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Das lasterhafte Leben des François Villon - mehr als nur ein Historischer Roman,
6. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Um Liebe und Tod. Das lasterhafte Leben des Francois Villon (Gebundene Ausgabe)
Siegfried Obermeier, den der ein oder andere bereits durch seine Historischen Romane kennt, erzählt in diesem Buch Villons Leben als Student, Vagant und Dichter und malt zugleich ein pralles, farbenprächtiges und facettenreiches Bild des französischen Mittelalters.
Ich sehe dieses Buch nicht primär als Historischen Roman, sondern eher als die Biografie des bedeutendsten französischen Lyrikers des Spätmittelalters. Der sprachlichen Kunst Obermeiers ist es zu danken, dass daraus ein spannender Roman geworden ist, bei dem ausnahmsweise nicht Krieg und Kriegsgeschrei im Vordergrund stehen.
François de Montcorbier, genannt François Villon, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahre 1431 in Paris als Kind armer Leute geboren. Montcorbier heißt übrigens auf Deutsch Rabenberg oder auch Galgenberg. Seine Eltern starben früh und so wurde er von dem Kaplan und Juraprofessor Guillaume de Villon am Collège de Navarre adoptiert. Mit ihm verband ihn ein enges, nicht ganz platonisches Verhältnis; er nannte ihn, dessen Namen er 1455 angenommen hatte, in seinem Testament leicht ironisch seinen 'plus que père'.
François Villon muss nach bestandenem Examen am Collège de Navarre wegen einer Messerstecherei plötzlich aus Paris flüchten. Er schließt sich der berüchtigten 'Coquille' an, einem einflussreichen Geheimbund, der einen königlichen Gnadenerlass für ihn erwirkt.
Zurück in Paris macht er sich mit seinen spöttischen Versen und Balladen einen Namen. Nach Beteiligung an einem Raub muss er erneut fluchtartig Paris verlassen und wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Während der Bischof von Orléans seine Hinrichtung betreibt, wird er am Hof des Herzogs von Orléans gefeiert. Seine Gedichte und Balladen erfreuten sich wachsender Beliebtheit sowohl in den Spelunken der Pariser Halbwelt als auch am Hofe des Herzogs. Villon starb bereits 1463, mit nur 33 Jahren.
Nach ca. 1550 geriet Villon weitgehend in Vergessenheit. Erst viel später, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeinflusste Villon Lyriker wie Paul Verlaine und Arthur Rimbaud, die sich als 'poètes maudits' (fluchbeladene/verfemte Dichter) mit ihm identifizierten.
1890 wurde er erstmals ins Deutsche übersetzt und nahm großen Einfluss auf die Autoren des Expressionismus, etwa Georg Heym, Klabund oder den frühen Bert Brecht, der mehrere Balladen daraus - nur leicht verändert - in seine Dreigroschenoper übernahm.
Zu einer Art deutschem Villon sogar wurde der expressionistische Lyriker, Erzähler und Dramatiker Paul Zech. Sein Buch 'Die lasterhaften Balladen und Lieder des François Villon' ist eine äußerst freie Nachdichtung der beiden Testamente und zahlreicher Balladen. Während man Obermeiers Buch liest, sollte man diese Nachdichtung von Paul Zech stets zur Hand haben.
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