Kundenrezension

98 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alles völlig unaufgeregt, 1. September 2011
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der feine Unterschied (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir dieses Buch zugelegt, weil ich etwas über den Menschen Philipp Lahm erfahren wollte. Außerdem wollte ich lesen, ob ich mich tatsächlich in ihm getäuscht habe, als ich ihn für einen der intelligenteren Fußballer hielt und hier tatsächlich Vertrauen missbraucht und er seinem Kapitänsamt nicht gerecht wird.

Lahm geht in einzelnen Kapiteln die Stationen seiner fußballerischen Karriere durch und schildert seine emotionale Wahrnehmung des Gesamtgeschehens sowie seiner Rolle auf dem Platz. Nicht mehr, nicht weniger. Er ist dabei so sehr darum bemüht niemandem auf die Füße zu treten, dass viele relevante inhaltliche Informationen einfach fehlen.
So lässt er über Felix Magath beispielsweise wissen, dass dieser einen befehlsmäßigen Ton anschlage und ihm Konditionstraining wichtig sei. Für einen Spieler, der immerhin so viele Jahre unter ihm trainiert hat ist das eigentlich sehr wenig Information. Jedwede persönliche Beziehung (ob nun gut oder schlecht) fehlt ebenfalls.
Das Training mit der Nationalmannschaft 2004 ist für ihn eher wie ein Kick unter Freunden als harte Arbeit, er betont aber auch gleich wieder, dass es zu dieser Zeit (nach seinem Wissen) in jeder anderen Nationalmannschaft genauso aussah. Das alles ist eigentlich wenig kritisch für die Handelnden Personen, sondern eher eine Schilderung weniger, ohnehin bekannter Fakten.
Zum ersten mal kritische Töne schlägt er überhaupt dann erst gegenüber Louis van Gaal an. Doch das, was Lahm hier sagt, ist viel weniger als die schon bekannten Tatsachen, die man von Uli Hoeneß wusste.
Wer also das fußballerische Auf und Ab der Bundesliga und Nationalmannschaft verfolgt hat, wird hier keine neuen Erkenntnisse gewinnen. Lahm bleibt sachlich und unaufgeregt. Er zeigt Verständnis für fast jede Entscheidung die um ihn herum getroffen wurde.

Das ganze hat dann für mich mehrere Erkenntnisse. Philipp Lahm macht genau das, was er schreibt dass er tut: Ein Buch veröffentlichen, das er als junger Fußballer selbst gerne gelesen hätte. Er schildert ein bisschen, wie es ist ein Profi zu sein. Aber eben nur ein bisschen.
Um eine, wie er selbst es tun wollte, selbstreflektierte Schilderung der Ereignisse zu betreiben, muss man sich den Problemen allerdings kritisch stellen. Man muss die Probleme offen ansprechen und auch eigene Fehler suchen. Das tut er aber nicht - kann/sollte er als aktiver Spieler auch gar nicht. So bleibt einem das "wirkliche" Buch Lahm verschlossen. Zu gerne wüsste man doch eigentlich einmal, wie das mit seiner Vertragsverlängerung bei Bayern gelaufen ist, als er sich gegen das Ausland entschied. Oder von den eigentlichen Problemen der Nationalmannschaft von 2008. Aber hier sagt Herr Lahm nur, dass es welche gab. Er nennt weder beteiligte Personen noch die Probleme selbt.

Dass ein Mensch viel zu erzählen hat, kann man nicht am Alter fest machen, das muss man an seinen Erfahrungen, seinen Einsichten und seinem Erzählstil fest machen. Bei Philipp Lahm fällt es mir schwer mir da ein Urteil zu fällen, denn eigentlich streift er die wirklich wichtigen Themen nicht einmal richtig. Viele Einsichten und Erkenntnisse bleibt er schuldig. Erlebt hat er aber zweifelsohne viel.

Die Vorabberichterstattung hatte offensichtlich nur einen einzigen Zweck, die "aufregendsten" Passagen aus dem Kontext zu reißen und sie so zu verpacken, dass man es für eine Kritik halten könnte. Es scheint hier jedoch eher um eine Auflagensteigerung für den Verlag zu gehen. Was mich insgesamt stört ist die Bereitwilligkeit mit der das ganze als Kritik gesehen wurde. Da frage ich mich ob die ganzen Leute das wirklich vollständig gelesen haben.

Eigentlich ist dies ein Jugendbuch. Und ein jugendlicher Fußballinteressierter ist genau die Person der ich dieses Buch bedenkenlos empfehlen würde. Herr Lahm schreibt hier sehr viel über seine Emotionen, wie ihn seine Verletzungen zurückgeworfen haben und dass eine Dusche während der zweiten Halbzeit der einsamste platz einer WM ist, das kann einen schon bewegen. Auch die Ansprüche die er an sich selbst stellt und die von einem Profi Fußballer im modernen Sport erwartet werden beschreibt er sehr nachvollziehbar.
Wäre das Buch so angekündigt und behandelt worden, gäbe es heute, denke ich, keine große Aufregung, keine Pressekonferenzen mit dem Bundestrainer und keine Kritik an der (für mich nicht vorhandenen) Kritik.
Insgesamt ist meiner Ansicht nach Herr Lahm eigentlich nur schlecht beraten gewesen, sein Buch derart zu Vermarkten.

Mir persönlich bleibt Philipp Lahm dennoch ein Buch schuldig, eines in dem ich dann hoffe zu erfahren wie die Dinge inhaltlich wirklich gelaufen sind, seine persönlichen Erfahrungen mit den anderen Menschen verarbeitet werden und in dem er dann auch mal mehr, mal weniger kritisch mit sich und anderen ins Gericht geht. Das aber dann bitte erst wenn er als Profispieler aufgehört hat.
Ich kann jeden verstehen, der von dem Buch insgesamt mehr erwartet hätte und es langweilig findet, denn inhaltlich ist wirklich nicht so arg viel zu holen. Dennoch hat es mich ganz gut unterhalten weshalb ich bei 3 Sternen bin. Für ein jüngeres Publikum oder große Bayern und Lahm Fans könnte es auch ein Stern mehr sein.
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Kommentare


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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.09.2011 18:14:48 GMT+02:00
Sehr gute sachliche Rezension. Ziemlich genau das gleiche habe ich nachdem Lesen des Buches auch gedacht.

Veröffentlicht am 07.09.2011 13:34:22 GMT+02:00
T. Becker meint:
Danke Herr Kiefer. Sie beschreiben das Buch genau richtig. Dem kann ich nur zustimmen.

Veröffentlicht am 19.09.2011 16:10:40 GMT+02:00
Matthew77 meint:
Eigentlich wollte ich auch einen Kommentar zu dem Buch schreiben, habe dann aber gemerkt, dass ich der Rezension von Herr Kiefer nichts mehr hinzuzufügen habe. Genauso wie er sehe ich die Sache auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.03.2012 17:45:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.03.2012 17:49:02 GMT+01:00
Alexander meint:
@ Rezensent

[So lässt er über Felix Magath beispielsweise wissen, dass dieser einen befehlsmäßigen Ton anschlage und ihm Konditionstraining wichtig sei.]

Das weiss doch schon jeder, der Kicker und BILD liest oder die Sportschau sieht.
Dafür muss man dieses Buch sicher nicht kaufen, auch nicht lesen.
Es sind Phrasen und Oberflächigkeiten. Dass was Herr Lahm über Klinsmann und Van Gaal berichtet, war auch schon vorher aus der Sportberichterstattung bekannt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.03.2012 15:30:52 GMT+02:00
Martin meint:
Im gleichen Absatz schreibe ich aber auch weiter, dass es "[...] eine Schilderung weniger, ohnehin bekannter Fakten" ist.

Ich hatte eigentlich gehofft zum Ausdruck zu bringen, dass Herr Lahm nicht mehr als schon Bekanntes noch einmal zu erzählen. Ich hoffe auch nicht, dass meine Rezension so verstanden worden ist, dass ich das Buch empfehle, um daraus neues zu erfahren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.07.2014 11:21:21 GMT+02:00
Don Pasquale meint:
@Alexander: "Dafür muss man dieses Buch sicher nicht kaufen, auch nicht lesen."
Sie haben Martins Kritik wunderbar zusammengefasst. Insgesamt wirkts aber albern, wenn Sie glauben dem Kritiker widersprechen zu müssen, er aber genau das schreibt, was Sie ihm entgegenhalten. Etwas verwirrend, nicht?

@Martin: Gute Kritik!
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Martin
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