Kundenrezension

152 von 162 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Subjektiv und nicht mehr aktuell, 13. Mai 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Darum nerven Japaner: Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags (Taschenbuch)
Als Japanologin mit eigenen Japan-Erfahrungen stößt mir dieses Buch sauer auf. Schon beim Lesen des Vorworts musste ich lächeln: Neumanns Buch war angeblich auch in Japan ein Bestseller (2001 erschienen) und er bedankt sich gleich einmal für "die unzähligen Mails, Briefe und Gespräche" mit japanischen Lesern. Seltsam, ich habe bei all meinen Japanaufenthalten das Buch auf keiner Bestsellerliste und auf keinem Präsentiertisch in einem Buchladen gesehen. Wer des Japanischen mächtig ist, sollte sich die 5 mickrigen Rezensionen zu diesem "Bestseller" bei Amazon Japan durchlesen (Schlagwörter: "Lieblose Verleumdung", "Dummes Geschwätz", "Enttäuschend").

Weitere Kritikpunkte:

- Persönliche Erfahrungen oder Erfahrungen von Dritten werden unreflektiert als japanischer Status Quo abgehandelt. In jedem Kapitel werden japanische Bekannte zitiert, deren Aussagen für den Autor die japanische Realität widerspiegeln. Gegenbeispiele werden nicht genannt und nur selten findet sich ein relativierender Nebensatz, der diese Pauschalverurteilungen etwas abmildern könnte.

- Mit ein paar wenigen Ausnahmen (wohl bei Neuauflage nachträglich eingefügt) bezieht sich der Autor auf das Japan der 90er Jahre, was in Fehlinformationen resultiert, die auf das Jahr 2010 nicht mehr zu übertragen sind. Beispiel: Das so furchtbare Karaoke-Singen habe es nicht in den Westen geschafft, wäre unbeliebt. Für die 90er Jahre mag das noch zutreffend sein, heutzutage klebt in deutschen Großstädten an fast jeder Bar mit jungem Publikum ein Karaokeschild.

- Der Schreibstil ist geprägt von verkrampfter Ironie und pseudo-humoristischen Zaunpfählen. Überspitzte Darstellungen kultureller Eigenheiten könnten durchaus amüsant sein, wie man z.B. in "Die Axt im Chrysanthemenwald" sehen kann, aber Neumann ist nicht mehr sarkastisch, sondern bösartig.

- Neumann benimmt sich in seinen Schilderungen wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen: Cholerisch, provozierend, rücksichtslos und ohne jegliches Feingefühl für seine Mitmenschen, unabhängig von deren Kultur. Wer sich so in einem fremden Land aufführt und erwartet, dass sich alle Anderen anpassen, nur nicht man selbst, braucht sich über negative Erfahrungen nicht zu wundern. Hybris, Selbstverliebtheit und Heuchelei prägen die Erzählungen des Autors. Leider geht das meist nach hinten los. Wenn man sich über die Fremdwörterliebe der Japaner aufregt, sollte man besser selbst dem Drang widerstehen, sich wahllos und sinnfrei aus toten und lebenden Sprachen des europäischen Sprachraums zu bedienen.

- In einem Interview zu seinem Buch gab Neumann zu, dass er selbst nach Bachelorabschluss, mehreren Jahren in Japan und japanischer Freundin nicht ausreichend Japanisch spricht, um sich allen Situationen angemessen verständigen zu können. Gleichzeitig bemängelt er im Buch, nie zu Japanern nach Hause und auf Partys eingeladen worden zu sein (natürlich mit dem Zusatz, das läge allein an den Japanern). Sich trotz mangelnder Sprachkenntnisse und Kontakte solche Pauschalurteile über das japanische Volk zu erlauben, ist mindestens gewagt, eher dreist.
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Von 3 Kunden verfolgt

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1-10 von 27 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.07.2010 12:53:12 GMT+02:00
Danke, deckt sich mit meinen Erfahrungen in Japan. Der Autor ist dort auch in einer Fernsehshow aufgetreten und hat dort etwas zweifelhafte Statements zum 3. Reich abgegeben. Ingesamt scheint er es darauf abgesehen zu haben, den Ruf Deutscher in Japan zu verschlechtern.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.07.2010 19:21:00 GMT+02:00
Icelily meint:
Danke für Ihre Rückmeldung! Aus Interesse: Sind Sie auch Japanologe?

Ich habe mittlerweile auch eine dieser Sendungen gesehen und bin in meinem Eindruck bestätigt worden. Bei uns laufen Studenten im Grundstudium rum, die besser Japanisch können, Mann Mann Mann. Von unpassenden Kommentaren fange ich gar nicht erst an, Sie haben das 3. Reich ja schon erwähnt.

Ich weiß nicht, ob Neumann versucht einen auf Oliver Pocher zu machen und ins Bösartige abdriftet oder ob er tatsächlich diese Ansichten vertritt. Mir erschließt sich der Humor auf jeden Fall nicht, zumal seine Aussagen nicht nur überspitzt sondern schlichtweg falsch sind.

Veröffentlicht am 08.09.2010 03:14:12 GMT+02:00
Naoko meint:
Ich kenne Japan auch ziemlich gut und kann mich ihrer Kritik nur anschließen. Was mich außerdem gestört hat: Das Buch kommt mit seinem Titel so humoristisch daher, so nach dem Motto "Ach ja, die Japaner. So niedlich, aber eben doch auch nervig." Wenn es dann aber beispielsweise um Themen geht wie Abtreibung oder die erschreckende sexuelle Abgeklärtheit von Jugendlichen, frage ich mich, was das noch mit "nerven" zu tun hat. Mal abgesehen von der Richtigkeit der "Fakten", die der Autor anführt: Ist es wirklich "nervig", wenn in einem Land lieber abgetrieben als verhütet wird? Oder ist es nicht eher ein Skandal? "Nervt" es, wenn Jugendliche von einem Bett ins nächste hüpfen, ohne feste Beziehungen einzugehen, oder ist es nicht eher traurig und alarmierend? Für meinen Geschmack hört bei solchen Themen der Spaß auf.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.09.2010 09:43:30 GMT+02:00
Icelily meint:
Das meine ich auch. Und natürlich spielt auch die Aktualität mit, denn das Buch bezieht sich auf die 90er und vieles hat sich in der Zwischenzeit zum Positiven oder auch zum Negativem gewandelt. Es gibt einfach ein falsches Bild von einem den meisten Menschen fremden Land ab.

Manchmal habe ich mich beim Lesen gefragt, in welchen Kreisen der Autor eigentlich verkehrt oder ob seine Bekannten ihn nicht gewaltig auf den Arm genommen haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.09.2010 21:45:06 GMT+02:00
Semilocon meint:
Tja, Neumann schreibt für die BILD-Zeitung. Und genau so schreibt er eben auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.09.2010 04:56:16 GMT+02:00
Icelily meint:
Wirklich? Das wusste ich nicht. Haben Sie vielleicht einen Link zu einem seiner Artikel?

Veröffentlicht am 28.09.2010 20:07:31 GMT+02:00
Alexanda G meint:
Ich kann mich der Diskussion nur anschliessen das dieses Buch die japanische Bevölkerung in einem sehr negativen Licht darstellt und sehr verallgemeinernd ist. Ich hatte immer nur gute Erfahrungen auf meinen Japanreisen gemacht und auch meine japanischen Freunde fanden das Buch recht enttäuschend. Glücklicherweise gibt es recht gute englischsprachige Literatur und meine japanischen Kollegen und Freunde klären mich auf. Ich hatte jedenfalls auch mit (noch) recht schlechten japanisch Kenntnissen nie ein Problem mit Leuten in Kontakt zu kommen oder zu Freizeitaktivitäten eingeladen zu werden aber das liegt wahrscheinlich auch daran das ich versuche mich nicht über meine Gastgeber lustig zu machen oder mich über irgendwelche belanglosen Eigentümlichkeiten des Landes herablassend äussere und mich generell an die Gepflogenheiten des Landes anpasse. Der Autor kommt mir wie so eine typischer alles besser wissender deutscher Nörgler vor der den dummen Japanern zeigen will wie man es richtig macht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.09.2010 05:16:51 GMT+02:00
Icelily meint:
@Alexanda G: Kann ich nur bestätigen. Ich bin seit 2 Wochen wieder in Japan (beruflich) und habe in meinem neuen Umfeld bereits viele Kontakte aufbauen und Freunde finden können. Ich passe mich allerdings auch an, indem ich die Landessprache ausreichend beherrsche und die kulturellen Eigenheiten dieses Landes akzeptiere, auch wenn ich sie persönlich nicht immer toll finde. Auch in Japan ist nicht alles Gold was glänzt, aber mit Offenheit, Rücksicht und Lernwillen kann man hier sehr gut leben, auch als Ausländer.

Veröffentlicht am 11.10.2010 22:57:55 GMT+02:00
J. Schuster meint:
Danke für diese informative Rezension.
Haben Sie eventuell allgemeine Buchempfehlungen zum Thema Japan (ob Mentalität, Eigenheiten, Wissenswertes etc.). Gerne auch englischsprachig.
Danke und Gruß

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.10.2010 09:28:16 GMT+02:00
Icelily meint:
@Johannes Schuster:

Möchten Sie etwas Humorvolles, eine "Gebrauchsanweisung" mit den wichtigsten kulturellen Eigenheiten oder eher eine allgemeine Einführung in Kultur und Geschichte (nicht nur an Touris gerichtet)?
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