Kundenrezension

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stagnation auf höchstem Niveau, 26. März 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Escape from the Shadow Garden (Audio CD)
Die Lobeshymnen auf Magnum-Songwriter Tony Clarkin wollten in den letzten Jahren gar nicht mehr verstummen. Seit dem Comeback seiner Band im Jahre 2002 hat der gewichtige Gitarrist fast ausnahmslos herausragende Kompositionen abgeliefert. Nur "Into the Valley of the Moonking" (2009) lässt die ganz großen Momente hier und da etwas vermissen. Besonders das letzte Album "On the 13th Day" (2012) aber stellt einen Höhepunkt in der Geschichte der Melodic Rocker dar. Sensationell einprägsame Refrains und knochentrockene Hard-Rock-Riffs ergeben die beste Platte der Bandgeschichte. Schwer, das zu toppen.

Logisch, dass es der Nachfolger "Escape from the Shadow Garden" (2014) nicht leicht haben wird. Und wie erwartet reicht die Qualität der 11 neuen Songs nicht ganz heran an das Überniveau des Vorgängers. In gewisser Weise stagnieren Magnum, liefern dabei aber immer noch gute Arbeit ab.

Die Gitarren sind wie gewohnt angenehm wuchtig, die Snare von Harry James nicht mehr so hölzern und steif wie zuletzt, sondern etwas raumfüllender, doch insgesamt wird diesmal mehr Wert auf große Hymnen denn auf harte Kopfnicker gelegt. Alles klingt eine Spur weicher und verträumter, leider aber an manchen Stellen auch wie bereits zigmal (besser) gehört. Zudem ist Al Barrow's Bass vormals grummelnder Bass kaum auszumachen, was den Songs viel Kernigkeit entreißt.

Nur der dramatische Opener "Live 'til you die" verweist noch auf die dezente Metal-Attitüde von "On the 13th Day". Edle Keyboardparts, energische Streicher, Stakkato-Schlagzeug, ein sattes Riff und Sänger Bob Catley mit dem nötigen Punch - klasse Einstieg mit ordentlich Power und fesselndem Arrangement. Magnum wie man sie kennt in den letzten Jahren.

Selbiges lässt sich auch bei "Unwritten Sacrifice" beobachten. Generell fällt auf, dass dieses Mal das Keyboard von Mark Stanway deutlicher im Mittelpunkt steht als auf den vergangenen Veröffentlichungen. Erneut einer dieser unwiderstehlichen Refrains, die man schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Immer noch unfassbar, dass ein derart begnadeter Songschreiber wie Tony Clarkin nie die ihm zustehende Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit erlangt hat. Meines Erachtens befindet er sich in einer Reihe mit den ganz großen Rock-Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Und das auch noch mit Mitte 60.

Mit "Falling for the big Plan" stellt er das abermals unter Beweis. Sicher, der Chorus ist fast die Eins-zu-Eins Kopie des Songs "On the 13th Day", trotzdem begeistert die Nummer von Anfang an. Dynamischer Melodic Rock wie man ihn sonst nirgends derart leidenschaftlich zu hören bekommt.

Bis hierhin geht alles in Ordnung. Das Niveau des Vorgängers wird weitgehend gehalten, doch dann der erste Durchhänger. "Crying in the Rain" ist in den Strofen hübsch aufgemacht, die Hook hätte jedoch gerne etwas einfallsreicher gestaltet werden dürfen. Der Aha-Affekt will sich nicht einstellen. Nettes Liedchen, mehr nicht.

Das straighte "Too many Clowns" bietet da schon mehr. Kerniges AC/DC-Riff und ein räudiger Bob Catley - kennt man so von Magnum eigentlich nicht. Findet sich als Musikvideo auch auf der beiliegenden DVD der Limited Edition wieder. Sicher das härteste Stück der LP, als Referenzsong jedoch nicht direkt geeignet.

Konsequenterweise folgt anschließend die erste Ballade. "Midnight Angel" präsentiert einmal mehr die einzigartigen Storyteller-Qualitäten von Catley. 80er Flair durch und durch, auch wenn der Mittsechziger mittlerweile nicht mehr ganz so voluminös klingt wie einst, sondern eher kratzig und heiser. Dass er nach wie vor einen gigantischen Wiedererkennungswert besitzt, versteht sich dennoch von selbst. Anschmiegsamer Melodiereigen, allerdings fehlt mir auch hier die wirklich überragende Hook. Alles in allem etwas zu solide.

Auch "The Art of Compromise" kann dem Vergleich mit den zeitlosen Bandklassikern nicht standhalten, besitzt aber nichts desto trotz gewaltigen Charme. Satter Gefühlsrock, in dem man sich regelrecht verlieren kann.

"Don't fall asleep" entführt dann erneut in die 80er. Erstaunlicherweise wirkt das Material auf "Escape from the Shadow Garden" oftmals in den Strophen am Intensivsten. In diesem Fall geht allerdings auch der Chorus in Ordnung. Sehr altmodisch aufgemacht und deswegen perfekt, um in Erinnerungen zu schwelgen. Gerne auch vorm lodernden Kaminfeuer in einer kalten, einsamen Nacht. Genau das wünscht man sich ja von dieser Band, insofern alles richtig gemacht.

"Wisdom's had its day" will eine wuchtige Hymne sein, packt mich aber nicht so recht. Zu bieder und vorhersehbar. Ein Ausfall ist sicher was anderes. Zum fortdauernden Drücken der Repeat-Taste verleitet das Stück trotzdem nicht.

Dafür das straighte "Burning River" umso mehr. Der dritte echte Hard Rock Song der LP und insgesamt ihr überzeugendster. Treibend, energetisch und mit enthusiastischem Solo (leider eines der wenigen wirklich hervorstechenden, eigentlich eine Spezialität von Clarkin). Ein Überbleibsel der härteren Tage. Jetzt schon einer meiner Magnum-Lieblingssongs überhaupt. Müsste ich einen Titel dieses Albums auswählen, der für mich besonders herausragt, es wäre dieser. Ich hätte mir mehr davon gewünscht. Das restliche Material ist nicht wirklich schlecht, so richtig mitreissen will es aber an vielen Stellen nicht. Echt schade.

Immerhin ist "Valley of Tears" ein würdiger Abschluss. Auch hier sind es vor allem die Strophen, die begeistern. Je öfter man die Nummer hört, desto mehr gewinnt aber auch der Refrain. Ein weiteres Beispiel für die perfekte Mélange aus Melancholie und überbordender Lebensfreude, die diese Band seit jeher auszeichnet. Beides intensive Gefühle, die oftmals gar nicht so weit auseinander liegen.

Die Limited Edition beinhaltet eine Bonus-DVD mit vier Live-Songs von der letzten Tour. Schnitt- und Bildtechnisch kaum zu ertragen, es wechseln sich schwarz-weiß und Farbaufnahmen, sowie die verschiedensten Bildformate ab. Kann man mögen, muss man aber nicht. Die Performance ist jedoch wie immer großartig. Die Jungs sind jedes Mal aufs Neue ihr Geld Wert.

"Escape from the Shadow Garden" hat, wenn man sich die Rezensionen so durchliest, nicht nur mich beim ersten Hören etwas enttäuscht. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Ohren zuletzt übermäßig verwöhnt wurden. Jetzt hat die Truppe eben "nur" ein gutes, aber kein brillantes Album vorgelegt. Komisches Gefühl, an das man sich erst noch gewöhnen muss. Das Cover von Rodney Matthews ist erwartungsgemäß über jeden Zweifel erhaben und Magnum sind nach wie vor eine Institution des Melodic Rock, die sich erwachsen und stilvoll durch das Genre bewegt. Da kann man ihnen einen kleinen Anfall fehlender Unberechenbarkeit locker verzeihen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn das nächste Album wieder total umhaut. Clarkin und Catley gehen auf die 70 zu, doch sie haben musikalisch noch nicht alles gesagt. Mindestens eine Platte möchte ich von diesem Duo und seinen erstklassigen Mitstreitern noch hören. Es lohnt sich garantiert.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.03.2014 20:15:33 GMT+01:00
Ihrer Rezension kann ich mich gut anschließen. Gegenüber dem Vorgänger fehlt mir etwas die Abwechslung und unbedingte Eingängigkeit. Und die Keyboards hätten wieder etwas dominanter sein können.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.03.2014 18:15:01 GMT+01:00
Auch ich kann Ihrer Beurteilungdes neuen Magnum-Albums ('gut, aber nicht brilliant') nur zustimmen.

Veröffentlicht am 27.03.2014 22:19:46 GMT+01:00
Seh ich absolut genauso.

Veröffentlicht am 24.04.2014 09:03:00 GMT+02:00
Lemmy meint:
Genau so isses meiner Meinung nach auch, der Vorgänger war besser, aber das ist halt wie immer Geschmackssache:-)
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