Kundenrezension

25 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was bleibt? Dieser Roman? Ich sage: Nein!, 27. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Gegen die Welt (Gebundene Ausgabe)
Glauben Sie NIE der Werbung - und erst recht nicht, wenn Sie die überschwänglichen Kritiken lesen, die dieses Buch erhielt.
"Großer Roman: Über die Wende in Westdeutschland" - Die Wende wird nur so nebenbei behandelt. Aber das ist ja wohl noch ein Glück. Sonst wäre dieses langatmige, streckenweise höchst langweilige Werk noch weiter mäandert und hätte leicht und locker die 1000 Seiten überschritten. Dabei ist es mit seinen 921 (928) Seiten schon jetzt um mindestens 600 Seiten zu lang.
"Popkultur in der Provinz" - Auch hiervon gibt es (zum Glück) reichlich wenig und doch schon zu viel. Aber Liebhabern von 8os Heavy Metal mag das gefallen.
"Freundschaften, die nie zu Ende gehen" - geschenkt. Fast alle Freundschaften gehen hier durchaus zu Ende. Aber das soll kein Vorwurf an den Autor sein.
"Hier hätten die Brüder Karamasow sich einiges abschauen können: Ein beeindruckender Roman..." - Die Brüder Karamasow sind Romangestalten, werter Herr Kritiker. Und im Vergleich zur Romangestalt Daniel Kuper, dem 'Helden' dieses Romans sind die Brüder Karamasow wahre Lichtgestalten.
"Jan Brandt hat mit diesem gewaltigen Roman viel gewagt und (praktisch) alles gewonnen." - Was er gewonnen hat, ist das Wohlwollen einiger (vieler) Kritiker. Weshalb? Dazu komme ich noch. Was er gewagt hat??? Dass das Buch nicht veröffentlicht wird, und er sich die ganze Arbeit umsonst gemacht hätte. Nun, ich glaube, das wagen mehr.

Der 'Held' Daniel Kuper bleibt merkwürdig blass. Fast nie erfahren wir, was ihn bewegt, was er denkt. Wir erfahren nie, weshalb er sich in welche Richtung bewegt. Er ist ein Wischi-Waschi-Typ, wie er im Buche steht. Leider in diesem Buch. Aber engagiert er sich nicht gegen die Welt, und z.B. gegen vermeintliche Neo-Nazis? Ja doch, aber das WARUM bleibt völlig außen vor. Nennen wir ihn also einen Wischi- oder Waschi-Typ.

Die Story ist aus Versatzstücken zuletzt erfolgreicher Werke zusammengeschustert und bleibt doch am Ende nur Flickschusterei.. Das alles wird in mitunter endlos langen, öden Beschreibungen des Alltags des Daniel Kupers und anderer Personen geschildert. Als z.B. im Dorf Jericho, der Heimat Daniel Kupers, eine Versammlung stattfindet, wird auf zwei Seiten aufgezählt, wer alles da ist: Frau Wolters. Daniels ehemalige Grundschullehrerin, die Familien Kamps und Engberts, Pfeiffer und Reichert.... Bäckermeister Wessels mit seinen drei Angestellten... die Milchfahrer Schoon und Korporal, die jetzt, da die Molkerei stillgelegt war...." - Zeilenschinderei, und das nicht nur einmal! Verschwörungstheorien werden abwechselnd zwischen Realität und Fiktion angesiedelt. Vieles, ja fast alles bleibt hier nur angedeutet. Das mag für manche durchaus seinen Reiz haben, ermüdet aber letztlich.

Wie konnte es aber kommen, dass so (verhältnismäßig) viele Kritiker und Leser das Buch in den höchsten Tönen loben?
Ich nenne es den KIR-ROYAL-EFFEKT (Nicht zu verwechseln mit dem Werther-Effekt!). Kir Royal, diese Fernsehserie aus den achtziger Jahren wurde von den Fernsehkritikern trotz offensichtlich mangelnder Substanz in den Himmel gehoben. Und warum? Weil SIE SICH SELBST und Personen, die ihnen bekannt waren, in den handelnden Figuren wiedererkennen konnten! Ja, sie waren gemeint. Sie, die Schickeria, zu der sie gehörten. Das war Ihre Welt! Und - wie konnte diese Welt schlecht sein! Sie MUSSTE gut sein.
Ähnlich hier: Die Kritiker und Leser, die in den achtziger Jahren aufwuchsen, finden sich in Daniel Kuper (und anderen Personen aus seinem Umfeld) wieder. Das wird ihnen dadurch erleichtert, dass dieser Daniel Kuper wie seine Kumpel Personen bleiben, die keine klaren Konturen erkennen lassen. So dient Kuper als Blaupause, fast jeder aus dieser Generation kann mühelos in ihn hineinschlüpfen oder zumindestens (Daniel: "Zumindest!") wiedererkennen.

Nun ist nicht alles schlecht, was wir hier lesen. Da gibt es zum Beispiel die eingeschobene Geschichte eines Lokführers, die beweist, dass Jan Brandt durchaus etwas zu erzählen hat und dass er es kann. Das hat - bis auf den Schluss vielleicht (?) - durchaus Substanz und ist lesenswert. (Dass es über 150 Seiten nur die untere Hälfte des Buches einnimmt, während oben etwas anderes erzählt wird, soll ja wohl zum Nachdenken anregen: Was will uns der Schriftsteller damit sagen?" - bleibt aber Blödsinn. Es ist allenfalls dazu geeignet um z.B. im Zug (! passend zur Geschichte !) Eindruck zu schinden, wenn man dauernd umblättern muss -- Mann, der kann aber schnell lesen.

Ärgerlich ist u.a. auch der 'Gag' mit der aufgehellten Schrift. Wenn das nur einmal zur Illustration des Erwachens Kupers gebraucht worden wäre... Ein Witz sollte auch nur einmal erzählt werden.
Und schon kommt der Einwand, dass Brandt uns damit doch auch etwas sagen will. Leider will er uns viel zu viel sagen. Auch die im letzten Kapitel gehäuft eingestreuten Versatzstücke, die zeigen sollen, wie gebildet er doch ist, stören nur. Zwischendurch ahmt er auch einmal James Joyce's Ulysses nach. Es sind die Gedankengänge Daniel Kupers, die er in einer (!!) Sekunde hat.(Ja doch! Aber dieses Denken bleibt fragmentarisch und ist mehr eine Art Flashback mit einzelnen Bildern und Gesprächsfetzen - alles ohne Punkt und Komma) - Das geht dann auch über mehrere halbe Seiten (unten lesen wir die Geschichte des Lokführers). Entscheidet sich in dieser einen Sekunde das weitere Schicksal Daniels? Das ergäbe immerhin einen Sinn.

Zusammengefasst kann man aber nur sagen: Mit Hilfe eines Lektors, der sein Handwerk versteht, hätte man das Buch um zwei Drittel kürzen und einen halbwegs brauchbaren Roman bekommen können. So ist es leider nur ein gescheiterter Versuch, etwas Bleibendes zu schaffen.

PS: Da ich aus einem Nachbarort von Jericho komme, sollten... (Bitte selbst ergänzen)
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.07.2013 20:11:44 GMT+02:00
LvP meint:
Warum nehmen Ostfriesen ein Netz mit in die Badewanne? Damit niemand zu weit herausschwimmt!

Und warum nehmen sie zwei Netze mit in die Badewanne? Weil es schon mal jemand geschafft hat.
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