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Rezension bezieht sich auf: The Ides of March - Tage des Verrats (DVD)
Nachdem mich George Clooneys bisherige Regie-Arbeiten nicht gerade in Verzückung versetzt haben - vor allem das Polit-Geschwafel in dem viel gepriesenen Good Night, and Good Luck fand ich viel zu öde und spröde - muss ich dem für sein politisches Engagement berüchtigten Schauspieler, Produzenten und Regisseur diesmal den viel beschworenen großen Wurf bescheinigen.Vor allem beeindruckt Clooneys Gespür für Rhythmus: Gerade als man im dialoglastigen Wahlkampfgerangel zwischen den beiden Präsidentschaftsbewerbern und ihren Helfern den Überblick zu verlieren droht und mal wieder die Hoffnung verliert, hier noch etwas zu sehen zu bekommen, was man nicht oft genug gesehen hat (in Der Kandidat oder Bill McKay - Der Kandidat etwa oder der satirischeren Spielart Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt), nimmt der Film eine kolossale Wendung und wandelt sich zum furiosen zwischenmenschlichen Drama, dem kaum eine der Hauptfiguren unbeschadet entrinnt: weder der ehrgeizige Wahlkampfmanager Stephen Meyers (Ryan Gosling) noch sein Vorgesetzter Paul (Philip Seymor Hoffman), noch der Präsidentschaftskandidat und Gouverneur Mike Morris (Clooney), für dessen Kampagne beide tätig sind, und schon gar nicht die Praktikantin Molly, die gleichsam eine hochexplosive Wahlkampfbombe mit sich herumträgt. (Bei Praktikantinnen ist seit Bill Clinton im Umfeld der Demokraten bekanntlich immer Vorsicht geboten.) Als Stephen sich mit Duffy (Paul Giamatti), dem Kampagnenleiter von Morris' großem Rivalen im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, trifft und der ihm ein unmoralisches Angebot unterbreitet, gerät Stephens Karriere ins Straucheln. Denn die heimliche Unterredung fliegt auf. Sein Chef Paul feuert Stephen - mit Zustimmung von Gouverneur Morris. Für Stephen bricht eine Welt zusammen. Inzwischen ist er jedoch, da er mit ihr eine Affäre hat, Mollys Geheimnis auf die Spur gekommen und setzt dieses, nachdem er so unbarmherzig vor die Tür gesetzt wurde, ebenso gnadenlos für seine Zwecke ein. Am Ende wird Stephen restlos desillusioniert sein und die Legende vom besseren Präsidenten, den er lange Zeit in Morris sah, in Trümmern liegen. Clooney spart aber auch sonst nicht mit Seitenhieben gegen den Politikbetrieb. Nicht nur die offensichtliche Anspielung auf Monica Lewinsky ist überdeutlich; auch nicht eingelöste Versprechungen aus Präsident Obamas Wahlkampf finden sich unversehens auf der Goldwaage wieder, wenn man Morris' öffentliche Auftritte aufmerksam verfolgt. Man muss es Clooney hoch anrechnen, dass er, der selbst mit den Demokraten sympathisiert, in diesem Film nicht die Republikaner zur Zielscheibe seiner bissigen Kritik am eiskalt geführten Kampf um die Kandidatenkür gemacht hat. Man soll ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Entscheidender Schwachpunkt ist die Figur der Molly, die von Rachel Evan-Wood dargestellte Praktikantin, der das Drehbuch einfach zu viel abverlangt: Zuerst erscheint die attraktive Blondine als selbstbewusstes, durchtriebenes Luder, das sich im Polit-Zirkus "hochschläft", dann auf einmal als zerbrechliche Mimose. Um das überzeugend zu vermitteln, hätte Clooney dieser Figur mehr Raum geben müssen. Immerhin kommt Molly ebenfalls aus einer Politiker-Familie und zwanzig Minuten, in denen man über deren Geschichte mehr erfährt, hätte der Film mühelos verkraftet, zumal Mollys Vater einen kurzen, aber gewichtigen Auftritt hat, der so ebenfalls ziemlich unvermittelt wirkt. Der Vorteil von Clooneys Konzentration auf Stephen und seine psychologische Entwicklung liegt in der Handlungsstringenz, die dazu führt, dass der Film eine verblüffende Dynamik entfaltet, nachdem das Drama um Molly seinen Lauf genommen hat. Fazit: Bei Good Night, and Good Luck hat es für einen Oscar nicht gereicht; diesmal ist mehr drin! Der Film wurde für das beste Drehbuch nominiert. Für Freunde von Der Kandidat und Absolute Power. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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