Schmunzeln beim Leser hervorzaubern, was sicher eine der bestechenden Qualitäten des prämierten Buches ist. Ja es sind Porträts von den dortigen Menschen, sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, die aus einer liebevollen Haltung heraus geschildert werden. Wir lesen von einem Glöckner, einem Fährmann, von einem Kesselflicker oder einem Oberstleutnant, Figuren, wie wir sie heute gar nicht mehr finden. Manchmal haben diese Geschichten den Geschmack von Legenden, Stanisic versteht es Begebenheiten oder Geschehnisse die vielleicht dort vor 3- oder 400 Jahren stattfanden, kunstvoll mit der heutigen Gegenwart zu verknüpfen. Selbst ein eingefügtes handschriftlich korrigiertes Textstück über einen Kesselflicker hat seinen ganz eigenen Reiz, weil selbst durchgestrichene Textstellen zum Lesen einladen und verführen. Alles dreht sich hier um das angekündigte Annenfest, es geht um eine Nacht, der Nacht vor dem grossen Fest...Der Name "Anna" steht für verschiedene Frauenfiguren hier, doch das jener, die als Hexe verbrannt wurde, wird anfangs und am Ende erwähnt, fast als eine Art Schutzpatronin für jenes Fest um das diese Geschichte kreist. Eine unscheinbare Figur, über die ganze Zeit wie anwesend zu sein scheint - und doch das Schlusslicht darstellt, zumindest stellt Stanisic genau diese Figur bewusst an das Ende seiner Geschichte. Und vielleicht spielt es so gar keine Rolle, wo das Erzählte genau spielt oder ob es einen schlüssigen Plot vorzuweisen hat, hier geht es wirklich ums seine Umsetzung, also das WIE.

Stanisic lässt durch seine Geschichten ein Dorf neu auferstehen, als ob sie aus Sprache bestehen würde, wie ja die Preisjury in ihrem Text verlautbart. Eine Würdigung an ein Stück Heimat, das zu versinken droht und durch seine Erzählungen wie neu aufersteht. Vieles ist hier einfach klasse gemacht und raffiniert konzipiert, auch wenn ich anfangs einen Bogen um dieses Buch gemacht habe, ist es doch äusserst bestechlich lesenswert! "Vor dem Fest" berührt dadurch nicht nur ein Stück Geschichte und Heimat das zu verschwinden droht, sondern berührt eben dadurch auch das verinnerlichte Gefühl von Heimat, das wir alle in uns tragen. Auch den Verlust von Heimat ist etwas das wir alle kennen, mit Sicherheit ist das einer der Kernthemen dieses Buches. Der Autor wurde ursprünglich in Bosnien geboren und ist 1992 durch den Krieg ausgewandert. Ein Fremder der sozusagen über ein Stück deutsche Heimat schreibt und für den mit Sicherheit "Heimat" auch ein Thema sein dürfte. Stanisic war ursprünglich schon in Klagenfurt beim Ingeborg-Bachmann-Preis- Lesen aufgefallen. 2006 hat der Autor bereits schon Wie der Soldat das Grammofon repariert: Roman veröffentlicht. Sein neuer Roman ist wie ein orchestriertes Werk, gebündelt aus vielen einzelnen Stimmen, das zu einem einzigen Refrain anstimmt: Einer Heimat eine Stimme zu geben- die davon begriffen ist, dem Vergessen anheim zu fallen. Das alleine schon hat eine beachtliche Anerkennung verdient und auch den Leipziger Buchpreis! Chapeau!

Empfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.04.2014 13:21:39 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 24.04.2014 15:43:14 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.04.2014 13:39:09 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 24.04.2014 15:54:38 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.04.2014 16:14:31 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 24.04.2014 17:00:40 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.04.2014 08:26:22 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 24.04.2014 15:54:48 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.04.2014 08:54:11 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 24.04.2014 15:42:53 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.04.2014 10:19:14 GMT+02:00
Das alte Schema. Man schreibt etwas überheblich Dummes, wird darauf hingewiesen, aber weil nicht sein kann, was nicht sein darf, muss man natürlich auf dem Unsinn beharren, koste es, was es wolle. Statt Argumenten kommen dann 1.) Unterstellungen, 2.) Beschuldigungen, 3.) Drohungen, 4.) Herabsetzungen 5.) Leere Parolen.
Wollte Ihr "Kontrahent" sich Ihrer "Preisklasse" anpassen, müsste er intellektuell gewaltig tiefstapeln.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.04.2014 10:21:57 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 24.04.2014 15:54:18 GMT+02:00]
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

3.6 von 5 Sternen (42 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (20)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:
 (6)
2 Sterne:
 (4)
1 Sterne:
 (7)
 
 
 
EUR 19,99
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent

A. Zanker
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Ort: CH

Top-Rezensenten Rang: 249