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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten., 24. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Die Ethik (Gebundene Ausgabe)
"Die Tugend des freien Menschen zeigt sich ebenso
groß im Vermeiden wie im Überwinden von Gefahren."
(Baruch de Spinoza; 1632-1677)

Spinozas Hauptwerk ist die hier besprochene "Ethik", aufgeteilt in fünf Büchern (I) Von Gott, (II) Von der Natur und dem Ursprunge des Geistes), (III) Von dem Ursprunge und der Natur der Effekte, (IV) Von der menschlichen Knechtschaft oder von der Macht der Affekte, (V) von der Macht de Erkenntnis oder von der menschlichen Freiheit. Die Bücher I und II gründen die Metaphysik, III die Psychologie der Affekte und IV, V die eigentliche Ethik. Metaphysik, Affekte und deren Kontrolle und die Ethik fordern die Befriedung der Vernunft durch steigende Einsicht in den Weltlauf.

"Deus sive natura" - Gott ist für Spinoza gleichbedeutend mit Natur und so beginnt sein Werk mit dem Titel "Von Gott" und definiert ihn insbesondere in I, 11 und 15 als das "einzig Seiende", das wahrhaft von sich aus ist und von nichts abhängt. "Causa sui" - eine Substanz, die singulär ist, doch mit Attributen versehen alle Erscheinung der Natur und des Menschen in sich vereint. Spinoza überwindet so vordergründig den Dualismus Descartes und zeigt, dass die Seinsweisen des Bewusstseins (Geist) wie der Ausdehnung (Körper) in Beziehung gedacht werden können. Beide Formen sind bei ihm nicht Substanz (wahrhaftes Sein), sondern in Anlehnung an die modernen Wissenschaft nur gesetzmäßig wechselnde Attribute, die zu erkennen dem menschlichen Verstand obliegt Bis in den Begriff der "Affektionen" (Erscheinungen bei Galilei) folgt er der Naturwissenschaft, die nichts anderes tat, als den Seinsanspruch zu reduzieren zu Gunsten dessen Berechnung und Erklärung. Selbst sein Werk unterliegt dieser formelhaften Notwendigkeit, endliche Bestimmtheiten in der unendlichen Welt Gottes zu platzieren. "more geometrico" meint letztendlich eine Beweisführung im Sinne Euklids ELEMENTE aus dem Jahre 300 v. Chr. Spinozas Aufbau der Beweisführung schließt damit regelmäßig mit einem "quod erat demonstrandum" (w.z.b.w. bzw. q.e.d.) und ist ein in sich geschlossenes System mit Axiomen, Definitionen Grundsätzen, Lehrsätzen und Folgesätzen. Folglich beruhen die Beweisführungen auf selbst getroffene, im Werk bewiesene Annahmen.

Spinozas Lehre spiegelt die von Thomas Hobbes (1588-1679) insofern, dass er glaubt, dass die Menschen die Dinge nach einer "ewigen Ordnung" selbst erzeugen, in dem sie sie in der Vorstellung gedanklich verknüpfen und zwar vorrangig die "festen und ewigen Dinge". Der Verstand folgt wie die Natur einer "wahren Idee" und ihr Bild ist in der Vorstellung so unverfälscht wie die Geometrie auf Seiten der Mathematik. So sieht Spinoza im Gegensatz zu Descartes die Affekte im Zusammenhang mit den Naturgesetzen. Sein Vorwurf, Handlungen zu belachen und zu verabscheuen, sei nicht die richtige Methode, vielmehr sei es "Verstehen wollen" und so beendet er die einleitenden Worte zu (III) damit: "[...] werde ich die menschlichen Handlungen und Begierden ebenso behandeln, als ob von Linien, Ebenen oder Körpern die Rede wäre". Spinoza versteht unter Affekt die Affektionen des Körpers, durch welche dessen Fähigkeit zu handeln geschwächt oder gestärkt wird, und zugleich die Vorstellungen dieser Affektionen gem. II, 17 E. Diese Betrachtung in (III) irritiert insofern, da der Körper den Geist und vice versa nicht bestimmen vermag. Jedoch mit (I), (II, 6, 7) sollte klar sein, dass die Attribute verschieden sein können beim Betrachten derselben Sache (Substanz). Und hier führt Spinoza bereits aus, was hochmoderne Wissenschaft gerade erst erforscht, nämlich das Freiheit nur in der Einbildung besteht, insofern, dass man glaubt, frei zu handeln, da die Handlungen im Bewusstsein (Denken) sind, die Ursachen, von denen die Handlungen bestimmt werden, jedoch unbekannt sind.

Über Wille, Begierde, Lust, Trauer und andere kommt er zur Aufzählung der Affekte, die dann in die Grundlehren (IV) münden. Gerade hier definiert er, Ethik sei nicht mehr als angewandte Psychologie. Wie in (I) schon propagiert, wird jede Teleologie abgelehnt. Gott und Natur sind nicht zweckorientiert im Handeln, sondern Gott handelt aus Notwendigkeit, damit niemals in Sünde oder unter Fehlern. Dieses vorausgesetzt, sagt, dass alle Begriffe zur Beurteilung menschlichen Geistes entspringen. Ein Urteil setzt zu vergleichendes voraus, damit ist es nicht einzig und in der Folge niemals rein positiv. Sich selbst im Ansatz widersprechend, verbleibt Spinoza jedoch bei den urteilenden Adjektiven gut und böse im Hinblick auf das Streben zur Vollkommenheit. Da niemand in der Natur erwarten kann, nichts Höheres über sich zu haben, gilt dieses auch für den Menschen, der - dieses so betrachtet - unter die "Knechtschaft" oder "Macht der Affekte" fällt und sich nur rettet, indem "Erkenntnis" zu einem stärkeren Affekt wird. Letztendlich strebt Spinoza zum Wesen des Menschen und dieses wieder nur nach der bekannten Methode unter der Ägide der Vernunft (IV, 24) und in dem Sinne auch IV, 18. Hiermit fällt Spinoza in die Denkmuster von Descartes: Vernünftig leben, heißt Intelligenz besitzen. Frei ist, der von der Vernunft geleitet ist (IV, 68) und freier, der in einem demokratischen von der Vernunft geführten Staate lebt. (IV, 73). Spinoza endet mit dem Wunsche nach Glückseligkeit. (V,42) Aus der Erkenntnis des Geistes allein wird sie entstehen. "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten".

Spinoza hatte Enfluss auf Goethe, bestimmte ihn in seiner Sichtweise der Ideen der Romantik. Unter Teilhard von Chardin wurde der Pantheismus Spinozas (Natur=Gott=Natur) zum Pan-en-theismus, in dem Gott der Natur immanent und zugleich transzendent ist. Hier gilt der Verweis auf die Schriften Teilhards. Spinozas Einfluss auf Nietzsche scheint interessant. Sich Gott zu entledigen ist beider Ziel, Spinoza wählte die Gleichsetzung Gottes mit der Natur, Nietzsches Gott ist tot, in dem der Mensch gleichsam die Rolle übernimmt.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.01.2014 18:28:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.01.2014 22:05:52 GMT+01:00
Polystyrol meint:
Offensichtlich hat uns der Lauf der Dinge von der geballten Belanglosigkeit Ihrer neuesten Postpubertätssinnsuche-Rezensiönchen befreit. Bleiben Sie bei dieser Stille und legen Sie noch eins drauf: löschen Sie den ganzen Dunst. Das wirkt bestimmt befreiend. Nicht ausgestellt zu sein mit einer riesigen Klischeeblase.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2014 21:49:03 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 27.01.2014 15:10:32 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.01.2014 22:09:22 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.01.2014 22:14:54 GMT+01:00
Polystyrol meint:
Schön und gut. Nur will ich Leuten wie kpoac, die eine Tendenz zum politischen rechten Rand haben, nicht einfach etwas verzeihen. Was er seit Jahren an zuckersüßen Hyperezensiönchen zu rechtsrechten Theoretikern schreibt und dann auch noch gute Autoren vereinnahmt, ohne sie gelesen zu haben, kann man nicht einfach so ausblenden.

Aber lass stecken, lieber Jürgen. Von Personen, die mit chinesischen Sprichwörteren hantieren, Yoga-Barfuß-Midlifecrisis-Männchen, die auch noch auf Anselm Grün stehen, nehme ich keine Tipps an, wären sie auch für mich gestimmt. Sowas Peinliches muss man einfach ablehnen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.11.2014 21:00:23 GMT+01:00
HM meint:
Sie sollten weniger Polystyrol schnüffeln. Dann klappt's vielleicht wieder mit der Wahrnehmung.
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