Kundenrezension

133 von 138 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Klingt komisch, iss' aber so., 25. Oktober 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Recharged (Audio CD)
Hallo,

Elf Jahre nach ihrem ersten Remix „Reanimation“ veröffentlichen die 6 Kalifornier von Linkin Park nun ihr zweites offizielles Remix Album „Recharged“ (= wiederaufladen).
Da es sich hier um eine gewagte Neuinterpretation der Songs von „Living things“ handelt, und die Band auch nie etwas anderes proklamierte, sollte sich nun niemand beschweren (man konnte ALLE Lieder in voller Länge auch schon auf der Homepage der Band vorab hören), dass Linkin Park auf diesem Album überhaupt nicht wie Linkin Park klingen (schlecht finden darf man das Album trotzdem, aber wer die berühmte Katze im Sack gekauft hat, ist ehrlich gesagt, selbst Schuld).

Linkin Park klingt nicht wie auf „A thousands Suns“ und erst Recht nicht wie auf dem Erstling „Hybrid Theory“. Und auch nicht wie auf „Reanimation“. Letzteres Album hauchte den NuMetal Songs von „Hybrid Theory“ durch eine HipHop lastige Interpretation neues Leben ein. HipHop ist längst nicht mehr so Mainstream wie noch Anfang der 2000er. Elektronische Musik, mit härteren und schnelleren Beats haben in den letzten Jahren ein Comeback gefeiert. Dementsprechend klingen auch die Songs auf „Recharged“ so. Man kann das Kommerz nennen oder einfach akzeptieren, dass Musik wie in Wellen kommt und geht und Bands dadurch beeinflusst werden. Ich finde es absolut legitim und sogar mutig von LP, was sie hier abliefern. Hoffentlich kommt bald eine NuMetal Welle wieder, im Zuge welcher dann seinerseits andere Lieder neuinterpretiert werden ;-)

Generell erwarte ich von einem Remix Album, wie auch immer die musikalische Neuausrichtung auch sein mag, dass man als Hörer immer noch spürt, dass ein „altes“ Lied neu interpretiert wurde. Es darf anders und neu klingen, aber nicht vollkommen die eigenen Wurzeln verweigern. Als Hörer, finde ich, sollte man immer sofort wissen, welches Lied überhaupt „geremixed“ wurde. Das ist bei „Recharged“ der Fall.

Das spiegelt sich bereits im Design des Covers wider. Grundfarbe und auch Grundstimmung scheinen bei beiden Alben gleich zu sein, mit dem Unterschied, dass die Person oder Figur bei „Recharged“ aufzuerstehen scheint und über den Dingen schwebt, wohingegen sie bei „Livings Things“ noch eine gesichtslose Figur gewesen ist.

Ich kann vorab sagen, dass ausnahmslos alle Songs glasklar aus den Boxen wummern und exzellente Arbeit im Studio geleistet wurde. Ich habe ehrlich gesagt bei einer Band wie Linkin Park, mit ihrem Budget und ihrer Reputation, aber auch nichts anderes erwartet.

A LIGHT THAT NEVER COMES: 4/5
Einziges neues Lied auf dem Album. Ich persönlich habe die Band so noch nie gehört. Total Elektrolastig (kein Wunder, da die Zusammenarbeit mit Steve Aoki war) lädt der Song zum heftigen abfeiern auf der Tanzfläche in der nächsten Disco ein. Ein Lied mit Ohrwurmpotential, was mir sogar gut gefällt. Vor allem aber dann, wenn ich mal keinen Gedanken daran verschwende, dass der Song von meiner Lieblings NuMetal-, Alternativeband stammt ;-)

CASTLE OF GLASS: 2/5
Okay, erster Remix: Ab jetzt erwähne ich nicht mehr, dass die Songs total elektronisch sind. Das trifft einfach auf alle Lieder zu. Es sind viele Dupstep, House, Trance und sogar Speedcore Elemente verarbeitet wurden. Elektrolieder haben ja die Eigenschaft, dass sie in ihrer Länge meist über dem Durchschnitt liegen. Aus dem recht knackigen „Castle of Glass“ wurde eine über 6 Minuten lange Disconummer. Es ist schwierig zu beschreiben, warum mich das Lied nicht vom Hocker reißt. Ich mag auch elektronische Musik, daran liegt es nicht. Aber der Gesang auf dem Original war so sanft und weich und ist es auch im Remix, so dass die brachialen Beats nur wenig zu dem Gesang passen und kolossal störend wirken.

LOST IN THE ECHO: 2/5
Das Intro war ja bereits im Original elektronisch. Also eigentlich eine konsequente Weiterführung. Falsch! War das Lied auf „Living things“ aufgrund von Dynamik und Härte des Raps von Mike noch mein Liebling, ist der Remix ein totaler Flop. Das Lied wurde verlangsamt und der Rap seltsam verzerrt. Elektronisches Geplänkel und ein ödes Zwischenspiel nehmen dem Lied jegliche Dynamik und die Geschwindigkeit.

VICTIMIZED: 3/5
WOW! Dachte ich beim ersten Anhören. Was vorher harte Drums und aggressive Gitarren waren, ist jetzt ein extrem schneller, aggressiver Beat. Klingt sehr nach Speedcore. Diesen Musikstil kann man nur lieben oder hassen (ich mag ihn nicht). Und so erscheint „Victimized“ wirklich wie eine konsequente Weiterentwicklung. So eine krasse Interpretation hätte ich der Band NIEMALS zugetraut. Sehr mutig. Dafür gab es auch nen Extrapunkt.

I’LL BE GONE: 4/5
Ein Midtempostück mit einem starken Rappart von Pusha T. Elektro trifft auf Rap und Rap auf Chesters Gesang. Gelungener Remix.

LIES GREED MISERY: 1/5
Furchtbar, wenn man das Original als Maßstab nimmt. Chesters Geschrei aus dem Original wird hier seltsam abrupt abgewürgt und von Elektronikpassagen abgelöst. Nur ein Beweis, dass Screaming nur so richtig bei Rockmusik nachhaltig wirken kann.

ROADS UNTRAVELLED: 4/5
Da dachte ich mir vor dem Anhören, wie willst du so eine geniale Ballade mit fast schon gebrechlichem Gesang elektronisch remixen? Das gute ist, die Band hat das langsame Tempo des Originals einigermaßen im Refrain beibehalten. Das klingt echt ganz chillig. Der „ohhhhhh ohhhhh Part“ eignet sich sowieso für eine elektronische Neuinterpretation. Auch hier in der Mitte hin ein wirklich guter Rappart!

POWERLESS: 4/5
Hier gefällt mir der Remix zum ersten Mal WESENTLICH besser als das Original. Das kann aber auch daran liegen, dass ich das Original nicht so toll finde. Durch die elektronische Untermalung (dieses Mal klingts wie Trance) bekommt das Lied eine neue Dynamik. Das kann aber wirklich jeder anders empfinden.

BURN IT DOWN: 3/5
Einfach eine solide Neugestaltung des Liedes. Hier wurden wieder Elemente aus dem Trance verarbeitet. Ich glaube genauso hätte auch eine Elektronik-Version des Originals eines bekannten DJs aussehen können.

UNTIL IT BREAKS: 1/5
Einfach langweilig. Das ist der Song aber auch schon im Original. Beide Versionen dümpeln so vor sich hin und eigentlich ist man froh, wenn es rum ist, wenn man ihn nicht vorher schon längst geskipped hat.

SKIN TO BONE: 1/5
Rappart zu Beginn, war im Original bekanntlich anders. Danach weiß ich nicht wo der Song hin will. Hier hatte ich exakt das gleiche Gefühl, wie ich es damals hatte als ich Limp Bizkits grandios mieses Remix Album gehört habe. Undurchsichtig, ziel- und lieblos.

I’LL BE GONE: 3/5
Ein zweiter Remix besagten Liedes. Auch hier, ist es eine solide Neuintepretation, aber auch wirklich nicht mehr.

UNTIL IT BREAKS: 1/5
Nr. 2. Fällt mir ehrlich gesagt nichts zu ein. Öde.

A LIGHT THAT NEVER COMES: 2/5
Viel ruhiger und langsamer als der Albumopener. Auch viel unelektronischer. Und da muss ich zugeben, dass mir die elektronische Version viel besser gefällt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich von Anfang an nur die Dancenummer in den Ohren präsent hatte.

Wem kann ich dieses sehr gewagte Album also empfehlen?

1. Ganz ehrlich; allen Fans von elektronischer Musik! Es ist, bezogen auf diesen Musikstil, wirklich abwechslungsreich und sehr gut produziert. Wer nie Linkin Park gehört hat, weil er nicht auf Rockmusik steht, sollte hier definitiv mal reinhören. UNEINGESCHRÄNKT hörenswert.
2. Allen Hardcore Fans der Band, die den elektronischen Einfluss nicht völlig ablehnen. EINGESCHRÄNKT hörenswert, weil viele Lieder im Original einfach 1000 Mal besser sind.
3. Leuten, die auf gutgemachte Remixalben stehen, welche im Kern nicht völlig entfremdet wurden, aber doch sehr anders interpretiert wurden.

Allen puren Fans von Rock- und Alternativemusik sei gesagt: Lasst bloß die Finger weg! So ehrlich muss ich auch als glühender Anhänger den Band sein. Jimi Hendrix, Kurt Cobain und andere bereits verstorbene Rocklegenden können froh sein, dass sie das nicht mehr miterleben müssen.

Ich vergebe 3 Sterne. Es ist unter dem Gesichtspunkt des Remix vermutlich sogar ein sehr gutes Album (meine Kriterien dafür hatte ich beschrieben). Mir gefielen einige wenige Lieder sogar besser als im Original, aber in meinen Augen ist auch viel Leerlauf dazwischen. Den absoluten Überkracher suche ich auch vergebens auf dem Album.

MfG
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.10.2013 07:57:42 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.10.2013 13:33:58 GMT+02:00
Schili meint:
Danke. So eine Rezi würde ich fast-ungeachtet der musikalischen Präferenz oder ob das Album gefällt oder nicht - als Referenz erachten. Sachlich & inhaltlich wertvoll. Nun muss ich nur noch selbst entscheiden, ob ich das neue LP-Album nun kaufe oder nicht...stehe ja eigentlich doch mehr auf den guten, alten RocknRoll....;-)
---
Nachtrag: als Jäger & Sammler natürlich doch heute gekauft.....was muss, das muss halt....

--------

Nachtrag II : nach dem 1. Durchhören muss ich mich der Rezi nun voll inhaltlich anschließen...;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.10.2013 09:49:56 GMT+02:00
Bei LIES GREED MISERY gebe ich ihnen absolut recht! Dieser Song wurde direkt bei mir auf "deaktiviert" gesetzt. Das ist, ungeachtet aller Musikgeschmäcker, einfach nur unmelodischer Krach!

Veröffentlicht am 25.10.2013 18:42:42 GMT+02:00
Felix W. meint:
"Jimi Hendrix, Kurt Cobain und andere bereits verstorbene Rocklegenden können froh sein, dass sie das nicht mehr miterleben müssen."
haha, wahre worte.
meine meinung stimmt in fast allen punkten mit deiner rezension überein. Fehlt nur noch zu erwähnen, dass das nicht nur neuinterpretationen von living things, sondern auch von a thousand suns sind.
Danke!

Veröffentlicht am 26.10.2013 14:08:20 GMT+02:00
Essbee meint:
Zunächst einmal Vielen Dank für das positive und ehrlich Feedback von allen! Das ermutigt mich auch in Zukunft Rezensionen zu verfassen.

@ Felix W. Ich glaube Sie sind falsch informiert. Von "a thousands suns" ist nicht ein einziges Lied neuinterpretiert wurden. Da müssen Sie etwas durcheinander geworfen haben.

Veröffentlicht am 26.10.2013 14:35:14 GMT+02:00
DerRichi meint:
Gute Review!
Hilft bei der Kaufentscheidung ungemein, danke! :-)

Veröffentlicht am 28.10.2013 15:01:44 GMT+01:00
Goten meint:
Vielleicht noch als Ergänzung, da das in der Rezension nicht klar erkennbar ist und auch teilwesie anders rüberkommt. Direkt von Linkin Park sind nur 4 Songs (insofern man denn Rick Rubin zu LP zählen will), alle anderen sind von "Dritten" geremixed worden. Das ist meiner Meinung nach ein enorm wichtiger Unterschied, gerade wenn man Recharged mit Reanimation vergleichen will. Ich will jetzt gar nicht damit anfangen, dass LP sich das mit dem Album ein wenig leicht gemacht haben, aber dennoch... ist halt ein wichtiger Punkt. :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.10.2013 15:33:58 GMT+01:00
Essbee meint:
Danke für den Hinweis. Da haben Sie vollkommen Recht. Aber ich glaube kaum das LP, da nicht wenigstens mal reingehört hat bevor sie es auf den Markt schmeißen. Die werden schon ihr "okay" gegeben haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.05.2014 21:00:52 GMT+02:00
Smokey meint:
Ich hätts nicht besser schreiben können. Gute Rezi und Daumen hoch.
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 2.756