Kundenrezension

526 von 554 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das ich DAS einmal sagen würde... DANKE, BILD! Im Falle WULFF alles richtig gemacht..., 17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Jenseits des Protokolls (Gebundene Ausgabe)
Ehrlich gesagt, war ich von der "Causa Wulff" seinerzeit genervt und auch etwas irritiert: Keine seiner Verfehlungen fand ich, einzeln genommen, nun wirklich so umwerfend empörend. Ich vermutete, daß hier ein Machtkampf zwischen BILD und Politik ausgefochten wurde, bzw. zwischen diversen Regierungsherrschaften und Frau Merkel. (Als würde KEIN Politiker außer Wulff Vorteile annehmen und genießen...)
Wulffs Verhalten im Laufe der Kampagne gegen ihn allerdings war nun alles Andere als diplomatisch, souverän und überzeugend - und so etwas erwartet man eigentlich von einem Bundespräsidenten, der ein Land repräsentiert. Dass er gehen mußte, war also offensichtlich - und doch fand ich den Häme-Rummel um ihn übertrieben, so als würde nun am IHM etwas abreagiert, was sich in recht langer Zeit in den Bürgern aufgestaut hat. Ist nicht immer fair, aber nun ja, so sind wir Menschen.

Liest man nun die als "Eine Frau rechnet ab!" angekündigten Zeilen der Ex-"First Lady" Bettina Wulff, macht sich Fassungslosigkeit breit: Die Dame ist wirklich und in echt jetzt PR-Beraterin? Wie konnte denn das passieren? Gibt es im Verlag keine Lektoren, gab es auf dem ganzen Weg bis zur Buchveröffentlichung keine halbwegs professionellen Berater? Ging es ALLEN Beteiligten NUR um die Kohle (denn Shitstorm hin oder her - das Buch ist auf der Bestsellerliste und bringt in jedem Fall dem Verlag, der Co-Autorin von der Illustrierten "Freundin" und Frau Wulff eine Stange Geld ein), oder wollte Frau Wulff sich durch diese Aktion tatsächlich in erster Linie in die Herzen des Volkes schreiben? Konnte man sie nicht abhalten, war sie komplett beratungsresistent?

Fakt ist, Frau Wulff hat in ihrer "Abrechnung" nichts zu erzählen, was irgendwie von Belang ist. Wenn ihr Ruf beschädigt wurde durch wen auch immer, ist es ihr gutes Recht, dies juristisch zu verfolgen. Ein Verklagen von Herrn Jauch und Google kurz vor Buchveröffentlichung hingegen wirkt aber eher wie (sehr durchschaubare) PR, denn wirklich Thema waren diese Gerüchte für die Öffentlichkeit nicht.

Wenn sie nun darstellen wollte, wie es hinter den Kulissen von Bellevue ausschaut und wie es ihr ganz persönlich damit ging, ist ihr das mißglückt, klassisch "Thema verfehlt", denn die Kulissen vor, neben und hinter dem Protokoll werden kaum bis gar nicht erwähnt. Dafür geht es ausschließlich um ihre Befindlichkeit, um Hautprobleme, wie unverhofft sie in alles hineingestolpert wurde - Ehe, Repräsentationsfunktion, Bellevue, Termine, Öffentlichkeit, die nicht immer lieb und herzig ist, Designerkleidung, Tatoo... Irgendwie trägt sie für nichts wirklich Verantwortung. Wär alles ganz anders gelaufen, wenn sie ihren Mann nicht kennengelernt hätte. (Kein Quatsch, das steht da wirklich!) Also, Schuld an allem ist doch der Christian, der hat sie damals im Flieger zuerst gesehen, und das mit dem Heiraten war auch SEINE Idee, und Ministerpräsident war er da doch schon, kann Bettina ja nix für! Und dann auch noch Bundespräsident, und sie mußte sich immer Designerkleider überstülpen wie eine Verkleidung über ihr wahres und ichtigstes ICH...

Nochmal die Frage: Wie konnte diese Dame mehrere Semester lang "was mit Medien" studieren und als PR-Beraterin arbeiten, wenn ihr Gala-Momente und die dazugehörende Disziplin im Sich-Verkaufen so zuwider sind?

Nun der Clou, denn sie gibt (nein, gab) ja inzwischen auch einige Interviews dazu... Im Buch kommt ziemlich deutlich der Groll über ihren Gatten raus, der sie einfach so in die oberen 10.000 reingeheiratet hat, der in der Presse so schlecht dastand - sie kam in der Presse viel besser weg, aber immer wurden sie und ihr Mann über einem Kamm geschoren, in einen Topf geworfen, ärgerlicherweise... (Ich schwöre: Auch DAS steht da wirklich!), der so viel falsch gemacht hat, und ZEIT für ihre Bedürfnisse hatte er in den letzten Monaten seiner Amtszeit auch nicht, aber das bereue er ja nun, und sie habe sich extra auf Abstand zu ihm gestellt in seiner schwersten Rede, seiner Abschiedsrede, um zu zeigen, sie wäre eine eigenständige Frau...

Also, nach diesen "Bekenntnissen einer warmherzigen Partnerin" äußert sie sich nach der harrschen Buchkritik verblüfft der Zeitung gegenüber, wie man denn darauf komme, sie würde ihrem Mann das Messer in den Rücken stoßen oder ihn gar fallen lassen - sie war doch mit ihm auf einer Peter-Maffay-Veranstaltung, noch vor kurzem... Und überhaupt habe ihr Mann doch immer als Erstes ihre Kapitel gegengelesen, sie bestärkt und es gut gefunden...

So, da war er, der Moment, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben sagte - völlig unerwartet! - DANKE, BILD, daß Du diesen Hampelmann entlarvt und enthront hast! Wenn ein Mann es tatsächlich GUT findet, daß sein Eheweib ihn jammernd bloßstellt und stolz berichtet, sich in seiner schlimmsten Stunde extra weit weggestellt zu haben vom Geächteten... wenn er es begrüßt, daß sie, die sie finanziell ausgesorgt hat, der Öffentlichkeit mit Geldklagen kommt, wenn er es abnickt, daß sie ein ganzes Buch lang so tut, als müsse außer ihr keine Frau und kein Mann sich beruflichen Pflichten - zeitlichen, Garderobenzwängen, professionellem Verhalten - unterwerfen und als dürfte außerhalb von Bellevue und Großburgwedel jeder von morgens bis abends authentisch und NUR ER SELBST sein - wenn er dieses verwöhnte-reiche-Gören-Geflenne wirklich unterstützt und gefördert hat, können wir alle heilfroh sein, daß solch ein völlig undiplomatischer und taktloser Mann nicht mehr an der Spitze dieses Staates steht!

Dies hat Bettina Wulff mit ihrem Buch eindrucksvoll unterstrichen. Natürlich ist ihr Wunsch verständlich, sich nach verletzenden öffentlichen Berichten mal "anders" darzustellen. Dafür gibt es das Mittel "Interview" bzw. Reportage, bei denen man einen feinfühligen, wohlwollenden Journalisten sein Innerstes preisgibt, der dann professionell berichtet. Das Medium "Buch" hingegen ist komplett falsch gewählt, wenn ich nichts Interessantes zu berichten habe, sondern nur meine Befindlichkeit rausweinen und aufgefangen werden will. Dafür gibts Freunde, Therapeuten, Selbsthilfegruppen. Zuallerletzt benutzt man für so etwas namentlich die eigenen Kinder - mit ihrem 8jährigen Sohn eröffnet sie das Buch - mit seiner kindlichen Frage, ob seine Eltern wirklich Lügner wären. Jetzt darf sich der Rest der Welt mal ordentlich schlecht fühlen...

Dies in Buchform VERKAUFEN, also Leute fürs Zuhören der eigenen Kümmernisse und Befindlichkeiten auch noch zahlen lassen zu wollen und allen Ernstes Lesereisen mit Signierstunden damit zu planen, ist irgendetwas zwischen dumm, dreist und unverschämt.

Der Shitsturm trifft Frau Wulff also völlig zu Recht!
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Kommentare

Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 28 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.09.2012 00:28:43 GMT+02:00
eduw meint:
diese Rezenson (die wirklich eine ist) hat mich mehr leserische Aufmerksamkeit gekostet als das Buch
der Sprachwitz liegt mindestens um den Faktor 5000 höher (mindestens 20 auf einer Seite * 250 Seiten :)
und gedanklich anregend hinzu
Danke

Veröffentlicht am 21.09.2012 11:38:09 GMT+02:00
Elinor meint:
Liebe Katharina, haben Sie vielen Dank für diese Rezension. Ich stimme in allen Punkten mit Ihnen überein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.09.2012 12:48:16 GMT+02:00
Martina Wulf meint:
Herzlichen Dank, liebe gescheite Katharina, dies war für mich die beste Rezension überhaupt. Genauso ging es mir auch, ich war nur nicht willig und fähig, es so auf den Punkt auszudrücken. Auch ich danke der "Bild", dass sie uns unseren Bundespräsidenten richtig präsentiert hat. Traurig ist es nur irgendwie für Angela Merkel, die ihm bis zum Schluss "die Stange gehalten hat". Da hat Frau Merkel bei mir etwas verloren. Sie hätte kritischer mit dieser Witzfigur umgehen müssen. Ich hoffe nur, dass er nie mehr die Umwelt mit seinen Ergüssen beglücken wird. Großburgwedel passt zu ihm wie Deckel auf Pott. Wie er in seinem Büro in Berlin die Zeit totschlagen will, ist mir nicht bewusst. Vielleicht macht Christian Wulff ja wieder Knäckebrotpuzzle.

Veröffentlicht am 21.09.2012 13:30:03 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.09.2012 13:51:49 GMT+02:00
Akazius meint:
Hallo,

sie haben Recht in allem was Sie sagen. Ich hätte es eigentlich nicht besser beschreiben können. ABER, und sie haben es schon anklingen lassen, ein feinfühliger Reporter oder Verleger oder wer auch immer sie auf diesem Weg begleitet hat, hätte erkennen MÜSSEN, dass Frau Wulff sich mit diesem Buch einen super Gau leisten würde. Frau Maibaum hat es geschrieben und wenn jemand weiß, wie Stil, Inhalt und Gestaltung editiert werden müssen damit ein Buch positive Rezensionen bekommt und die Reputation des Autors positiv wird (bleibt), dann SIE. Frau Maibaum hat sie ins offene Messer laufen lassen und jeder der Hetzer hier sticht nochmal nach.
Und wenn schon, dann wollen wir doch mal bei der Wahrheit bleiben: Frau Wulff hat sich nicht über die 3500 Euro beschwert, die sie netto hatten. Sie meinte nur, es reicht nicht um ein ganzes Haus bar zu zahlen. Also Tatsachen verdrehen finde ich völlig unmöglich, sind ja nicht die BILD.
Eigentlich müsste man Angela Merkel auch noch in die Verantwortung nehmen, weil sie Christian Wulff ernennen wollte...
Mir tut die Familie leid.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.09.2012 13:58:35 GMT+02:00
Hallo Katharina,

Eine sehr gute, intelligente Rezension! Wer sicht öffentlich entblöst, ist selber schuld, muss mit den Konsequenzen leben. Oh, Bettina, warum hast du das Gemacht, warum hast du dieses Buch geschrieben? Ikarus und Goethes Zauberlehrling lassen grüßen.

Markus Antonius

David

Veröffentlicht am 21.09.2012 14:03:07 GMT+02:00
Dieda meint:
Bravo! Sehe ich genau so!

Veröffentlicht am 21.09.2012 14:37:08 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.09.2012 14:37:32 GMT+02:00
Zitat: "Wie konnte diese Dame erfolgreich ein Studium in Medienwissenschaften absolvieren ?" .. das ist falsch: siehe Seite 163 im Buch: kein (erfolgreicher) Studienabschluss nach 10 Semestern ohne Diplom geblieben ..

Veröffentlicht am 21.09.2012 14:52:40 GMT+02:00
Schöne Rezension, aber für was gibt's eigentlich den zweiten Stern? Ist doch ein totaler Verriss, ich kann da nix lesen was 2 Sterne rechtfertigen würde. Muß wohl ein Mitleidsstern für die Blamage sein... ;)

Veröffentlicht am 21.09.2012 15:09:59 GMT+02:00
Anna C. meint:
Bravo! Ein sehr guter Kommentar!

Das unglaublich schlechte Sprachniveau ist neben dem Inhalt ein weiterer Punkt, den ich den Wulffs und ihrem Verlag schwer ankreide, denn damit wurde das Amt des Bundespräsidenten gleich noch einmal diskreditiert. Und man ging anscheinend von der völligen Verblödung der potentiellen Leser aus. Soviel Arroganz ist schier unglaublich.

Veröffentlicht am 21.09.2012 15:15:09 GMT+02:00
cf meint:
Dem Text stimme ich fast komplett zu, danke für die exzellente Unterhaltung!
.... aber ....
Ich finde die Rezension schlecht, weil Frau Wulff rezensiert wird und nicht ihr Buch.
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