Kundenrezension

10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Manches schmerzt!, 16. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über den Schmerz (Taschenbuch)
Wie gewohnt von Lewis liest man in dem Büchlein das typische Lewisch`sche Fabulieren und Räsonieren über Dinge, die jeden denkenden und fühlenden Menschen interessieren müssen, die er aber nicht wirklich fest zu fassen bekommt, sofern er überhaupt zu so viel Selbstbetrachtung und Selbsterforschung neigt wie es bei Lewis der Fall ist.
Auch wenn er das Buch unter der Prämissse geschrieben hat, dass er nicht nach seinen eigenen Grundsätzen lebt. Es hört sich meistens so an, was er zu sagen hat, als sei es seine eigene persönliche Meinung zu einer bestimmten Sache.
Aber nicht nur, denn im ersten Kapitel über die Göttliche Allmacht erklärt er Selbstverständliches und Banales. Gott kann nicht allmächtig in dem Sinne sein, dass er an sich unmögliches möglich macht. Eine Verneinung bleibt eine Verneinung. Das ist ein schwacher Beginn für so ein anspruchsvolles Buch. Aber es wird stärker. Er erklärt uns in dem Kapitel Die Gutheit Gottes", dass sie notwendig ist, weil man sich sonst die Welt wie sie ist, nicht erklären kann. Eine mutige Behauptung, weil ja meist das genaue Gegenteil behauptet wird: So wie die Welt ist, könne Gott nur machtlos oder ungut sein. Lewis überrascht hier mit der Erkenntnis, dass Gottes Liebe sogar noch größer sei als seine Güte. Aber das ist ja schon deshalb klar, weil Liebe ein höheres Gut ist als die Güte, weil sie diese mit beinhaltet.
Typisch für Lewis sind aber auch seine geistreichen Aphorismen, die meist ihren Ursprung in viel Gedankenarbeit haben: "Von allen Mächten verzeiht die Liebe am meisten, aber sie entschuldigt am wenigsten; sie erfreut sich an wenig, aber sie verlangt alles." Das ist eine Beschreibung der biblischen Liebe. Gott gab alles, sein Leben, und verlangt auch alles vom Menschen, dessen Leben. Dafür hat er umfassende Vergebung gegeben, denen, die auch umfassend vergeben.
Lewis holt also weit aus um das Phänomen von Leiden und Schmerzen erklären zu können. Dazu gehört, dass er in einem weiteren Kapitel erklären muss, was die menschliche Bosheit ausmacht. Sie scheint für das meiste Leid in der Welt verantwortlich zu sein. Aber sie kann überwunden werden. Am besten nach den Grundsätzen des Christentums, sagt Lewis. Er erklärt scharfsinnig, dass es auch nur als Christ vollständig möglich ist. Klar, so geht die theologische Aussage.
Lewis versucht es aber nicht allein mit Theologie, die er so oft es irgend geht, versucht zu vermeiden. Er bemüht logische Vernunftschlüsse. Das ist nicht immer überzeugend. Es bleibt ein Rest zu glauben, wie zu erwarten, denn sonst wäre es ja kein Glauben.
In einem weiteren Kapitel setzt er sich mit dem Fall des Menschen, genauer mit der Lehre vom Sündenfall auseinander. Für Lewis ist das Handeln Gottes in Christus nicht ohne den Fall des Adam verständlich. Inkonsequenterweise geht er nicht von einem Mensch Adam aus, sondern denkt an sich entwickelnde Menschengenerationen. Damit verwässert er seine Aussagen wieder. Er ergibt sich in vielen wirren Spekulationen, die auch mit der biblischen Aussage nicht viel zu tun haben. Er zitiert zwar: "Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle wieder lebendig", müsste aber von vielen Christussen ausgehen, damit seine Theorie stimmt.
In den Kapiteln über den menschlichen Schmerz, die besten im Buch, findet man vieles aus der Psychologie. Das Phänomen mit dem Leiden erklärt er aber biblisch so, dass es mit der Durchlebbarkeit der Freiheit des menschlichen Willens zusammenhängt. Die gute Nachricht lautet jedoch, dass Gott jedes Leiden dazu benutzt, den Menschen weiter nach seinem Bild zu formen. Gute Wesensmerkmale kann man nur erwerben, wenn man es will. Wollen kann man es nur, wenn man die Konsequenzen der unguten Wesensmerkmale begriffen hat. Sie können nur fort und fort Leiden hervorrufen.
"Gott hat uns, rein durch die Besachaffenheit dieser Welt, das stabile Glück und die beständige Sicherheit vorenthalten, die wir alle wünschen; aber Freude, Vergnügungen und Fröhlichkeit hat er breiten Wurfs ausgesät. Wir sind niemals sicher- und doch haben wir Spaß die Menge...Das Warum ist unschwer zu erkennen. Die Sicherheit, nach der wir uns sehnen, würde uns dazu verleiten, uns in dieser Welt zur Ruhe zu setzen; sie würde ein Hindernis sein für unsere Rückkehr zu Gott...Unser Vater erfreut uns auf der Reise mit manchen angenehmen Gasthaus, aber er will uns nicht ermutigen, es fälschlicherweise für unser Zuhause zu halten." Solche anschaulichen Beispiele findet man bei Lewis zuhauf, was das schwere Material dazwischen lesbarer macht.
Das Kapitel über die Hölle ergibt sich wieder in Spekulationen, wo Lewis auch Thesen aufstellt, denen er beinahe selbstverständlich unterstellt, dass sie richtig sind, obwohl er keine Beweise dafür liefert. Das ist das schwächste Kapitel seines Buches. Er vergleicht die menschliche Tragödie mit einem Spiel, das man auch verlieren können muss. Als ob Gott mit den Menschen wie beim Hinduismus spielt!
Aber Lewis verkennt nicht, dass die Lehre von der ewigen Höllenqual dafür verantwortlich ist, dass das Christentum als barbarisch verschrien ist. Er stimmt selber zu, dass es sich um eine schreckliche, unerträgliche Lehre handelt. So reißt er das, was er über den gütigen Got der Liebe gesagt hat, selber wieder ein. Seine Versuche das zu relativieren scheitern auf der ganzen Linie. Man merkt ihm an, das ihn das schmerzt. Hier wird aber auch offenbar wie wenig Lewis die Bibel kennt. Obwohl er die Hölle als einen Ort darstellt, indem der Schmerz, der zur Reue führen kann, als Banner der Wahrheit mitten in eine rebellische Festung, sprich den widerspenstigen Sünder, gepflanzt werden könnte. Lewis rechnet nicht damit, dass dies mit jedem Menschen geschehen kann. Warum eigentlich nicht? Dieser wunderbare Gedanke wird nicht einmal erwähnt. Sagt er nicht selber, am Anfag seines Buches, dass für Gott alle Dinge möglich sind, insbesondere die Dinge, die er aus Liebe tut? Die Hölle ist für Lewis ein Ort der grenzenlosen Freiheit aller, die nur sich selbst leben. Freiheit ist aber hier etwas nutzloses, unbefriedigendes.
Am Ende führt Lewis seine Vorstellung vom Himmel aus. Das ist der Ort, wo alles mit Gott eins ist, aber in Vielfalt. Dort gibt es ein immer wiederkehrendes Sterben im Sinne einer Selbstaufgabe, denn "Gottes Absicht ist aber nicht, dass wir zurückkehren in jene alte Selbstigkeit, sondern dass wir fortschreiten zu höchster Unterschiedenheit, um dann auf höhere Weise mit ihm wieder vereinigt zu werden. " Und: "Das Selbst ist dazu da, hingegeben zu werden, und durch die Hingabe wird es desto mehr es selbst, um daraufhin wieder um so mehr sich hinzugeben - und so fort." Ist das nicht eine Beschreibung einer vorzüglichen Ehe?
Sicherlich ein lesenswertes Buch mit einigen Schwächen bei den Spekulationen und mit ermüdender Langatmigkeit, wo der Autor das Gleiche wiederholt. Er will wohl seinen Punkt klar machen, hauptsächlich sich selber. Aber was geht das den Leser an? Da Lewis sich oft auf die Bibel beruft, ist es von Vorteil, wenn man sich in der Bibel auskennt.
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.08.2014 13:55:41 GMT+02:00
"von Vorteil, wenn man sich in der Bibel auskennt..." gilt natürlich auch für den Rezensenten. Ihre Zeilen sind etwas schwierig zu lesen. Ich vereinfache mal und hoffe, es ganz gut zu treffen: Sie glauben nicht an die Hölle als einen realen Ort der ewigen Verdammnis für die Unbußfertigen. Weil Lewis aber doch davon spricht (Sie nennen es "relativieren"), geben Sie ihm einfach mal 3 Sterne. Das können Sie tun, ist zwar unlauter aber nicht so tragisch. Tragisch ist vielmehr, dass Sie sich dabei auf die Bibel berufen, denn die spricht sehr deutlich von der Hölle und so denke ich am Ende, Lewis kennt sich theologisch besser aus als Sie.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2014 18:22:48 GMT+02:00
Roman Nies meint:
Was soll an meiner Bewertung unlauter oder tragisch sein? Tragisch und unlauter ist nur das, was Lewis verbreitet, eine Gräuellehre, die Gott verunehrt, weil sie Ihn als unerbittlichen Gott darstellt, der endlos straft. Natürlich gibt es laut Bibel eine Gehenna. Aber nirgendwo steht, dass sie endlos ist. Die Gehenna ist das, was die Hebräer als Hinnomtal kennen. Ein Ort der Strafe. Die hat bei Gott immer den Sinn der Läuterung. Wenn sie das, was in deutschen Bibeln mit „ewig“ übersetzt wurde, und in Wahrheit „äonisch“, d.h. auf einen Zeitabschnitt beschränkt, verstehen wollen, ist das Ihre Sache. Lewis hat sicherlich vieles in der Bibel verstanden, aber vieles eben auch nicht. Übrigens sind drei Sterne immer noch ziemlich gut.
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