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Kundenrezension

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jeder hat seine eigene Wahrheit, 21. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Marcus Goldman hatte mit seinem Debüt sensationellen Erfolg. Das Buch verkaufte sich ausnehmend gut und er verdiente Millionen damit. Das schöne Leben genießend verpasste er daraufhin den Einstieg in sein zweites Buch. Wir lernen den jungen Autor kennen, wie er versucht, im Haus seines einstigen Literaturprofessors und Mentor seine Schreibblockade zu überwinden. Während des Aufenthalts entdeckt er eine Schachtel alter Erinnerungsstücke, über die er von der 15-jährigen Nola Kellergan erfährt. Nola und Harry hatten vor 33 Jahren eine verbotene Beziehung, die selbst jetzt bei Bekanntwerden Harrys Ruf ruinieren würde. Als kurz Zeit später eine Gartenbaufirma beim Graben auf ein Skelett stößt, ist die seit 33 Jahren vermisste Nola gefunden. Brisant ist der Fundort und dass die mit ihr zusammen das Manuskript von Harrys Bestseller „Der Ursprung des Übels“ gefunden wird. Alle Indizien weisen auf den großen Schriftsteller. Nur Marcus glaubt an seine Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Er deckt dabei immer mehr Puzzleteile auf, sodass ein klares Bild entsteht.

Der Aufbau dieses Krimis ist klassisch. Zu Beginn gibt es eine Leiche und schnell ist ein Verdächtiger gefunden. Alles scheint klar. Allein die Seitenzahl von 724 lässt erahnen, dass dahinter noch mehr stecken muss. Der Leser bekommt den Eindruck, dass der ursprüngliche Eindruck nur eine Fassade aus dem Kleinstadtleben von 1975 war. Der beschauliche Küstenort in New Hampshire birgt jede Menge Zündstoff. Je mehr Schichten aufgedeckt werden, desto mehr Ungereimtheiten stiften Verwirrung. Immer mehr Bewohner bekommen ein Motiv und dazu noch die Gelegenheit, am besagten 30. August den Teenager ermordet zu haben. Doch immer wieder stellt sich auch die Frage, warum Harry ausgerechnet dort Blumen anpflanzen wollte, wo er vor 33 Jahren angeblich eine Leiche verscharrt hat? Aus welchem Grund sollte er freiwillig einen derartig großen Skandal um seine Liebesbeziehung zu einer 15-jährigen heraufbeschwören?

Joël Dicker plaudert zudem aus dem Verlags-Nähkästchen. Sein junger Held Marcus quält sich nach seinem Sensationsdebüt mit einer Schreibblockade und schwankt unter dem Druck seines Verlegers, der ihm keine ruhige Minute gönnt. Sein eigener Werdegang weist zumindest in diesem Punkt Parallelen zur Hauptfigur Marcus auf. Seine Charaktere sind nicht bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, führen aber quasi ein eigenes Leben zwischen den Seiten. Das lässt beim Lesen in eine andere Welt tauchen. Ist man in den Strudel der Ereignisse gelangt, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Erzählgeschwindigkeit wechselt dabei, sodass immer wieder Verschnaufpausen entstehen. Mal schildert der Autor nüchtern wie in einem Polizeiprotokoll, was sich nach Meinung eines Zeugen zugetragen hat, mal quillt einem das Herz vor Gefühlen über, wenn Nola an ihren geliebten Harry schreibt. Ein anderes Mal sitzt man wie Marcus zweifelnd, wenn offensichtlich nicht die Wahrheit gesprochen wurde. Wem soll man aber trauen und wer hat Nola tatsächlich getötet?

Das Buch ist nicht eindeutig in eine Schublade einzuordnen. Die Klärung des Mordfalls lässt einen Krimi vermuten. Die Verstrickungen und Intrigen weisen auf einen Thriller hin. Eingeschoben sind immer wieder die Rückblicke auf das Zusammensein zwischen Harry und Nola, die eine Liebesgeschichte erleben. Aber auch die gegenwärtige Politik und der Vergleich der Ansichten der Gesellschaft in den jeweiligen Jahrzehnten haben einen großen Anteil. Am Beispiel der Vorwürfe, die ein ganzes Land gegen einen bisher hochgeschätzten Schriftsteller erhebt, kreiert Dicker ein unfassbares Szenario von Schuld, Begehren, Ängsten und sogar psychischer Störungen. Zudem klingt es wie ein Ratgeber für Schriftsteller, wenn der erfahrene Harry seine Ratschläge zu Beginn eines Kapitels gibt. Der Mix aus allem lässt hier einen komplexen und lesenswerten Roman entstehen. Auch hier scheint es, dass Dicker auf eine selbstbewusste Art seiner Romanfigur nacheifert. Er greift einfach nach den Sternen und unterhält seine Leser. Es bleibt die Hoffnung, dass nicht auch die Schreibblockade übernommen wird, sodass bald ein weiterer Roman des Schweizer Autors entsteht.
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