Kundenrezension

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neues aus Liberty City, 6. September 2007
Von 
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Grand Theft Auto: Liberty City Stories (Videospiel)
Bis heute gilt GTA III als eines der beliebtesten und erfolgreichsten Titel für die PS2. Als erstes GTA in 3D überzeugte es in erster Linie durch seine in dieser Tragweite bisher ungekannte Freiheit. Natürlich folgte der Spieler einem vorgegebenen Plot, allerdings entschied er selbst, wann und wie er diesem folgen möchte. Hatte man keine Lust auf 'wichtige' Missionen, von denen die Story vorangetrieben wurde, nahm man kurzerhand Aufträge für eventuell rivalisierende Gruppierungen an, spielte Polizist, Feuerwehrmann oder versuchte sich als Taxifahrer. Und sollte doch einmal Langeweile aufkommen, gab es ja immer noch die Rampage-Missionen (die, aufgrund ihrer Brutalität, in der in Deutschland verbreiteten Version des Spiels entfernt wurden). Die Szenerie von GTA III war Liberty City, eine fiktive Mischung aus diversen amerikanischen Großstädten, die einen idealen Schauplatz für Mord, Korruption, Drogenhandel, Prostitution und Bandenkriege abgab. Nun kehrt der Spieler abermals an diesen Ort der Sünde zurück - erst auf Sonys Handheld, nun auf der PS2.

Die erste Enttäuschung erlebt der gespannte Käufer, sobald er das Spiel erstmals startet. Liberty City Stories ist eine PSP-Portierung - entsprechend gestaltet sich das optische Erscheinungsbild. Die Texturen wurden so gut wie 1:1 von der PSP übernommen. Man muss sich also zwangsläufig auf detailarme Umgebungen, kantige Objekte, stellenweise starkes Flimmern und häufige Pixelfehler einstellen. Häuserblöcke sehen oft gleich aus, Passanten sind teilweise unproportioniert und wirken platt. Von den schönen Spiegeleffekte auf den Fahrzeugen einmal abgesehen, ist die Grafik von LCS unter dem Niveau des 6 Jahre alten GTA III. Da mit der heutigen Technik wesentlich mehr realisierbar gewesen wäre, muss ich dem Spiel hierfür einen Stern abziehen.

An Liberty City an sich wurde so gut wie nichts verändert. Die Stadt wurde belassen, wie sie war, mit der Ausnahme, dass einige Bauprojekte, wie die Brücke, die von Portland nach Staunton Island führt, noch nicht fertig sind. Man beginnt, einmal mehr, auf dem Fans noch wohl bekannten Portland. Auch anderen Sequenzen sorgen während des Spielens für diverse Deja vus. Es gibt ein Wiedersehen mit der Familie Leone und ihrem Oberhaupt Salvatore, von dem ihr später, wie in den 'alten Zeiten', wieder Aufträge bekommt. Viel Innovation darf also nicht erwartet werden. Doch darum geht's in GTA auch nicht. Das Wichtigste ist, einmal mehr, das Spielgefühl.

Und das ist definitiv so, wie man es in Erinnerung hat. Es gibt hitzige Verolfungsjagten, Auftragsmorde, nervtötende Auftraggeber, Intrigen und Verrat, kurzum, alles, was man von der GTA-Reihe gewohnt ist. Einzig die Missionen werden Fans vermutlich enttäuschen. Diese sind nämlich ganz und gar nicht herausfordernd. Es ist möglich, in 3, 4 Stunden gut 50% des ganzen Spiels hinter sich zu bringen, wenn man nebenbei nichts anderes tut. Speziell für Einsteiger in die GTA-Serie ist dies jedoch attraktiv, da sie sich so optimal auf die wesentlich kniffligeren Aufträge der Vorgänger einstimmen können, geübte 'Gangster' werden das Spiel verhältnismässig schnell beendet haben.

Der Soundtrack ist so gut, wie man es vor allem von den neueren GTA-Titeln gewohnt ist. Anfangs ist die musikalische Kulisse vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig -- ich vermisste die Elektro-Beats auf 'Rise FM' in GTA III -- nachdem man aber ein wenig gespielt hat, findet man sicher in Liberty Citys fiktivem Rundfunk einen Sender, der gefällt. Amüsant ist vor allem der Schwachsinn, der oft in Werbepausen oder auf dem Sender 'Chatterbox' erzählt wird. Hier lohnt es sich fast, kurz innezuhalten und zuzuhören. Der gute Soundtrack ist definitiv einer der Stärken dieses Spiels.

Wie alle anderen Titel der Reihe wurde auch LCS in der in Deutschland verkauften Version beschnitten. Gewaltdarstellungen wie das Abtrennen von Körperteilen wurden zensiert, Blutspritzer wurden retouchiert, wenn Passanten auf dem Boden liegen ist es nicht möglich, wie besessen auf sie einzutreten, auch lassen sie bei ihrem Ableben kein Geld mehr fallen. Plot-relevante Missionen fielen der Schere keine zum Opfer, nur die Rampage-Missionen, bei denen man Geld dafür bekommt, möglichst viele Menschen in einer vorgegebenen Zeitspanne zu töten, wurden, wie üblich, entfernt. Dies tut dem Spielspass allerdings keinen Abbruch.

GTA: Liberty City Stories war ein tolles PSP-Spiel und muss sich auch auf der PS2 nicht verstecken. Leider ist die Grafik auf besserem PSP-Niveau und für heutige technische Standards endlos veraltet. Auch sind die Missionen großteils keine Herausforderung, das Spiel ist ziemlich schnell durchgespielt. Die Story richtet sich in erster Linie an Kenner von GTA III, da man einige bekannte Orte und Gesichter wiedersieht, ist aber nicht immer ganz logisch. Dennoch empfehle ich vor allem GTA-Neulingen den Kauf, da die hiesigen Aufträge eine gute Einstimmung auf die Vorgänger sind, alle anderen bekommen ein solides Actiongame mit gutem Soundtrack und Anleihen an bekannte Gangsterfilme. Denn genau das ist LCS - solid. Leider nicht mehr.
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