Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Für ein (altes) Neuverständnis der Arbeit und des Arbeitslebens, 16. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Work-Life-Bullshit: Warum die Trennung von Arbeit und Leben in die Irre führt (Gebundene Ausgabe)
Die „Arbeit“ ist im Laufe der Zeiten mit einem sehr unterschiedlichen Stellenwert versehen worden. Als „Leben“, als „Entfremdung“, als „Instrument“, als „störend“ oder „hoch willkommen“, als „Grundlage der Gesellschaft und des Fortschritts“ ebenso wie als „Hindernis zur Selbstentfaltung“ und damit „lästige Pflicht“.

Alleine diese Geschichte der „Bewertung der Arbeit“ in gesellschaftlicher und philosophischer Betrachtung, die Vasek im Buch sehr ausführlich von Aristoteles über bäuerliche Lebensweisen bis zur „Frankfurter Schule“, Hannah Arendt und in die Gegenwart hinein ausbreitet, lohnt schon die Lektüre des Buches. Wie Arbeit das menschliche miteinander und das individuelle Leben geformt hat, wie von einer „Abneigung“ (Aristoteles) über eine „Glaubenshaltung“ (deutscher Protestantismus) hin zu einer „instrumentellen Funktion“ Arbeit jeweils ihren Stellenwert erhalten hat, dass ist schon sehr informativ, flüssig, verständlich und fundiert im Buch zu lesen.

Alles dies aber dient nur der Untermauerung und Vorbereitung des eigentlichen „Plädoyers für die Arbeit“, das Thomas Vasek mit diesem Buch vor Augen führt. Einer, der sich vehement gegen die „moderne Haltung“ der „Work-Life-Balance“ ausspricht und die Wichtigkeit der Arbeit nicht müde wird, zu betonen. Ohne zugleich in ein „kapitalistisches Horn“ einer „24 Stunden Arbeit“ jeglicher Art und Weise zu stoßen.

Aber: „Es ist ein Irrtum zu denken, dass uns Freizeit glücklicher macht als Arbeit“.

Sei es in ihrer individuell rahmenden und regulierenden Funktion, sei es im Sinne eines allgemeinen Fortschritts, sei es im Sinne der Kommunikation und des sozialen Miteinanders, Arbeit ist Teil des Lebens, Arbeit ist sinnvoll und Arbeit ist individuell und gesellschaftlich wichtig. Das „Arbeit stört“ und das Wichtigste im Leben die „Freizeit“ ist, dagegen wendet sich Vasek entschieden.

Ganz einfach und kaum zu widersprechen ist es, wenn Vasek betont, dass Leben eben Leben ist und wir Lebenszeit „auch“ mit der Arbeit verbringen, diese somit nicht von unserem Leben in irgendeiner Form abzuspalten ist. Damit dies mit Motivation und Freude gelingt und nicht zum „Burnout“ in Massen führt, bedarf es, laut Vasek, zweier Dinge:

Zum einen, darum kreist sein Buch weitgehend, einer Veränderung der inneren Haltung zur Arbeit im Sinne eines motivierte und sinnvollen Herangehens. Aber nicht „einfach so“ und unter „allen Bedingungen“. Daraus ergibt sich dann in seiner Argumentation, dass politische Initiativen sich intensiv in Richtung einer konstruktiven Gestaltung der Arbeitswelt im Sinne einer „guten Arbeit“ zu richten haben. Menschen blühen auf, wenn sie einer „für sich guten Arbeit“ nachgehen und „verwelken“ wenn ihnen Inhalt, Sinn und Anerkennung durch Arbeit „weggenommen“ wird (was als größtes Problem der Langzeitarbeitslosigkeit gilt).

„Was wir brauchen, ist gute Arbeit – also Arbeit, die uns bereichert und erfüllt“.

Was Vasek nicht einfach nur behauptet, sondern aus mannigfaltigen Richtungen und Anhand eine ganzen Reihe philosophischer Gedanken und Geistesströmungen beredt von allen Seiten her angeht und erläutert.

Nun hat sicherlich bei weitem nicht jeder die Möglichkeit (oder das Glück) in seinem „Traumberuf“ zu landen, wie Vasek selbst und aktuell scheint das Ziel wirtschaftlichen Denkens und Lenkens weniger auf eine „erfüllte Mitarbeiterschaft“ , sondern mehr auf „gefüllte Kassen um jeden Preis“ ausgerichtet zu sein.

Dennoch lohnt die Lektüre des Buches trotz der sehr idealistischen Haltung Vaseks, da er fundiert begründet, ein nachvollziehbares Gegengewicht zum „Freizeithunger“ (der nicht sättigt) in den Raum stellt und letztlich einem konstruktiven Leben „an allen Orten“ das Wort redet. Eher eben in Richtung des „Paradieses“ biblischer Tradition (in dem gearbeitet wurde) als ein „Schlaraffenland“ menschlicher Fantasie, in dem es außer einer Fettleber am Ende wenig Inneres zu gewinnen gäbe.
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