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Kundenrezension

34 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Nachtigallen singen da nicht, 21. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Clean Coder: A Code of Conduct for Professional Programmers (Robert C. Martin) (Taschenbuch)
"Es gibt nicht viel auf dieser Welt
Woran man sich halten kann."
(Die Toten Hosen, Bayern).
Nikolaus Lenau reiste mit ursprünglich grossen Hoffnungen 1832 nach Amerika. Seine Stimmung schlug jedoch schnell um. Er war von diesem zwar tüchtigen, aber grobschlächtigen Volk schwer enttäuscht. Sein Resumee "Die Nachtigallen singen da nicht".
Prinzipiell finde ich das Anliegen des Autors in diesen Buch sehr sympathisch. Er betrachtet Programmieren als Handwerk und will dafür eine Art Zunftverfassung aufstellen. Meine - 1992 gegründete Firma - habe ich sehr bewusst NimzoWerkstatt genannt. "Werkstatt" ist eine Hommage an die "WienerWerkstatt", Nimzo an den Schachspieler A. Nimzowitsch. Ich gebe als Berufsbezeichnung "Bitschnitzer" an. "Software-Engineer" betrachte ich hingegen als Beleidigung.
Ich möchte aber mit dem Autor nicht in einer Gilde sein. Er ist mir schlicht und einfach zu grobschlächtig und ungebildet. Er übt auch sein Handwerk seit einem Projektdebakel im Jahr 1988 nicht mehr aus, sondern ist ins Consulting Business gewechselt. Dort ist er zweifellos erfolgreich. Nur hat Ezzes geben wenig mit der Ausübung eines Handwerkes zu tun. Es ist vor allem viel leichter. Er hat auch als aktiver Handwerker nichts Bedeutendes geschaffen.
Martin betont an mehreren Stellen die Verpflichtung des Programmier-Handwerkers zur Bildung. Nicht nur auf seinem Fachgebiet, sondern darüber hinaus. Er outet sich auch als Opernliebhaber. Eine Handwerksverfassung ist eindeutig keine Programmieraufgabe, sondern ein philosophisches und soziologisches Unterfangen. Im Buch kommen aber nur Zitate von Programmierbüchern (die meisten seine eigenen) vor. Es gibt sehr tiefschürfende Untersuchungen von Richard Sennet zum Thema "Handwerk" und der Qualifikation ([1],[2]).
Ich vermute, dass Martin keinerlei Ahnung von Sennet hat.
Das Buch enthält so manche Programmierweisheit. Aber damit kann wohl jeder alte Programmierhase aufwarten. Es fehlt ihm aber jegliche Fähigkeit zur kritischen Selbstreflektion. Z.B. geht Martin implizit vom Protestantischen Arbeitsethos aus. Aus dieser Perspektive argumentiert er gegen den "Flow" und empfiehlt sogar Techniken, wie man verhindert in den "Flow" zu kommen. Arbeit darf gemäß dem Protestantischen Ethos keinen Spass machen, Lust erzeugen. Selbstverständlich kommt auch M. Csikszentmihalyi im Buch nicht vor. Auch Max Weber und seine Abhandlung über die Protestantische Ethik ist ein "never heard". Martin hat die Prinzipien mit der Muttermilch aufgenommen und hält sie nun für selbstverständlich.
Dafür muss der Martinsche Handwerker auch um 3 in der Früh aus dem Schlaf gerissen die Design-Patterns der Gang of Four von hinten nach vorne heruntersagen können.
Der absolute Antiklimax ist der Schlusssatz des Buches "My machine is a Macbook Pro, 2.8GHz Intel Core i7, with a 17-inch matte screen, 8GM ram, 512GB SSD, with two extra screens". Das ist wohl der banalste Schlusssatz den ich jemals in einem Buch gelesen habe.

Frage meiner Ehefrau: "Bist sicher, dass das nicht vom Hofer-Prospekt ist?". Natürlich bin ich sicher, beim Hofer gibts noch keinen Mac.

Der Schlusssatz von Sennet in [2] lautet: "Da die Menschen nur dann sicheren Halt in ihrem Leben finden können, wenn sie versuchen, etwas um seiner selbst willen gut zu tun, erscheint mir der Triumph der Oberflächlichkeit in Arbeit, Schule und Politik sehr zweifelhaft. Und vielleicht wird die Revolte gegen diese entkräftete Kultur die nächste neue Seite der Geschichte sein, die wir aufschlagen müssen".
Wahrscheinlich würde Martin dieser Satz auch gefallen. Er will auch so etwas sagen, nur fehlt ihm halt das Talent zur Nachtigall.

Stellt sich die Frage, warum der Autor trotzdem eine beachtliche Fangemeinde hat und auch in den übrigen Besprechungen hier gut ankommt. Ich habe nur eine Erklärung. Es gibt nicht viel in der Programmierwelt woran man sich halten kann. Aber es bleibt ja immerhin noch Uncle Bob, wenn man sonst niemand hat. Vielleicht wollen schlichte Programmierer auch gar keine Nachtigall hören.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen möchte sollte keinen gescheiterten Programmierer sondern den gescheiterten Musiker R. Sennet lesen:
[1] R. Sennet: Handwerk
[2] R. Sennet: DIe Kultur des neuen Kapitalismus
[3] R. Sennet: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.11.2012 23:30:16 GMT+01:00
Frank Berger meint:
Hi Chrilly,
Habe mich schlapp gelacht. Wunderbare Rezension!

ciao
Frank

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.11.2012 12:34:44 GMT+01:00
Die Martin-Fans fanden es offensichtlich weniger lustig.
Ich war zunächst über die Nanette Berger ein bisserl verwirrt. Nanette, Nanette, woher kenn ich die? Aber Frank ist natürlich klar.

Veröffentlicht am 14.01.2013 10:52:00 GMT+01:00
Philip meint:
In meinem Buch ist der letzte Satz "It's time for us to adopt a program of apprenticeship, internship, and long-term guidance" - zumindest wenn ich nicht den Appendix zitiere. Dieser Satz fasst sehr gut die Ideologie von Bob Martin zusammen und ist alles andere als ein banaler Schlusssatz.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.01.2013 19:49:09 GMT+01:00
Ja, ich habe etwas polemisch den absoluten Schlusssatz des Buches in Appendix A genommen. Ich weiss nicht, wozu der Appendix A in so einem Buch überhaupt gut sein soll. Es steht auch in keiner Zunftverfassung, welche Hobelmaschine der Innungsmeister in der Werkstatt stehen hat.

Die Conclusion im Kapitel 14 ist: Programmieren lernt man nicht in der Schule bzw. auf der Uni sondern durch Ausübung des Handwerkes. Wenn man einmal Programmieren als Handwerk definiert hat, dann ist das einer der vielen banalen Sätze im Buch. Er ist in dieser Schlichtheit aber nicht richtig. Es ist eine allgemeine Bildung und die Fähigkeit zum logischen Denken auch notwendig. Mein Mathematik-Studium war für meine Programmierkarriere sicher nützlich, obwohl ich beim Studium nicht programmieren gelernt habe (sondern während der Ferialpraxis in einem Chemiewerk).
Ich kenne auch persönlich sehr gute Tischler und Weinbauern. Die sind alle durch die Bank auch außerhalb ihres unmittelbaren Handwerks sehr gebildete Menschen. Eine HTL ist für diese beiden Berufe heute eine Mindestanforderung.

Veröffentlicht am 31.03.2014 23:00:14 GMT+02:00
"Er hat auch als aktiver Handwerker nichts Bedeutendes geschaffen" - mir scheint, dieser Rezensent hat noch nie etwas von Fitnesse gehört?

Bleibt die Frage, warum ich als Entwickler anstelle von Büchern über das Entwickeln lieber Weber und Sennet lesen soll? Klingt für mich, als wäre das eher ein guter Weg um ins "Consulting-Business" zu wechseln.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.04.2014 17:47:14 GMT+02:00
Den Begriff Fitnesse kenn ich von
Achim Sam: Die 24Stundendiät.
Mit der 24Stundendiät nimmt man nicht nur ab, man steigert auch die Fitnesse.
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