Kundenrezension

16 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdiente Vorschusslorbeeren, 16. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (DVD)
Viel wurde im Vorfeld über die Verfilmung von "Der Kleine Hobbit" (J. R. R. Tolkien) geschrieben und spekuliert. Ein Gutteil davon war natürlich Kalkül und dem Hype um den Film - und letztlich auch dem Erfolg - keineswegs abträglich. In einem solchen Fall schrillen beim skeptischen Zuschauer natürlich die Alarmglocken - zu oft erweist sich ein angebliches Meisterwerk als Rohrkrepierer, auch wenn die Zuschauerzahlen etwas anderes sagen. Im Falle von "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" können aber auch die kritischsten Zuseher und die größten Tolkien-Fans beruhigt zugreifen. Der Film ist, obwohl natürlich ein Hollywood-Blockbuster (heutzutage fast schon ein Schimpfwort), hervorragend gelungen und zum Zeitpunkt seines Erscheinens das Opus Magnum von Regisseur Peter Jackson.

Auf die zugrunde liegende Geschichte einzugehen ist in einer Rezension eigentlich nicht notwendig. Es reicht zu sagen, dass Jackson sich sehr genau an die Romanvorlage hält - deren Kürze kommt ihm hier zugute, im Gegensatz zu "Herr der Ringe" musste er beim "Hobbit" nichts weglassen und nur manche Szenen ändern. Allzu grobe Eingriffe in die Handlung des Buches gibt es aber nicht. Eine Befürchtung im Vorfeld war eher umgekehrter Natur - wie sollte es der Filmemacher schaffen, ein so kurzes Kinderbuch in einen epischen Mehrteiler für die Leinwand zu verwandeln? Die Antwort erscheint - zumindest mir als Tolkien-Fan - plausibel: Jackson hält sich nicht nur an die direkte Romanvorlage, sondern verknüpft das Ganze mit weiteren Informationen, die im "Kleinen Hobbit" nicht vorkommen, wohl aber in "Herr der Ringe" (und teils sogar im "Silmarillion") erklärt werden. Ein Beispiel ist "Der Weise Rat" mit Saruman und Galadriel, der im "Kleinen Hobbit" maximal in einem Nebensatz erwähnt wird, während man in "Herr der Ringe" erfährt, dass der Rat parallel zu Bilbos Reise nicht untätig war. Ähnlich ist es mit dem Auftritt von "Radagast", der allerdings in keiner Buchvorlage die Festung im Düsterwald erkundet. Derartige Verknüpfungen gibt es viele - dadurch entsteht ein ausgesprochen homogenes und in sich stimmiges Gesamtbild, das das von Tolkien geschriebene Buch (das auch aus Sicht seines Autors eher isoliert da steht) im Endeffekt sogar übertrifft. Positiver Nebeneffekt ist auch, dass man so ein Wiedersehen mit alten Bekannten feiern kann. So vergeht die lange Spielzeit natürlich wie im Fluge.

Die Schauspieler wurden gut gewählt, auch wenn einige Zwerge (Kili und Fili!) für mein Gefühl ein bisschen zu "menschlich" wirken. Insbesondere Martin Freeman in der Hauptrolle ist aber ein wahrer Glücksgriff für diesen Film. Die Figuren, die die Schauspieler verkörpern, haben - mit wenigen Ausnahmen - das Problem, im Buch so gut wie nicht beschrieben zu werden. Das betrifft eigentlich alle Zwerge (mit Ausnahme von Thorin und Balin). Nachdem das Buch an dieser Stelle einfach nicht deutlicher ist, denke ich dennoch, dass Jackson einen einigermaßen guten Job gemacht hat. Prinzipiell halte ich diese große Zahl an Gefährten für problematisch, aber dafür kann der Regisseur nichts, so ist die Vorlage nun einmal. Zumindest sind die Zwerge optisch ausgesprochen fantasievoll und mit Liebe fürs Detail gestaltet worden. Die Dialoge wurden großteils 1:1 aus dem Buch übernommen, sind also zum Teil sehr einfach gestrickt aber immerhin authentisch.

Drehbuch, Handlung und Besetzung sind also mehr als in Ordnung - wie sieht es mit der Technik aus? Zunächst ist der Soundtrack zu beachten, der erwartungsgemäß episch ausfällt. Allein für das Lied der Zwerge ("Misty Mountains Cold"), dessen Melodie auch das Hauptthema ist, hat sich Howard Shore höchstes Lob verdient. Quasi nebenbei wurden auch immer wieder Versatzstücke aus den "Herr der Ringe"-Filmen eingebaut, somit entsteht auch hier Homogenität und das Gefühl eines großen Ganzen. Dem steht die Optik in nichts nach. Zumindest, wenn man den Stil, den man mittlerweile aus "Herr der Ringe" kennt, grundsätzlich etwas abgewinnen kann. Die Effekte sind gut und professionell - mit einer Ausnahme: Das Tempo ist speziell bei den Kämpfen sehr hoch, was in Verbindung mit dem neuen Bildformat (48 Bilder pro Sekunde) ein gewöhnungsbedürftiges Seherlebnis zur Folge hat. Das fällt zwar irgendwann nicht mehr auf, es bleibt aber der Beigeschmack, dass es Jackson mit der Action ein wenig übertreibt, um die Technik richtig auszureizen.

Haare in der Suppe gibt es tatsächlich nicht sehr viele zu finden. Eventuell hätte man auf den von Kaninchen gezogenen Schlitten von Radagast verzichten können. Ansonsten fällt mir beim besten Willen kein gröberer Kritikpunkt ein. Als Tolkien-Fan muss man allerdings - wie bei Buchverfilmungen üblich - mit einigen, in diesem Fall eher kleinen, Änderungen zur Vorlage leben.

Fazit: Der Film ist - trotz der Kinderbuchthematik - ernst und düster genug, um nahtlos an "Herr der Ringe" anschließen zu können. Es gibt praktisch keine Längen, Technik, Drehbuch und Charaktere stimmen. Klare Höchstwertung für den ersten von drei "Hobbit"-Teilen.

Noch eine kurze Schlussbemerkung: Eigentlich ist es schade, dass Jackson zunächst "Herr der Ringe" verfilmt hat und nun einen so episch ausgedehnten "Hobbit" nachschiebt. Ich denke, mit der "Hobbit"-Erfahrung hätte der grundsätzlich wesentlich tiefergehende Stoff von "Herr der Ringe" noch besser auf der Leinwand zur Geltung kommen können, eventuell auch in mehr als drei Teilen. Aber diese Spekulation ist sowieso müßig - "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" ist einfach ein exzellenter Film.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.01.2013 16:15:10 GMT+01:00
Hab gerade ihre Rezension gelesen, nachdem ich meine auch gerade veröffentlicht hab, und kann ihnen nur zustimmen. Und es war schon wieder eienr unterwegs, der unsere Rezensionen als nicht hilfreich bewertet hat, und das gleichzeitig, find ich schon beachtlich.
Danke aber für ihre gelungene Rezension, die ich mit hilfreich abgedrückt habe, ich hoffe, das machen sie bei mir auch, würde mich freuen. Einer Meinung sind wir ja schon mal !
Beste Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2013 07:51:08 GMT+01:00
Stefan T. meint:
Danke für die Blumen. Nunja, ich denke, dass auch dieser Film - wie so oft - polarisiert. Von daher war mir schon klar, dass es auf eine Rezension zwiespältige Reaktionen geben würde. Ich kann damit leben, hoffe aber dennoch, dass diejenigen, die "nicht hilfreich" klicken die Rezension auch gelesen haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2013 10:37:28 GMT+01:00
Alsi ich glaub, das die, die den Film nicht mögen, aus welchen Gründen auch immer, denn vom Stil her ähnelt er dem Herr der Ringe doch sehr und Jackson hat gar nicht so viel verändert, meiner Meinung sogar einiges noch verbessert, die positiven Rezis auch nicht lesen, sondern einfach schnell als nicht hilfreich abdrücken.
Ich hab auch ne fundierte Rezension hier geschrieben, und was war, sofort waren die ganzen Kritiker aus den Löchern und haben mit nicht hilfreich abgeklickt, wahrscheinlich auch weil ich zu provokant rüberkam. Ich hab aber nun mal die sehr positive Meinung zu "Hobbit" und wiese soll ich die nicht kundtun, ich begründe sie ja auch. Und bei den negativen Rezensionen lese ich immer nur, das der Vergleich zum Buch nicht stimmt, was ja eh grundverschiedene Medien sind, und die Beschreibung einiger Figuren ( Radegast, Trolle ), die ja eh nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Aber das Martin Freeman eine klasse besser spielt, als Elijah Wood, der schauspielerisch wirklich begrenzt ist, das wird nicht erwähnt. Das ist mir alles ein bischen suspekt, zumal man solche Filme heutzutage kaum noch sieht, mit solchen Schauwerten und 3 Stunden ohne Langeweile. Ich glaub man muss nicht immer alles kapieren, auch wie Menschen ticken, für mich auf jeden Fall war es ein Riesenerlebnis wieder nach Mittelerde zurückzukehren und noch mehr über diese fantstische Welt zu erfahren. Das Jackson dabei Künstlerfreiheit bewiesen hat, ist mit Sicherheit kein Grund, einen derart großen Film zu herabzuwerten.
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