Kundenrezension

37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Philosemitismus löst kein Problem im Nahen Osten, 10. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma (Broschiert)
"Die Hälfte der Juden der Welt", schreibt Moshe Zimmermann, "leben in den USA" und stellt so die Staatsdoktrin Israels in frage, nach der das jüdische Volk einen Ort, also Israel, braucht, wo die Juden ihr genuines Recht, jüdisch zu sein, gesichert finden. Es gibt längst mehr Orte, an denen das möglich ist. Kühl und faktisch argumentierend geht der israelische Historiker mit den Mythen seines Landes um. In seinem jüngsten Buch, "Die Angst vor dem Frieden", erzählt er auch von der "Straße der Apartheid", einer Landstraße in Israel, die nicht mehr von Palästinensern befahren werden darf. Es gib leider nicht nur die eine. Auch von israelischen Kommunen weiß er zu berichten, die Gemeindesatzungen haben, wonach nur Personen mit "zionistischer Einstellung" dort wohnen dürfen. So schafft man araberfreie Zonen.

Zimmermann ist sich sicher, dass Araber und Israelis in einem "permanenten Angst- und Spannungszustand" leben, der sie am Denken hindert. Unter anderem zitiert er aus dem Buch des jetzigen israelischen Ministerpräsidenten (Ein Platz an der Sonne): "Im Nahem Osten geht Sicherheit vor Frieden und Friedensverträgen". So bleibt der Unfrieden ein Programm, das ständig neue Unsicherheit produziert. An diesem Programm, so Zimmermann, haben immer die ein Interesse, die damit ihre politische Position behaupten können. Und weil er Israeli ist, setzt er sich weniger mit der Hamas, als mit seinem eigenen Regime auseinander. Das findet man in Israel gerne paradox. Aber an der politischen Bewegungsform der Hamas kann der Autor wenig ändern, an den Positionen seines Landes, so hofft er, schon.

Um seiner Regierung ein gewisses Maß an Vernunft beizubringen, erinnert Zimmermann daran, dass israelische Militäraktionen mit schöner Regelmäßigkeit nur weiteren Terror als Antwort gefunden haben. Und neuer Terror neue Militäraktionen und sofort. Längst ist in Israel ein politisch-militärischer Komplex entstanden, der an einer Wagenburg-Mentalität ein eigenes Interesse hat. In diesem Zusammenhang weist der Historiker auf die Friedensinitiative der arabischen Liga aus dem Jahr 2002 hin, die eine Normalisierung der arabischen Staaten zu Israel vorsah, wenn es sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen würde. Der Vorschlag wurde als "typisch arabische Taktik der Täuschung" erst gar nicht in Erwägung gezogen. Als die Initiative fünf Jahre später wiederholt wurde, lehnte man sie erneut ab.

In der jetzigen, von Benjamin Netanjahu geführten Regierung sieht der Autor besonders deren Außenminister, Avigdor Liebermann, als einen Araber-Hasser. Liebermann denkt laut über das Bombardement Irans nach, hat schon mal gedroht den Assuan-Staudamm zu zerstören und repräsentiert immerhin die drittstärkste Partei im israelischen Parlament. Dass zum Beispiel im Holocaust-Museum Yad-Vashem die Texttafeln nur auf Hebräisch und Englisch, nicht aber auf Arabisch abgefasst sind, obwohl das immerhin die Sprache eines Fünftels der Bevölkerung ist, zeigt eine der vielen, alltäglichen Rassismen. Als ein arabischer Abgeordneter zur alljährlichen Gedenkveranstaltung in Auschwitz mitfahren wollte, bekam er Drohbriefe, der Likud-Abgeordnete Danon wollte ihn sogar aus der Delegation ausschliessen. Für Zimmermann ein weiterer Beweis dafür, dass die Denkschablonen notwendig die Angst vor dem Frieden stützen.

Moshe Zimmermann ist ein kritischer Begleiter seiner Gesellschaft, der nur in einer echten Zweistaatlichkeit ein dauerhaft friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sieht. Solche wie er gelten der israelischen Mehrheit als linke Spinner. Der letzte große dieser Kategorie war Ytzak Rabin. Seit seiner Ermordung gibt es für friedliche Positionen in der israelischen Gesellschaft keine Mehrheiten mehr. Dem Buch von Zimmermann, das "Das israelische Dilemma" beschreibt, ist Erfolg zu wünschen. Auch in einem Deutschland, dessen philosemitische Grundhaltung längst nicht mehr zur Problemlösung im Nahen Osten beiträgt.
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1-10 von 16 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.10.2010 00:56:48 GMT+02:00
Schnuffi meint:
"Die Araber wollen uns tot sehen. Wir wollen leben. Da gibt es keinen Kompromiß."

Golda Meir

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.02.2011 16:49:13 GMT+01:00
Und was soll mit diesem nicht einmal indirekt rassistischen Statement Meirs bezweckt werden?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.02.2011 17:28:24 GMT+01:00
Schnuffi meint:
@Dirk Biestmann-Kotte

Wenn Sie die Wahrheit als Rassismus begreifen, dann kann Ihnen nicht mehr geholfen werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.01.2012 17:36:51 GMT+01:00
julaxx meint:
Interessant. Wo ist dieses Statement "nicht einmal indirekt rassistisch"? Es ist vielleicht unzulässig verallgemeinert. Aber das sind die Statements über die Israelis ja auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.09.2012 01:17:34 GMT+02:00
Brian Janssen meint:
"Palästinenser entrüsten sich heute noch über die berüchtigten Worte Meirs, die einmal sagte, es gebe kein palästinensisches Volk."
http://www.hagalil.com/israel/geschichte/golda.htm

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 11:29:00 GMT+02:00
Danial-e Nabi meint:
Golda Meir war aber auch diejenige, die meinte, es habe Palästinenser als Volk nie gegeben...
Sie meinte wohl: es gab nie einen Palästinensischen Staat. (Kein Wunder: die Nationalstaaten des Nahen und Mittleren Ostens wurden ja auch erst von den Europäern im 19. und 20. Jhdt. erfunden.) Aber ein Volk?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.10.2012 12:16:10 GMT+02:00
Tatsächlich hat Frau Meir auch die Existenz des palästinensischen Volkes infrage gestellt. Es war damals auch im Westen üblich pauschal von "den" Arabern zu reden. Mir dieser Prämisse konnte man dann gut sagen, die aus ihrem Land vertriebenen Palästinenser sollten doch zu "den anderen Arabern" gehen. In Deutschland (ausgerechnet) verglich man die Palästinenser gern mit den Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten, die habe man ja auch aufgenommen. Dass die Palästinenser, anders als die Deutschen, weder Millionen Juden umgebracht noch einen Weltkrieg angezettelt haben wird bis heute vornehm übersehen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2012 06:44:54 GMT+01:00
manolito meint:
Dass der Verlust der deutschen Ostgebiete als "gerechte Strafe" für Krieg und Holocaust zu verbuchen ist, stellt eine Geschichtsklitterung der groben Sorte dar. Der Verlust der deutschen Ostgebiete geht auf das sowjetische Expansionsstreben in Richtung Westen zurück, mitsamt der Westverschiebung Polens, dessen Ostgebiete sich Stalin - nach der Demütigung durch Pilsudski - wieder zurückzuholen gedachte. Stalin war übrigens 1939 ein Hauptverbündeter Hitlers und hat in gleicher Dimension die polnische Oberschicht (und die der baltischen Staaten gleich mit) zu Hunderttausenden massakriert. Katyn war da nur die Spitze des Eisberges.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2012 08:00:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.11.2012 08:02:03 GMT+01:00
Thema verfehlt: Weder in der Rezension noch in eine der Zuschriften taucht die These vom Verlust des deutschen Osten als "Strafe" auf. Allerdings muss man schon sehr blind sein, wenn man diesen Verlust nicht als Kriegsfolge begreift. Weder die Polen noch die Russen haben uns damals auf ihre Territorien eingeladen. Und weder die Polen noch die Russen haben diese Krieg begonnen. Das waren, ja, wer war das nochmal?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2012 09:15:09 GMT+01:00
manolito meint:
Wie bitte? Noch nie was vom Ribbentrop-Molotow-Pakt gehört? Das war die Grundlage für den Überfall von Nazi-Deutschland (am 1.9.1939) UND der Sowjetunion (am 17.9.1939) auf Polen. Die Sowjetunion sackte in der Folge nicht nur das Baltikum ein sondern überfiel am 30.11.39 gleich noch Finnland. Aber das kann ja mal vorkommen...
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