Kundenrezension

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr gutes Buch zu einem verheerenden Ereignis, 13. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog (Gebundene Ausgabe)
Christopher Clark hat hier ein Meisterwerk abgeliefert zu einem Thema, welches als Urkatastrophe der Neuzeit bezeichnet werden kann. Ich möchte hier nicht detailliert darauf eingehen, welche Aspekte zu wenig / zu viel beschrieben oder "vergessen" wurden. Dann würde die Rezension nicht viel kürzer werden als das Buch selbst. Ausserdem sind bereits etliche Rezensionen mit Ausführungen hierzu veröffentlicht worden.

Wer sich intensiv mit neuzeitlicher Geschichte beschäftigte, hatte es schon längst erkannt : Die Sichtweise, dass allein ein von sich selbst verblendeter deutscher Kaiser den 1.Weltkrieg "angefangen" hat, greift viel zu kurz. Die Ursachen, die zum Kriegsbeginn führten, sind so zahlreich und vielschichtig, dass auch Clark's 900-Seiten-Buch längst nicht alles berücksichtigt, ja berücksichtigen kann.

Als wichtigste Kriegsursache erscheint mir, dass es etlichen Ländern/Regierungen nach einer beispiellosen industriellen Entwicklung "zu gut ging" und man keinerlei Vorstellung davon hatte, wie grausam ein Krieg mit den jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln (z.B. Giftgas, Maschinengewehr) sein würde. Ferner trug die Blockbildung dazu bei, dass man sich in der Gemeinschaft viel "stärker" fühlte, als man war. So war ja auch der "Kalte Krieg" zum grössten Teil Ergebnis des Gegenüberstehens von NATO und Warschauer Pakt als Bündnissen.

Ohne Russland als Verbündetem hätte sich Serbien nicht dem österreichischen Ultimatum widersetzt, ohne Deutschland im Rücken hätte Österreich-Ungarn das Ultimatum nicht derart gesetzt usw. usw. Und letztlich haben alle späteren Kriegsbeteiligten nichts unternommen, um einen Krieg abzuwenden. Man wollte es ganz offensichtlich darauf ankommen lassen.

Und vor dem 2.Weltkrieg war man auch nicht klüger geworden trotz der gemachten Erfahrungen. Man liess Hitler zu lange gewähren, als dass man nachher ohne Gesichtsverlust aus der Sache herausgekommen wäre. Wieder gab es einen verheerenden Krieg.

Erst z. B. zur Kuba-Krise waren die Zeichen der Zeit erkannt, weil man in der UdSSR offensichtlich realisiert hatte, dass eine Weiterfahrt der Schiffe einen 3. und noch schlimmeren, atomaren Weltkrieg ausgelöst hätte. Kennedy hatte die Nerven behalten und den Russen klare Grenzen aufgezeigt, deren Überschreitung die USA nicht tolerieren würden.

Jetzt müsste die aktuelle Politik nur noch die Konsequenzen aus Vietnam, Afghanistan, Irak, Libyen, Ägypten, Syrien usw. ziehen:

Es gibt Länder/Völker, die kann man nicht erobern und ihnen seinen Willen aufzwingen; auch wenn dieser "westliche Demokratie" heisst (Afghanistan, Vietnam).

Es ist ein Pyrrhussieg, einen Diktator zu stürzen, wenn es danach keine funktionierende Ordnung gibt und es der Bevölkerung fast oder wirklich schlechter geht als vorher (Irak, Libyen, Ägypten).

Gefährdet es den Weltfrieden mehr, eine ägyptische Militärdiktatur zu haben oder eine Herrschaft der Muslimbrüder? Führt die Unterstützung der "Freiheitskämpfer" und der mögliche Sturz Assads zu einem islamistischen Gewaltregime und wäre das nicht viel schlimmer als Assad?

Politik war nie moralisch und Clark zeigt, wie auf die eigenen Interessen reduzierte Herrscher im Schlafwandelmodus die Welt in den Abgrund stürzen (können).
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.10.2013 13:13:16 GMT+02:00
John -

sehr gut, eins rauf mit Mappe

TD

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.10.2013 00:20:37 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.10.2013 00:23:59 GMT+02:00
JohnSpartan meint:
Lieber Thomas Dunskus:

Vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar, den ich umso mehr schätze, da Sie offensichtlich ein geschichtlich sehr interessierter Mensch sind, wie ich beim Querlesen Ihrer Rezensionen bemerkt habe.

Clark's Buch halte ich insbesondere deshalb für so wichtig, weil ohne Vorgeschichte, Beginn und Verlauf des 1.Weltkriegs viele Ereignisse bis in die Neuzeit nicht stattgefunden hätten oder anders verlaufen wären. Hätte es den 1.Weltkrieg nicht gegeben, wären wirtschaftliche Entwicklungen, Bevölkerungszahlen und vieles mehr einen anderen Weg gegangen (Wie wären z. B. die Entwicklungen von USA und Deutschland verlaufen ohne den massenhaften Exodus grosser Geister jüdischen Glaubens oder Herkunft in die USA, wo sie dann Grosses leisteten und die folgende US-Vorherrschaft massgeblich beeinflussten?).

Die letzten Absätze meiner Rezension thematisieren etwas, das in den USA zunehmend zum Thema wird: Warum verschulden wir uns mit immer neuen billions of dollar, um auf der Welt Polizei zu spielen? Warum sterben our boys dabei massenhaft und als Folge vieler Einsätze sind wir dann weiterem Terror ausgesetzt? Was geht uns eigentlich syria (wo ist das überhaupt ?) an? Das sind Verbündete der Russen und lass die doch regeln, wie es weitergeht.

Es wurde allgemein mit Erleichterung aufgenommen, dass president Obama noch einmal die Kurve gekriegt hat nach seiner (spontan gemachten, nicht mit Beratern abgestimmten) Äusserung, dass beim Giftgaseinsatz eine rote Linie überschritten würde. Würden denn die vielleicht 5,000 zivilen Toten eines ausgiebigen Luftschlages wieder die 1,500 Toten des Giftgaseinsatzes lebendig machen?

Und was ich aus Deutschland höre, lässt mich immer mehr daran zweifeln, dass die Bevölkerungsmehrheit ihre Freiheit oder ihr Leben in Afghanistan von der Bundeswehr verteidigt sieht und hierfür noch ein paar billions ¤ und Dutzende oder hunderte Soldatenleben riskieren/opfern möchte.

Best regards
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